Epilog
Harry:
„Ich bin wieder zuhause!", sage ich laut und stelle die Schuhe weg. Louis müsste heute Vormittag irgendwann von der Schicht gekommen sein. Er wollte noch einkaufen gehen und sich danach hinlegen. Er war die ganze Nacht wach. Er meinte heute Morgen, die längste Pause, die ihnen vergönnt war, war eine halbe Stunde. Es ist kurz nach sieben und als ich die Küche betrete, rieche ich sofort, dass er gekocht hat. Es gibt Nudeln mit weißer Bolognesesauce, nichts allzu Aufwendiges. Ich trete an ihn heran und umarme ich. Louis lehnt sich gegen mich und legt den Kochlöffel weg. Ich küsse seine Wage und sehe, dass er ein bisschen lächelt.
„Wie war die Arbeit?". Fragt er und streicht über meine Unterarme, bevor er seine Finger zwischen meine schiebt. „Es tut gut, wieder im Büro zu sein." – „Das hast du gestern schon gesagt. Und vorgestern", antwortet er amüsiert. „Ich weiß. Es tut trotzdem gut", antworte ich ihm und küsse seinen Hals.
„Du hast länger gearbeitet. Schon wieder", meint Louis und dreht sich zu mir um. „Tut mir leid." – „Das hast du gestern schon gesagt. Und vorgestern", wiederholt er sich. Ich nicke leicht. „Bald nicht mehr, versprochen." – „Sicher?" – „Ja." – „Wenn dein Projekt vorbei ist?", fragt er und ich lächle schief. „Ist es bald. Ich habe erst einmal weniger damit zu tun, bis es fertig gebaut ist." – „Dann hast du mehr Zeit?" – „Das weiß ich noch nicht. Das kommt drauf an." Irritiert sieht Louis mich an. „Worauf?" – „Wie viel Zeit die Partner-Meetings in Anspruch nehmen", antworte ich ihm grinsend. Seine Augen werden groß. „Du bist Partner? Jetzt schon?" – „Sobald die Überweisung durch ist und ich meinen Anteil bezahlt habe, ja", widere ich. Louis sieht mich mit großen Augen an. „Das ist toll! Das wolltest du immer, oder? Dann gehört dir ein Teil des Unternehmens, oder?" – „Ja, genau." Ich küsse Louis glücklich.
„Außerdem gibt es noch etwas anderes", sage ich, als ich den Tisch gedeckt haben und anfangen zu essen. „So?" – „Ich habe mich darum gekümmert, dass alle Start-Ups neue Büros bekommen." Louis lässt die Gabel sinken. „Du... was?" – „Ich wusste, wie hoch die Mieten vorher waren und habe mich daran orientiert. Heute Abend sind Angebote an alle rausgegangen, denen gekündigt wurde. Pro Bono. Sie müssen mich nicht dafür bezahlen und können selbst entscheiden, ob sie die Angebote annehmen, oder nicht."
„Wieso hast du nie davon erzählen?", will Louis wissen. Ich verziehe den Mund und zucke mit den Schultern. Wenn er mich so musternd anschaut, werde ich nach wie vor nervös. Ich bezweifle, dass sich das irgendwann ändern wird. „Ich wollte nichts erzählen, bis es funktioniert hat. Ich wollte dich nicht enttäuschen." – „Das hättest du nicht!", widerspricht Louis sofort. „Allein, dass du es versucht hättest, wäre toll gewesen, selbst wenn es nicht geklappt hätte." Ich nicke leicht. Theoretisch wusste ich das, aber ich wollte es trotzdem erst in trockenen Tüchern haben. Zur Sicherheit. Murphys Gesetz und so.
„Wie sieht es mit deiner Wohnung aus?", wechselt Louis das Thema und kurz setzt mein Herz einen Schlag aus. Mein Kopf spielt mir wieder einen Streich und auch wenn ich es weiß, kann ich nicht verhindern, dass mein Körper darauf reagiert. „Es dauert noch ein bisschen, aber sie beeilen sich. Uhm... wieso fragst du?", möchte ich zögerlich wissen. Er wird es nicht sagen. Ich weiß es. So ist er nicht. „Nur so. Möchtest du nicht zurück?", fragt Louis mich und ich presse die Lippen aufeinander. „In meine Wohnung?" – „Du hast hier nicht einmal ein Arbeitszimmer. Du sitzt mit dem Laptop entweder am Esstisch oder auf dem Sofa." – „Das stört mich nicht", sage ich etwas zu schnell. Louis sieht mich verwundert an. Dan mustert er mich. Es kommt mir manchmal vor, als würde er ganz genau wissen, was ich denke. In diesem Moment ist es auch so.
„Du glaubst, ich möchte, dass du wieder ausziehst", versteht er und ich seufze leise. „Du weißt, dass ich das nicht will!", spricht er weiter. Ich nicke, dann zucke ich mit den Schultern. „Ja, ich weiß. Ich... uhm... hatte überlegt, nach etwas neuem Ausschau zu halten. Ich glaube nicht, dass ich mich in der Wohnung noch wohlfühlen würde." Louis nickt. „Das kann ich verstehen. Das geht vielen Leuten nach so einem Brand so. Hast du schon nachgeschaut, was der Wohnungsmarkt so hergibt?"
Ich zögere und er schmunzelt. „Natürlich hast du das. Zeig schon her." Ich lächle und stehe auf. Mit meinem Laptop kehre ich zurück und stelle ihn so, dass wir beide draufschauen können. „Das hier ist mein Favorite", fange ich an und zeige ihm die Bilder. „Es ist eine Maisonette Wohnung, nicht weit von hier. Die zweite Etage hat eine kleine Terrasse und ein großes Badezimmer mit zwei Dachfenstern. Man könnte wieder eine Eckwanne einbauen lassen und es gibt zwei Waschbecken. Die offene Küche ist auch schön, oder nicht? Die Kücheninsel müsste zwar neu gemacht werden und ich würde anders streichen wollen, aber ich mag die Aufteilung", erzähle ich. Louis sieht interessiert zu. „Was meinst du?", will ich von ihm wissen.
„Ganz schön groß, oder? Es ist größer, als deine alte Wohnung." – „Ja, schon, aber ich bin jetzt Partner und ich mag das offene Design und... uhm..." Ich breche ab. Was wollte ich nochmal sagen? Wie wollte ich das nochmal formulieren? Am besten gar nicht. Es ist zu früh. Das ist nicht gut, sondern viel zu übereilt und... „Harry?" – „Mhm? Ja?" – „Wieso zwei Waschbecken?", fragt Louis. Ich glaube, es ist das zwei Mal, dass er mir diese Frage stellt. „Wieso nicht? Wenn du mal bei mir bist, hast du auch eins." – „Wenn ich bei dir übernachte?" – „Möchtest du nicht?" – „Doch schon", sagt er. „Aber dafür zwei Waschbecken?"
Ich sehe an ihm vorbei. Mist. Ich hätte das doch nicht ansprechen sollen. Verdammt. „Harry? Haz?" Er nimmt meine Hand und ich sehe ihn wieder an. Er fängt meinen Blick praktisch auf. „Tut mir leid. War das blöd? Hätte ich nicht..." – „War es nicht", unterbricht er mich und küsst meine Fingerknöchel. „Nur noch nicht jetzt, okay?" – „Nicht jetzt?" – „Nicht sofort. Aber bald." – „Also magst du die Wohnung?" – „Ja. Sie ist sehr schön. Es könnte mir gefallen." Ich lächle ein bisschen. „Sie wird sowieso noch grundsaniert. Es dauert noch ein bisschen, bis sie frei ist." – „So lange bleibst du aber hier, oder?" – „Ja", stimme ich zu und stehe auf, Unsere Teller sind leer. Louis kommt zu mir und küsst mich. „Gut. Ich würde dich sowieso nicht ausziehen lassen. Und jetzt komm mit." Louis küsst mich wieder und leitet mich zu seinem Schlafzimmer.
„Also ziehen wir zusammen?", frage ich, als ich mit dem Rücken an der Tür stehe. Er greift nach der Klinke. „Natürlich werden wir das", antwortet er mir und öffnet die Tür. Ich lächle glücklich und meine Augen fallen zu, als er mich wieder küsst. In diesem Moment sind meine Gedanken endlich wieder still und mein Körper gibt sich ihm augenblicklich hin. Ich gebe mich ihm hin. Das hätte ich vor Jahren schon tun sollen.
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Thats it. Das wars. Ich hoffe, euch hat dieses Buch gefallen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, diese Geschichte zu schreiben, auch wenn es zwischendurch ziemlich herausfordernd war.
Mich würde es freuen, wenn ihr zum Abschluss eure Meinung (und auch gerne konstruktive Kritik) hinterlassen würdet. :)
Was war eure Lieblingsszene?
Was hättet ihr euch noch gewünscht?
Wir lesen und bald wieder
Love, L
P.S. Es tut mir leid, dass dieses Update so lange gedauert hat. Wenn ihr mir auf Instagram folgt, könnt ihr vielleicht erahnen, wieso es so ist. Ich habe nicht nicht geschrieben. Ich habe an etwas anderem geschrieben. Es wird wieder einen Adventskalender geben, das wisst ihr schon (und habt ihn hoffentlich schon gespeichert). Es sind keine Kurzgeschichten, wie sehr oft in den letzten Jahren, sondern eine zusammenhängende Geschichte wie letztes Jahr. Und genau wie letztes Jahr, wird es eine verlängerte Version davon als Buch und eBook geben. Mehr Infos kommen die Tage auf Instagram und TikTok (autorin.leabusch). See you there :)
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