Wellerman

There once was a ship that put to sea
The name of the ship was the Billy of Tea
The winds blew up, her bow dipped down
O blow, my bully boys, blow

Ich hatte lange überlegt ob ich an Bord gehen sollte. Es war gefährlich, wir würden viele Wochen von Zuhause entfernt sein und vielleicht gingen die Vorräte zuneige, aber ich brauchte das Geld. Für meine kranke Frau, unsere kleine Tochter und unseren Sohn. Ich hoffte er würde die Arbeit auf der Farm alleine schaffen, während ich fort war.

Wir waren schon zwei Wochen unterwegs, als zu unserer Rechten endlich ein Wal auftauchte. Der Kapitän rief uns alle auf's Deck. Wir sollten mit anpacken, denn von alleine fing der Wal sich nicht. „Wir werden ihn fangen, das schwöre ich", schrie der Kapitän.

„Soon may the Wellerman come
To bring us sugar and tea and rum
One day, when the tonguin' is done
We'll take our leave and go", begann jemand zu singen.

Doch bevor wir auf ihn schießen konnten sprang er aus dem Wasser und als er wieder eintauchte löste er eine riesige Welle aus. Das Boot kippte. „Schnell alle auf die andere Seite", kommandierte der Kapitän. Als das Boot zum Glück wieder gerade war, ich war kein guter Schwimmer, ragte nur noch die Schwanzflosse aus dem Wasser.

„Schießt ihn ab!", schrie der Kapitän, „Wir werden ihn nicht fangen, wenn ihr euch nicht ran haltet! Ohne Wal gibt's kein Geld!" Das hatte den Ehrgeiz in uns geweckt. Wir griffen zu den Harpunen. Ich erschrak als ich einen markerschütternden Schrei hörte und so verfehlte meine Harpune ihr Ziel. Das Wasser färbte sich blutrot. Einige andere hatten ihr Ziel getroffen.

„Soon may the Wellerman come
To bring us sugar and tea and rum
One day, when the tonguin' is done
We'll take our leave and go"

Der Wal tauchte ab. Weitere Männer schossen. Und erneut hörte ich einen gequälten Schrei. Niemand außer mir schien es zu hören.

Der Wal tauchte wieder auf. Aus der Ferne sah ich wie sein Blick an der Bordkante lang wanderte. Bis er mich fand. Er starrte mich an und ich starrte zurück. Irgendwoher kannte ich diese dunklen Augen. Und mit einen Schaudern erkannte ich sie.

„Soon may the Wellerman come
To bring us sugar and tea and rum
One day, when the tonguin' is done
We'll take our leave and go"

Ich musste sie befreien, doch ich konnte mich nicht bewegen. Ich war zur Salzsäule erstarrt. Das konnte doch nicht sein! Was machte sie hier!? Sie sollte doch zuhause bleiben und gesund werden. War etwas passiert? 

Sie wehrte sich. Zog das Boot hinter sich her, doch keine Leine riss. Ich merkte wie sehr sie der Kampf mit dem Boot schwächte. Und sie war ja sowieso nicht besonders fit. Lange würde sie diese Anstrengungen nicht aushalten können

Wieder sah sie zu mir. Hilf mir!  Doch ich war immer noch zu geschockt um irgendwas zu machen. Tränen liefen mir die Wangen hinunter. Ich griff zu meinem Messer um das nächst beste Seil durch zu schneiden, aber jemand packte meinen Arm. „Spinnst du lass das!" „Ich muss. Ihr tötet da gerade meine Frau.", schrie ich ihm ins Gesicht. „Du hast sie doch nicht mehr alle! Das ist ein Wal, keine Frau!" Ich rang kurz mit ihm, aber dann kamen weitere Männer, die ihm halfen.

„Soon may the Wellerman come
To bring us sugar and tea and rum
One day, when the tonguing is done
We'll take our leave and go"

Man brachte mich Unterdeck. Ich war eine Gefahr. Sie durften den Wal nicht verlieren. Ich saß im Dunklen, zwischen den Vorräten, es war kaum noch etwas da. Es tut mir leid. Tränen schüttelten mich. Ich ertrug es nicht ihre immer schwächer werdenden Schmerzensschreie zu hören. Sie zerrissen mein Herz. Verzweifelt versuchte ich die Luke zu öffnen, doch die sie war verschlossen. Ich war eingesperrt.

Ich wusste nicht wie lange ich Unterdeck eingesperrt war. Vielleicht eine Stunde, vielleicht einen Monat, jegliches Zeitgefühl hatte mich verlassen. Der Kampf lief immer noch, doch sie würde es nicht mehr lange aushalten.

Mom?, das war meine Tochter. Verschwinde, du kannst ihr nicht mehr helfen. Ich spürte, dass sie gerade starb. Sie hatte zu viel Blut verloren, zu viel Kraft verbraucht und wer weiß wie lange nichts mehr gegessen. Ich hörte Jubelschreie von Deck. „Er ist tot, endlich!" 

„Seht da kommt die Wellerman!", schrie jemand anderes.

„Soon may the Wellerman come
To bring us sugar and tea and rum
One day, when the tonguing is done
We'll take our leave and go",

Jetzt klang das Lied fröhlicher. Sie wollten ein Fest feiern.

Aber...!, Sie hatte es noch nicht verstanden. Deine Mutter ist Tot! Verschwinde bevor du es auch noch bist, schrie ich ihr in den Kopf. Was?, verdammt sie musste hier weg! Sofort! Ich sagte Verschwinde!

Jemand schrie etwas Überdeck und der Gesang verstummte. „Du hast recht! Da ist noch einer!", schrie jemand. VERSCHWINDE!!! „Ach verdammt er taucht ab, den holen wir nicht mehr ein."

One day, when the tonguing is done
We'll take our leave and go

Ich wusste nicht wie lange ich noch Unterdeck blieb. Als wir wieder an Land gingen bekam ich zwar etwas Geld, aber es war weit unter der Hälfte von dem was die anderen bekamen. Am liebsten hätte ich das Geld gar nicht genommen. Es war immer noch viel und es würde reichen um eine Weile zu überleben, aber zu welchem Preis? Sie hatten meine Frau getötet und somit meinen Kindern ihre Mutter genommen!

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Ich denke jeder kennt das Lied, aber wenn es irgendwer nochmal hören will: Oben ist es verlinkt.

Alles was kursiv geschrieben ist, ist das was sie über Gedankensprache sagen

Ich habe die Geschichte selbst geschrieben. Falls es parallelen zu Mobby Dick gibt habe ich sie nicht absichtlich eingebaut. Die Idee einer solchen Lieder-Geschichte (kein Plan wie ich das sonst nennen soll) hab ich mir bei sockewoodi abgeguckt. Ich hoffe das ist nicht schlimm.

Ich habe nicht vor eine Fortsetzung zu schreiben, aber man weiß ja nie.

Weißt mich gerne auf Rechtschreib- oder Logikfehler hin. Und auch über Votes und Kommentare wie es euch gefallen hat würde ich mich freuen. 

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