Kapitel 9

Bis in die frühen Morgenstunden lese ich noch, dann beeile ich mich unbemerkt zurück in mein Zimmer zu kommen.

Müde und etwas abgehetzt schaffe ich es gerade noch rechtzeitig in die Mensa, um Frühstück zu bekommen. Sophie sitzt mit Selma noch bei einem Tee. Während Sophie schüchtern mit dem Löffel in ihrer Tasse rührt, macht Selma, die abwesend mit einer ihrer braunen Haarsträhnen spielt, einen genervten Eindruck.

"Guten Morgen", durchbreche ich das Schweigen an ihrem Tisch.

Beide Mädchen heben fast gleichzeitig den Kopf und in beiden Gesichtern ist Erleichterung zu erkennen.

"Du siehst ganz schön fertig aus", bemerkt Selma.

"Alles gut, ich habe nur etwas zu lange gelesen", antworte ich geschickt ohne dabei wirklich lügen zu müssen.

"Dann ist ja gut. Ich gehe jetzt mal raus zu Amy. Wir sehen uns später."

Daraufhin zieht sie ihre Jacke von der Stuhllehne und spaziert aus der Mensa, ohne ihre Tasse abzuräumen.

Fragend schaue ich Sophie an, die unter ihren langen Wimpern hindurch zu mir aussieht.

"Die anderen sind schon alle raus", sagt sie traurig, "Nur Selma ist aus Höflichkeit sitzen geblieben aber ich glaube, sie mag mich nicht."

"Keine Ahnung", nuschle ich, weil ich nicht weiß, was ich dazu sagen soll, "Geht es dir denn besser?"

Sophie nickt.

"Meine Eltern kommen mich am Samstag besuchen. Da freue ich mich schon. Wie hat dir denn der Ausflug gefallen? Miguel war heute morgen noch total angetan."

"Es war auf jeden Fall sehenswert."

Mehr erzähle ich erst mal nicht. Mein Kopf dröhnt noch viel zu sehr von der Masse an Informationen, die ich heute Nacht so alles gelesen habe. Obwohl es nicht wirklich etwas war, dass ich mich nicht wusste, muss ich erstmal meine Gedanken sortieren.

"Mein Dad hat sich auch angekündigt", verrate ich Sophie.

Anders als bei ihr, hält sich meine Begeisterung jedoch in Grenzen. Ich glaube, dass es sich für meinen Vater um einen Pflichttermin handelt.
Wir werden es einfach irgendwie hinter uns bringen. Aber natürlich freue ich mich für Sophie. Ihr wird der Besuch ihrer Familie ganz bestimmt richtig gut tun.

Nachdem wir ausgetrunken haben, wollen auch wir etwas an die frische Luft. Draußen im Garten treffen wir auch wieder Selma, Amy und Miguel, die sich angeregt über einen der Professoren auslassen. Amy scheint verärgert aber worum genau es geht, kann ich aus der Unterhaltung nicht ganz heraushören. Während ich krampfhaft versuche dem Gespräch zu folgen, steht Sophie geistesabwesend neben mir. Sie ist total in ihre eigenen Gedanken vertieft und scheint ihre Umwelt gerade völlig auszublenden. Doch ich kann gerade nicht auf sie eingehen. Mein Blick wandert an ihr vorbei.
Da ist er wieder, braunes Shirt, dunkle Haare, Tattoo. Ohne meine Augen von ihm zu nehmen, greife ich Miguels Arm.

"Da!", hauche ich.

Aber mit einem Wimpernschlag ist er wieder verschwunden.

Verwundert mustert Miguel mein Gesicht. Die Unterhaltung ist unterbrochen.

Regungslos stehe ich da und fühle mich wie ein Idiot. Ich spüre selbst, wie meine Wangen erröten.

"Ach, schon okay. Sorry", entschuldige ich die Unterbrechung, worauf Amy ungehindert weiter schimpft.

Jedoch bleibt mir Miguels skeptischer Blick nicht verborgen.

Was ist denn los mit mir? Allmählich befürchte ich in dieser Klinik noch völlig durchzudrehen. Vielleicht sollte ich mit Doktor Miller später einmal darüber reden.

Sophie, die von allen auf Grund ihrer Träumerei kein Bisschen mitbekommen hat, sieht mich bin mit ihren großen Augen fragend an.

"Du bist so blass", flüstert sie kaum hörbar.

"Ich bin etwas müde", antworte ich ihr ohne darauf zu achten, ob es die anderen auch hören, "Ich werde mal hochgehen und etwas schlafen, bis ich zu Doktor Miller muss."

Sophie nickt zustimmend.

"Ich gehe auch auf Zimmer."

Natürlich bin ich viel zu durcheinander, um mich hinzulegen. Unruhig zupfe ich an einem lösen Faden meines Shirts. Was ist denn nur los?
Meine Alpträume werden schlimmer, ich sehe Lichter, die vielleicht nie existiert haben und treffe einen jungen Mann, den außer mir niemand wahrnimmt.

Es gibt nur zwei Erklärungen für das Alles. Entweder tritt aus diesen höllischen Brand tatsächlich immer noch giftiges Gas aus, was auch erklären würde, warum sich Sophie seit ihrer Ankunft nicht gut fühlt, oder ich muss mir eingestehen, dass mein Vater Recht hatte und ich brauche wirklich Hilfe.

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Hey ihr Lieben,
ich hoffe, dass euch meine Story bis jetzt gefällt.
Es wird noch sehr viel passieren.

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