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Ich blinzelte. Das Licht, das auf mich gerichtet war, war grell. So, so grell.
"Wo warst du nach dem Frühstück?"
Einer der Gestiefelten (vielleicht der, die mich hergebracht hatte?) schaute mich ernst an.
"W-was? Was ist hier los? Ich-"
"ANTWORTE!" Ich zuckte zusammen, meine Augen füllten sich mit Tränen. Ich hasste es, angeschrien zu werden. Die Mauer hatte das nie getan.
"Ich bin runter zum Fluss... Ich- Ich wollte baden..." Gelogen war das ja nicht.
"Und warum bist du so weit vom Camp gefunden worden?" Die Stimme, die jetzt sprach, war etwas sanfter. Ich hob meinen Kopf ein wenig, senkte ihn aber sofort wieder. Meine langen Haare fielen mir ins Gesicht, sie schützten mich vor dem Licht. Das Licht tat weh. Ein Schluchzen entkam mir. Warum behandelte man mich so? Ich hatte doch nichts Falsches getan! Wenn, dann hätte ich uns allen einen Gefallen getan. Tim bewegte sich nicht mehr. Das war gut. Also warum waren alle so wütend?
"WAS MACHT IHR DENN DA?!" Eine Frau kam hereingestürmt. Ihr langer, dunkler Zopf wehte hinter ihr her.
"SEID IHR VOLLKOMMEN VERRÜCKT GEWORDEN?!"
Die Gestiefelten zuckte zusammen, einer versuchte, sich zu erklären. "Sylvia, hör zu-"
"OH NEIN, IHR HÖRT ZU! DENKT IHR ALLEN ERNSTES EIN KLEINES KIND KÖNNTE EINEN MORD BEGEHEN??"
Sie gestikulierte wild in meine Richtung. "SEHT DIE EUCH DOCH AN!" Dann ging sie auf mich zu.
"Na, komm Kleine. Wo ist dein Zelt?" Ein letztes Mal sah sie die Gestiefelten voller Zorn an, dann nahm sie mich bei der Hand und führte mich aus dem Zelt. Ich kuschelte mich an sie, immer noch schluchzend. Beruhigend streichelte sie meinen Kopf. "Ist ja gut...", murmelte sie immer wieder. "Du bist jetzt sicher. Wo ist dein Zelt?" Ich zeigte in die ungefähre Richtung. Sylvia nickte und zog mich sanft mit sich. Ich genoss ihre Berührungen. Wenn doch nur jeder Mensch so freundlich wäre. Aber Menschen waren nicht freundlich. Sylvia bestimmt auch nicht. Sie Alle nutzten einen nur aus, um an ihr Ziel zu gelangen, und wenn sie dort waren, würden sie dafür sorgen, dass man sich nicht mehr bewegte. So würde ich das wenigstens machen.

Nachdem wir bei meinem Zelt angekommen waren, legte sie mich in das Bett, deckte mich zu und strich mir sanft über die Stirn.

"Keine Sorge", sagte sie. "Dir passiert nichts. Es ist etwas ganz Schlimmes passiert, aber ihr seid sicher. Wir passen auf euch auf. Das tun wir immer"

Ich nickte, sie stand auf und wandte sich gerade dem Ausgang zu, als ich leise fragte: "Was ist... Ein Mord?" Sylvia stockte , dann wandte sie mir den Kopf leicht zu. "Ein Mord ist etwas Schreckliches. Du solltest dich damit noch nicht befassen müssen. Schlaf jetzt."

Dann löschte sie das Licht und verschwand. Eine Weile lag ich in der Dunkelheit und dachte über ihre Worte nach. Ein Mord... War das, was ich mit Tim getan habe? Hatte ich ihn gemordet? Ich seufzte und setzte mich auf. Ich muss hier weg.

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