39. Kapitel
Louis:
Immer wieder tauche ich das Glas ein und kippe es vorsichtig über seinen Kopf, bis alle Haare nass sind. „Das Shampoo steht in der Dusche?", frage ich, als ich aufstelle. Er nickt mit geschlossenen Augen. Er sitzt inzwischen in der Mitte der großen Badewanne. Als ich ihm die Haare wasche, massiere ich seine Kopfhaut. Kurzerhand dreht er sich so, dass ich direkt hinter ihm sitze und nicht mehr seitlich zu ihm. Dann lässt er mich einfach machen. Er seufzt auf und sein Körper entspannt sich immer mehr. Nach dem Shampoo lasse ich den Conditioner einwirken, den ich in der Dusche gefunden habe. Ich massiere vorsichtig seinen Nacken.
„Ich bin froh, dass du hier bist", höre ich ihn sagen. „Ich dachte nicht, dass du heute kommen würdest." – „Du bist krank", antworte ich und zucke mit den Schultern. „Und du magst es nicht, allein zu sein." – „Mhm..." Einige Minuten später wasche ich den Conditioner raus. Er lehnt sich an den Wannenrand und sieht zu mir. „Dein Shirt ist nass." – „Das trocknet wieder." – „Du kannst dir gleich auch eins von meinen nehmen, wenn du möchtest. Nicht, dass du auch noch krank wirst." – „Danke, mache ich", nehme ich das Angebot an. Bevor ich aufstehe, drücke ich ihm einen Kuss auf die nassen Locken. Ich realisiere es erst, als ich zu seinem Schlafzimmer gehe. Fuck!
Harry hat nichts dazu gesagt. Ich bin nicht einmal sicher, ob es bemerkt hat, was da gerade passiert ist. Das war ein Ausrutscher. Das wird nicht wieder passieren. Ich schnappe mir ein paar Klamotten und gehe zurück ins Bad. Er hat die Augen wieder geschlossen. „Kommst du wieder her?", fragt er leise. Ich lege die Sachen weg und setze mich hinter ihn. „Hast du dir ein Shirt geholt?" – „Ja, wieso?" Er antwortet nicht verbal. Stattdessen lehnt er seinen Kopf gegen meine Schulter. Das T-Shirt wird sofort nass. Da habe ich meine Antwort. Ich lache leise. „So ist das also." – „Das ist bequem", erwidert er nur und seufzt auf, als ich anfange, mit einer Hand seine Kopfhaut zu kraulen. „Das ist noch besser", murmelt er.
„Wie lässt man das Wasser ab?", frage ich, als der das Badewasser deutlich kühler geworden ist. Harry drückt auf einen der Knöpfe. Dann steht er vorsichtig auf. Ich helfe ihm aus der Wanne und bevor ihm kühl werden kann, wickle ich die Warmen Handtücher um ihn. „Lagen die auf der Heizung?", fragt er verwundert. „Ich dachte, dass hast du mitbekommen." Er schüttelt den Kopf und trocknet sich ab. Frische Unterwäsche, ein Shirt, eine Jogginghose und die Schäfchensocken liegen auf dem Toilettendeckel. Harry frottiert seine Haare und hängt die Handtücher weg. Er sieht auf seine Füße, er die Socken angezogen hat. „Ich mag sie", gibt er zu und sieht auf. „Danke."
„Gerne", antworte ich ihm und lächle kurz. Dann spüre ich den restlichen, an den Wannenwänden klebenden Schaum weg und wende mich wieder ihm zu. Er zieht sich inzwischen an. Dabei hält er sich die ganze Zeit an der Waschbeckenamatur fest. Kurzerhand trete ich näher zu ihm. Ich hocke mich hin und greife nach der Hose. Er steigt erst mit dem einen, dann mit dem anderen Fuß in die Hose. Ich ziehe sie nach oben und mache ich eine kleine Schleife in die Bänder. „Sofa?", fragt er mich dann, als ich die Handtücher weghänge und er schon halb im Flur steht. „Leg dich schon einmal hin. Möchtest du noch einen Tee?" – „Mit Honig?" – „Natürlich", antworte ich schmunzelnd. Harry nimmt sich die Decke, die nach wie vor im Flur auf dem Boden liegt und trottet ins Wohnzimmer. Die Decke liegt wie ein Umhang über seine Schultern. Wäre sie schwarz, würde er von hinten ein bisschen wie Snape aus Harry Potter aussehen.
Es dauert nicht lange, bis ich die dampfende Teetasse vor ihm abstellen kann. Er greift sie sich sofort. „Vorsicht..." – „Scheiße!" – „Heiß", beende ich meinen Satz. „Verdammt", höre ich ihn leise sagen und er stellt die Tasse weg. Dann tippt er mit dem Zeigefinger auf die Spitze seiner Zunge. „Verbrannt?", frage ich ihn und kann nicht verhindern, dass ich ihn amüsiert anschaue. „Ähä", bestätigt er und schließt den Mund wieder. „Jetzt ist meine Zungenspitze taub." – „Oh nein, und was soll ich jetzt tun?", frage ich mit sarkastischem Unterton. Harry verzieht den Mund und zuckt mit den Schultern. Scheiße, weiß er eigentlich, wie süß er in solchen Momenten aussieht?
„Ich habe eine Idee", sage ich dann. Irritiert sieht er mich an. Gleichzeitig ziehe ich eine Packung Schokoladenkekse hinter meinem Rücken hervor. „Woher hast du die?", fragt er mich überrascht. „Aus dem Supermarkt", antworte ich trocken und öffne die Packung, um sie Harry hinzuhalten. Sofort nimmt er sich einen der Kekse. „Schokolade hilft immer, sagt meine Mum", erzähle ich, ohne darüber nachzudenken. „Immer?" – „Im Winter ein heißer Kakao, Kekse als Nachtisch oder im Sommer ein Eis. Immer", bestätige ich und nehme mir selbst auch einen Keks. „Deine Mutter scheint eine kluge Frau zu sein", bemerkt er. Ich schmunzle. „Das ist sie allerdings."
„Hat sie dir noch mehr Weisheiten auf den Weg gegeben?", fragt er mich und nimmt sich einen zweiten Keks. „Halte dich von Arschlöchern und Egoisten fern", fällt mir prompt ein. Im gleichen Augenblick spüre ich einen unangenehmen Druck auf der Brust. Wenn sie wüsste, dass ich hier sitzen würde, würde sich mich eigenhändig aus der Wohnung schleifen. Sie würde mich fragen, was in mich gefahren ist, dass ich mit Harry auf dem Sofa unter der gleichen Decke sitze, ihm Schäfchensocken kaufe und mich um ihn kümmere, damit er wieder gesund wird. Und ich weiß, dass sie recht hat.
„Louis? Alles okay?", fragt Harry ruhiger und sieht mich verwundert an. „Ja, alles gut." – „Sicher?", hakt er nach. Er glaubt mir nicht. Es wundert mich nicht einmal, ich würde mir wahrscheinlich auch nicht glauben. Ich nicke bekräftigend. „Ja, alles gut." – „Du... uhm... wenn du woanders hin musst oder so..." Ich schüttle den Kopf. „Schon gut. Ich bin gerne hier. Daran liegt es nicht." Du bist so ein verschissener Lügner, Tomlinson. Instinktiv streiche ich über die Narbe an meiner Stirn. Es ist, als würde ich mich selbst daran erinnern wollen, wozu dieser Mann vor mir in der Lage ist. Der Mann, der sich über Schäfchensocken freut und glücklich gelächelt hat, als ich eine Schleife in die Bänder seiner Jogginghose gebunden hat. Der Mann, der nicht gerne allein ist und es dafür viel zu oft ist. Und der Mann, dessen Lieblingsfilm The Notebook ist.
Plötzlich fühlt sich die Decke um mich herum seltsam eng an, beklemmend. Ich schiebe sie von meinen Beinen. „Zu warm?", fragt er mich und ich nicke stoisch. „Ja, zu warm." Ich sehe, wie er wieder nach seiner Tasse greift. Diesmal probiert er den Tee vorsichtiger. Er ist immer noch sehr warm, aber nicht mehr zu heiß, um ihn trinken zu können.
„Vielleicht gehe ich morgen wieder arbeiten, wenn das Fieber runter ist", sagt er plötzlich. „Morgen schon?" – „Die Arbeit stapelt sich schon", sagt er und seufzt. „Ich mag meine Arbeit, aber wen man ein paar Tage nicht da ist, macht sich das sofort bemerkbar." – „Jeder ist doch mal krank." – „Aber nicht jeder wird Partner", erwidert er schulterzuckend. „Du hättest mit dem Fieber kaum am Schreibtisch sitzen können", antworte ich ihm. Er nickt. „Ich weiß. Hättest du nicht gekocht und mir Tee gebracht, würde ich mindestens noch drei Tage diesen Infekt aushalten." – „Klar, kein Problem", antworte ich knapp. Ich habe es gerne gemacht, aber es auszusprechen, würde sich anführen, als würde ich mich selbst betrügen. Ich hätte es nicht gerne machen sollen. Genauso wenig, wie ich ihn süß finden sollte. Fuck.
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Ein wenig kürzer als sonst, ich hoffe, das stört euch nicht allzu sehr. Meint ihr, Louis wird abbrechen oder lässt er sich weiter auf Harry ein?
Love, L
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