»41«
[Jungkook]
Ich war verwirrt.
Nicht, weil Taehyung und ich es in der Dusche miteinander getan hatten, sondern, weil es nun kein Unterschied mehr dazu gab, ob wir ein Paar waren oder nicht, denn er verhielt so so als sei es auch so gewesen, ohne jegliche Hemmungen griff er immer wieder mal meine Hand, küsste mich an der Wange, dem Hals und einige Male auch auf den Mund, sagte mir ständig wie gern er mich hätte und wie sehr es ihn freue, dass ich hier bei ihm war. Zwar wusste ich, dass er mich liebte, aber etwas konnte hier nicht stimmen, denn Tae würde niemals einfach so handeln, ohne triftigen Grund dafür zu haben, nachdem ich ihn ja abserviert hatte.
Weiter darüber nachdenken konnte ich aber nicht, denn, wie den ganzen Tag schon, plötzlich zog er mich an meiner Hand dicht an sich, obwohl ich nur in der Küche stand, um ein Glas Wasser zu trinken, schlang seine Arme um meine Schultern, beugte sich ohne weiteres vor und küsste mich. In diesen Momenten konnte ich nur wirklich zögerlich handeln, erwiderte den Kuss jedes Mal aber, denn lagen unsere Lippen erst aufeinander, gab es für mich keine Möglichkeit, mich dieses Kusses zu entziehen, da es mir viel zu sehr gefiel, Taehyung zu küssen.
Lang hielt das aber nicht an, denn ohne jegliche Reaktion auf diese Zärtlichkeit zu zeigen, löste sich der Ältere von mir und ging zum Wasserkocher, der gerade das Wasser auf die gewollte Temperatur für seinen Tee gebracht hatte, setzte sich letztendlich mit der Tasse an den Tisch, die ich ihm mal zum Geburtstag geschenkt hatte. Als ich noch jünger war und nur wusste, dass er mal mein Stiefvater sein würde, hatte ich ihm dieses dumme Stück Porzellan gekauft, auf dem Allerbester Papa draufstand.
Um sich hier auch die Zeit vertreiben zu können, gab es einen Fernseher in der Küche, in der nur ein kleiner Tisch stand, welcher aber im Verhältnis dennoch relativ groß war. Wie alles hier in dieser Wohnung.
Ich sagte nichts, setzte mich einfach schräg gegenüber von dem Mann hin und beobachtete ihn, während er dort saß und gerade eine Talkshow schaute, welche ihn hin und wieder mal zum Lachen brachte. Bei diesem Anblick fand ich es letztendlich nur noch halb so schlimm, dass er völlig ignorierte, dass ich sein Geständnis eigentlich abgelehnt hatte, gleichzeitig aber sah ich die Trauer in seinen Augen, schon seit Tagen, die ich verursacht hatte, mit meiner dummen Entscheidung und meinen kalten Worten.

Einfach nur zu hören und sehen, wie der Braunhaarige lachte, reiche vollkommen für mich aus, selbst anzufangen zu lächeln, dann sogar zu lachen, obwohl ich den Humor des Mannes in der Talkshow nicht einmal verstand, weil ich wohl noch zu jung für solche Witze war. Und damit kam plötzlich ein so komisches Gefühl in mir auf, zusammen mit einem Gedanken, den ich so zuvor nie gehabt hatte.
Taehyung war nun schon vierunddreißig Jahre alt, seinen Geburtstag einen Tag vor Silvester hatten wir letztes Jahr nicht gefeiert. Er war noch nicht alt, hatte noch viele Jahre vor sich, aber noch war er jung, noch konnte er sich einiges erlauben und vieles erleben, Abenteuer, Unternehmungen, riskante Entscheidungen treffen. Aber am wichtigsten war, dass er sich in einer Zeit befand, in der ein liebender Mensch an seiner Seite für ihn beinahe schon unmöglich wegzudenken war, ein Partner oder eine Partnerin, in seinem Alter hatten die meisten sogar schon Kinder, aber das einzige Kind in seinem Leben war das kindische Ich. Ich, der ihm das Herz wohl ein kleines Stückchen brach, nachdem meine Mutter es ihm aus der Brust gerissen hatte.
Ich durfte nicht zulassen, dass er sich auch nur eine weitere Sekunde traurig oder einsam fühlen würde.
Ohne weiteres stand ich also einfach von dem Stuhl auf, machte einen Schritt nach vorn, nahm Taehyungs Gesicht in meine Hände und küsste ihn einfach. Dass er davon wohl überrascht war, merkte ich daran, dass er nicht erwiderte und einfach da saß, bis ich mich letztendlich von ihm löste.
„Mir egal, was du jetzt sagst, aber ich möchte mit dir zusammen sein", entgegnete ich eifrig und hielt die Tränen zurück, da ich mich bereits darauf vorbereitete, was ich als Nächstes zu sagen hatte.
———
Was Kookie wohl sagen wird, dass er deswegen schon Tränen in den Augen hat?
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