Kapitel 21: Mit zwanzig wieder in die Schule gehen
Nevermore, Waldversteck (immer noch)
Friday
Eine halbe Stunde später lösten wir uns aus der Umarmung und die Jungs nahmen meine Hände, um mit mir wieder rein zu gehen und mir Stärke zu geben. Nach all der Zeit des Leids und des Tötens... nach all dem Blut vergießen... habe ich tatsächlich gleich zwei gleichzeitig gefunden, die nicht sterben konnten und meine Freunde sein wollten. Endlich fühlte ich mich gut... sicher, beschützt... glücklich.
Und das hatte ich nur meinem Dad zu verdanken, der auf die Idee gekommen war, mich aufhielt selbe Schule wie Wednesday zu schicken. Das war das erste mal in meinem Leben, dass ich ihm dankte... und wenn es nur innerlich war.
Äußerlich betrat ich ja gerade wieder das richtige Schulgelände und hielt komischerweise auch zum ersten Mal Händchen mit zwei Jungs, die sich einfach nur um mich sorgten und nicht darüber zum Beispiel nachdachten, mich herumzukriegen. Oder sich umzubringen.
Als wir dann einen der Innenhöfe betraten (es gab hier ziemlich viele, die Schule war riesig), sahen Xavier, Ajax, Tyler, Drake, October, Daisy und Lily uns an. „Sie stößt uns jetzt nicht mehr weg." verkündete Frank ihnen und sah zu mir. „Richtig?" fragte er nochmal sicherheitshalber. „Richtig." antwortete ich, nun mit einer festeren Stimme, als die aus dem Wald.
Erst da fiel mir etwas auf. Während ich mir über mich selbst Sorgen gemacht hatte, dass sich wieder jemand wegen mir umbringt und wie ich die Schule zerstören konnte, ist mir gar nicht eingefallen, dass Drake ja eigentlich schon zwanzig war. Ich hatte das komplett verpennt. Wie konnte er hier also aufgenommen werden?
Drake
Als ich sah, wie Frank und Alan mit Friday Händchen haltend wiederkamen, war ich doch irgendwie froh. Sie hätte sich umbringen können, ich glaube das war ihr ein leichtes. Und das obwohl ich drauf und dran war, eine Möglichkeit zu finden, um genau das zu tun. Aber als sie zu mir wissend blickte wusste ich, dass sie schon lange nicht mehr über das Morden und Tylers und meinen Plänen nachdachte. Ich wusste, wie es auch schon immer zwischen uns war, wenn der andere einem einen Blick schenkte, sofort woran sie gedacht hatte.
Ich war zwanzig. Und das war ihr jetzt auch aufgefallen. Wahrscheinlich hatte sie sich also gerade darüber einen Kopf gemacht, wie ich hier reingekommen bin. Mit einem Blick zurück erklärte ich ihr, dass ich es ihr vielleicht später noch erzählen würde und sie ließ mich in Ruhe. Kurzzeitig jedenfalls.
Es wäre ja auch nicht Friday, wenn sie sich nicht um einen Gedanken machen würde, ohne damit auszudrücken, dass sie sich Sorgen machte. So wie ich sie kannte, ging sie gerade tausend Szenarien durch, wie ich das Ganze angestellt hatte.
Zusammen (wir hatten uns vor der Zusammenkunft hier etwas in der Küche gemacht) aßen wir dann und redeten über belanglose Sachen wie Hausaufgaben und Training. Doch immer wieder bemerkte ich, wie Friday (sie hatte sich zurück an den Tisch der Mädchen gesellt) zu mir sah, den Kopf schüttelte und wieder von ihrem Apfel (welchen sie sich nach dem hinsetzen genommen hatte) abaß.
Friday
Welches Szenario ich auch durch ging, ich konnte mir nicht vorstellen, dass Drake zum Lügen fähig war. Und erst recht nicht bei einer so großen Sache. Das ließ mich stark zweifeln. Was ist, wenn er noch nie ehrlich zu mir gewesen ist? Weder in der Beziehung, noch jetzt? Nein. Sagte mir meine innere Stimme. Er wollte mich eindeutig töten, dass hatte er ernst gemeint.
Aber gerade jetzt, nachdem ich wirkliche wahre Freunde gefunden hatte, sank mein Wunsch nach dem Tod. Ich wollte endlich leben. Mir keine Gedanken mehr um Wednesday und ihre Art machen, die jeden in ihren Bann zog. Nicht, nach all dem Heute. Nein.
Und trotzdem war da so eine klitzekleine Stimme in meinem Gehirn, die ich einfach nicht abstellen konnte. Klein, aber nervig und mächtig. Denn die ganze Zeit flüsterte sie mir zu, dass es nur weitere Jungs sind, die sich behaupteten. Weitere Freunde, die doch nicht stark genug waren für meinen dunklen Sog... und wie ich diese Stimme von Anfang an hasste! Doch jetzt, wo ich gerade wieder Hoffnung gefasst hatte, konnte ich sie gar nicht gebrauchen...
Und die Sache mit Drake ließ mich auch nicht los. Irgendwann schien dann mein Gehirn zu Überlasten, weil auch noch die anderen über Schule redeten und so folgte ich nach dem Essen einfach in Trance October, ohne zu wissen, wo mich meine Füße überhaupt hinbrachten. Zum Glück merkte October schnell, dass ich nicht ganz anwesend war und so brachte sie mich einfach zu meinem Bett.
Wieso hatte ich eigentlich nochmal Groll gegen sie gehegt?
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