Tornado
Kapitel 1
Ab diesem Moment ist klar, dass unsere Klassenfahrt offiziell am Arsch ist. Wir kommen entweder tod oder lebendig wieder zurück nach Hause. Wobei ich lebendig doch bevorzuge. Im Bus herrscht das reine Chaos. Eigentlich herrscht hier ja immer Chaos aber dieses Mal ist es nicht von der positiven Sorte. Es gibt keine Späße.
Es ist bedrückend, jeder redet aufgeregt durcheinander und manche sind hysterisch. Der Bus rast mit mindestens 160 km/h die Straße entlang. Und alles wofür?
Um den riesigen Tornado zu entkommen der uns auf den Fersen ist und uns verschlingen will. Es ist eine gewaltige Naturkatastrophe vor der wir flüchten, die mit allerlei Gegenständen um sich wirft.
Ich habe Angst. Ich sitze zusammengekauert im hinteren Teil des Buses, die Kapuze über über meinen blonden Kopf gestülpt und die Kopfhörer in meinen Ohren. Ich möchte mir die ganze Scheiße nicht anhören und vertiefe mich lieber in die Musik.
Der Tornado macht einen furchtbaren Lärm,den meine Klassenkameraden kaum übertönen. Ich kann mir die ganzen Kommentare über das Sterben gar nicht mehr anhören. Alle reden davon. Ich habe in den Nachrichten schon gesehen was übrig bleibt, wenn ein Tornado über das Land fegt. Und ich möchte nicht, dass genau so etwas passiert. Ich möchte nicht, dass wir alle drauf gehen.
Jemand zieht mir den Kopfhörer aus den Ohren und ich tue ihn sofort wieder rein ohne aufzusehen. Das letzte Mal als ich neben mich gesehen habe, habe ich Nino, einen süßen Jungen aus meiner Klasse entdeckt. Er hat mich nur mitleidig angelächelt.
Der Wind schaukelt den Bus hin und her. Wir werden es nicht schaffen, denke ich mir. Wie sollen wir das schaffen? Wieder zieht mir jemand den Ohrhörer aus den Ohren und ich sehe auf und frage:" Was?" Ein schwarzhaariger Junge sitzt neben mir und lächelt mich an. Es ist Lenny. Er ärgert mich schon seit der Volksschule und nicht einmal in dieser Situation will er mich in Ruhe lassen.
"Ich dachte mir, da wir ja jetzt drauf gehen. Könnten wir doch noch schnell ne Nummer schieben und...", weiter kam er nicht denn auf einmal machte es einen riesigen Krach. Der Bus begann zu ruckeln und wurde kräftig durchgeschüttelt. Etwas splitterte und ein paar Splitter bohren sích in meine Haut. Ich schreie auf. Es geht alles so schnell und von einer auf die andere Sekunde ist Lennys Kopf durch ein spitzes Holzteil ersetzt worden.
Nicht gerade ersetzt es steckt sozusagen mitten in seinem Kopf. Blut spritzt aus seinem Kopf geradewegs in mein Gesicht und auf die Kleidung der anderen. Auch kleine Fleischstücke fliegen durch die Luft. Im Bus wird es lauter.
Ich starre neben mich auf das entsetzlich wiederliche Abbild und schreie. Neben mir wurde gerade ein Junge von einem riesigen Ast erstochen. Mein Herz pumpt so schnell, dass ich glaube es würde zerplatzen. Jemand nimmt meine Hand und zerrt mich vom Sitz hoch.
Plötzlich kann ich die Außenwelt nur noch vage wahrnehmen. Der Bus ist stehen geblieben und kann nicht mehr weiter fahren. Wir sitzen fest. Panik bricht aus. Einige Schüler springen nach draußen on den Stürmischen Wind andere verstecken sich unter den Sitzen.
Die Hand zerrt mich weiter und ebenfalls nach draußen. Es ist kalt geworden und auf meinen Armen bildet sich eine Gänsehaut. Der Wind peitscht mir die Haare ins Gesicht und befördert Blätter und kleine Äste durch die Luft.
Ich werde weiter gezogen und falle. Schürfe mir dabei das Knie auf aber spüre den Schmerz nicht mehr. Ich fühle mich seltsam. Ich schätze ich blicke gleich dem Tod entgegen.
Ich sehe dass mich ein braun haariger Junge wieder auf die Beine zerrt. Er hat mich aus dem Bus gezogen. Der Wind wird stärker und wir rennen in einen Wald. Gefährliche Gegenstände werden durch die Luft geschleudert und ich sehe wie jemand aufgespießt wird. Nein, das war Julia. Eine sehr gute Freundin.
"Komm weiter Vanilla. Wir müssen uns einen Unterschlupf suchen. Irgendetwas. Sonst werden wir sterben.", schreit der Junge mir entgegen. Ich nicke und renne weiter bis mir die Füße weh tun. Wieder höre ich ein Schreien und sehe meine beste Freundin am Boden liegen. Sie weint und hat etwas in ihrem Bauch stecken.
Ich kann sie nicht einfach liegen lassen. "Bitte, wir müssen sie mitnehmen.", schreie ich dem Jungen entgegen, der mir schließlich hilft sie zu tragen. Ein Baum fällt um. Ich schrecke auf. Ich bin plötzlich nicht mehr benebelt und nehme alles wieder voll wahr.
Gott sei Dank entdecken wir ein Haus, dass am Waldrand steht. Mit letzter Kraft stürmen wir ins Haus und sperren hinter uns zu. Wir verriegeln die Türen und Fenster und stürmen in den Keller hinab.
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