67. Kapitel
Live Reactions maybe? :)
-- -- -- -- --
Louis:
Nein, er meldet sich nicht. Harry gibt kurze antworten auf meine Fragen, die von Tag zu Tag knapper werden.
Wie geht es dir? – Ich bin arbeiten.
Was machst du heute? – Arbeiten.
Bist du im Büro? – Ja.
Es kommt keine Frage zurück und schließlich bemerke ich, dass ich ihm die letzten Tage weder eine Guten-Morgen-, noch eine Gute-Nacht-Nachricht geschrieben habe. Ich springe zwischendurch für einen Kollegen ein. Harry hat im Augenblick keine Zeit mich zu sehen, also kann ich auch eine Schicht mehr machen. Die Tochter des Feuerwehrkollegen war krank und da habe ich nicht gezögert zuzusagen. Das war gestern. Inzwischen ist es Freitagnachmittag und ich stehe in der Küche mit Marah. Wir kochen zusammen, was nichts anderes bedeutet, als dass sie kocht und ich ihr zuarbeite. Es ist eine gute Schicht und wenn alles so läuft wie es soll, können wir in knapp einer halben Stunde essen.
Ich verteile gerade die Teller auf dem Tisch, als der Alarm ertönt. Das darf doch nicht war sein. Genervt seufze ich, kontrolliere, ob er Herd ausgestellt ist und eile dann den anderen hinterher, während durchgesagt wird, was ansteht.
Brand 2. Feuer in Gebäude. Drehleiter 1, Löschfahrzeug 1, Einsatzleitung, Hilfslöschfahrzeug
Ein kleiner Brand. Dass die Drehleiter dabei ist, bedeutet, dass es sich wahrscheinlich im einen Gebäudebrand handelt. Ich springe in den Wagen und Charly nimmt sich das Tablett. „Die Leitstelle berichtet, dass Nachbarn rauch im Treppenhaus bemerkt haben. Es ist wohl noch nicht allzu viel, aber wir müssen uns auf jeden Fall darauf gefasst machen, dass es zu Brand 3 hochgestuft wird", erklärt er. „Die Zentrale hat bereits die Nachbarn dazu aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, aber Matt und Marah, ihr übernehmt gleich die erste Kontrolle." Charly teilt mich kurz danach für die Kontrolle der Wasserversorgung ein. Wir fahren mitten durch London. Entsprechend dauert es an jeder Kreuzung länger als es sollte. Ich werde nie verstehen, wieso die Autofahrer, die eine Feuerwehrsirene hören, nicht zur Seite fahren, oder wenn es noch schlechter läuft, uns sogar in den Weg fahren. Der Wagen hält kurz darauf. Einige Anwohner stehen bereits auf der Straße. Ich springe aus dem Wagen und mir wird eiskalt. Oh Gott. „Tomlinson!", ruft mein Captain und reißt mich aus der kurzen Starre.
„Bin dabei", antworte ich und schnappe mit zwei Schläuche. Das Wasser des Trucks reicht erst einmal, aber wir brauchen für den Fall der Fälle definitiv Nachschub. Mein Herz hämmert mir bis zum Hals, als ich zum nächsten Hydranten renne. Meine Gedanken überschlagen sich und am liebsten würde ich auf der Stelle umdrehen und zurücklaufen. Das geht nicht. Ich weiß, dass mein Team gute Arbeit macht. Und es ist erst früher Abend, ich muss mir keine Sorgen machen.
Ein Falschparker, natürlich. Fuck. Das darf doch nicht wahr sein! Den jetzt wegzuschieben, würde zu lange dauern. Ich laufe weiter und der nächste Hydrant liegt zum Glück frei. Routiniert öffne ich den Gusseisernen Deckel und schließe die Schläuche an, die bereits verlängert werden. „Alle fertig?", frage ich durch das Funkgerät. „Alles angeschlossen", antwortet mir ein Kollege. „Wasser kommt." Die Schläuche füllen sich und ich laufe wieder zurück. Schon von weitem sehe ich Rauchschwaden aus den Fenstern austreten. Im gleichen Moment erhalte ich per Funk die Information, dass es zum Brand 3 hochgestuft wurde. „Fuck", sage ich leise und laufe zu Charly. „Sind Marah und Matt schon zurück?" – „Noch nicht. Es fehlen noch ein paar Wohnungen", antwortet er mir. Mein Körper zittert und ich bin drauf und dran, einfach ins Gebäude zu rennen.
„Tomlinson! Nicht Träumen." Charly bemerkt bei Einsätzen sofort, wenn etwas nicht stimmt, allerdings liegt er diesmal falsch damit, dass ich Träume. Damit, dass meine Konzentration gerade nicht gut genug ist, hat er aber recht. Wie sollte sie auch? Ich stehe vor dem Gebäude, in dem Harry wohnt und muss zusehen, wie aus mehreren Fenstern Rauch kommt, der immer dunkler wird. Das Feuer wird schlimmer und auch, wenn ich es nicht wahrhaben will, weiß ich, dass zwei dieser Fenster zu Harrys Wohnung gehören. „Wurde die Wohnung dort überprüft?" – „Der Angriffstrupp macht sich gerade bereit", antwortet Charly mir. Ich renne sofort los. Wieso war dort noch niemand? „Tomlinson! Sofort zurückkommen!", höre ich meinen Captain über Funk befehlen. „Die Wohnung ist leer." – „Woher weißt du das?", frage ich ihn. „Die Nachbarn haben bestätigt, dass der Mann noch nicht zuhause war." – „Ich gehe nachschauen." – „Nein!" – „Doch! Schick mir jemanden hoch!", verlange ich und trete die Tür ein.
Dunkler Rauch kommt mir entgegen. „Feuerwehr, ist hier jemand?", Marah steht hinter mir und auch Matt ist inzwischen bei mir. „Harry!", rufe ich laut und laufe vor. „Was?", fragt Matt verwundert, aber ich antworte ihm nicht. „Harry, bist du hier?!" Wieder keine Antwort. Das Wohnzimmer steht in Flammen. Überall auf dem Boden stehen Kerzen. Sie brennen alle, genau wie das Sofa, der Sessel, der Tisch und alle anderen Möbel. Hier sind überall Kerzen. Mein Herz setzt einen Schlag aus. Oh bitte nicht.
Ein Fenster steht offen. Fuck. Er schließt sie immer, wenn er aus dem Haus geht. „Er ist hier! Er ist zuhause!", rufe ich den anderen beiden zu und funke Charly an. „Er ist zuhause! Hier brennt das ganze Wohnzimmer." Ich stoße die anderen Fenster auf, damit gleich auch per Leiterwagen gelöscht werden kann. Mein Herz klopft mir bis zum Hals. „Harry!", rufen jetzt auch meine Kollegen und wir arbeiten uns so schnell es geht vor. Durch das Feuer ist es schwierig und der Rauch lässt uns nur wenige Zentimeter weit schauen. Obwohl die beiden anderen samt Schlauch in die Wohnung gekommen sind und das Wasser bereits fließt, werde ich wahnsinnig. Oh bitte lass ihn einfach nicht hier sein.
„Hallo?" Ich überhöre es fast. „Feuerwehr!", antwortet Marah aber sofort. Wir sind beim Schlafzimmer angekommen, aber es ist leer. Das Bad folgt. Harry hat alle Leitungen aufgedreht und das Wasser steht auf dem Boden. Die Badewanne ist vollgelaufen und ich erkenne am Grund sein Handy. Er drückt sich ein nasses Handtuch vor Mund und Nase. Seine Augen sind rot und er atmet schwer. Ich stolpere auf ihn zu. „Hier, atme." Er zittert am ganzen Körper wie Espenlaub. Die Panik steht ihm ins Gesicht geschrieben, als ich ihm die Maske auf Mund und Nase drücke, sodass er saubere Luft atmen kann. „Louis", murmelt er. Er sitzt auf dem nassen Boden in der Ecke. So fertig habe ich ihn noch nie gesehen. „Ich bringe dich hier raus. Versprochen." – „Du bist hier. Ich hatte dir noch gar nicht geschrieben" – „Natürlich bin ich das", antworte ich und hieve ihn auf die Beine. Seine Knie sind weich und er trägt die Schäfchensocken. „Ich wollte doch... heute haben sollte doch...", stottert er.
„Ich bringe ihn raus", sage ich zu meinen Kollegen gerichtet. Er hustet immer wieder und klammert sich an mich. Ich greife um seine Hüfte und ziehe ihn an mich heran. „Du tust jetzt alles, was ich dir sage." – „Bring mich hier bitte weg", weint er panisch. Ich führe ihn aus dem Bad und seine Beine geben fast nach, als er das Ausmaß sieht. Es brennt immer noch, auch, wenn inzwischen auch vom Leiterwagen aus gelöscht wird. So sicher es geht und dabei so schnell wie möglich will ich ihn zum Treppenhaus führen, aber der Flur brennt zu stark.
„Captain wir brauchen das Kissen", gebe ich an Charly durch. Wir können durch das Küchenfenster. Dort ist das Feuer noch nicht hingekommen. Mit den triefendnassen Kuschelsocken rutscht er fast aus, als wir über die Fliesen laufen. Ich fange ihn auf. „Noch eine Etage. Das schaffst du", rede ich ihm gut zu. „Louis..." – „Du musst gleich mutig sein, hörst du? Du kannst das." Es ist nicht leicht aus dem Fenster zu springen, aber ich weiß, dass ihm nichts passieren wird. Ich öffne es und sehe nach unten. Charly deutet mir, noch zu warten, Das riesige Sprungkissen liegt gut. Er wird es nicht verfehlen können. „Nein. Das geht doch nicht. Das ist viel zu hoch!", sagt er panisch. Du kannst das." Er umklammert meinen Arm und schüttelt den Kopf.
„Harry, ich diskutiere das jetzt nicht", stelle ich klar. Es tut mir leid, so mit ihm reden zu müssen, aber wir haben nicht die Zeit, das jetzt lang und breit auszudiskutieren. Er sieht mich mit großen Augen ein. „Tief durchatmen." Er macht es. „Und jetzt kletterst du auf den Fensterrahmen. Ich schwinge ein Bein rüber und stütze ihn, als er mit zittrigen Bewegungen hinaufklettert. Mein rechtes Bein hängt aus dem Fenster und dank der Schutzhose spüre ich den Fensterrahmen nur wenig. „Du springst. Die Sanitäter sind sofort bei dir. Es passiert nichts, versprochen. Du stößt dich ab und versuchst, mit dem Hintern zuerst zu landen, okay?" Er schüttelt leicht den Kopf. „Du kannst das. Jetzt steht auf." Ich stütze ihn weiterhin. Er sieht nach unten. „Du springst auf drei", befehle ich und zähle. „Eins, zwei, drei." Er lässt meine Hand los und springt.
-- -- -- -- --
Gedanken oder so dazu?
Love, L
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top