Klitzekleine Problemchen
Während die beiden im Auto sitzen und zu dem Paketshop gefahren werden steht Nicole auf und lüftet erst einmal, ehe sie das Bett herrichtet. Das wird wirklich eine lange Zeit, in welcher sie irgendetwas machen muss um sich abzulenken. Ihnen hinterher zu fahren bringt nichts und würde sie nur in Gefahr bringen. Sie muss den beiden jetzt wohl vertrauen und hoffen, dass das irgendwie wieder wird. Die beiden kommen ohne Probleme zurück und sie werden heute Abend spätestens zusammen Abendessen. Der Gedanke hilft nicht viel und sie hat nun eine Ahnung wie es damals für die Frauen gewesen sein muss, als sie ihre Männer in den Krieg verabschiedet haben. Nur können ihre Männer nicht wirklich sterben. Das ist der einzige Trost den sie hat. Auf dem Weg zu ihrem Frühstück trifft sie Seras, mit der sie schlussendlich ausmacht, dass sie ihr ein bisschen was über ihren Meister erzählen könnte. Nichts peinliches, aber zumindest so die ein oder andere unterhaltsame Geschichte oder wie er zu ihr ist. Einfach um sich abzulenken. Nach dem Abholen des Pakets welches nun im Kofferraum liegt fahren sie weiter. „Bist du dir sicher, dass sie keinen Mist anstellt und uns folgt?" Anderson sieht besorgt zu Alucard, welcher aber abwinkt. „Ich habe Seras gerade gefragt. Sie ist beim Frühstücken und sie werden sich nachher ein wenig unterhalten, damit sie abgelenkt ist. Läuft alles gerade wunderbar. Hätte nicht gedacht, dass sich unser Kiddo an die Anweisung hält." Der Pater nickt zustimmend. Es kommt ihm komisch vor, dass sie plötzlich so brav sein soll! Da wird doch noch irgendwas kommen, oder? Sie fährt ihnen mit dem Auto hinterher, hat eine Wanze installiert... Irgendwas! Er traut dem Frieden überhaupt nicht, obwohl er an die ruhige Seite appelliert hatte. „Ihr traut dem Frieden auch nicht?" Diesmal schüttelt er den Kopf. „Überhaupt nicht. Das wäre eines der seltenen Male, dass sie auf uns hört und nichts dummes anstellt." Die Blicke treffen sich. „Glaubst du sie hat was genommen?" Alucard winkt ab. „Eher hatte sie eine Hirnwäsche." Alexander legt sich eine Hand an das Kinn. „Oder sie ist von gestern noch geschockt?" Eine Augenbraue bei dem Urvampir geht hoch. „Was habt Ihr mit ihr angestellt, dass sie geschockt sein müsste? Aber apropos geschockt. Sie schuldet mir noch was." Er fängt das Schmunzeln an als Anderson ihm die Klinge eines seiner Bajonette an den Hals hält. „Du solltest das lassen, Ungläubiger!" Alucard schiebt die Klinge mit einem Finger von seinem Hals und lacht kurz. „Was sollte ich lassen. Ihr habt sie gehört und sie war gestern schockiert. Also an sich hatten wir einen... ‚mündlichen' Vertrag den sie einlösen sollte." Für den Wortwitz gehört er gemeuchelt. Oder für immer und ewig in einen dieser Keuschheitsgürtel gesteckt, dann gibt es zumindest keine Chance zur Nutzung DIESEN Dings. „Wenn du ihr nicht so viel Bedeuten würdest, würde ich dich sehr gern umbringen." Zwar verstaut Anderson die Bajonette wieder, doch das Grinsen geht nicht aus dem Gesicht des Urvampirs. „Glaubt mir wenn ich Euch sage, dass Ihr Euch da wirklich an einer sehr langen Schlange hinten anstellen solltet wenn Ihr mich umbringen wollt." Das würde den Pater überhaupt nicht wundern, er würde dennoch sehr gern warten bis er dran ist. Das würde er sich wirklich nicht entgehen lassen.
Am Ort des Geschehens angekommen steigen sie aus und während der Wagen wieder wegfährt, mustert Alucard das heruntergekommene Häuschen. Sie sind außerhalb von London in der Nähe einer alten Müllhalde. Die Fenster sind teils zerbrochen und wenn man einsteigen möchte ist die Gefahr eines Schnittes sehr hoch. Die Tür, die dort sicher einmal den Eingang in das Haus versperrt hatte, existiert schon gar nicht mehr und gewährt freien Eintritt. Das Dach scheint nur noch aus Moos und Flechten zu bestehen, welche sich auch in dem Gemäuer wiederfinden und sich zwischen den Steinen des Hauses unter dem Putz hervorwinden. Dahinter scheint ein verwilderter Garten zu sein, der aber nicht uninteressanter sein könnte. „Kannst du den Schatten nutzen?" Alucard versucht es, scheitert aber kläglich und schüttelt den Kopf. Für beide ein untrügliches Zeichen, dass hier VUS in der Nähe sein muss und somit die Informationen zur Basis stimmen. „Jetzt müssen wir nur noch einen Eingang finden." Anderson geht vor und sieht sich skeptisch um. Das Gras wuchert und ihn würde es nicht wundern irgendetwas komisches darin zu finden. Was weiß er, ein Schädel oder so. Aufgrund von Graffiti an der Außenwand des verlassenen Hauses steht auch fest, dass sich hier Jugendliche rumtreiben und sich der Gefahr nicht einmal ansatzweise bewusst sind. Tatsächlich riecht es für Alucard auch ein wenig nach Weed und Alkohol. Hier scheint man Partys zu feiern und das kurze Leben zu genießen, welches ein Mensch eben nur besitzt. Er spürt aber sonst kaum Leben hier in der Nähe. Alles scheint irgendwie tot zu sein, was ihm überhaupt nicht gefällt. Der Pater betritt das Haus und tritt vorsichtig auf den wahrscheinlich instabilen Dielen herum, damit er nicht einbricht und unfreiwillig einen Abgang in den Keller macht. Ein Gang, der links in ein mit Graffiti beschmiertes Wohnzimmer führt. Bierdosen und Alkoholflaschen liegen herum und es stinkt nach altem Urin, was dem Urvampir fast schon in der empfindlichen Nase brennt. Rechts geht es in eine kleine Küche. Die Hängeschranktüren machen ihrem Namen entweder alle Ehre, liegen auf dem Boden oder sind so nonexistent wie Alucards Wille zu Leben. Zumindest vor ein paar Tagen noch, jetzt macht das Ding einen auf Zombie und kehrt zurück. Ein Plastiktisch ist mit ein paar Stühlen reingestellt worden um scheinbar sitzen zu können. Oben werden sie nichts finden, also gehen sie runter in den Keller. Die Stufen sind hier ebenfalls Morsch und der Pater übersieht eine extrem morsche Stelle. Überrascht japst er auf als er mit einem Bein einkracht und muss sich im Halbdunkeln an der Wand festhalten, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Alucard sieht ihn nur an und kann sich das breite Grinsen nicht verkneifen. „Ich kann dein vermaledeites Grinsen nicht sehen, Blutsauger. Aber ich weiß zu 100% dass es da ist!", zischt Anderson und zieht sein Bein wieder raus, ehe Alucard an ihm vorbei geht. „Ich übernehme ab hier, werter Pater. Es ist zu dunkel für Euch." Ohne darauf zu antworten holt dieser nur sein Handy raus und macht die Taschenlampe an. Jetzt sieht auch er etwas, während der schwarzhaarige nur entgeistert das Gesicht verzeiht, aber trotzdem voran nach unten geht.
Der Keller besteht an sich nur aus einem großen Raum, in welchem ziemlich viel altes Gerümpel steht. Spinnen sind offensichtlich neben Mäusen oder Ratten die einzigen Lebensformen hier. Spinnweben umhüllen alles, was nicht irgendwie in der letzten Zeit bewegt wurde. Was an sich nichts ist. Alles ist mit dem weißlich klebrigen Zeug belegt und die Staubschicht kann sich auch sehen lassen. Die dämonische Energie welche Alucard fühlt nimmt an Stärke zu, was er auch weitergibt. Also muss es hier einen Eingang geben, nur wo? Muss man irgendetwas drücken? An etwas ziehen? Braucht man einen Code? „Wie hat Nici das eigentlich bei der VUS-Basis gemacht? Wie ist da die Tür aufgegangen?" Anderson sieht zu dem Vampir und hält die Handylampe nach unten. „Warte kurz." Diese Frage stellt er Seras, die bitte auch Nici fragen soll wie sie das gemacht hätte. Bei der braunhaarigen müsste er erst einen Kontakt herstellen und das ist ihm im Augenblick zu viel Arbeit. Diese hebt überrascht den Kopf und sieht die Draculina an. „Fragt Alucard gerade?" Sie nickt. „Ich hab mir die Höhlenwand angesehen. An sich sah alles normal aus, aber ein paar Pflanzen waren komisch. Ich hab sie mir angesehen und sie waren künstlich. Also habe ich daran gezogen und dann ging die Tür auf!" Seras bedankt sich im Namen von Alucard und gibt die Nachricht weiter, die auch der Pater kurze Zeit später vernimmt. „Künstlich? Super, das hilft uns hier überhaupt nicht." Hier gibt es ja nicht einmal Pflanzen die irgendwie als künstlich angesehen werden könnten. Alucard hingegen sieht sich um. Künstlich... „Vielleicht doch. Ihr wisst doch, dass man zu Halloween immer dekoriert, nicht wahr?" Der schwarzhaarige geht ein wenig näher zu den Haufen an Schrott, welcher herumliegt. „Ein Wunder dass du dich überhaupt mit menschlichen Festen auskennst, aber ja. Worauf willst du hinaus?" Der Urvampir besieht sich alles genauer und bleibt bei einem der kleineren Haufen stehen. „An Halloween wird viel mit künstlichen Spinnennetzen gemacht. Oftmals sieht es katastrophal aus! Aber wenn man Mühe reinsteckt, dann sieht es echt aus." Ohne zu zögern greift er in eines der Spinnennetze und reißt es ab. Anderson wirkt verwirrt, bis er es sieht. Normale Spinnennetze würden kleben, oder zumindest zum Teil! Das was er da in der Hand hat sieht nicht so aus als wäre es irgendwie klebrig. „Wir schulden unserem Kätzchen was." Von allein wäre er entweder gar nicht oder erst Stunden später auf die Idee gekommen. Die roten Augen suchen den ganzen Haufen ab und während er das Zeug in seiner Hand wegschmeißt, findet er etwas das wie eine Spielzeugbox aussieht. Ein Knopf, der überraschend sauber aussieht, ist zu erkennen und Alucard drückt ihn einfach. Konsequenzen? Joa, passieren halt. Interessiert es ihn? Nicht wirklich. Er weicht einen Schritt zurück, als sich der Haufen nach oben bewegt und eine Aufzugskabine preisgibt. „Was für eine Verschwendung von Geld." Dem Pater ist das nicht ganz geheuer, vor allem wenn man das letzte Mal in einem Aufzug von Mortem bedenkt. „Hoffentlich bleibt der nicht stecken." Alucard schmunzelt und tritt in die kleine Kabine. „Wir müssen uns vielleicht ein wenig quetschen, aber das geht schon." Entgeistert sieht sich Anderson noch einmal um, schaltet die Handytaschenlampe aus und steigt zu dem Urvampir in die Kabine, bevor dieser den unteren der zwei Knöpfe drückt. „Richtig kuschlig hier." Der Pater will jetzt schon nicht mehr, aber sie bewegen sich wenigstens nach unten.
Die Aufzugtüren öffnen sich und geben den Blick auf einen langen und steril weißen Gang frei. „Farbe hätte auch nicht geschadet.", gibt Alucard entgeistert von sich und der Pater steigt als erstes aus. „Besser steril weiß als rot, schwarz und weiß zusammen in der Kombination." Kurz sind in den beiden Köpfen die Bilder des Majors und der zum Glück vergangenen Zeit, bevor man sich wieder konzentriert. „Wenigstens ein Bild oder so etwas." Aus der Ferne kommen um die Ecke ein paar Leute gelaufen, die mit ihren Waffen auf sie zielen und teils das Feuer bereits eröffnet haben. „Rot sieht nicht schlecht aus!" Mit diesen Worten zieht Alucard seine Pistolen und erwidert das Feuer mit einem breiten Grinsen, während Anderson sich auf die Leute zubewegt und den Nahkampf mit seinen Bajonetten übernimmt. Der Urvampir muss aber bei jeder Kugel irgendwie aufpassen, damit er keine mögliche und unfreiwillige VUS-Injektion bekommt. Schnell merkt er, dass das dem Pater nichts auszumachen scheint und nutzt ihn so gut es geht aus der Ferne als Schild, sollte es sich irgendwie anbieten. Die erste Welle haben sie aber relativ schnell hinter sich gebracht und sicherheitshalber lädt Alucard nach, während er zum Pater aufschließt. „Sieht nicht so aus als hätten sie uns hier einen Vampir auf den Hals gehetzt." Alles menschliche Leichen, wobei der Urvampir ihn berichtigen muss. „Werwölfe, werter Pater. Da sind auch Werwölfe mit dabei." Das macht die Sache nicht besser. „Wo lang jetzt?" Vorn gabelt sich der Weg nämlich auf. Links oder rechts? Wo gehen sie hin? Alucard stellt sich in die Mitte und sieht von links nach rechts. „Aufteilen wäre eine scheiß Idee. Normalerweise würde ich links sagen, aber irgendwie habe ich beim rechten ein besseres Gefühl." Also geht Alucard nach rechts und Anderson steckt die Bajonette weg, bevor er ihm folgen kann. Alucard hört ein Klicken, dann ein Reiben. Sofort weicht er nach hinten aus und sieht eine Glasscheibe direkt vor seiner Nase herunterknallen. Skeptisch dreht er den Kopf. „Bleibt stehen!" Anderson, der eben um die Ecke gekommen ist runzelt nur die Stirn. „Was meinst du?" Noch ein Klicken, noch ein Reiben und auch hinter dem Pater fällt eine Glasscheibe hinunter. „DAS meinte ich." Kopfschüttelnd sieht Alucard wieder nach vorn und holt zum Schlag aus. Glas ist einfach zu zerbrechen, was war die Intention dahinter? Er selbst tritt überrascht einen Schritt nach hinten und schüttelt die Hand, die als einziges gebrochen ist. Nicht einmal Panzerglas sollte ihn aufhalten können! „Man kann es nicht zerbrechen, na ganz super." Anderson hat es selbst auch probiert und auch bei ihm war es das gleiche Ergebnis. Was machen sie jetzt? Alucard kann nicht durch Dinge durch und der Schatten hilft auch nicht. Baskerville, der seine letzte Hoffnung ist, kann er aber nicht kontaktieren und scheinbar wird durch die Menge an VUS der Dämon ebenfalls eingesperrt. Anders kann er sich das nicht erklären. Das Glas scheint man nicht zerbrechen zu können und es gibt keinen weiteren Ausweg. Seras kann er auch nicht kontaktieren. Der schwarzhaarige sieht sich das Glas genauer an, ehe er schnaubt. „Glas aus VUS. Kein Wunder dass ich nicht durch komme. Was ist mit Euren Bajonetten?" Diese holt Alexander raus und schlägt auf das Glas ein! Aber es funktioniert nicht und das einzige was ein Schuss von Alucard bewirkt ist ein genervter Pater weil die Kugel mehrmals abgeprallt und in seine linke Arschbacke geflogen ist.
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