18. Needle in a haystack
Schlagartig erwachte ich am nächsten Tag, weil Sammy sich plötzlich in meinem Arm bewegte. Langsam schlug ich meine Augen auf und blickte in ihr hübsches Gesicht.
„Hey, Süße, geht's dir gut?", fragte ich leise.
Daraufhin drückte sie mir einen leichten Kuss auf den Mund.
„Ja, mir geht es super. Und dir?"
„Hör mal, ich liege mit dem heißesten und hübschesten Mädchen, das mir jemals über den Weg gelaufen ist, in einem Bett. Natürlich geht's mir da gut", lachte ich.
„Fein, dann können wir ja jetzt frühstücken!"
Das taten wir dann auch und zwar im Bett, weil uns einfach danach zumute war. Wir fütterten uns gegenseitig mit Toast, lachten und scherzten. Es war einfach perfekt, sie war einfach perfekt, anders konnte man es nicht ausdrücken. Doch dann fiel mir etwas ein, was ich sie unbedingt fragen wollte und mir auch keine Ruhe ließ.
„Sag mal", begann ich, „woher weißt du eigentlich wie es in einer Table Dance Bar aussieht? Und warum zum Teufel kannst du dich so bewegen, wie die Mädels, die dort arbeiten?"
Mit einem schelmischen Grinsen antwortete sie: „Mein Patenonkel, Rufus, ist der Besitzer einer Table Dance Bar und außerdem der beste Freund von meinem Dad. Als ich noch jünger war, hat er öfter auf mich aufgepasst und mich in seine Bar mitgenommen. Natürlich nur tagsüber, aber genau dann haben die Mädels immer geprobt. Ich wollte das unbedingt lernen und sie haben es mir gezeigt."
Im ersten Augenblick war ich etwas sprachlos, doch dann musste ich lachen und Sammy stimmte mit ein.
„Du hast gut zugeschaut", wisperte ich ihr ins Ohr.
„Ja, das habe ich und es hat tierischen Spaß gemacht, mit den Tänzerinnen üben zu dürfen. Aber du solltest mal sehen, wie ich an der Stange tanze!"
Ich konnte mir ein leichtes Schmunzeln, sowie eine leicht anzügliche Bemerkung nicht verkneifen.
„Dass du eine Stange gut bearbeiten kannst, weiß ich seit letzter Nacht ganz sicher."
„Niall!" Sammy tat so, als sei sie schockiert über meine Aussage, musste dann aber lachen.
„Was?", fragte ich daraufhin schelmisch grinsend, während meine Lippen sich den ihren näherten.
„Nichts. Ich finde, wir passen einfach toll zusammen", erwiderte sie grinsend und gab mir einen Kuss.
Dem konnte ich wirklich nicht widersprechen, aber ich stellte ihr nun eine Frage, welche mir noch auf der Zunge lag.
„Wissen deine Eltern das mit dem Table Dance eigentlich?"
Ihre blauen Augen schauten mit einem schelmischen Blick zu mir.
„Klar wissen sie das. Aber das es ja nur ein Spaß war, hatten sie nie etwas dagegen einzuwenden."
„Du scheinst echt coole Eltern zu haben", meinte ich und gab ihr einen Kuss auf den Mund.
„Das auf jeden Fall", grinste Sammy. „Aber sie wissen auch, wie verantwortungsvoll Rufus ist. Er hätte nie etwas getan oder mich etwas tun lassen, was mir Schaden zugefügt hätte."
Mein Gesicht näherte sich nun an ihres. „Dir darf auch niemand Schaden zufügen", flüsterte ich, bevor sich meine Lippen zärtlich auf ihre legten.
Sekunden später tauchten schon wieder unzählige Schmetterlinge in meinem Bauch auf. Es fühlte sich so verdammt heiß an, wenn wir uns küssten. Im Vergleich dazu war die Sahara das reinste Eismeer.
Als wir unseren Kuss nach einer gefühlten Ewigkeit unterbrachen, flüsterte Sammy mir ins Ohr: „Ich hab dir noch gar nicht gesagt, dass ich euer neues Album spitze finde."
„Echt?", flüsterte ich zurück. „Du magst Midnight Memories?"
„Ja, ich finde es wirklich toll, vor allem die etwas rockigeren Songs."
Um diesen perfekten Start in den Tag abzurunden, startete ich nach dem Frühstück vom Bett aus, eine Webcam Session mit meinem Bruder Greg, denn so konnte ich meinen Neffen Theo ebenfalls sehen. Der Kleine war jetzt fünf Monate alt und ein richtiger Sonnenschein.
Kaum hatte Greg die Unterhaltung mit mir begonnen, rief er auch schon nach Denise, die sogleich mit Theo auf dem Arm angelaufen kam. Sammy flippte vor Freude beinahe aus, als sie den Kleinen sah.
„Oh mein Gott, ist der süß!", rief sie entzückt.
Gregs breites Schmunzeln konnte man nicht übersehen. „Sitzt ihr beiden etwa noch im Bett?", fragte er mit einem Augenzwinkern.
„Ja", antwortete ich cool, während Sammy errötete. Sie trug zwar mittlerweile eines meiner T-Shirts, ich saß jedoch mit freiem Oberkörper vor der Webcam. Da Greg und Denise nicht auf den Kopf gefallen waren, konnten sie sich sicher denken, was sich zwischen Sammy und mir abgespielt hatte.
„Ach ja, das ist Sammy, meine Freundin", erklärte ich nun grinsend.
„Hey, Sammy, freut mich, dich kennenzulernen", sagte Greg nun und auch Denise erwiderte ein freundliches: „Hallo, Sammy, ich bin Denise, Gregs Frau."
Theo gab ein freudiges Quietschen von sich, als er mich erblickte und vor allem meine Stimme hörte, wovon Sammy natürlich total angetan war. Wir redeten ungefähr zwanzig Minuten mit Greg und Denise, dann beendete ich die Webcam Session.
„Oh mein Gott, deine Familie ist toll und Theo ist sooooooo süß!" Sammy geriet richtig ins Schwärmen, was mir total gefiel. Sie liebte also Kinder, genau wie ich.
Lachend erwiderte ich nun: „Das war nur ein Teil meiner Familie, den Rest lernst du kennen, wenn du mich mal nach Irland begleitest."
„Sag sowas nicht, ich fliege sofort mit dir dorthin, wenn du mich darum bittest!", kam es prompt von ihr.
Ich legte meine Arme um sie, küsste sie leicht auf die Wange und flüsterte ihr ins Ohr: „Darauf freue ich mich jetzt schon."
Sammy verzog ihr hübsches Gesicht zu einem Grinsen, als sie plötzlich sagte: „Wie wäre es, wenn du auch einen Teil meiner Familie kennenlernst?"
„Gar keine schlechte Idee."
„Meine Eltern wohnen in London, wir könnten das echt ins Auge fassen, oder ist dir das zu früh? Also ich meine..., mal bei meinen Eltern vorbeizuschauen?"
„Unsinn!" Ich streichelte nun ihren Rücken. „Mit dir ist mir nichts zu früh, Sammy."
„Ok, dann schau mal in deinen Terminplan."
Dieser Aufforderung kam ich prompt nach, um festzustellen, dass es an den Wochenenden sehr schlecht aussah, was einen Besuch anging. Unter der Woche, an einem ganz normalen Werktag, würde sich das jedoch durchaus arrangieren lassen.
„Also ich könnte am 17. Dezember, abends", antwortete ich, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass kein wichtiger Termin mit One Direction zu diesem Zeitpunkt anstand.
Dieses Datum rief zwangsläufig einige Erinnerungen in mir wach. Aber ich kam nicht dazu, ausgiebig darüber nachzudenken, denn Sammys Stimme ertönte in meinen Ohren: „Gut, dann checke ich das morgen und sag dir dann Bescheid."
Den Rest des Sonntags verbrachten wir damit DVD's zu schauen und auf dem Sofa zu kuscheln.
Wie versprochen rief Sammy mich am nächsten Abend an, um mir zu sagen, dass der Termin mit ihren Eltern am 17. Dezember, um 19 Uhr stattfinden würde. Gewissenhaft wie ich war, was solche Dinge anging, vermerkte ich dies und machte mir anschließend darüber Gedanken, wie ich den nächsten freien Tag verbringen sollte. Etwas in mir verspürte den Drang, die Sache mit Isabel endlich hinter mich zu bringen. So kam es, dass ich Zayn anrief, um ihn zu bitten, am morgigen Tag mit mir diesen unheimlichen Laden aufzusuchen. Zu meiner Freude willigte er auch sogleich ein.
„Ok, dann lass uns um vier Uhr vor dem Laden der Alten treffen", schlug ich vor, wogegen Zayn nichts einzuwenden hatte.
Hoffentlich ging das alles gut! Meine Gedanken flossen zurück in das Jahr 1983, zu Lizzy, diesem hübschen süßen Mädchen. Sie würde immer einen Platz in meinem Herzen haben, zwar einen anderen als Sammy, aber vergessen würde ich sie niemals.
Der nächste Tag begann recht ereignislos und eigentlich wartete ich nur auf den Nachmittag, damit ich das Treffen mit Isabel endlich hinter mich bringen konnte. Zayn traf wie üblich zu spät ein, ich musste geschlagene fünf Minuten warten, die meine Nervosität natürlich verstärkten.
„Hey, Niall, tut mir echt leid, dass ich zu spät bin, ich hab verschlafen", entschuldigte er sich, als er vor mir stand.
„Schon gut, ich weiß ja, wie du bist", erwiderte ich grinsend, obwohl mir gar nicht danach zumute war. Anschließend klopfte ich ihm auf die Schulter. „Lass uns reingehen".
Gemeinsam betraten wir nun den unheimlichen Laden, wo uns eine erstaunte Isabel empfing.
„Hallo Niall, hallo Zayn, was führt euch denn hierher?", säuselte sie uns entgegen.
Als ich laut zu seufzen begann, lächelte sie ein wenig.
„Verstehe, eure Bandkollegen haben euch zu mir geschickt, in der Hoffnung, dass ich euch etwas verrate, oder?"
Sie konnte wirklich Gedanken lesen.
„Na ja, ich dachte, wir dachten...", stammelte ich, was Isabel nun mit einem Lachen quittierte.
„Ihr dachtet, weil Zayn die Kugel verschlampt hat und du sie wieder gefunden hast, würde ich euch alles erzählen, richtig?"
Unser Nicken animierte sie zu einem Seufzen. „Jungs, das geht nicht, begreift das doch!"
„Aber ich habe eine gute Tat begangen, zählt das denn nicht?", versuchte ich es nochmals.
Isabel lächelte nun milde. „Nun ja, das kommt ganz darauf an, wie gut die Tat war. Es gibt da nämlich große Unterschiede."
„Er hat jemandem das Leben gerettet." Zayns Stimme erklang fest und bestimmt.
Als ich Isabels Blicke auf mir fühlte, wurde mir ganz mulmig zumute.
„Ist das wirklich wahr?", fragte sie ein wenig erstaunt.
Ich konnte vorerst nur mit einem Nicken antworten, doch dieses bewirkte, dass sie plötzlich meine Hand nahm und mich zu einem großen Sofa führte, das aussah, als ob es aus dem letzten Jahrhundert stammte. Zayn folgte uns auf den Fersen, wogegen Isabel jedoch nichts einzuwenden hatte.
„Niall, das ist eine wirklich gute Tat. Du hast ein gutes Herz, das habe ich sofort bemerkt, als ich dich zum ersten Mal sah. Du würdest einen ausgezeichneten Torwächter abgeben."
„Aber ich bin Sänger!", protestierte ich sofort, wobei sich kleine Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten.
Doch Isabel lächelte mich nur freundlich an. „Ich weiß, und niemand würde dich dazu zwingen, ein Torwächter zu werden. Das bleibt demjenigen selbst überlassen. Aber nun würde mich interessieren, wem und vor allem wie du diesem Menschen das Leben gerettet hast."
Oh Gott! Was sollte ich denn jetzt tun? Außer Harry wusste niemand, dass ich mit Lizzy geschlafen hatte, um ihr Leben zu retten. Bestimmt würde Isabel das nicht gut heißen.
„Wenn du es mir erzählst, Niall, dann bin ich bereit, etwas über die Kugeln zu erzählen. Nicht alles, aber ein bisschen", ertönte Isabels Stimme nun in meinen Ohren.
„Jetzt sag's ihr schon, Niall. Ich will es nämlich auch gerne wissen", kam es von Zayn.
Warum konnte er nicht einfach seinen Mund halten? Aber andererseits, was sollte schon passieren, wenn ich es jetzt erzählen würde? Bestrafen durfte man mich nicht dafür, da Lizzy ja nicht minderjährig gewesen war und außerdem war die ganze Sache nicht gegen ihren Willen geschehen. Gut, ich hatte es zwar drauf angelegt aber welches Mädchen konnte schon meinem irischen Charme widerstehen?
„Also gut", begann ich seufzend, „ich erzähle es euch. Aber ihr dürft mich danach nicht verurteilen."
Zayn schaute mich an, als hätte ich den Verstand verloren, als ich das von mir gab, während Isabel nur ihre Augenbrauen verständnislos nach oben zog. Mit klopfendem Herzen begann ich schließlich zu reden. Ich holte weit aus, denn ich wollte, dass Isabel mein Handeln auf jeden Fall nachvollziehen konnte.
Deshalb erwähnte ich zuerst ihren Hinweis, dass wir uns am 17.12.1983, um 13 Uhr 21 nicht in der Nähe des Harrods Kaufhauses aufhalten sollten, da dieses zur besagten Zeit bombardiert werden würde. Isabel nickte nur und hörte weiter aufmerksam zu. Ihre Augen ruhten auf mir, als ich Lizzy zu beschreiben versuchte, und letztendlich holte ich mein Handy hervor und zeigte ihr das Bild, welches im Jahr 1983 von uns beiden entstanden war.
„Du warst sehr in sie verliebt, nicht wahr?", ließ sie sich vernehmen.
„Ja, das war ich", seufzte ich nun.
„Was ist geschehen?" Isabel bohrte weiter und erreichte letztendlich ihr Ziel.
Ich erzählte ihr, dass Lizzy unbedingt das Kaufhaus an jenem Tag hatte aufsuchen wollen.
„Wenn ich sie hätte gehen lassen, wäre sie genau zu dem Zeitpunkt dort eingetroffen, als die Bombe hochgegangen ist. Ich musste sie davon abhalten, wirklich", brachte ich hervor.
„Und wie hast du das gemacht?"
Ihre Augen schienen mich zu durchbohren, sie ließ einfach nicht locker und dann kamen die Worte über meine Lippen: „Ich hab mit ihr geschlafen."
Zayn klappte die Kinnlade nach unten, ich konnte es aus den Augenwinkeln wahrnehmen, doch er verhielt sich mucks Mäuschen still. Das einzige Geräusch, das nun zu vernehmen war, war Isabels tiefes Durchatmen. Doch dann geschah etwas, womit ich nie gerechnet hätte.
„Hattest du Spaß dabei?", fragte sie.
„Ähm, ich würde lügen, wenn ich jetzt nein sagen würde", antwortete ich ehrlich.
„Und hatte Lizzy auch Spaß?"
Die Röte schoss mir nun ins Gesicht. „Ich..., ja, sie hatte auch Spaß."
„Fein, dann ist ja alles in bester Ordnung. Weißt du, es ist nicht verboten Spaß zu haben, wenn man jemandem das Leben rettet", erklärte Isabel süffisant grinsend.
„Dann sind Sie mir also nicht böse?", fragte ich mit leicht zitternder Stimme.
„Nein, warum sollte ich."
Sie grinste mich jetzt vielsagend an. „Du hast es ja wirklich faustdick hinter den Ohren, das hätte ich dir nicht zugetraut. Aber auch das zeichnet einen guten Torwächter aus."
Abwehrend hob ich nun die Hände nach oben. „Kein Chance, ich bleibe bei One Direction."
Isabels Reaktion war ein lautes Lachen. „Das dachte ich mir schon", erwidert sie. „Aber gut, ich werde jetzt mein Versprechen einlösen und euch beiden ein wenig über die Zeitreisen erzählen."
„Erhebt euch, meine Süßen und folgt mir zu den Kugeln. Aber Vorsicht! Nicht, dass wieder eine verloren geht!" Sie zwinkerte Zayn zu, der sofort schuldbewusst den Kopf einzog.
Als wir vor der großen Schale standen, suchten meine Augen automatisch nach der grünen Kugel, die Unglückskugel, wie ich sie nun in Gedanken nannte. Diese lag friedlich neben einer roten Kugel und leuchtete vor sich hin.
„Die Dinger haben Gefühle, nicht wahr?", richtete ich meine Frage an Isabel.
„Nicht wie wir Menschen, aber sie können spüren, ob etwas oder jemand gut oder böse ist. Die kleine grüne Kugel hat gemerkt, dass du ein netter Mensch bist, der eine gute Tat begangen hat und deshalb ist sie zu dir gekommen. Sie fühlte, dass du sie zurückbringen willst, dass du ihr kein Leid antun würdest, verstehst du?"
Sie redete über diese Kugeln, als seien sie ihre Kinder, zumindest kam es mir so vor.
„Und welchen Zweck haben sie?", fragte Zayn neugierig.
„Diese Kugeln beeinflussen die Zeittore oder besser gesagt, sie sind für das Gleichgewicht verantwortlich. Wenn Eine von ihnen fehlt, wird sich eines der Zeittore irgendwann verschließen. Das darf nicht sein, denn die Zeiteisen müssen gewährleistet bleiben. Ihr müsst euch mit dem zufrieden geben, was ihr soeben erfahren habt", beendete sie nun das Gespräch.
Es war nicht gerade viel, was sie preisgegeben hatte aber immerhin etwas.
„Geht nun und sagt euren Freunden viele Grüße von mir", verabschiedete sie sich dann von uns.
„Übrigens", sie drehte sich nun zu Zayn, „Du wärst auch ein guter Torwächter."
Wir verschwanden schleunigst aus dem Laden, bevor noch irgendeine Katastrophe passierte.
„Heiliger Strohsack, Niall! Du hast echt mit Lizzy geschlafen?" Zayn schaute mich noch immer erstaunt an.
„Ja, und jetzt hab dich nicht so! Ich hab damit ihr Leben gerettet, ok?"
„Bete, dass du ihr nie begegnen wirst", platzte es aus Zayn heraus. „Sie würde vermutlich Hackfleisch aus dir machen, weil du sie einfach so hast sitzen lassen!"
„Zayn! Wir befinden uns hier in einer Stadt mit über acht Millionen Einwohnern. Außerdem, wer weiß, ob sie überhaupt noch in London lebt! Sie hier zu treffen würde bedeuten, dass ich eine Stecknadel im Heuhaufen finden würde und das ist wohl ziemlich unrealistisch", entgegnete ich überzeugt.
Doch Zayn plapperte einfach weiter. „Sie würde dich sofort erkennen, weil du dich ja gar nicht verändert hast. Nach unserer Zeitrechnung liegt das Ganze nur drei Monate zurück, dein Gesicht ist also noch das Gleiche. Und glaube bloß nicht, dass Frauen was vergessen! Auch wenn sie deine Mum sein könnte, wird sie sich wahrscheinlich an alles erinnern, was du mit ihr gemacht hast!"
„Oh Mann, Zayn, jetzt hör doch endlich auf, den Teufel an die Wand zu malen!", forderte ich meinen Freund auf.
Doch er grinste mich schelmisch an. „Echt, Niall, wenn ich Lizzy wäre und du würdest mir über den Weg laufen, würde ich dir vermutlich den Schwanz abschneiden."
„Also Zayn, wenn du nicht gleich aufhörst, so einen Unsinn zu reden, dann schneide ich dir deinen Schwanz ab!"
Unser Streitgespräch endete damit, dass wir in einem Pub versackten und ich gegen halb drei morgens beinahe volltrunken in meinem Penthouse eintraf. Trotzdem war ich noch in der Lage, meine Mailbox abzuhören, auf der Sammy eine Nachricht hinterlassen hatte.
„Hey, Niall, wo immer du auch bist, ich wollte dir nur sagen, dass ich meine heutige Prüfung gut hinter mich gebracht habe. Du fehlst mir echt und ich würde jetzt lieber Sex mit dir haben, anstatt zu lernen."
Mit einem überbreiten Grinsen im Gesicht wählte ich nun ihre Nummer und sprach auf die Mailbox. „Hey, Süße, ich hätte jetzt auch gerne Sex mit dir. Du weißt ja gar nicht, was ich für einen harten Tag hinter mir habe. Aber der Tag ist nicht das einzige, was gerade hart ist..."
Dann schlief ich in meinen Klamotten auf dem Sofa ein.
Als ich am nächsten Tag durch das Vibrieren meines Handys erwachte, fühlte sich mein Kopf an, als sei ich gegen eine Betonwand gelaufen. Unter qualvollen Schmerzen schlug ich meine Augen auf und griff nach dem Störenfried um festzustellen, dass Sammy versuchte, mich zu erreichen.
„Hey, Süße", krächzte ich ins Telefon.
„Oh mein Gott, Niall, wie hörst du dich denn an?", fragte sie besorgt.
„Zayn und ich sind gestern versackt."
Auf Mitleid konnte ich jedoch bei Sammy nicht hoffen, was das anging.
„Ich hab deine Nachricht abgehört. Schön, dass wir den gleichen Gedanken hatten, der sich leider nicht ausführen ließ. Ich hoffe, der Härtegrad hat inzwischen etwas nachgelassen."
Als ich anfing zu lachen, hatte ich das Gefühl, dass mein Schädel platzen würde.
„Hör zu, Süße, sag mir, wann wir uns treffen können und ich komme zu dir", murmelte ich ins Telefon.
„Du weißt genau, dass es vor Dienstag nächster Woche nicht mehr klappt", erwiderte sie seufzend.
So kam es, dass ich gemeinsam mit Sammy am Dienstag, dem 17.12.2013 mit meinem Range Rover zum Haus ihrer Eltern fuhr. Wir waren zum Abendessen eingeladen und da ich mich an Sammys Aussage bezüglich der Kochkünste ihrer Mutter erinnern konnte, freute ich mich natürlich darauf. Aber nicht nur deswegen, denn ich war neugierig, wie ihre Eltern waren. Sie mussten eigentlich toll sein, wenn sie eine Tochter wie Sammy hatten.
Sammys Eltern wohnten in einer recht guten Gegend, gar nicht so weit von meinem Heim entfernt. Als ich meinen Range Rover vor dem Haus abstellte, schaute ich zu Sammy und sagte grinsend: „Du bist eine alte Tiefstaplerin. Regst dich über mein Penthouse auf, aber deine Eltern leben in einer richtig guten Gegend und noch dazu in einem Haus im viktorianischen Stil. Die Bude kostet locker das Dreifache, was ich für mein Penthouse hinblättern musste."
Sie zog einen Schmollmund und meinte: „Du vergisst wohl ganz, dass mein Dad Immobilien Makler ist. Er sucht sich die Objekte aus, die er günstig bekommt, so wie meine Wohnung zum Beispiel."
Lachend erwiderte ich nun: „Das war nur Spaß, es ist mir doch vollkommen egal, was das Haus deiner Eltern gekostet hat."
Sie grinste mich an und zwinkerte mir gleichzeitig zu. Gott sei Dank verstand sie meinen irischen Humor. Alles andere wäre für unsere Beziehung auf Dauer tödlich gewesen.
Nachdem wir den Wagen verlassen hatten, kramte Sammy einen Schlüssel aus ihrer Handtasche, mit welchem sie Sekunden später die weiße glänzende Eingangstür öffnete. Gut gelaunt betrat ich hinter meinem blonden Engel das Haus und stellte fest, dass dieses sehr viel geräumiger war, als es von außen den Anschein erweckte. Nachdem wir unsere Jacken an der Garderobe aufgehängt hatten, betraten wir kurz danach den großen Wohnraum, dessen Blickfang eindeutig der große Kamin an der rechten Wand war. Doch mir blieb zunächst keine Zeit, mich näher umzuschauen, denn alles, was ich nun vernahm, war Sammys vor Freude quietschende Stimme.
„Hey Dad!"
Temperamentvoll wie sie nun mal war, warf sich in die Arme eines Mannes, der schätzungsweise gerade die Fünfzig überschritten hatte. Sein blondes Haar war an den Schläfen leicht ergraut und seine grünen Augen schauten mich freundlich an, als er mich begrüßte und mir die Hand schüttelte, nachdem Sammy ihn losgelassen hatte und wieder brav neben mir stand.
„Hallo, ich bin Phil, Sammys Dad."
„Ich bin Niall."
„Du stammst aus Irland, nicht wahr?"
Wie cool war dieser Typ, mich sofort zu duzen? Das gefiel mir allerdings sehr gut.
„Ja, aus Mullingar."
Phil grinste. „Ich weiß, wo das liegt, denn ich muss geschäftlich manchmal auch nach Irland fliegen", erklärte er mit einem leichten Augenzwinkern.
„Was willst du trinken? Bier, Wein oder Whiskey?"
„Cola, weil ich mit dem Wagen da bin", antwortete ich.
Phil begann daraufhin schallend zu lachen. „Cola? Willst du mich verarschen? Ein Ire der keinen Alkohol trinkt? Das gibt es doch gar nicht!"
„Moment, ich hab nicht gesagt, dass ich ansonsten keinen Alkohol trinke", kam es grinsend von mir. „Ich trinke nur nichts, wenn ich Auto fahren muss."
„Dann sollte Sammy heute zur Abwechslung mal auf den Wein verzichten. Sie kann doch fahren", erwiderte Phil trocken.
Dieser Typ gefiel mir immer mehr. Wenn ihre Mutter auch so cool und nett war, konnte an diesem Abend wirklich nichts mehr schief gehen.
„Also, Sammy, was sagst du dazu?" Fragend schaute Phil zu seiner Tochter, die nun zu mir blickte. „Darf ich denn dein Auto fahren?", fragte sie zögernd.
„Klar."
„Fein, dann ist die Sache geritzt." Phil schien sich zu freuen.
„Ok, dann gib mir ein Bier", meldete ich mich nun zu Wort.
Nachdem Phil mir dieses überreicht hatte, stießen wir erstmal an.
„Sammy hat mir gesagt, du verdienst dein Geld mit singen", meinte er mit lässig klingender Stimme.
„Ja, das tue ich." Ok, er entsprach nicht der Alterszielgruppe unser Fans, ich konnte ihm demnach nicht vorwerfen ein Hinterwäldler zu sein.
„Ich singe in einer Boy Band, die heißt One Direction."
Phil nickte daraufhin. „Ja, wer kennt die nicht. Eure Songs laufen ständig im Radio auf und ab. Ihr scheint ziemlich erfolgreich zu sein."
„Na ja, wir sind zufrieden und haben Spaß daran."
„Das ist doch das Wichtigste. Das sage ich auch immer zu Sammy. Sie sollte Spaß an den Sachen haben, die sie tut."
„Ich hab sehr viel Spaß mit Niall", ertönte Sammys Stimme. Gleich darauf errötete sie jedoch. Ich hatte eigentlich nichts anderes erwartet und begann zu grinsen. Das war der Moment, in dem Phil seinen Kopf hob.
„Warum hast du nichts gesagt, Hasi? Ich hätte dir doch geholfen, das Essen aus der Küche zu tragen."
Demnach musste Sammys Mutter, der ich den Rücken zugewandt hatte, ins Zimmer gekommen sein. Langsam, mit einem Lächeln im Gesicht, drehte ich mich um, damit ich sie begrüßen konnte. Als ich jedoch Sekunden später in ein blaues Augenpaar schaute, begann mein Herz heftig zu rasen.
Ich hatte alles erwartet, nur das nicht.
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Ready for the drama? Ich glaube, ihr wisst alle, wer da nun vor Niall steht. Einige haben es schon geahnt, befürchtet, wie auch immer. Und jetzt ist es geschehen. Ich weiß, ich bin gemein, diesen Cliffhanger zu fabrizieren, aber das macht es umso spannender.
Ich würde so gerne wissen, was ihr jetzt denkt, das könnt ihr mir glauben. Und ich freue mich mega auf eure Kommentare!
LG, Ambi xxx
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