18. Kapitel
Harry:
Die Tür fällt hinter ihm zu und ich bin allein im Waschraum. Perplex blinzle ich ein paar Mal. Was zu Hölle ist gerade passiert? Ich wasche mir langsam die Hände. Alles um mich herum ist plötzlich surreal. Mein Spiegelbild blickt mir entgegen und scheint mich zu verhöhnen. Ich richte meine Haare und sehe auf mein Hemd. Verdammte scheiße. Ich schnappe mir eins der Papiertücher, mache es feucht und versuche, die Flecken wegzutupfen. Deswegen hat war er so zufrieden. Deswegen hat er... fuck. „Das darf nicht war sein", murmle ich, als ich realisiere, dass mir gerade ein anderer Kerl einen runtergeholt hat. In einer Toilette, bei einem Geschäftsessen.
Das darf nicht wahr sein. Ich bin nicht sicher, ob der feuchte Fleck auf meiner Hose besser ist als der angetrocknete Spermafleck, den man vorher gesehen hat. Ich schließe mein Jackett und versuche zu die Spuren zu kaschieren. Es darf nicht auffallen. Sobald ich sitze, wird man nichts sehen, aber den Weg zurück zum Tisch muss ich möglichst unauffällig schaffen. Ich atme tief durch und Straffe die Schultern. Das war ein Ausrutscher, etwas einmaliges, mehr nicht. Louis ist ein Mann. Das hätte nie passieren dürfen.
Mein Blick huscht zu dem Tisch, wo das Feuerwehrteam sitzt. Louis lacht gerade. Er ist bester Laune. Ob er wohl erzählt hat, was gerade passiert ist? Ich sollte darüber nicht nachdenken, er sollte mir egal sein. Genau. Schnell kehre ich an meinen eigenen Tisch zurück. „Tut mir leid, ich musste kurz telefonieren, ich hoffe, ich habe Sie nicht zu lange warten lassen", entschuldige ich mich. „Kein Problem, wir haben in Ruhe über Ihre Ideen gesprochen", antwortet mir Mr Lee. „Den Standort im Norden von London schließen wir aus. Der ist nicht gut zu erreichen und wir möchten lieber etwas in der Innenstadt", erklärt er mir.
Ich nicke verstehend. „Natürlich. Was halten sie von den anderen drei?" – „Die sind gut, aber bei dem zweiten Standort steht aktuell noch ein Gebäude, oder nicht?", fragt er mich skeptisch. Ich nicke. „Das stimmt, aber dieses Gebäude ist längst baufällig und Pläne, dieses Haus abzureißen, stehen schon länger zur Diskussion. Wir könnten es realisieren und entsprechend ihren Komplex dort hinbauen." – „Und das schaffen Sie sicher?", fragt Mr Lee. „Wenn sie diesen Standort möchten, werde ich es hinbekommen", nicke ich zuversichtlich. Das schaffe ich schon. Dieses Haus fällt schließlich fast selbst in sich zusammen. Ein umweltfreundlicher, moderner Gebäudekomplex ist für jeden die bessere Wahl.
Eine halbe Stunde später trete ich vor die Tür des Restaurants. Die Wasserflecken sind inzwischen getrocknet und wenn man es nicht weiß, fällt es nicht auf, dass da gerade noch etwas war. „Kommen Sie gut nach Hause", verabschiede ich mich von den beiden Herren und schüttle ihnen die Hand. „Sie auch. Falls wir noch Fragen haben, melden wir uns", antwortet Mr Lee. Ihr Fahrer steht schon bereit. Ich werde mir ein Taxi rufen.
Als ich auf der Rückbank sitze, schließe ich für einen kurzen Moment die Augen. Doofer Fehler. Sofort taucht das Bild von Louis auf, wie er mich ansieht, wie er mich gegen die Wand drückt und meinen Gürtel öffnet. Verdammte Scheiße. Ich öffne die Augen wieder. Ich hätte es nie so weit kommen lassen dürfen. Ich hätte ihn wegdrücken sollen, ihn mich nicht anfassen lassen sollen. Obwohl es sich so gut angefühlt hat. Nein! Nein, das hat es nicht. Ganz und gar nicht!
„Das macht 30 Pfund, Sir", reißt mich der Fahrer aus meinen Gedanken. „Natürlich, eine Sekunde", antworte ich schnell und gebe ihm das Geld. Zuhause fühle ich mich dreckig. Meine Kleidung landet sofort im Wäschekorb und ich springe unter die Dusche. Es ist, als würde ich das, was vorhin geschehen ist, von meinem Körper waschen, in der Hoffnung, es wäre nie passiert. So einfach ist das nicht. Louis' Hand um meinen Schwanz zu vergessen, ist unmöglich. Wie er mich gereizt hat und provoziert hat und... das hat er sicherlich nicht zum ersten Mal getan. Ob er schwul ist? Ob er denkt, dass ich schwul bin? Scheiße, das hätte ich klarstellen müssen. Ich stehe nicht auf Männer. Ich habe da nichts gegen, soll jeder machen, was er will, aber ich bin hetero. So einfach ist das.
Meine Gedanken geben mir bis zum nächsten Morgen keine Ruhe. Ich schlafe kaum und mein erster Weg, als ich Büro ankomme, führt zur Kaffeemaschine. „Guten Morgen Mr Styles", werde ich freundlich von Jasmin begrüßt. Sie ist Olivers Nichte und macht ihr Praktikum seit letztem Montag bei uns. Normalerweise nimmt Oliver (zu meinem Glück) keine Praktikanten an, aber bei ihr hat er eine Ausnahme gemacht. „Guten Morgen", antworte ich knapp und nehme mir eine Tasse. Dann drehe ich mich wieder zur Jasmin um. „Kannst du mir einen gefallen tun?" – „Natürlich, worum geht es?", fragt sie lächelnd. „Ich brauche die Nummer von Louis Tomlinson. Er ist Feuerwehrmann, am besten so schnell wie möglich und ohne, dass es groß auffällt." Einen kurzen Moment ist sie verwundert, fängt sich aber sofort wieder und nickt. „Natürlich, das bekomme ich hin." – „Danke."
Mit meinem heißen Kaffee gehe ich in mein Büro und setze mich. Ich muss es schaffen, dass dieses potthässliche Gebäude abgerissen wird. Da das Budget recht hoch ist, sollte es kein Problem sein, den derzeitigen Eigentümer auszubezahlen. Wenn alles so läuft, wie ich das möchte, ist Ende des Monats der Vertrag unterschieben und eine Abrissfirma engagiert.
Plötzlich klopft es an der Tür. Jasmin betritt mein Büro und kommt auf mich zu. „Hier, die Nummer", sagt sie und reicht mir einen Zettel. Das ging ja schnell. „Danke", nicke ich und sehe auf die Zahlen. Sie schließt die Tür wieder hinter sich. Ich starre den Zettel an. Es ist so dumm. Wieso sollte ich seine Nummer wollen? Als hätte ich nichts Besseres zu tun.
Me: Wieso hast du das gestern getan?
Als hätte es nicht gereicht, dass ich erst den Zettel angestarrt habe, als wäre er verflucht, tue ich jetzt das gleiche mit der Nachricht. Fuck. Ich muss die Nachricht löschen. In dem Moment, als ich sie markiere, sehe ich jedoch, dass Louis etwas schreibt. Fuck!
Louis Tomlinson: schreibt...
Louis Tomlinson: Wer ist da?
Louis Tomlinson: Ah, Harry. Woher hast du meine Nummer?
Me: Vergiss es wieder. Ich hätte nicht schreiben sollen
Louis Tomlinson: Tja, zu spät. Also?
Me: Wieso ist das wichtig?
Louis Tomlinson: Weil ich dich gefragt habe. Ich warte auf eine Antwort.
Me: Unsere Praktikantin hat sie mir besorgt. Keine Ahnung, woher sie die hat.
Louis Tomlinson: Und wieso?
Me: Ich muss weiterarbeiten
Louis Tomlinson: Du hast mir geschrieben. Du denkst über gestern Abend nach.
Me: Ich hätte das nicht zulassen sollen.
Louis Tomlinson: Dir hat es gefallen.
Me: Gestern Abend hatte ich wohl ein Glas Wein zu viel. Ich stehe nicht auf Männer. Ich bin hetero
Louis Tomlinson: Glaube ich dir nicht.
Me: Bitte? Wieso denn das nicht?
Louis Tomlinson: Zum Beispiel deswegen, weil dir gestern fast die Beine weggeknickt sind, als ich deinen Schwanz in meiner Hand hatte.
Me: Das war eine rein körperliche Reaktion. Das hatte nichts mit dir zu tun.
Louis Tomlinson: Wir wissen beide, dass das gelogen ist. Du hast an mich gedacht, als du dich gewixxt hast.
Me: Das war eine Lüge.
Louis Tomlinson: War es nicht.
Missmutig lese ich mir seine Antworten durch. Dieser Kerl ist so... ich kann ihn nicht leiden. Er ist so provokant und unverschämt. Wieso habe ich ihm geschrieben? Es war doch klar, dass dabei nichts Gescheites rauskommen kann. Wir sind so grundverschieden, das kann nur schiefgehen. Nicht, dass ich interessiert darin wäre, das irgendetwas zwischen und klappen könnte. Keine Freundschaft. Nicht einmal eine Bekanntschaft
Louis Tomlinson: Wenn du neugierig bist, sag es einfach.
Me: Was wäre, wenn ich das tun würde?
Louis Tomlinson: Dann kommst du heute Abend dorthin.
Er schickt mir eine Adresse. Laut Google ist es eine Bar, etwa eine Viertelstunde von hier entfernt. Ich zögere.
Me: Was soll ich dort?
Louis Tomlinson: Deiner Neugier nachgeben. Ich weiß, dass du es willst.
Ein Schauer läuft über meinen Rücken und ich höre ihn in meinem Kopf genau diese Sätze sagen. Leise und verrucht, so wie er mit mir in der Kneipe nach dem Billard spielt im Waschraum gesprochen hat. So, als wäre es verboten. Mein Schwanz zuckt und mir wird verdächtig warm.
Me: Und wenn ich nicht komme?
Louis Tomlinson: Irgendwann wirst du dort auftauchen.
Me: Und da bist du dir so sicher?
Louis Tomlinson: Wenn es anders wäre, hättest du nie zugelassen, dass ich es dir besorge. Du hättest nie zugelassen, dass ich dich gegen die Wand drücke und dich wixxe, während du eigentlich auf einem Geschäftsessen bist.
Er schreibt es einfach so, als wäre nichts dabei. Ich presse die Lippen zusammen. Er hat recht, ich bin neugierig. Ich will wissen, wieso das passiert ist und wie ich es in Zukunft verhindern kann. Es passt nicht zu mir und meiner Sexualität. Ich antworte ihm nicht.
Louis Tomlinson: Traust du dich nicht?
Me: Das hat nichts mit trauen zu tun. Ich will nur meine Zeit nicht verschwenden.
Louis Tomlinson: Sagst du, während du in deinem Büro sitzt und mir schreibst, anstatt zu arbeiten.
Ich will es nicht zugeben, aber das war ganz klar ein Punkt für ihn. Scheiße, dann gehe ich dort eben hin, was soll schon passieren? Ich werde ihm einfach klar machen, dass das nie wieder passieren wird und wieder gehen.
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Was haltet ihr von der Situation? Und was wird in der Bar passieren?
Love, L
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