» Hey «

"Und dann ist dieser Typ einfach gekommen und hat mich gefragt, ob wir tanzen wollen. Ich wollte natürlich nicht gleich ja sagen, sonst würde er denken, dass ich einfach zu kriegen wäre. Also habe ich ihm gesagt, dass schon ein bisschen mehr, als nur ein Tanz da herausspringen muss. Und jetzt würde ich gerne wissen, aber das vielleicht zweideutig verstanden hat. Weißt du, ich bin nicht der Typ, der nach dem ersten Mal schon gleich Sex haben muss und hoffe, dass er jetzt nicht glaubt, dass ich irgendeine dahergelaufen Bitch bin. Weil, Elva, wir hatten Sex. Mordshammergeilen Sex. Und ich glaube, ich will das wiederholen. Bin ich dann eine Schlampe?"

Seufzend rührte ich meinen McDonald's Kaffee um. Ich liebe Kaffee. Es ist so etwas wie eine Droge für mich und würde ich einen Tag ohne Koffein verbringen, würde ich vermutlich eine Panikattacke erleiden.

"Elva, hörst du mir überhaupt zu?"

"Klar doch."

Es nervte einfach nur, wenn Lindsay mich wieder über die Zusammentreffen mit diversen Jungs informierte und dabei ziemlich viele schmutzige Details erwähnte. Sie konnte mir oft genug sagen, dass sie niemals eine Schampe sein würde, aber es ist leider schon geschehen. Hätte ich in der Volksschule gewusst, was aus meiner besten Freundin werden würde, hätte ich sie wahrscheinlich nie angesprochen.

Als sie wieder anfing zu erzählen, schalteten sich meine Ohren automatisch auf Standby. Ich konnte ihrem Geschwafel nicht mehr zuhören. Überhaupt dann, wenn ich stundenlang im Auto saß, auf dem Weg in mein neues Leben, in dem ich sie sicherlich nicht teilhaben lassen wollte.

"Du, Lindsey. Ich muss jetzt echt auflegen. Wir können später telefonieren, wenn du willst."

Nachdem sie aufgelegt hatte, entkam mir ein erleichtert Seufzer. Ich hoffte so stark, dass ich in dieser verdammten Schule, eine anständige Freundin finden würde, die sich nicht an jeden zweiten Jungen warf.

"Mom, wie lange fahren wir noch?" Brummte ich gelangweilt, da die Übelkeit, die sich langsam in meinem Bauch ausbreitete, nicht aufhören wollte, sich auszudehnen.

"Gleich, Schatz. Noch circa eine halbe Stunde und dann sind wir in Seattle. Ich wette, es wird dir dort gefallen."

Als wir nach einer Stunde noch immer nicht angekommen waren, holte ich genervt mein Handy aus der Tasche und fing an, darauf herum zu tippen. Als ich das Roaming einschaltete, fing mein Telefon an, wie wahnsinnig zu läuten. "Was zum Dreck ist jetzt schon wieder los?" Schnauzte ich und schaltete mein Telefon automatisch leiser.

Instagram und WhatsApp waren wahre Teufel, klingelten pausenlos und wenn man einmal das Internet ausgeschalten hatte und nach einem langen anstrengenden Tag, endlich zu Hause das W-Lan benutzen konnte, prasselten die Nachrichten wie eine Lawine auf einen ein.

Als ich Instagram durchforstete, fiel mir der kleine unscheinbar Einser in der rechten oberen Ecke auf. Wer auf dieser Welt schrieb mir bitte eine direkt message? Außer es war eine von diesen Seiten, die wieder um ein Shoutout fragen würde.

Genervt öffnete ich den Ordner und war zuerst überrascht.

"Hey."

Wer war das? Ich habe eigentlich nichts dagegen das mich dieser fremde junge anschreiben würde, aber laut seinem Profil schien er ein richtiger Fuckboy zu sein und das macht mich stutzig. Viele Leute schrieben mich nicht gerade an, aber an der Anzahl von Jugen, die mich per Instagram geaddet haben, mangelte es nicht.

Sollte ich zurückschreiben? Ich hatte nichts zu verlieren.

"Hey back."

Zufrieden steckte ich das Telefon wieder in meinen Rucksack und rüttelte am vorderen Sitz meiner Mutter. "Man, wann kommen wir endlich an? Wir hätten schon vor einer halben Stunde da sein sollen."

"Du bist wirklich in ziemlich ungeduldiger Mensch, Elva. Zehn Minuten; steht auf dem Navi."

Ich ließ mich zurück in meinen Sitz sinken und starrte aus dem Fenster. Es würde eine riesige Umstellung für mich bedeuten, aus einer Kleinstadt wie Moncks Corner, nach Seattle zu ziehen.

"Schatz, schau mal nach draußen. Das Riesenrad." Einigermaßen interessiert wagte ich einen Blick aus dem Fenster und staunte nicht schlecht. Es war nicht wirklich groß, aber wahrscheinlich würde es Spaß machen, damit zu fahren. Vielleicht ein Ziel, dass ich mir mit meiner nächsten Freundin ausmachen könnte?

Als wir endlich auf dem Parkplatz vor unserer Wohnung stehen blieben, stieg ich aus und knallte sofort die Tür hinter mir zu. "Endlich, ich dachte, ich bekomme schon Thrombose in meinem Arsch." Bewundernd glitten meine Augen über die hübschen Häuser und ich schluckte einmal.

"Das hier ist definitiv kein Ghetto Viertel." Murmelte ich zu meiner Mutter und sie nickte. "Es war nicht ganz billig."

Das einzige, dass ich an meiem Vater gemocht hatte, war, dass er richtig viel Geld hinterlassen hatte. Nachdem dieser Feigling nach meiner Geburt einfach kalte Füße bekommen hatte und abgehauen war, verabscheute ich ihn regelrecht. Wenigstens hatte er genug Anstand ein bisschen an seine Frau und seine Tochter zu spenden.

Meine Mutter kam zu mir und legte einen Arm um mich. "Glaubst du, schaffen wir das, Elva? Ein ganz neues Leben beginnen und einfach mal von vorne anzufangen?"

"Ich bin davon überzeugt, Mom." Sagte ich und fuhr mir gestresst durch meine rotbraunen Haare. "Wird schon schief gehen oder?"

Mit einem Brummen der Zustimmung setzte sie ihren Weg zu der Tür unserer Wohnung fort und holte einen Schlüssel hervor.

"Den hat mir die Haushälterin vorher gegeben." sagte sie und grinste mich verschmitzt an. Meine Mutter ist wirklich eine Gangsterin. Grinsend sah ich meiner Mutter zu, wie sie den Schlüssel ins Loch steckte und die Tür sich mit einem leichten Klick öffnete. Ein kleiner Schrei entwich ihr und sie sag mich mit glücklichen Augen an.

"Das wird das geilste Leben, dass wir je hatte, Elva."

Sogar der kleine Eingangsvorraum sah edel aus, in dem die Postfächer der Bewohner des Hauses, an der Wand hingen. Schmunzelnd stieg ich mit meiner Mutter in den Aufzug und sie drückte auf die Nummer 3.

"Höchstes Stockwerk?" Fragte ich verwundert, Luxus pur war angesagt.

"Sicherlich, wenn schon, denn schon."

Wir blieben vor der Haustür stehen und entzückt sprang sie mit dem Zutun des Schlüssel auf. Es war eine große geräumige Wohnung, in der sich bis jetzt aber noch keine Möbel befanden.

"Das ist so hammermäßig geil, Mom."

Lachend schliffen wir unsere Koffer in die Mitte eines Zimmers und setzen sie da ab.
"Wahrscheinlich wird das hier das Wohnzimmer, aber ich bin mir noch nicht ganz sicher."

"Du hast die Wohnung aber ich schon gesehen oder?" Fragte ich sie, da mir ihre Reaktion zu erstaunt ausfiel.

"Klar, aber wenn ich sie mit meiner Tochter erkunde, dann wird das alles noch viel spannender, als beim ersten Mal."

"Du laberst viel Mom, aber es kommt nie etwas Gescheites aus deinem Mund raus."

In dem Raum, der später mein Zimmer werden sollte, lag eine Matratze am Boden und sonst war er mit einem graubraunen Laminatboden und weißen Wänden versehen.

Ich würde es dann einrichten, wie ich wollte. Bis zum Schulbeginn hatte ich eh noch einen Monat

Zufrieden schmiss ich mich auf die Matratze und schloss meine Augen.
Ich war gerade dabei einzuschlafen, also ich wieder das verdammte Klingeln meines Handys zurück in die Realität sprengte.

"Wie kann man dieses verdammte Ding abmachen?" Stöhnte ich genervt und holte es hervor. Ich hatte vergessen, dass meine Mutter hier schon für WLAN gesorgt hatte. Ich sollte die Funktion 'Automatisch verbinden' einfach abstellen.

Eine neue Nachricht.

Ich öffnete Instagram und ging auf meine Chats. Der Junge hatte mir wieder geschrieben.

"Ich bin Adam. Und du, Süße?"

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