Köln

"Harley, steh auf!" meinte mein Betreuer Taylor, doch ich schrie ihn nur an: "Lass mich in Ruhe!" "Raus jetzt aus dem Bett! Wir fahren jetzt!" "Kein Bock!" Heute stand ein Heimwechsel an. Schon wieder. Ich war keine drei Wochen hier. Diesmal sollte es nach Köln gehen. Weit weg von Berlin. Taylor wollte mich hin bringen. Eigentlich mag ich ihn, er ist cool, aber ich hasse es, wenn mir wer sagt was ich zu tun hab und meistens eskaliert es dann realtiv schnell. Taylor konnte gut mit mir umgehen und schaffte es meistens, diese Eskalationen zu umgehen. Gerade lehnte er an der Tür und seufzte. "Harley... Bitte steh auf. In Köln ist es safe cool. Zieh dich an und iss was, dann fahren wir." Ich brummte und schwang mich aus dem Bett. "Danke." meinte Taylor und lächelte. Dann ging er und ich zog mir ein T-Shirt über meinen durchtrainierten Oberkörper. Schnell schlüpfte ich noch in meine kurze Short und in meine Sneaker, dann rannte ich raus auf den Gang, sprang die Treppe runter und holte mir ein Müsli im Essensraum. Dort saßen zwei andere Jungs, die mich anschauten. "Habt ihr n Problem?" fuhr ich sie an und sie zuckten zurück. Als keiner der zwei ein Wort sagte, schlug ich mit der Faust auf den Tisch und schrie: "Antwortet ihr Bastarde!" Taylor kam in das Zimmer: "Lass sie Harley. Setz dich hin und iss." Wütend schnaubte ich, folgte dann aber seiner Anweisung.
Als ich fertig mit dem essen war, holte ich meine Tasche und ging dann mit Taylor raus zu seinem Auto. "Bereit?" grinste Taylor und ich nickte: "Yes, Lets Go!"
Die Fahrt war echt lustig. Wir machten die Musik laut und sangen dazu. Wir gingen beide voll ab, bis wir in Köln ankamen. Wir hielten vor dem Heim und Taylor meinte: "So, Endstation. Schaun wir uns das mal an." Wir stiegen aus und ich meinte: "Hässlich, ich will hier nicht bleiben." "Das willst du nirgends. Komm." "Nein! Ich geh da nicht rein!" schrie ich ihn an und er meinte: "Harley, komm mit jetzt. Schaus dir doch erstmal an." "Nein!" Ich trat mit dem Fuß gegen sein Auto. "Hey! Lass das!" meinte Taylor streng, packte mich am Arm und zog mich weg. Sofort schlug ich nach ihm, doch er wich aus und nahm mich im Polizeigriff. "Beruhige dich Harley. Beruhige dich." meinte er und wartete, bis ich mich wieder gefangen hatte. Dann nahm er mich mit in das Gebäude. Er sprach dort mit dem Leiter, während ich mir alles ansah. Irgendwo fand ich eine Tafel, wo drauf stand: "Heim für Schwererziehbare" und ich stellte Taylor zur Rede: "Ihr steckt mich in ein Heim für Schwererziehbare? Was soll das? Ich bleib hier nicht!" "Nutz diese Chance, Harley. Bitte." Auch der Heimleiter meinte: "Hallo Harley. Ich bin Philipp. Ich schlage vor, du isst erstmal was zu Mittag. Magst du Döner? Wir haben uns alle Döner bestellt, für dich ist auch einer da." Ich nickte und er brachte mich in den Speisesaal. Taylor fuhr wieder. Im Speisesaal waren auch die anderen, die gerade aßen und ich setzte mich an einen Tisch abseits von den anderen. Ich begann zu essen, bis ein Junge vor mir stand und meinte: "Du bist neu hier, richtig? Willst du zu uns an den Tisch?" "Nein, verzieh dich!" "Dann müsstest du nicht alleine essen." "Bist du taub? Verpiss dich oder es knallt!" "Ich habs nur nett gemeint..." Ich holte aus und schlug ihm ins Gesicht. Er fiel nach hinten und ich setzte ein paar Schläge nach. Kurze Zeit später wurde ich gepackt und zurückgezogen. Ich schlug um mich und schrie wütend herum, doch es brachte nichts. Ich wurde von mehreren Betreuern aus dem Raum gebracht und Philipp kam herangeeilt. "Was ist hier los?" fragte er und ein Betreuer erklärte: "Er ist voll ausgerastet und hat Leon angegriffen." "Halt die Fresse du Arschloch!" rief ich und Philipp meinte: "Du kommst erstmal in den Auszeitraum. Da kannst du dich beruhigen." Ich warf weiter mit Beleidigungen um mich, während sie mich in einen weißen, gepolsterten Raum brachten. Dort ließen sie mich alleine und ich fuhr relativ schnell wieder runter. Dann holten sie mich wieder raus. Ich sagte zu einem: "Hey, Betreuer! Was fällt euch ein, mich da einzusperren?" "Erstens bin ich Niko und zweitens sperren wir jeden da rein, der sich in dem Moment nicht im Griff hat." Seinen ersten Punkt überging ich. Ich nannte keinen beim Namen, so konnte ich sie besser auf Distanz halten. "Ich hab mich im Griff!" schrie ich ihn an und er meinte: "Deswegen schreist du grad." Es reichte mir mal wieder komplett: "Du scheiß Fotze! Lass mich in Ruhe! Du kannst mich mal am Arsch lecken! Fick dich!" schrie ich, dann rannte ich los Richtung Ausgang, doch die Tür war verschlossen. Kurzerhand nahm ich einen Stuhl, schmetterte ihn gegen das Fenster, dessen Scheibe zersprang und sprang raus. Ich rannte los, weg vom Heim. Ich lief so lang ich konnte und setzte mich schließlich unter ne Brücke. Ich kam dort wieder etwas runter und ging dann weiter, um die Stadt zu erkunden. Gegen Abend klaute ich mir was zu essen und setzte mich in eine ruhige Ecke, wo ich aß. Dort schlief ich auch ein, bis mich etwas später eine Stimme weckte.

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