Sie.

【 RUTH 】

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Es gab Menschen, die kannten wir besser, als wir uns selbst.

Und damit meinte ich nicht ein Familienmitglied, wie Mutter, Vater oder Geschwister. Viel mehr dachte ich dabei an Menschen, die den Weg unseres Lebens kreuzten. Manche zufällig und andere ergaben sich aus einer Verkettung der Umstände.

Doch in meinem Fall stolperte dieser besondere Mensch zufällig auf meinen Weg und beschloss mir auf der Zeitleiste des Lebens Gesellschaft zu leisten. Ich hatte weder um ihn gebeten, noch ihn bislang vermisst. Als er jedoch da war, da wünschte ich, er würde für den Rest meines Lebens bleiben.

Es dauerte vier Jahre und ich konnte mit Stolz sagen, dass er mir so nahe war, wie ein Schatten, ein Seelenverwandter oder eben das, was er war.

Nämlich mein bester Freund.

Gewisse Dinge und Eigenarten ließen sich bei ihm lesen, als wäre er eine Landkarte. Ein Stadtpunkt folgte dem Nächsten und symbolisierte mein Wissen über ihn. Sie alle zusammen machten ihn schließlich zu dem, was er für mich war.

Allerdings gab es 13 Lieblingsstadtpunkte, die ich niemals an Wissen über ihn missen wollte. Auch, wenn es noch 9999987 zusätzliche Stadtpunkte gab, so waren diese 13 es doch, die mir als Erstes in den Sinn kamen, wenn ich an meinen besten Freund dachte.



1. Niall hasste es, wenn man seinen Namen falsch aussprach.

Ich lernte Niall auf dem 18ten Geburtstag meiner Cousine kennen.

Wir feierten in einem abgeranzten Partykeller, zwischen Bier, billiger Bowle und zahlreichen Chipstüten. Schlechte Musik aus den 90ern plärrte aus den Boxen und ich langweilte mich fürchterlich unter all den Leuten, die ich nicht kannte. In den Händen drehte ich die Bierflasche und beobachtete die tanzenden Idioten, die sich dabei noch mächtig cool fühlten.

Weiter hinten knutschte Cousine Eleanor mit einem Fusselkopf herum. Tief seufzte ich und fragte mich zum wiederholten Mal, ob sie mich eigentlich nur aus Höflichkeit eingeladen hatte, oder weil sie mich wirklich dabei haben wollte.

Jemand ließ sich neben mir mit einem gewissen Abstand auf der Holzbank nieder und rieb sich die Handflächen an der Jeanshose ab. Dann beobachtete ich aus den Augenwinkeln, wie er die leeren Becher stapelte und die Servietten glatt strich.

„Willst du die Dinger bügeln?", fragte ich belustigt und er blinzelte: „Ähm... nein." Weiter ging er nicht auf Smalltalk ein. Stattdessen sah er ebenfalls in die Richtung, wo Fusselkopf nun die Arme um meine Cousine schlang.

Nun seufzte der Typ neben mir theatralisch und ließ die Schultern sinken. Das brachte mich zum Schmunzeln: „Bist du als Aufpasser hier?"

„Nein, als Mutmacher", gab er zu.

Ich zeigte auf meine Cousine: „Für den Fusselkopf?"

„Scheint so, als würde er das gar nicht brauchen", stellte er fest und zuckte mit den Schultern. „Na ja, Louis hat es eben drauf dramatisch zu sein, sodass man ihm nichts abschlagen kann."

„Und Hunger hat er ebenfalls", kommentierte ich, denn man beobachtete, wie er meiner Cousine fast das Gesicht abfraß. Just in diesem Moment lachte der fremde Typ und ich grinste breit, dann sprach ich: „Ich bin Ruth, eine Cousine von dem Mädchen, das für den mangelnden Mut verantwortlich ist."

Er nickte verstehend: „Ah... okay... mein Name ist Niall."

Die Musik störte ungemein und ich horchte: „Neal?"

„Nein, Niall."

„Nieal", wiederholte ich und nun runzelte er die Stirn, schüttelte den Kopf und versuchte es noch einmal: „N-i-a-l-l."

„Neill", gab ich mein Bestes.

Es dauerte lange, bis ich Nialls Name richtig aussprechen konnte. Meine Geduld schrumpfte heftig und ich verschwieg ihm bis heute, dass ich kurz davor gewesen war, ihn einfach Nils zu taufen.

2. Er war der König der Ordnung.

Als ich Niall das erste Mal zu Hause überraschte, da glaubte ich, er hätte eine Militärschule besucht. Sein gesamtes Zimmer war so ordentlich, sauber und penibel eingerichtet, dass ich mich nicht traute mich auf seinen Schreibtischstuhl zu setzten. Die Stifte waren nach Farben sortiert, das Bett so akkurat gemacht, als hätte er den Abstand der Decke zum Kissen abgemessen und die Bücher thematisch im Regal sortiert.

„Ich will nicht unhöflich sein, aber hast du eine Zwangsstörung oder so?", fragte ich ihn direkt als er mit zwei Tassen Tee in sein Zimmer kam. Belustigt grinste er: „Nein."

„Irgendeine andere Neurose?", horchte ich und er stellte die Tassen auf seinem Schreibtisch ab, dann gestand er: „Auch nicht. Ich habe nur gerne den Überblick."

3. Wenn Niall lachte, dann war es ansteckend.

Wir sahen Pets 2 im Kino und eigentlich lief alles, wie es bei einen normalen Kinobesuch laufen sollte. Bis der Moment kam, an dem Niall sich an seiner Cola verschluckte. Er lachte, röchelte und lachte erneut. Hilflos klopfte ich ihm in der Dunkelheit auf den Rücken, doch er bekam sich überhaupt nicht mehr ein.

„Ist alles okay?", fragte ich leise, um die Leute um uns herum nicht zu stören. Doch die Frage führte zum nächsten Lachflash. Ich nahm ihm die Cola aus der Hand und flüsterte: „Jetzt beruhige dich mal!"

Daran war nicht zu denken. Er hielt immer mal wieder die Luft an, um sich runter zu kommen, aber dann platzte das Gelächter quasi aus ihm heraus. Mittlerweile vergrub er das Gesicht in den Händen. Ich konnte mich selbst nicht mehr auf den Film konzentrieren und musste mein Lachen mühevoll unterdrücken.

„Wenn du nicht sofort damit aufhörst, dann schmeißen die uns hier noch raus", warnte ich ihn.

„Tut mir leid, ich-", er hatte sich absolut nicht mehr im Griff und da hörte ich es zum ersten Mal. Seine Lache hatte die Leute hinter uns angesteckt. Obwohl der lustige Gag seit Minuten vorbei war, schlossen sich Leute Nialls Gelächter an. Eine halbe Ewigkeit kämpfte Niall mit sich, schließlich lehnte er sich erschöpft zurück und raunte: „Ich bin fix und fertig."

„Wir haben es alle gehört", dröhnte jemand von hinten und wieder lachte der Kinosaal.

Ab da beschlossen wir, dass wir Komödien besser zu Hause schauten.

4. Manchmal hasste ich ihn für seine Überpünktlichkeit.

Niall gehörte zu den Menschen, die überpünktlich waren und wenn es ging, genau auf die Sekunde. Besonders stark wurde diese Eigenart deutlich, als wir uns zusammen mit einem Freund Namens Harry eine Wohnung für unsere WG ansehen wollten.

„Warte!", sprach Niall, als ich gerade den Klingelknopf drücken wollte.

Sofort hielten Harry und ich inne und sahen ihn irritiert an. Nervös blickte Niall auf seine Uhr: „Wir sind zu früh."

Harry zog sein Handy aus der Jackentasche und stellte fest: „Ja, zwei Minuten. Ist doch egal."

„Nein", behauptete Niall und schob mich von der Klingel weg. „Lasst uns warten."

Ich musste lachen: „Die zwei Minuten? Jetzt mach dich nicht lächerlich."

„Bitte", schob Niall hastig hinterher. „Es ist unhöflich zu früh zu erscheinen."

„Oh, ich bin sicher, dass Mr Collins das verkraftet", sprach Harry sarkastisch und streckte bereits den Arm aus um zu klingeln, doch dann hielt er inne und blickte in Nialls verkniffene Miene: „Ach komm schon, Mann! Das ist albern, ich werde jetzt nicht zwei Minuten hier stehen und warten."

Niall sah das anders und ich verschränkte die Arme vor der Brust.

Tief seufzte ich und ahnte da noch nicht, dass ich noch viele Minuten meines Lebens mehr warten würde. Mit Niall war ich für den Rest meines Lebens so überpünktlich, dass Louis eines Tages witzelte, man könnte eine Uhr nach unserem Erscheinen stellen.

5. Es gab Momente, da flunkerte Niall und das ziemlich schlecht.

Ich würde es nicht direkt als flunkern beschreiben, eher als Vortäuschen. Denn immer, wenn Louis ganz fasziniert vom Fußball philosophierte, da unterdrückte Niall nur mit Mühe ein Gähnen.

Stattdessen spielte er dem Fusselkopf vor, dass es ihn so brennend interessierte, ob das Tor nun in der 67 Minute oder in der 68 Minute gefallen war, dass ich es ihm fast selbst abkaufte. Was ihn schlussendlich verriet?

Er knippelte unruhig mit den Fingern an den Knielöchern seiner Jeans. Leider tat er das auch, wenn ich von neuen historischen Serien erzählte und meine glänzenden Augen nur schwer verbergen konnte. Doch immer, wenn ich ihn fragte, ob ich ihn langweilte, da schüttelte er heftig den Kopf und verneinte.

Ich blieb weiterhin skeptisch.

6. Niall liebte Dokus.

Und das ließ sich nur schwer ertragen. Regelmäßig musste ich mir mit ihm irgendwelche Reportagen über Mafias, Gangs, Bikern, Lebensweisen, Veganern, Kochexperimenten, Eisbären, Singvögel, Kamele, Giraffen, Haien, Aalen, Krabbeltieren und was es sonst noch auf der Erde zu entdecken gab, reinziehen.

„Die fünf härtesten Gefängnisse der Welt", las ich trocken die Überschrift, als es mal wieder Zeit für einen gemeinsamen WG-Abend vor der Glotze wurde. Harry erhob sich aus seinem Sessel und sprach trocken: „Ich hab was vor", und machte sich auf und davon.

„Es ist sehr unhöflich immer abzuhauen, wenn ich dran damit bin etwas auszusuchen", fand Niall, doch Harry zuckte mit den Schultern und zog sich die Jacke an: „Mir egal, aber bevor ich meine kostbare Lebenszeit damit verschwende harten Knackis zu zuhören, störe ich Louis und Eleanor auf Wolke sieben." Damit warf er die Wohnungstür hinter sich zu.

Nun fiel Nialls Blick auf mich und es wirkte, als würde er meine Mimik lesen wollen: „Aber dich interessiert das, oder?"

Ich zögerte, brachte es jedoch nicht übers Herz einen Hundewelpenblick zu widerstehen. Also log ich dreist: „Natürlich. Ich wette, dass die unter den Top Fünf Askaban vergessen haben!"

7. Was Niall machte, das machte er gründlich.

Als Handwerker legte Niall viel Wert auf Genauigkeit. Demnach tapezierte und strich er die Wände unserer WG selbst und ließ es sich nicht nehmen den Boden zu überarbeiten. An sich waren Harry und ich froh darüber. Doch als wir nach einem Großeinkauf zurück in die WG kamen, da hatte Niall die wuchtige IKEA-Kommode im Flur auseinander gebaut.

„Was ist passiert?", wollte ich wissen und betrachtete das Meer an Einzelteilen. Niall zuckte mit den Schultern: „Nichts Dramatisches, sie war nur schief."

„Quatsch", fand Harry. „Ruth und ich haben uns genau an die Gebrauchsanweisung gehalten."

„Und trotzdem klemmte die obere Schublade und die Kommode wackelte leicht."

Ich hatte davon absolut nichts bemerkt. Harry scheinbar auch nicht. Also ließen wir Niall im Flur zurück und räumten die Einkäufe ein.

Eine Stunde später nahm er den Küchentisch auseinander, mit der Begründung, er würde knarren. Manchmal übertrieb er es mit der Genauigkeit und Harry und ich bekamen IKEA-Verbot, wenn wir auch nur wagen sollten ein Regal ohne ihn aufzubauen.

8. Er mochte keine kranken Mensch, ertrug sie jedoch ritterlich,

wenn er sie gerne hatte.

Laut schnupfte ich in der Küche und wollte mir gerade einen Tee machen, als Niall einen ganzen Meter Abstand zwischen uns brachte. Sichtlich angepisst sah ich ihn an: „Es ist nur eine Erkältung."

„Die du gerne bei dir behalten darfst", konterte er. „Nimm die Viren bitte mit in dein Zimmer."

„Du bist ein Blödmann", behauptete ich und wankte mit einer heißen Tasse Tee zurück in meine vier Wände. Dort dämmerte ich im fiebrigen Schlaf vor mir hin und bemitleidete mich selbst.

Irgendwann wurde das Fenster geöffnet, jemand murmelte etwas vor sich hin und sammelte Klamotten vom Boden auf. Schließlich roch ich erneut frischen Tee. Die verklebten Augen zu öffnen war anstrengend und mir schob jemand etwas kuscheliges Warmes unter die Decke. Meine Dino-Wärmflasche tat ihren alten Dienst und ich blinzelte.

„Wasch, maschu?", nuschelte ich und Niall stellte einen leeren Mülleimer neben mein Bett: „Für die ekelhaften Rotzfahnen, die bei dir im Zimmer rumfliegen."

„Maschu mir nosch n' Tee?", bettelte ich und sah ihn tief und angestrengt ein- und ausatmen: „In Ordnung, aber nur den Einen!"

Natürlich kochte er noch einen Zweiten, Dritten und Vierten.

9. Er konnte nicht fluchen.

„Dieser verfickte alte Sack hat mich überholt!", fluchte Louis als er zusammen mit Niall vor der Glotze saß und irgendein komisches Videospiel mit Autos zockte. „Aber den Schweinehund werde ich zeigen wo die Glocken hängen!"

Ich lümmelte fast unsichtbar und vergessen im Sessel und versuchte mich nicht allzu sehr vom Lesen ablenken zu lassen. Doch ihre Gespräche waren zu interessant. Hin und wieder schlugen sie zum High Five ein und als Nialls Rennwagen von einem anderen geschnitten wurde, da entwich ihm lediglich ein: „Was für ein unhöflicher Fahrer!"

Im Kontrast zu Louis: „Den Hurrensohn machen wir fertig!", war  Nialls dreckigster Fluch des Abends.

10. Er war charmant-

- zumindest glaubte er das.

Es war nicht so, dass Niall nicht flirten konnte, aber der Charme war es nicht, der ihn bei Frauen recht gut ankommen ließ. Seine blauen Augen, das ansteckende Lachen und seine höfliche Aufmerksamkeit waren das Eigentliche, weshalb Frauen ihn mochten. Leider bemerkte er es nicht, wenn sie richtig mit ihm flirten wollten. Stattdessen hielt er die offensichtlichen Anmachen für Freundlichkeit.

„Die Blonde an der Theke findet Gefallen an dir", raunte ich Niall zu, als wir uns mal wieder fix einen Kaffee und ein Bagel beim Bäcker für zwischendurch holten. Er sah mich an, als wäre ich ein rohes Ei: „Unsinn."

„Mich fragt sie jedenfalls nicht, wie mein Tag so war", wies ich ihn darauf hin. „Immer, wenn wir hier sind und sie arbeiten muss, dann sieht sie dich an wie sieben Tage Sonnenschein."

„Ich bin ein Kunde, das gehört zu ihrem Job", meinte er. „Die anderen werden auch so bedient."

„Ach ja?", ich nickte mit dem Kopf zur Theke, wo nun ein Mann mittleren Alters seine Bestellung aufgab: „Schätze der Typ ist nicht freundlich genug für ein Lächeln."

Die blonde Verkäuferin reichte dem Mann seine Tüte und blickte zu uns, ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und ihr Blick traf Niall. Just im selben Augenblick lief sein Kopf knallrot an.

Und das war sein wirklicher Charme.

11. Der Gastgeber für eine Party zu sein, behagte ihm nicht.

Nervös sah Niall sich ständig um, als wir es im Sommer endlich schafften unsere Einweihungsparty zu schmeißen. Unsere kleine Bude platzte aus allen Nähten, weil Harry Hinz und Kunz eingeladen hatte. Selbst ich kannte nur jedes vierte Gesicht.

„Jetzt mach dich mal locker", sprach ich und füllte ein neues Glas Bowle auf. Neben mir wippte Niall mit den Füßen auf und ab. Er schien mich nicht einmal gehört zu haben, stattdessen wies er den unbekannten Typen neben sich darauf hin: „Entschuldige, aber würdest du bitte einen Untersetzer für dein Glas benutzten? Das gibt sonst hässliche Ringe."

„Niaaaall", probierte ich es noch mal und ignorierte den Bass unter meinen Füßen. Ich drückte ihm die Bowle in die Hand und befahl: „Trink! Sofort!"

Er tat mir den Gefallen, doch an seinen Augen sah ich, dass das nächste Verbrechen gescannt wurde. Hastig setzte er das Glas ab und rauschte ins Wohnzimmer: „Hey du!", sprach er einen dunkelhaarigen Kerl mit auffälligen Tattoos an: „Nimm sofort die Füße vom Couchtisch, das gehört sich nicht, oder machst du das bei dir zu Hause auch mit Straßenschuhen?"

Der junge Mann war völlig überrumpelt und Eleanor trat zu mir: „Niall ist heute aber wirklich sehr nervös."

„Ja, er führt sich ein Bisschen auf, wie die Anstandsdame vom Dienst", gab ich zu. „Nichts, was guter Alkohol nicht lösen kann."

„Dann sieh mal zu, dass du ihm den schnell einflößt, denn wenn er Liam schlafend bei euch auf der Matte im Bad findet, dann beendet er vielleicht vorzeitig die Party."

Die Wahrscheinlichkeit war hoch. Doch an diesem Abend fand Niall weder diesen Liam schnarchend auf der Badematte, noch bekam er mit, dass Louis um halb drei in die oberste Schublade der Kommode im Flur kotzte.

12. In Nialls Küssen ertrank man nur zu gerne.

Ich hörte die laute Musik und wusste, dass sich auf der anderen Seite der Tür zahlreiche feiernden Leute befanden. Doch all das rückte in weite, weite Ferne. Nialls weiche Lippen auf meinen sorgten dafür, dass denken unmöglich wurde. Ich bekam nur am Rande mit, wie er seine Zimmertür abschloss.

Stattdessen schmeckte ich die Bowle auf seinen Lippen, spürte mein Herz explodieren und atmete tief diesen dezenten Duft von Seife und Niall selbst ein. Es war dunkel im Zimmer, nur die Straßenlaterne warf von draußen Schatten.

Dunkle blaue Augen musterten mich. Kälte überzog meine Lippen, als Niall sich leicht zurücklehnte. Kein einziges Wort fiel zwischen uns, so als wäre all das überflüssig.

Wie waren wir hier hin gekommen? Dieselbe Frage schien auch ihm durch den Kopf zu gehen, doch dann schüttelte er sie einfach von sich und beugte sich erneut zu mir runter.

Ich wurde gegen die Tür gedrückt und schloss die Augen. Sich intensiven und leidenschaftlichen Küssen hinzugeben war spielend leicht.

Der Rest, der folgte, leider auch.

13. Er war ein Prinz, wie ein Uhrwerk.

Niall war kein Prinz Charming, kein Mr Perfekt oder Everybodys Darling. Nein, er war zuverlässig, pünktlich, pingelig, höflich und in manchen Momenten etwas eigenartig. Aber genau diese Andersartigkeit mochte ich an ihm und sorgte dafür, dass ich mich schleichend in ihn verliebte.

Ich erkannte ihn am Klang seiner Schritte, lauschte gerne seinem Lachen und neckte ihn oft damit, indem ich seinen Namen bewusst falsch aussprach.

Er war ein wundervoller Mensch, den ich niemals auf meinem Wanderweg des Lebens missen wollte. Deshalb war es mir so wichtig die Freundschaft zu halten und mir einzureden, dass auch Freundschaft Liebe war.

Zu meinem Prinzen, der zuverlässig, wie ein Uhrwerk funktionierte, gehörte jemand Besonderes.

Und ich war das nicht.



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