Madness returns
Vil
Nachdem Rook und ich zurück am NRC waren, sah ich als erstes zu, dass ich aus den dreckigen Zeltlager Klamotten kam und ging dann lange duschen. Zelten ist die größte Folter, die unsere Spezies sich ausgedacht hat. Spätestens als ich meine Haare einshampoonierte und dabei ein Blatt zu fassen bekam, das sich in meinem Pferdeschwanz verhangen hatte, war mir klar, dass das Vargas Camp für mich entgültig gestorben war. (A/N: Schlecht gealtert).
Abschminken und Skin Care dauerte fast länger als die Dusche, doch als ich endlich fertig war, zog ich meinen Pyjama an und verließ mein Badezimmer. Rook erwartete mich bereits. Er saß auf meinem Bett in seinem äußerst altmodischen Nachthemd. Die sonst von Concealer überdeckten Sommersprossen sprenkelten seine Nase in alter, unheilvoller Pracht. Sie gaben Rook ein wildes, zeitgleich aber auch unschuldiges Aussehen, was nun wirklich nicht zu seinem Charakter passte und mich daher sehr irritierte. Als er nach Pomefiore wechselte, war diese Obszönität abdecken meine erste Priorität.
,,Ich habe Tee gekocht", sagte er ruhig und deutete auf die dampfende Tasse auf meinem Nachttisch.
,,Danke", antwortete ich und blieb einfach dämlich an Ort und Stelle stehen. Ich war unentschlossen was ich tun oder sagen sollte. Wollte Rook noch mal über alles reden? Wollte er mich ablenken? Wollte er nur sicher stellen, dass es mir an nichts fehlte und dann zurück in sein Zimmer gehen?
Rook deutete mein Zögern wohl als Unbehagen und sprang von meinem Bett auf. ,,Entschuldige."
,,Es ist alles gut, bleib ruhig sitzen!", rief ich. Er nahm langsam wieder platz und ich setzte mich neben ihn.
,,Wir erstatten morgen zusammen Anzeige. Heute Abend geht es nur um dich. Willst du eine Serie schauen? Nägel lackieren? Karaoke? Laissez moi vous divertir!"
Ich lächelte verlegen und ein Stein fiel mir vom Herzen. Gott sei dank wollte er nicht weiter darüber reden!
,,Lass mich das nicht entscheiden. Ich bin offen für alles, solange es kein stalking beinhaltet."
,,Schade. Ansonsten hätte ich vorgeschlagen, dass wir in Roi de Lions Zimmer einbrechen und seine Unterwäsche klauen."
Sanft aber bestimmt schlug ich Rook auf den Hinterkopf und schüttelte lachend den Kopf. ,,Du bist unverbesserlich!"
,,Danke."
Ich lehnte meinen Kopf an Rooks Schulte und ließ mich von dem Duft seiner Kokosnuss Bodylotion beruhigen. Es sagte viel über mich und mein kaputtes Wesen aus, dass ich jemanden wie Rooks als meinen Safe Space erachte.
Doch nicht mal mein Safe Place konnte mich von der Unruhe ablenken, die mit einen Mal draußen im Flur ausbrach. Ich hob den Kopf, wir sahen uns an und im nächsten Moment klopfte es energisch an meiner Zimmertür. Ich sprang auf, öffnete sie und hinein stolperte Cater. Der so ziemlich letzte, den ich um diese Uhrzeit hier erwartet hätte. Er sah aus, als hätte er ein Gespenst gesehen und ließ einen mitgenommen aussehenden Besen auf den Zimmerboden fallen. Das erklärte zumindestens wie er so schnell aus dem Camp hierher kommen konnte.
,,Cater, was machst du denn hier?"
,,Ich bin ein Doppelgänger. Cater ist noch im Camp. Du musst die Polizei rufen! Im Camp ist ein Mörder! Vargas und viele andere sind tot!"
Moment, moment, moment, was?! Ich drehte mich zu Rook um, der bereits sein Handy in der Hand hielt und es sich ans Ohr drückte. Während er mit der Notrufzentrale telefonierte, zog ich den verstörten Klon ins Zimmer und schloss die Tür.
,,Alles ist gut. Erzähl mir alles, im Detail."
,,Cater hat sich mit Jade gestritten, kurz nachdem ihr weg wart. Aber dann hat Azul geschrien und sie sind zurück ins Camp. Überall war Blut und Jade wurde angeschossen. Wir trafen auf Leona, ein andere Klon sollte den Mörder ablenken und ich wurde heimlich los geschickt, um Hilfe zu holen. Ich..."
Der Klon riss die Augen auf und öffnete den Mund. Eine schwarze Substanz, die mich auf die Schnelle an Blot erinnerete, ronn ihn über den Mundwinkel.
,,Cater?"
Der Doppelgänger löste sich vor meinen Augen auf. Da wo er gerade noch war, flogen nun Spielkarten durch die Luft, die sich allerdings auch in Sekundenschnelle auflösten. Ich schrie auf und wirbelte herum. Rook telefonierte noch, doch seinem Gesicht konnte ich entnehmen, dass das plötzliche Verschwinden von Caters Doppelgänger in ihm die selbe Schreckliche Vorahnung weckte wie in mir.
Im nächsten Moment überkam mich eine Welle der Übelkeit. Epel, mein geliebter giftiger Apfel und Jack, mein Kindheitsfreund dessen Eltern ich versprochen hatte ein Auge auf ihn zu werfen, sie waren immer noch gefangen in diesem Camp. Eimgesperrt mit einen Mörder.
Yuu
Schon mal versucht einen Mann zu foltern, der an chronischer Verschlafenheit litt? Leona war so lange im Knock out, dass ich anfing Ace die Schuld zu geben und die Betäubungspfeile zu kontrollieren. ,,Du hast die Beschichtumg sicher nur falsch dosiert.
,,Nu-uh. Ich hab so viel drauf gemacht, wie du es mir gesagt hast!"
,,Und wieso wacht er dann nicht auf?"
,,Das ist Leona Senpai von dem wir hier reden! Hättest du gleich auch Silver mit nehmen können, dann hätten wir das ganze in doppelter ausführung!"
Das würde schlecht gehen, denn Silver haben wir vor knapp 40 Minuten die Kehle aufgeschlitzt. Einen schlafenden zu töten ist aber auch so leicht wie einem Kind den Lutscher zu klauen, nur leider ist es auch scheiße langweilig. Mit Leona wollte ich mir Zeit lassen, etwas Spaß haben. Seit den Mord an Trey hatte ich keinen guten Mord mehr und das ist Monate her.
,,Ace, ich habe dich nicht aus dieser Hütte befreit und dir angeboten mir zu helfen, damit wir uns hier anbitchen, aber dieser Raum wird in maximal 10 Minuten von Schreien erfüllt sein. Ob es Leonas Schreie sind oder deine, hängt ganz von dir ab", drohte ich. Ace ist schon miesgelaunt, seit wir Leona hier her geschleppt und unseren Mord Zug beendet hatten, bevor er Riddle erwischen konnte. Tja, Pech gehabt, auch der größte Spaß war irgendwann vorbei, vor allem da das Camp vermutlich bald von der Polizei belagert werden würde.
Weiteres Gezanke blieb uns allerdings erspart, denn ich sah aus dem Augewinkel wie Leona sich rührte und zwar nicht so, wie eine bewusstlose Person sich rühren würde.
Dieser verdammte Pisser führte uns an der Nase herum.
Ich deutete Ace mit einer Bewegung an die Fresse zu halten, ehe ich vorsichtug auf Leona zutrat und meine Hand flach über Mund und Nase legte. 10 Sekunden... 20... verdammt, wie lange konnte der Bastard die Luft anhalten?
Dann riss er die Augen auf, ich nahm meine Hand runter und unser Gast schnappte nach Luft.
,,Guten Morgen!", rief ich erfreut.
,,Spikey, Herbivore, was wird das wenn es fertig ist? Wer hat euch hierzu angestiftet?", fragte er müde. Ace trat an mich heran und deutet langsam auf mich.
,,Oberdrahtzieher!"
,,Niemals!"
,,Glaub es, Leona Senpai. (Y/N) hat es faustdick hinter den Ohren!"
Mein Gott, so viel Lob auf einmal. Ich lächelte und beugte mich vor, während Leona seine Fesseln austestete.
,,Ich konnte schon Knoten binden bevor ich das laufen gelernt habe. Bemüh' dich nicht. An den Beinen könntest du eventuell Glück haben, die hat Ace gefesselt."
,,Hey!", rief Ace empört. Tja, die Wahrheit tut weh.
,,Okay, nur dass ich das richtig verstehe. Du bist ein Massenmörder und Spiky Head hilft dir, weil er dich vögeln will?"
,,Joa."
,,Okay, ihr seid beide absolute Psychos. Jetzt lasst mich gehen, bevor ich mich befreie und euch beide tot prügel! Wo sind wir überhaupt?!"
Ich würde es ihn nur zu gerne versuchen sehen. Meine Knoten waren wie gesagt top tier und ohne Hände oder Magicpen würde das mit dem zaubern nichts.
,,Wir sind in den Mienen. Die Wälder haben nichts anderes als gruseliges Geheim Versteck hergegeben, also entschuldige, dass wir dir nicht das Top Notch Entführungspaket mit Lagerhalle und weißen Van bieten konnten", scherzte ich. Leona ist ein Prinz, vermutlich war das hier nicht seine erste Geisel Situation. Nur mit dem Unterschied, dass er hier nicht lebend herauskäme.
,,Ihr habt Ruggie getötet", murmelte er mit einen Mal ernüchternd. Ace und ich sahen einander an.
,,Haben wir?", fragte ich.
,,Es waren so viele. Keine Ahnung. Haben wir?"
,,Na ich will's doch hoffen. Ein weiterer Sozialfall vor einem Leben der Ausbeutung gerettet. Darum geht es doch, nicht? Wütend, dass wir deine billige Arbeitskraft getötet haben?" Leona sah mich an, mit einen Funkeln in seinen Augen, das wirklich zu unserer Dynamik in seinem Kopf passte. Ich, das hilflose Beutetier und er, der blutrünstige Savannen Jäger. Blöd, wenn die Rollen aufeinmal tauschen.
,,Ruggie war mein bester Freund und ihr habt ihn ermordet!"
,,Tja. Sollen wir uns jetzt entschuldigen? Soll Ace dir die Füße küssen? Nein, hör mal, du denkst viel zu schlecht von uns. Wir sind hier, um dir zu helfen, oder Ace?"
Mein neuer Partner in Crime nickte grinsend. Wir haben uns dieses Rollenspiel im Voraus gut überlegt und waren mehr als nur aufgeregt, dass es jetzt endlich los ging. Leona schien mehr als nur verwirrt, herrlich!
,,Ihr würdet mir sehr helfen, wenn ihr die Fesseln durchschneiden würdet."
,,Natürlich. Löwen im Zoo wären auch froh, wenn man sie aus ihren Gehegen lassen würde, aber wäre ihnen damit wirklich geholfen? Ich hab dir während deinem Overblot aufmerksam zugehört, Leona. Ich habe euch allen zugehört. Du bist kaputt, depressiv, psychopathisch veranlagt. Niemand versteht das so gut wie ich!"
Kaum hatte ich das letzte Wort ausgesprochen, zog ich meinen Lieblings Senpai an den Beinen in eine liegende Position. Ich konnte förmlich hören wie sein Rücken über den Stein Boden ratschte und lächelte zufrieden, als er sofort darum kämpfte sich wieder hinzusetzen. Damit hatten wir gerechnet, also kam Ace hinter mir bereits mit einen Felsbrocken, den er vom Mienenboden aufgeklaubt hatte, holte damit aus und zertrümmerte Leonas Bein mit einen einzigen Schlag.
Und wenn ich sage, dass Leona schreit, wie ein Löwe brüllt, dann meine ich das nicht als Übertreibung. Ace war noch nicht fertig. Er holte erneut aus und brach auch Leonas anderes Bein. Musik in meinen Ohren, ehrlich.
,,Es ist nur zu deinem Besten", versicherte ich erneut und schob unseren unfreiwilligen Patienten eine verschwitzte Strähne aus dem Gesicht.
,,Betet, dass ihr damit durchkommt", knurrte er leise. Natürlich würden wir damit durchkommen.
,,Ich sage es ganz direkt - Deine Probleme stecken irgendwo ganz tief hier drinnen", säuselte ich, ohne einen Moment aus der Rolle zu fallen und drückte dabei mit meinem Zeigefinger gegen Leonas Stirn, ,,also werden wir uns den Weg dorthin freimachen müssen."
Leider hatten wir keinen Bohrer per se, aber der Korkenzieher aus Vargas Sensei Schublade würde es mit genug Muskelkraft auch tun. Ace holte das alternative Operationswerkzeug hervor und Leonas Augen weiteten sich.
,,Das könnt ihr nicht machen!"
,,Können wir nicht? Mein Gott, du weckst in mir das Verlangen dich vom Gegenteil zu überzeugen. Es gibt keinen Menschen mit psychischen Erkrankungen, dem ein Loch im Kopf geschadet hat."
Ich beugte mich vor und lehnte mich mit meinem Ohr über Leonas Brust. Zum einem, um seinen Oberkörper runter zu drücken, während Ace am arbeiten war, zum anderen, um seinem Herzschlag zu horchen. Dieses Herz pochte so schnell, dass ich befürchtete es könnte jeden Moment stehen bleiben.
Zeitgleich mit einem dumpfen Schlag schrie Leona erneut und begann sich gegen den Druck zu wehren, doch ich war gut drauf und er hatte beide Beine gebrochen und einen Korkenzieher in der Stirn stecken. Ich habe Ace vorher erklärt, wo er ansetzen muss, damit Leona nicht sofort stirbt. Seinem Herzschlag nach zu urteilen, hat mein Schüler es geschafft.
,,Du warst immer so stolz. Dafür habe ich dich ehrlich bewundert", redete ich weiter, ,,Du warst so stolz, als ob du tatsächlich etwas wert wärst. Witzig, nicht? Dein Selbstvertrauen hätte ich gerne. Muss gut tun, all das endlich hinter sich zu lassen."
Und hinter sich ließ er es. Nicht, dass er eine andere Wahl hätte.
Ich schickte Ace los, um schon mal ein Loch zu graben. Klar, ich könnte Leona auch einfach hier liegen lassen, so wie unsere anderen Opfern, aber ich befürchtete, dass wir etwas zu sehr über die Strenge geschlagen haben, als dass ich dieses Risiko eingehen würde. Mein Plan war simpel. Die Leiche in eines der Fässer stopfen und das Fass vergraben, doch als ich einen der Deckel hob wusste ich, dass das Glück mir hold war.
Hätte ich eines der anderen gewählt, hätte ich niemals Deuce entdeckt, der sich dort zusammengekauert versteckte und einen verstörten Gesichtsausdruck trug. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ich ihn nicht erwischt hätte. Er hätte uns verraten und der ganze Spaß wäre vorbei gewesen.
,,Bitte bring mich nicht um", war das einzige was seine trockene Kehle verließ, als unsere Blicke sich trafen, ,,ich erzähle niemanden hiervon, ich verspreche es!"
Oh nein, erzählen wird er hiervon wirklich niemanden, so viel stand fest.
,,Wollen wir einen Deal machen, Küken?", fragte ich leise. Deuce nickte eifrig. Dieser Idiot ist mir sehr ans Herz gewachsen, also tat es mir fast ein wenig leid, dass ich das tun musste. Aber auch nur ein wenig.
,,Ich lasse dich am leben, wenn du eine Mutbrobe bestehst."
,,Mutprobe?"
,,Ja, die liebst du doch so sehr. Fünf Minuten in diesem Fass, zusammen mit Leonas Leiche und ich bringe dich nicht um."
Deuce Miene verzog sich, als ob er jeden Moment in Tränen ausbrechen würde.
,,(Y/N), bitte-"
,,Ich nehme das als Zustimmung. Rutsch mal zur Seite!"
Deuce presste sich so nahe an die Fasswand wie er konnte, als ich Leiche zu ihn reinhob. Den Gestank dadrin, wenn erst der Deckel drauf käme, wollte ich mir gar nicht ausmalen.
,,Was habt ihr ihm angetan?", flüsterte Deuce. Ja, auf keinen Fall würde ich ihn gehen lassen. Er würde uns sowasvon verraten.
,,(Y/N), wieso?", hakte Deuce weiter nach, als ich auf seine erste Frage nicht antwortete. Ich lachte leise.
,,Frag' das doch Trey, wenn du ihn in der Hölle siehst", antwortete ich mit einem grausamen Lächeln, das letzte was Deuce sah, bevor ich den Deckel über das Fass schob.
Ace sah verwundert aus, als aus dem Fass dass ich rankarrte, dumpfe Schreie und geklopfe zu hören war, doch ich winkte bloß ab.
,,Herzlichen Glückwunsch, du kriegst ein Einzelzimmer. Ab unter die Erde damit."
,,Oh mein Gott, wir töten Deuce? Ist etwa mein Geburtstag?"
,,Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Polizei hier anrückt, Ace. Ich sagte ab unter die Erde damit!"
Zu meiner Ehrenrettung - Ich hielt mein Wort. Ich brachte Deuce nicht um. Das ihm irgendwann dadrin der Sauferstoff ausgeht ist nun wirklich nicht meine Schuld.
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