24: Wie Kindergartenkinder
Ich hatte Leo bis zum Bad begleitet, jedoch bin ich dann, als er duschen war, in unser Zimmer gegangen und nun saß ich auf meinem Bett und machte mir einen Plan. Ich brachte meine Gedanken und mögliche zukünftige Ereignisse aufs Papier. Ich erhoffte mir damit mehr Klarheit über die ganze Situation, aber als ich das Blatt vor mir ansah, runzelte ich bloß angestrengt meine Stirn. Es sah auf dem Papier noch viel komplizierter aus, als in meinem Kopf. Nun...das war jetzt irgendwie blöd. Ich hob das Blatt auf meine Augenhöhe an und versuchte die ganzen Pfeile und Farben nachzuvollziehen, doch jetzt verstand ich selbst meine eigene Aufzeichnung nicht mehr.
"BIST DU EIGENTLICH BESCHEUERT?!", ließ mich eine Stimme hochschrecken und ich starrte erschrocken zur Tür, da diese mit einem Tritt aufgetreten wurde und gegen die Wand gekracht war. Flavia stapfte wütend auf mich zu. Ich ahnte nichts Gutes.
"Was denn?", tat ich auf Unschuldsengel.
"Du weißt ganz genau, dass ich nichts von dem Typen will, also warum bist du nicht mal eine gute Freundin und unterstützt mich dabei, ihm aus dem Weg zu gehen!?"
"Bleib locker, er ist doch nur für heute Nacht hier", zuckte ich mit den Schultern.
"FALSCH! Er hat mir eben erzählt, dass er mit seinem Vater gesprochen hat und er länger hier bleiben kann!" Wütend stemmte sie die Hände in ihre Hüften.
"Ist doch schön", zuckte ich wieder mit den Schultern.
"Was ist daran bitte schön?!" Ich liebte es, wenn Flavia wegen sowas ausrastete. Es war immer wieder lustig, vorallem jetzt, wenn es um einen Jungen ging...hehe.
"Na, er bleibt doch bestimmt nur extra wegen dir hier!" Sie schnaufte und zeigte warnend auf mich.
"Ich warne dich, Alexandra, wenn ich in den nächsten Wochen mitbekomme, wie du versuchst mich mit diesem Schnösel zu verkuppeln, dann wirst du dies gewaltig bereuen!"
"Hey! Du kannst mir vertrauen! Wäre ich Alexandra Chiara Visconti, wenn ich meine Freundinnen verraten würde?", grinste ich sie an.
"Gerade weil du sie bist, macht mir das Angst! Erinnerst du dich nicht an die Sache mit Paolo? Das hat mir eindeutig gereicht!" Ich dachte angestrengt nach. Paolo...Paolo...ach ja!
Ich begann zu lachen. "Stimmt ja! Da haben Teresa und ich euch in einen Raum gesperrt, weil du für ihn geschwärmt hast!" Ich ließ mich lachend auf den Rücken fallen. Das waren noch Zeiten. Flavia schien das nicht so lustig zu finden, weswegen sie sich ein Kissen schnappte und damit zu mir kam. Kurz darauf wurde es mir auch schon ins Gesicht geworfen und mein Lachen erstickte. Ich schnappte mir ebenfalls ein Kissen und schlug zurück.
"Fernando traut sich wenigstens zu zeigen, dass er dich mag!"
"Was willst du damit sagen, hm? Dass ich zu schüchtern bin?!"
"Du hast es Luca bis jetzt ja noch nicht einmal angedeutet!"
"Ja, wie auch! Eliana hätte mich umgebracht!"
"Jetzt weiß sie es eh, also..." Sie schlug mir das Kissen in meine Kniekehlen, da ich aufgestanden war. Auf dem Bett war es allerdings ziemlich wackelig, weswegen ich umfiel und das Kissen auch schon wieder im Gesicht hatte. Gegen Falvia war es nicht leicht, eine Kissenschlacht zu gewinnen. Schon gar nicht, wenn sie sauer war. Sie nahm das Kissen weg und sah mich mit zusammen gekniffenen Augen an.
"Ich werde das schon regeln! Mach' dir keine Sorgen!" Ich grinste bloß und kassierte dafür wieder das Kissen im Gesicht. Ich nahm es weg und sah, wie Flavia wieder hinausstapfte und die Tür hinter sich zuknallte. Ihr war es unangenehm über ihre Gefühle zu reden, das sah man ihr an.
Ich nahm mir wieder mein Blatt und versuchte zu entziffern, was ich mir vor zehn Minuten noch dabei gedacht hatte. Allerdings konnte ich mich nicht darauf konzentrieren, weshalb ich mich fragte, wo Flavia jetzt wohl hingegangen war und was Teresa machte. Sie beschwerte sich immer darüber, so müde zu sein abends, aber wo steckte sie jetzt? Kurzerhand beschloss ich sie suchen zu gehen. Also stand ich auf und tapste zur Tür, doch bevor ich sie öffnete, stoppte ich. Ich hörte Stimmen und sofort war ich auch schon dabei den mir bekannten Stimmen zu lauschen. Flavia und Luca. Eindeutig. Hoffentlich ging alles gut!
"-as Eliana mir erzählt hat?", fragte Luca. Eliana hatte ihm nicht wirklich sofort davon erzählt...hatte sie etwa Angst Luca zu verlieren?
"Würdest du mir überhaupt glauben, wenn ich es jetzt abstreiten würde?", meinte Flavia leicht genervt.
"Flavia, hör auf! Ich vertraue dir, genauso wie den anderen auch. Dass Eliana sofort auf dich losgegangen ist, war nicht gut, aber ihr braucht euch doch deswegen nicht wie im Kindergarten zu benehmen!"
"Was kann ich denn dafür, wenn ich dich halt gut finde?", fragte sie patzig.
"Gar nichts, aber genauso musst du es akzeptieren, dass ich mit Eliana zusammen bin!"
"Tu' ich doch!", murmelte sie beleidigt. Luca lachte sarkastisch auf.
"Ja klar, deswegen stichelt ihr euch die ganze Zeit."
"Eliana macht es doch genauso!"
"Ach komm, jetzt hör schön mit der Kinderkacke auf! Seid ihr nicht alt genug, um das mit dem Er hat angefangen!-Gehabe zu lassen?" Ich facepalmte mich leicht. Luca! Dieser Idiot! Er konnte doch jetzt nicht vor Flavia so eine Aussage raushauen!
"Also hälst du mich für ein kleines, unreifes Kind?! Na danke auch! Jetzt weiß ich ja, wie du von mir denkst!", sagte sie laut und definitiv wütend.
"Siehst du! Das meine ich! Du regst dich immer viel zu schnell über etwas auf, wobei du keine Ahnung hast! Du versetzt dich nie in die Situation der anderen hinein!"
"Ach wirklich nicht? Weißt du eigentlich wie scheiße es ist, jemanden zu mögen und den ständig mit jemand anderes rumknutschen zu sehen!? Das ist so unangenehm! Aber du kannst das ja nicht wissen...dir laufen ja ständig alle hinterher..."
"Willst du damit sagen, dass ich mir immer nur eine nehme, sie benutze und dann die nächste dran kommt?! Weißt du was, Flavia, du kannst mich mal! Du hast doch diesen blöden Schnösel, der dich anhimmelt, also geh' doch zu dem! Der kann dir bestimmt genug bieten und ist nicht vergeben!" Hörte ich da etwa Eifersucht? Neid? Ich schüttelte ungläubig meinen Kopf. Bestimmt nicht, warum solle Luca eifersüchtig sein?
"Ich finde den Typen doch gar ni-" Sie stoppte sich selbst. Wie gern ich zugeschaut hätte! Man erfuhr viel mehr von der Körpersprache, als nur vom Hören.
"Du hast recht. Ich habe einen Prinzen, der auf mich steht, und der kann mir alle meine Wünsche erfüllen. Geh' doch zu deiner Eliana und lass' mich in Ruhe! Ich will gar nichts mehr von dir wissen, ich habe ja Fernando und der wird schon für meine Zufriedenheit sorgen", sagte Flavia ruhiger, wobei ich ihre Traurigkeit und die Enttäuschung hinaus hörte. "Also dann, ich werde Fernando suchen. Er wird sich sicher freuen, mich zu sehen", fügte sie mit Nachdruck hinter her und ich raufte mir die Haare. NEIN!
"Kacke verdammte! Luca was hast du nur getan!?", fluchte ich leise vor mich hin. Ich hörte, wie sich jemand entfernte. Kurz darauf wurde eine Tür geöffnet und wieder geschlossen. Sie waren beide weg. Verzweifelt ließ ich mich mit dem Rücken gegen der Tür auf den Boden gleiten. Ich hoffte inständig, dass Flavia das jetzt nur so gesagt hatte, um Luca eins auszuwischen! Fernando war mir nicht geheuer und wenn Flavia wütend und enttäuscht war, dann war das eine schlechte Kombination für irgendwelche Aktionen mit suspekten Jungs! Verdammt! Was sollte ich jetzt bloß tun? Ob Luca das den Jungs von selbst erzählte? Aber Teresa musste ich es sagen! Dafür musste ich sie allerdings erst finden...
Ich stand auf und ging über den Flur zum Zimmer der Jungs. Erstmal musste ich Luca zusammenpfeifen. Ohne zu klopfen riss ich die Tür auf, was keine so gute Idee gewesen war. Sofort bekam ich einen Pulli ins Gesicht gepfeffert.
"Alex!! Man klopft an!", riefen die Jungs im Chor. Ich musste leise lachen unter dem Pulli.
"Seid ihr etwa alle nackt oder was?"
"Nein! Aber wir haben uns gerade unterhalten! Es geht ums Prinzip!", rief Leo aufgebracht. Ich nahm den Pulli runter, roch daran und rümpfte meine Nase. Mein Blick richtete sich auf Leo. "Der riecht nach Pfermist! Wirf mir nächstes Mal einen ins Gesicht, der nach dir riecht und nicht nach Pferdeäpfeln!" Somit warf ich ihm den Pulli zurück und schloss die Tür.
"Hat dir irgendwer erlaubt zu bleiben?", fragte Luca leicht genervt. Er war eindeutig noch angepisst von dem Gespräch gerade mit Flavia.
Ich warf meine Haare demonstrativ nach hinten und schreitete mit erhobenem Kopf zu Leo. "Ich brauche eure Erlaubnis nicht, ich kann bleiben, wo ich will", sagte ich extra hochnäsig und setzte mich neben Leo auf sein Bett. Ich überschlug meine Beine und fixierte Luca mit einem durchdringlichen Blick. "Erklär' du mir lieber mal, warum du so mit Flavia umgehen musstest! Wenn sie wirklich zu diesem Fernando geht, dann bist du an allem Schuld und glaube mir, meine und Teresas Rache willst du nicht spüren."
Er sah mich mit gerunzelter Stirn an und kam mir bedrohlich nah. "Hast du uns etwa belauscht?"
"Nenn' es wie du willst, aber es ändert jetzt nichts daran, dass du Flavia diese Worte ins Gesicht geklatscht hast. Außerdem...wieso schlägst du vor, dass sie zu Fernando dackelt, aber dann bist du eifersüchtig?" Ich hob eine Augenbraue und sah ihn an. Er war ziemlich groß, vorallem weil ich saß und er direkt vor mir stand.
Er verschränkte seine Arme vor der Brust. "Worauf sollte ich denn bitte eifersüchtig sein?"
"Nun, Flavia wird ihm jetzt mehr Aufmerksamkeit schenken und dich wahrscheinlich bloß mit bösen Blicken strafen oder dich sogar ganz ignorieren."
"Pft, das geht nicht mal. Wir sind ein Team, sie kann mich nicht komplett ignorieren."
Ich lachte auf. "Tja, du kennst ja auch Flavia Aurora Colonna nicht so gut wie ich, mein Freund."
"Ach, sie wird schon nichts Dummes anstellen. Flavia ist ein kluges Mädchen", redete er sich gut ins Gewissen.
Ich nickte. "Ich weiß, aber wenn du von jemandem gekorbt wurdest plus von der Freundin verprügelt plus als kleines, unvernünftiges, nerviges Kindergartenkind bezeichnest wirst und dir dann noch jemand sagt, dass du doch zu 'nem anderen Typen gehen sollst, dann hoffe ich für dich, dass sie nichts unvernünftiges tut, denn sonst, Luca, solltest du gewaltig aufpassen!"
Er biss sich nachdenklich auf die Unterlippe.
"Das hast du zu Flavia gesagt!? Du hast sie nicht ernsthaft als kleines, unvernünftiges, nerviges Kindergartenkind bezeichnet!?", fragte Christian entsetzt. Ich sah zu ihm rüber. Wusste er das eigentlich schon mit den ganzen Mädels? Ich zerstörte heute aber auch das Leben von allen, hehe.
"Christiaaaan!", fing ich an und grinste übertrieben. Ich stand auf und setzte mich neben ihn. Er sah mich suspekt an.
"Was ist?"
"Du kleiner Playboy du! Gleich drei auf einen Schlag! Wie hast du das bloß geschafft?"
"Wovon redest du?", fragte er forschend. Hatte er etwa Angst? Haha.
Ich sah Leo, wie er bloß zu uns sah und er grinsend seinen Kopf schüttelte.
"Wenn Luca es erfahren hat, dann ist es doch nur fair, dass du dein glückliches Schicksal erfährst! Wobei...bei Luca war es jetzt mehr ein unglückliches...hm...na ja, egal!" Ich grinste ihn wieder an und er sah immer noch suspekt zu mir. "Du hast gleich drei Verehrerinnen! Gratuliere! Du hast die freie Auswahl!" Sein Blick war verwirrt. Na gut, ich wollte ihn nicht länger auf die Folter spannen. "Prinzessin Lucía, Prinzessin Adrianna und Teresa! Sie stehen alle auf dich! Ist das nicht super?"
"Das ist doch jetzt ein Scherz!" Er sah mich mit geweiteten Augen an.
"Nein, mein Freund, das ist mein voller Ernst!" Er sah auf den Boden und mir schien, als würde er leicht rot werden. Nein! Er war doch nicht etwa...oder doch? Ich sprang auf und zeigte auf ihn.
"Ha! Du bist in eine der Drei auch verknallt!"
"Gar nicht", murmelte er.
"Welche ist es? Komm schon, Christian, sag mir we-hmpfg!" Ich konnte meine Frage nicht zu Ende stellen, weil Leo hinter mir stand und seine Hand auf meinen Mund gelegt hatte.
"Du redest eindeutig zu viel", murmelte er und legte einen Arm um meinen Bauch. Kurz darauf hob er mich hoch und trug mich zur Tür. Wie fies! Er schmiss mich doch nicht wirklich raus!
"Du wirfst mich jetzt doch nicht wirklich raus?", fragte ich gespielt entsetzt, sobald er mir die Hand vom Mund nahm.
"Lass' mich überlegen. Ehm...doch!", grinste er und lehnte sich an den Türrahmen.
"Na gut", meinte ich und sah zu Christian. "Ich kriege das schon noch raus!" Jetzt sah ich zu Luca und machte diese Ich habe dich im Auge-Geste. "Denk an meine Worte!" Zu guter Letzt sah ich zu Leo hoch. Ich drückte ihm einen schnellen Kuss auf die Lippen und verschwand mit einem fröhlichen "Gute Nacht, allerseits!" aus der Tür.
In unserem Zimmer angekommen, sah ich Teresa, aber leider keine Spur von Flavia.
"Tes? Weißt du wo Flavia ist?"
"Nein, ich dachte sie wär bei dir, aber da du jetzt ohne sie aufgetaucht bist, mache ich mir schon Sorgen", runzelte sie die Stirn.
"Und das nicht umsonst. Ich hoffe wirklich, sie stellt nichts Unvernünftiges an." Ich erzählte Teresa alles und sie hörte gebannt zu. Ich mein, klar, ich hatte auch nicht immer die besten Einfälle gehabt und tat auch viel im Alleingang, vorallem bei der letzten Mission, aber Flavia war anders als ich. Sie mochte es auch nicht, wenn man ihr sagte, was sie tun sollte, aber sie nahm es anders auf als ich.
"Vielleicht gehen wir Flavia suchen?", fragte Teresa. Ich nickte.
"Ich habe bloß Angst, sie mit Fernando zu sehen! Er ist mir nicht geheuer!"
"Ich weiß, mir auch nicht..."
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