Kapitel 65

Marco

Ich werde ziemlich nervös, wenn ich daran denke, dass meine Familie gleich hier sein wird und ich ihnen sage, dass Lia und ich nicht länger nur beste Freunde sind. Ela hat da sicher kein Problem mit, denn sie liebt Lia sowieso schon ohne Ende. Aber was wird meine Mutter dazu sagen? Ich habe Bedenken, dass sie das vielleicht nicht gut finden wird. Mir fällt gerade kein triftiger Grund ein, da meine Mutter Lia mittlerweile auch recht gern hat und von ihren Kochkünsten begeistert ist, aber irgendwie habe ich kein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Mein Vater wird nichts weiter dazu sagen und Cony laut Lia ja auch nicht. Aber dann sind da noch meine Schwestern, die mir Sorgen bereiten. Sie möge Lia zwar auch aber wie gesagt: als meine Freundin ist das dann doch alles wieder etwas anderes. Eigentlich könnte ich mir selbst eine dafür verpassen, dass ich zu heute die ganze Familie eingeladen habe. Ich hätte den heutigen Abend viel lieber mit Ela und Lia allein verbracht. Zumal es für Ela wahrscheinlich auch viel angenehmer gewesen wäre, wenn wir in Ruhe zu dritt den Abend verbracht hätten. Aber nun ist es bereits zu spät, denn die Familie sollte in den nächsten Minuten in der Tür stehen. Lia ist noch oben und zieht sich noch einmal um. Eigentlich war sie bereits vor einer Stunde fertig doch ich habe ihr Zuckerguss über ihr Kleid gekippt. Ich schwöre, dass ich das nicht mit Absicht gemacht habe. Aber es sah ziemlich witzig aus. Naja, eher ziemlich... versaut. Deswegen musste ich auch ziemlich doll lachen, was sie allerdings nicht so witzig fand und mir - wie so oft - das Geschirrhandtuch um die Ohren gehauen hat. Aber kurz schmunzeln musste sie auch. Immerhin etwas.

"Machst du mein Kleid zu?", fragt Lia verlegen, als sie zu mir ins Wohnzimmer kommt. "Klar, dreh dich um." Sie dreht mir den Rücken zu und nimmt ihre Haare nach vorne. "Du bist immer noch ganz schön dünn. Du solltest mehr essen.", "Ich habe bereits Normalgewicht erreicht. Du solltest stolz auf mich sein.", lächelt sie mich an. "Bin ich." Ich küsse ihre Schulter und drehe mich dann zu Ela, die auf dem Sofa sitzt und fernsieht. "Ist bei ihr alles gut?", "So weit ja. Sie ist etwas aufgeregt wegen der Geschenke. Allerdings wirkt sie recht müde. Mal sehen wie lange sie durchhält." Lia nickt und dreht sich dann um, um in die Küche zu gehen. "Es fehlen noch Gläser auf dem Tisch. Magst du bitte welche hinstellen?", "Japp.", antworte ich und gehe zum Schrank im Essbereich, wo ich verschiedene Gläser aufbewahre. Unter anderem Schnaps-, Whisky- und Weingläser. Papa, James und ich werden nachher sicher den einen oder anderen Schnaps zusammen trinken, doch die kleinen Gläser lasse ich vorerst noch im Schrank. Erstmal landen nur Weingläser auf dem Tisch. "Rotwein?", "Ja, passt am besten zum Essen. Aber ich möchte bitte lieblichen.", antwortet Lia mir aus der Küche. "Papa?" Ich drehe mich zu Ela, die mich ansieht. "Was denn, Schatz?", "Pullern.", sagt sie und versucht langsam aufzustehen. "Na dann komm ganz schnell auf den Topf.", sage ich zu ihr und hebe sie hoch. Sie ist zwar noch lange nicht trocken aber wir fangen langsam zu lernen. Sie trägt auch eine Windel, doch wenn sie mir schon bescheid sagt, dann werde ich ihr definitiv nicht sagen, dass sie da hineinmachen soll. Ich freue mich, dass sie bescheid sagt. Schnell laufe ich mit ihr nach oben in mein Bad, wo ihr Topf steht und ziehe ihr schnell Strumpfhose und Windel aus. "Hast du fein gemacht.", lobe ich sie, woraufhin sie mich ein wenig anstrahlt. "Ela Keks?", "Wir wollen gleich Abendbrot essen, Schatz. Danach kannst du noch Kekse essen, Okay?" Sie nickt und stellt sich hin, woraufhin ich sie wieder anziehe. "Bin stolz auf dich, Prinzessin." Ich mache den Topf sauber und hebe sie dann hoch, um mit ihr wieder nach unten zu gehen. Genau in dem Moment, wo ich unten ankomme, klingelt es an der Tür. "Ich geh!", rufe ich Lia zu, damit sie sich keinen Stress macht. "Ela auf.", sagt meine Tochter und beugt sich zur Türklinke, um sie zu öffnen. "Oh, sieh dich an! Wie wunderschön du doch bist, kleiner Engel.", staunt meine Mutter und nimmt mir dann auch schon Ela ab. Ich seufze innerlich. Hoffentlich wird das nicht doch zu viel für sie. "Fröhliche Weihnachten.", wünschen mir meine Schwestern, anschließend mein Vater. "Kommt rein, ich habe ordentlich geheizt, damit auch niemand friert.", "Hier drin ist es wie eine Sauna.", stöhnt Yvy sofort und zieht sich ihre Jacke aus. "Ich weiß, es ist sehr warm. Aber ich musste so doll einheizen, weil Ela sonst friert und das will ich auf keinen Fall riskieren.", erkläre ich die Hitze im Haus. "Naja, das ist verständlich." Wieder klingelt es an der Tür, diesmal sind es Lias Eltern, die heimlich eingeladen habe. Lia weiß also nichts davon. Ich hoffe, dass sie sich darüber freut, denn ganz sicher bin ich mir irgendwie nicht. Abgesehen davon hoffe ich auch, dass meine Eltern und ihre sich verstehen. Für Lias Eltern ist das hier sicher etwas unangenehm. So zwischen den vielen fremden Leuten... Aber sie sind alle erwachen und wissen, wie man ins Gespräch kommt, also wird das irgendwie kein großes Problem werden. "Fröhliche Weihnachten, Marco. Wo ist denn Lia?", fragt Lias Mom, Doris, mich. "Sie ist in der Küche. Meine Familie ist im Wohnzimmer. Geht ruhig durch." Sie nicken und ziehen sich aus, während ich meine... Naja, sie sind ja trotzdem noch weiterhin meine Schwiegereltern, oder? Dann habe ich ja in Zukunft zwei mal Schwiegereltern. Gott, wer soll denn da noch durchsehen?

"Mom, Dad, was macht ihr denn hier?", freut Lia sich und begrüßt ihre Eltern. "Marco hat uns eingeladen, was ich persönlich sehr nett finde." Lia lächelt mich dankbar an und umarmt Doris und Hermann. "Setzt euch doch ins Wohnzimmer an den Esstisch. Ich habe hier gleich alles fertig und dann können wir essen." Die zwei nicken und verschwinden, also sind Lia und ich jetzt allein. "Danke, dass du sie eingeladen hast.", "Nicht dafür." Sie umarmt mich und legt ihren Kopf seitlich an meine Brust ab. "Ich habe etwas Angst es allen zu sagen. Zumal wir doch erst seit heute morgen, naja, zusammen sind. Vielleicht sollten wir warten.", offenbart sie mir ihre Bedenken. "Warten worauf? Ich lasse dich nicht mehr gehen, das kannst du vergessen." Sie kichert leise und sieht dann zu mir hoch, lässt ihre Arme aber um meine Taille geschlungen. "Willst du lieber warten?" Kurz überlegt sie, doch dann schüttelt sie den Kopf. "Ich möchte nicht den ganzen Abend so tun müssen, als würden wir einfach nur Freunde sein.", "Ich auch nicht. Schließlich sind wir das nicht mehr.", stimme ich ihr zu und streiche ihr eine Strähne aus der Stirn. "Lass uns essen. Unsere Familie wartet sicher schon." Meine Freundin nickt und löst sich von mir, um die Soße aus dem Bräter in eine Schüssel zu gießen, damit wir dann endlich essen können.

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