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Jisung PoV

Ich lag gemütlich mit Minho gemeinsam in seinem Bett und hatte mich an ihn gekuschelt. Mein eines Bein lag auf ihm und mein Kopf ruhte auf seiner Brust, die sich bei jedem Atemzug langsam hob und senkt, und ich konnte leise seinen schnellen Herzschlag hören, der mir sagte, dass ich geliebt wurde. Vermutlich hatte ich echt nur ein einziges Mal über meinen Schatten springen müssen, um mich in Minho's Armen wohl zu fühlen, denn nun erfüllte mich statt des unangenehmen Kribbelns eine angenehme Wärme, die definitiv von ihm ausging. Endlich hatte ich das Glück, dieses Gefühl auch spüren zu dürfen. Doch ich wollte mehr. Ich wollte mehr von diesem Gefühl. Ich wollte Minho so gerne küssen, aber ich schaffte es nicht. Auch wenn ich mir sicher war, dass Minho den Kuss erwidern würde und es zu einem schönen ersten Kuss machen würde, ging es einfach nicht.

"Worüber denkst du nach, mein Kleiner?", fragte Minho, doch ich schaffte es nicht, ihm die Wahrheit zu sagen.

"Ich hab nochmal über die Pinguinsache nachgedacht. Pinguine sind Vögel und keine Meereslebewesen, deshalb haben sie Flügel und keine Flossen.", meinte ich deshalb und ließ ihn damit leise lachen.

"Das hat dich echt beschäftigt, oder?"

"Ja, hat es."

"Aber denk nicht zu viel nach, sonst überhitzt dein Kopf noch und muss ich mich um dich kümmern, weil du 45 Grad Fieber bekommst. Bei 50 explodiert dein hübscher Kopf.", scherzte er.

"Wir wollen ja nicht, dass mein hübscher Kopf explodiert, richtig?"

"Richtig. Aber sag mal, Jisung... Gefällt dir das?"

"Gefällt mir was?", fragte ich irritiert, da ich nicht sicher war, was er meinte. "Dass mein Kopf explodiert? Nein, das gefällt mir ganz und gar nicht. Ich will auf andere Art sterben."

"Das meinte ich auch nicht. Gefällt es dir, mit mir zu kuscheln?"

"Machst du Witze? Das ist das beste Gefühl, dass ich je gespürt hab. Ich könnte hier den ganzen Tag lang einfach nur liegen und mit dir Kuscheln. Es fühlt sich nämlich noch besser an, als ich es mir immer vorgestellt habe. Und wie fühlt es sich für dich an?"

"Es fühlt sich-"

Die Tür würde aufgerissen und ein schwer atmender Hyunjin kam rein.

"Minho, wofür hast du eigentlich ein bescheuertes Telefon, wenn du die wichtigen Nachrichten sowieso nicht liest!?"

"Beruhig dich erstmal, Hyunjin. Was ist passiert?", fragte Minho und wir setzten uns auf, wobei wir uns immer noch ziemlich nah waren.

"Was passiert ist? Jeongin ist weg. Das ist passiert! Wir haben uns gestritten und jetzt rennt er irgendwo alleine durch die Gegend rum, aber keiner weiß wo! Was wenn er sich verletzt hat?! Oder verlaufen? Das ist alles meine Schuld, Minho. Nur wegen mir ist Jeongin vielleicht etwas zugestoßen."

"Hat Jeongin einen Ort, an den er geht, wenn er Stress hat oder einen Ort, zu dem ihr beiden gerne gemeinsam geht?", fragte ich ruhig. Ich wollte Hyunjin nicht noch mehr beunruhigen, also versuchte ich selbst ruhig zu bleiben, um die Situation so ein bisschen weniger panisch zu machen, denn Panik würde uns hier definitiv nicht vorwärts bringen.

"Ja, wir sind oft gemeinsam an einer der Bänke unten am Fluss. Es gibt da so ein kleines, ungestörtes Plätzchen, an dem wir uns häufig entspannt haben, weil es ein bisschen versteckt liegt und dadurch weniger Leute nerven. Die schauen uns immer so blöd an, wenn wir uns küssen."

"Sehr gut. Dann werden wir ihn dort sehr wahrscheinlich finden können. Du versuchst erstmal tief durch zu atmen und dich ein wenig zu beruhigen, während Minho und ich uns schnell richtig anziehen und ihn dann mit dir suchen gehen, okay?"

"Okay, ich versuche es.", meinte er auf meine Frage hin.

Nur kurze Zeit später fanden wir uns an einem kleinen versteckten Weg wieder, der laut Hyunjin zu der Bank führte.

"Ihr bleibt hier und ich sehe nach, ob Jeongin da ist.", schlug Hyunjin vor doch Minho schüttelte den Kopf.

"Du kennst Jeongin. Er wird dicht machen, wenn du versuchst das mit ihm zu klären, und mir wird er nichts sagen, weil ich nicht besonders gut darin bin zu erkennen was er fühlt oder es nicht gut nachvollziehen kann. Es ist das beste, wenn Jisung geht."

"Ich? Aber er kennt mich doch gar nicht. Warum sollte er mir irgendwas sagen?"

"Er weiß, dass du mich und Hyunjin kennst, und er weiß, wer du bist und wie du heißt. Ich hab häufiger von dir erzählt. Vertrau mir, er wird dir etwas erzählen, wenn du es richtig anstellst. Und das wirst du definitiv. Das weiß ich.", sagte Minho und drückte mir einen kleinen Kuss auf die Stirn.

"Wenn du das sagst..."

"Du schaffst das, mein Kleiner."

Minho wuschelte mir noch einmal durch die Haare, ehe ich in Richtung der Bank verschwand.

Noch bevor ich Jeongin sah, hörte ich sein leises Schluchzen.

"Hey... Kann ich mich zu dir setzen?", fragte ich vorsichtig, da ich ihn nicht zu sehr erschrecken wollte.

Er sah zu mir und nickte. Vermutlich fiel es ihm gerade schwer zu reden.

"Hat Jinnie dich geschickt?", fragte er verheult.

"Nicht direkt. Er ist auf einmal bei Minho ins Zimmer geplatzt und war ganz in Sorge um dich, weil er nicht wusste, wo du bist. Deshalb wollten Minho und ich ihm suchen helfen."

"Ihr habt mich gefunden. Jetzt kannst du wieder gehen. Sag Hyunjin, dass es mir gut geht und er sich nicht um mich sorgen muss."

Ich musste leise lachen, als er das sagte. So hatte ich ich auch gefühlt, als Minho letzte Woche in der Pause das erste Mal zu mir gekommen war.

"Ich bin gleich wieder weg und lasse dich alleine, keine Sorge. Aber du solltest wissen, dass Hyunjin wirklich Angst um dich hat. Du bedeutest ihm viel."

"Wie viel kann ich ihm bitte bedeuten, wenn er mich verletzt hat? Richtig. Nichts."

"Das hat damit nichts zu tun. Dinge passieren. Man wird seinen Partner immer verletzen, egal wie viel er einem bedeutet. Die Frage ist, wie man damit umgeht. Weißt du, Minho bedeutet mir auch unglaublich viel. Er liebt mich und ich denke, dass ich ihn auch liebe, aber trotzdem hab ich ihn verletzt. Nichtmal mit Absicht, aber es hat ihm trotzdem weh getan, verstehst du?"

"Du hast Minho verletzt? Lee Minho? Wie das denn? Er wirkt immer so unzerstörbar."

"Aber deshalb ist er es noch lange nicht. Weißt du, wir hätten uns fast geküsst. Wir hätten zusammen kommen können, einfach ein glückliches Pärchen sein, so wie ich es mir immer gewünscht habe... Aber ich hab einen Rückzieher gemacht, weil ich es einfach nicht konnte. Und das hat ihn verletzt. Ich hab mich entschuldigt, ihm gesagt, dass es mir leid tut, aber trotzdem hat es ihn verletzt, verstehst du? Es ist egal, wie sehr du jemanden liebst. In einigen Situationen kann die Person einfach nicht anders, auch wenn sie anders will. Sprich bald mal mit Hyunjin. Du kennst seine Sicht der Geschichte ja nicht."

"Werde ich.", antwortete Jeongin, der mir aufmerksam zugehört hatte. "Er ist auch hier, oder?"

"Er wartet am Weg mit Minho zusammen darauf, dass ich zurückkomme. Willst du jetzt mit oder soll ich ihm sagen, dass du erst später mit ihm reden willst?"

"Ich komme gleich mit. Weißt du, das was du mir gesagt hast, hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht... Deshalb will ich so schnell wie möglich seine Seite des Ganzen hören."

"Dann lass uns gehen. Es wird sowieso schon langsam spät und du solltest nicht zu lange alleine an einem schlecht einsehbaren Ort sein. Das sollte keiner von uns. Vor allem da es schon dunkel wird und hier keine Laternen sind."

Wir standen auf und gingen gemeinsam zurück, wo Hyunjin sich sofort bei Jeongin entschuldigte und ihm sagte, was für Sorgen er sich um den Jüngeren gemacht hatte.

"Ich wusste doch, dass du das hinbekommen würdest, Jisung. Das hast du sehr gut gemacht.", meinte Minho und legte seine Arme um mich. Ich seufzte leise und lehnte mich gegen seinen Oberkörper.

"Ich bin müde. Ich will einfach nur noch nach Hause."

"Ich kann verstehen, dass du lieber bei dir schlafen willst als bei mir. Das heute muss echt anstrengend für dich gewesen sein.", meinte er leicht verletzt.

"Red nicht so einen Unsinn. Ich will mit dir schlafen. Du bist mein Zuhause, Minho."

"Mit mir?", fragte er mit einem Grinsen.

"Bei dir. Nebeneinander im Bett. Mit Klamotten."

"Einen Versuch war's wert."

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