22. Kapitel
Harry:
Diese Karte verhöhnt mich. Ich brauche sie nicht einmal zu lesen, um dieses Gefühl zu bekommen. Sie liegt in der Kiste, die sich ich seit drei Tagen nicht angerührt habe. Die Kiste, die in meinem Wohnzimmer steht, anstatt längst weg zu sein. Ich sollte es einfach zurückschicken oder wegschmeißen. Nein, stattdessen denke ich immer wieder daran, was dort drin ist. Genervt hänge ich die Jacke weg. Ich bin gerade nach Hause gekommen. Ich habe Feierabend gemacht und möchte nur noch duschen und dann ins Bett. Aber nein, ich denke sofort wieder an diese verdammte Kiste. Anstatt ins Bad zu gehen, schlage ich den Weg ins Wohnzimmer ein. Unscheinbar steht sie neben dem Sofa und scheint trotzdem den gesamten Raum einzunehmen. Ich kann gar nicht nicht hinsehen.
Mit dem Plug in der Hand stehe ich unschlüssig im Wohnzimmer. Mutig genug? Wieso sollte ich nicht mutig genug sein? Es hat damit doch überhaupt nichts zu tun. Ich muss schließlich auch nicht mutig sein, um einen schlechten Wein zu trinken, ich mache es einfach nur nicht gerne. So wie ich diesen Plug nicht gerne benutzen möchte. Definitiv nicht. Ich ziehe die Anleitung aus der Kiste. Man müsste ihn vorher sauber machen. Das habe ich noch nicht getan.
Den Plug stelle ich in der Dusche auf die kleine, hohe Fensterbank ab. Als das warme Wasser auf meinen Nacken prasselt, seufze ich und schließe für einen Moment die Augen. Am liebsten wäre mir jetzt eine Massage. Ich sollte mal wieder eine buchen. Nachdem ich meine Haare gewaschen habe, werfe ich einen Blick zu dem Plug. Er steht dort einfach nur und doch scheint es mir, als würde er mich auslachen. In Gedanken höre ich Louis' Stimme. Mutig genug? Ich schnaube und nehme den Plug, den ich kurzerhand mit Duschgel unter dem warmen Wasser wasche. So groß ist der nicht. Vielleicht zwei Finger breit. Maximal.
Als der Plug gewaschen ist, betrachte ich ihn dennoch skeptisch. Wenn ich ihn benutze, weiß ich mit Sicherheit, dass es mir nicht gefällt und dann kann ich Louis sagen, dass er sich definitiv geirrt hat. Ich drehe den Plug in meiner Hand. Es ist ein seltsamer Gedanke, dass ich ihn gleich benutzen werde. Unschlüssig stehe ich einige Minuten in der Dusche. Dann gehe ich aus der Dusche ins Wohnzimmer und hole das Gleitgel. Es wird wohl nicht Umsonst dabei liegen. Wieder unter dem warmen Wasser der Dusche lese ich die Rückseite der Tube. So kompliziert ist das nicht, wieso stelle ich mich so an.
„Verdammt", murmle ich. Mutig genug? Ertönt wieder seine Stimme in meinen Gedanken. Es ist lästig immer an ihn zu denken, das muss aufhören. Meine Gedanken schweifen ab. Sie schweifen zu Louis und wie er es mir in der Toilettenkabine besorgt hat. Allein bei der Erinnerung daran zuckt mein Schwanz. „Fuck", fluche ich, aber Louis will vor meinem inneren Auge einfach nicht verschwinden. Mein Gehirn erschafft eine Szene, in der er mit mir hier unter der Dusche steht. Er hält den Plug, sieht mich an und seine freie Hand gleiten an meinem Oberkörper herab, so wie er es in dem Restaurant getan hat. Erregung baut sich auf und ich sehe an mir hinunter. Mein Schwanz steht hart nach oben. Meine Hand umgreift ihn und ich seufze auf. Ich muss mich entspannen, wenn das hier klappen soll – das hier ist eine Möglichkeit, wie es funktionieren kann. Verdammt, ich würde Louis am liebsten meinen Schwanz in den Mund drücken. Er würde ihn lutschen und es mir besorgen. Und endlich mal die Klappe halten.
Ich komme fast. Jetzt bin ich entspannt. Bevor ich es mir anders überlegen kann, öffne ich die Tube und lasse einige Tropfen auf meine Fingerspitzen fallen. Ich stehe nicht mehr direkt unter dem Wasser, aber so, dass mir nicht kalt wird. Das Gleitgel verteile ich auf dem Plug, als ich die Tube weggestellt habe und streiche dann wieder über meinen Schwanz. Zögerlich greife ich hinter mich. Als ob mir das gefällt. Ich glaube kaum, dass sich das gut anfühlen kann.
Den Plug an mir zu spüren ist seltsam. Ungewohnt. Er ist kühl, vielleicht hätte ich ihn vorher unter dem Wasser aufwärmen sollen. Lern denen Körper selbst kennen. Das hat Louis geschrieben und das werde ich tun. Vorsichtig drücke ich den Plug tiefer. „Verdammt", murmle ich und schließe kurz die Augen. Ich merke, wie meine Wangen wärmer werden. Ich bin allein, wieso werde ich rot? Es fühlt sich anders als, als ich dachte. Es geht einfacher, als ich dachte. Immer wieder drücke den Plug ein wenig tiefer, pumpe dabei meinen Schwanz und versuche, die Erregung auf einem konstanten Level zu halten, damit ich mich nicht zu sehr anspanne.
Es klappt relativ gut und nach ein paar Minuten wird der Plug wieder schmaler. Ich spanne mich an, ich fühle mich voll und... seltsam. Als ich einen Schritt mache, keuche ich auf. Fuck. Mit großen Augen starre ich an die Wand vor mir. Das war unerwartet. Eine Welle der Lust hat meinen Körper ergriffen. Eine Art Lust, die ich bisher so nie gespürt habe. Zögerlich drücke ich gegen den Plug, bewege ihn wieder und – „Ah!" Ich stöhne auf und meine Beine zittern. Heilige Scheiße. Ohne weiter darüber nachzudenken, mache ich es wieder. Mit der anderen Hand pumpe ich meinen Schwanz schneller und fester. Es ist neu, anders und so... fuck!
Es geht viel zu schnell. Ekstase rollt wie eine Lawine meine Wirbelsäule hinab. Es kommt mir vor, als wäre ich wieder ein Teenager, so schnell wie ich komme. Ich lehne gegen die Fließen, das Wasser prasselt auf mich und ich schnappe nach Luft. Instinktiv drücke ich den Plug wieder in mich, tiefer. Mehr. Mehr, oh Gott, mehr! Ich spanne mich an, merke wie ich enger um das Spielzeug in mir werde und das Post-Orgasmus-Gefühl sich in meinem Körper breit macht.
Erst, als ich tief durchgeatmet habe, merke ich, dass ich den Plug wieder rausziehen sollte. Er gehört das nicht hin und... eigentlich tut er genau das. Dafür ist er gemacht. Ich greife um das Endstück und ziehe es vorsichtig heraus. Es ist ein kurzes, ziehendes Gefühl, doch dann halte ich den Plug schon wieder in meiner Hand. Ich wasche das Gleitgel herunter und mache mich selbst auch sauber. Ich fühle mich offener an als sonst. Anders.
„Scheiße", sage ich leise, als ich die Dusche ausstelle und mir ein Handtusch schnappe. Ich wollte mir beweisen, dass ich es sowieso nicht mag und bin so gut gekommen wie lange nicht mehr, wenn ich es mir selbst gemacht habe. So war das nicht geplant. Den Plug und die Tube Gleitgel lege ich in die hintere Ecke meines Nachttisches, als mein Handy piept. Mein erster Gedanke ist, dass es Louis ist. Nein, stattdessen ist es nur die Benachrichtigung dazu, wie das Wetter morgen wird. Wieso sollte es auch Louis sein? Es ist ja nicht so, als wüsste er, was ich gerade getan habe.
Mutig genug?
Ich lese mir die Nachrichten wieder durch und mein Blick bleibt an diesen beiden Worten haften. Ja, ich war mutig genug und muss vielleicht eingestehen, als es sich auch als heterosexueller Mann irgendwie gut angefühlt hat. Nicht so gut wie richtiger Sex, aber durchaus reizvoll, wenn man gerade allein ist. So werde ich ihm das garantiert nicht schreiben.
Me: Mut lohnt sich nicht immer.
Er antwortet mir nicht direkt. Ich weiß nicht, ob er im Dienst ist und deswegen die Nachricht über eine Stunde lang nicht sieht. Es sollte mir egal sein und ich sollte längst schlafen. Als mein Handy aufleuchtet, greife ich es sofort und tippe auf die Nachricht.
Louis: Sicher? Du hast dich schon informiert, wie das funktioniert, oder?
Me: Ich bin ja nicht blöd. Da war eine Anleitung dabei
Louis: Hast du auch Sex nach Anleitung? Oder befolgst du dir nur, wenn du es dir selbst machst?
Me: Wie bitte?
Louis: Oder hast du dir ein Tutorial angeschaut?
Me: Das wäre ein Porno
Louis: Also?
Me: Nein.
Louis: Auf welche Frage war das bezogen?
Me: Auf alle
Louis: War es gut?
Me: Ich habe doch schon getrieben, dass es sich nicht gelohnt hat.
Louis: Klar. Und ich bin Polizist
Me: Bist du nicht
Louis: Richtig
Louis: dachtest du wirklich, ich glaube dir einfach, dass du es nicht mochtest? Du hättest mir kaum geschrieben, wenn es wirklich so wäre. Hast du es heute gemacht?
Me: Was geht dich das an
Louis: Ich habe den Plug bezahlt. Ich möchte wissen, ob das Geld gut investiert war
Me: Ich werde dir garantiert nicht erzählen, was ich vorhin gemacht habe
Louis: Vorhin also. Dann hast du mir ja wirklich direkt geschrieben
Me: Bilde dir bloß nichts drauf ein
Louis: Sieh es ein. Du magst es. Du bist neugierig. Wenn der Plug schon so gut war, wie ist es wohl, wenn du mit jemandem schläfst? Wenn jemand anders dich anfasst und dich wahnsinnig werden lässt. Wenn jemand anders dich vögelt, bis du nur noch bettelst und stöhnst? Wie wäre es wohl, wenn du dich einfach hingibst und so viel Lust erleben könntest, dass du vergisst wo du bist und was um dich herum geschieht?
Me: Das wird nicht passieren
Louis: Gute Nacht, Harry :)
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Hättet ihr gedacht, dass er es ausprobiert? Und was passiert wohl als Nächstes?
Love, L
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