12. Kapitel

Louis:

Sie schnieft. „Ihr Freund is'n Arsch. Er hat sie verlass'n. Für'n Fick. Der Idiot", erzählt sie. Ich ziehe mein Funkgerät. „Einen Krankenwagen", sage ich knapp, wissend, dass mein Team sich darum kümmern wird. Marah steht inzwischen bei uns. „Steph. Hallo, hörst du mich?", frage ich mit lauterer Stimme, als Gemma es gerade getan hat. Ihre Lider zucken. „Steph, wach auf."

Meine Intuition, mich nicht direkt vor ihr Gesicht zu setzen, war richtig, den noch bevor sie die Augen öffnet, übergibt sie sich von der Bank hinunter auf den Boden. Immerhin nicht auf ihre Klamotten. „Steph!", ruft Gemma laut und die Erleichterung ist deutlich rauszuhören. Steph übergibt sich noch einmal. „Fuck...", murmelt sie und klammert sich an die Bank. „Ist dir schwindelig?", frage ich sie. Irritiert sieht sie zu mir. „Wer bis'u?" – „Hi, ich bin Louis und Feuerwehrmann. Das ist meine Kollegin Marah." Charly steht einige Meter weiter. Wenn wir jetzt direkt mit vier oder fünf Leuten hier stehen würde, könnte es passieren, dass es den beiden Frauen zu viel wird.

„Trink einen Schluck Wasser", sagt sie und gibt Steph einen Becher Wasser. „Danke", murmelt sie und setzt sich langsam auf. „Wie lange war sie bewusstlos?", frage ich Gemma. „Uhm... weiß ich nich'... zehn Minuten oder so? Bissch'n länger vielleicht." Es könnte also auch gut eine halbe Stunde gewesen sein.

Die Sanitäter kommen angelaufen. „Hi, gut, dass Ihr da seid. Sie war bewusstlos, aber hat geatmet", sage ich knapp und als sie Steph übernehmen, reiche ich Gemma eine Hand, um sie auf die Beine zu ziehen. „Wie geht es dir?", frage ich. Sie hat inzwischen auch Wasser von Marah bekommen. „Könnt ihr... also... vielleicht mit mir warten?", fragt sie zögerlich. „Sie nehmen Steph mit in ein Krankenhaus, oder?" – „Wahrscheinlich", nicke ich. „Möchtest du jemanden anrufen?" Sie seufzt und zögert. „Deine Eltern?", schlage ich vor. Sie schüttelt den Kopf. „Lieber meinen Bruder. Kann's'u das mach'n? Ich weiß nicht, wo wir sind", fragt sie und zieht ihr Hand aus der Tasche. Sie wählt den Kontakt aus und gibt es mir. Ich wähle den grünen Hörer und halte mir das Handy ans Ohr.

„Wir wollt'n nich' so viel trink'n... ehrlich nich'...", beteuert sie und schnieft. Ich halte mir das Handy ans Ohr und Gemma knabbert an einem Stück Traubenzucker, das Marah ihr gerade gegeben hat. Ihr Kreislauf scheint gerade stabil zu sein, aber wir müssen es nicht drauf ankommen lassen.

„Gemma? Geht es dir gut? Was ist los, wo bist du?", fragt eine aufgeregte Stimme am anderen Ende. Verständlich. Wenn meine Schwester mich mitten in der Nacht anrufen würde, würde ich vermutlich ähnlich reagieren. „Hi, hier ist die Feuerwehr, Tomlinson mein Name. Ihrer Schwester geht es gut, aber sie ist sehr betrunken und würde gerne, dass Sie herkommen", antworte ich in einem ruhigen Ton. „Scheiße, natürlich. Ist ihr etwas passiert? Ich bin auf dem Weg. Wo muss ich hin?" Er klingt gehetzt und ich höre, wie er eine Tür hinter sich schließt. Ich nenne ihm die Adresse. „Fahren Sie vorsichtig, Sir. Ihre Schwester ist in guten Händen. Wir warten mit ihr, bis sie hier sind." – „Ich bin in zehn Minuten da." Gemma setzt sich eine Parkbank weiter, wo nicht das erbrochene ihrer Freundin drunter liegt. Ihr Bruder hat nicht aufgelegt und ich schätze, das wird er auch nicht, bis er hier ankommen wird.

„Möchtest du mit ihm sprechen?", frage ich Gemma, aber sie schüttelt den Kopf. „Nein. Ich habe versproch'n mich nich' mehr so su betrin'n." Ich halte das Handy ein Stück weg. Ihr Bruder sitzt inzwischen im Auto. „Ist es dein großer Bruder?", frage ich sie. Sie nickt und wischt sich über die Wagen. „Ich habe auch kleine Schwestern", erzähle ich und setze mich neben sie. „Natürlich bin sich sauer, wenn sie Mist machen, aber das Wichtigste ist, dass es ihnen gut geht. Und dass sie wissen, dass sie mich immer anrufen können, wenn etwas sein sollte."

Sie nickt. „Harry sagt das auch immer", stimmt sie zu. „Danke, Louis." – „Kein Problem. Dafür sind wir da." Sie nickt und atmet tief ein und wieder aus. Es scheint ihr langsam aber sicher besser zu gehen. Betrunken ist sie zwar immer noch, aber deutlich ruhiger, als noch vor ein paar Minuten.

Plötzlich hält mit quietschenden Reifen ein Wagen direkt hinter unserem Einsatzfahrzeug. „Gemma!", ruft ihr Bruder laut und läuft zu uns zu. Ich hätte den Wagen erkennen können, habe ich in der Dunkelheit aber nicht. „Harry." Sie steht auf und stolpert auf ihn zu. Er schließt sie in seine Arme, drückt sie dann kurz von sich, um sie anzusehen und sich zu vergewissern, dass es ihr gut geht, und zieht sie dann wieder in eine feste Umarmung. Ich würde es mir keiner meiner Schwestern anders machen. Es ist komisch ihn so zu sehen. Mit Emotionen. Das er so etwas überhaupt hat – der Wahnsinn.

„Ist das nicht der Typ, den du nicht leiden kannst?", fragt Marah leise. „Halt sie Klappe", antworte ich knapp, wissend, dass sie recht hat. Gemma lehnt sich an ihren Bruder, der einen Arm um sie legt. „Vielen Dank, dass Sie..." Er stockt und sieht mich an. „Louis." – „Harry", antworte ich im gleichen Ton. „Hat Gemma den Notruf gewählt?", will er wissen. Ich schüttle den Kopf. „Wir sind nach einem Einsatz zufällig langefahren und ich habe sie und Steph hier gesehen. Steph ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Ich schätze, sie wird ins St. Thomas gebracht." Es ist das nächstgelegene Krankenhaus und ich schätze, er wird mit ihr hinterherfahren. Nicht, weil er es vorschlägt, aber weil ich glaube, das Gemma das gleich von ihm verlangen wird, um zu erfahren, wie es ihrer Freundin geht.

„Ihr kennt euch?", bemerkt Gemma nun auch ziemlich zeitverzögert. „Flüchtig", sagt Harry knapp. „Louis is' übrig'ns voll nett", fügt sie hinzu und ich schmunzle. „Das ist sein Job", antwortet Harry knapp. Naja, das und noch ein paar andere Aufgaben, aber ich verkneife es mir ihn zu korrigieren. „Was hast du getrunken?", will er von Gemma wissen. „Uhm... Wein... und Tequila...und Mojito...oh und Vodka", zählt sie auf. Harry seufzt. „Und was habe ich immer gesagt?" – „Nix von Fremd'n annehmen?", fragt sie und er streicht ihr die Haare aus dem Gesicht. „Das auch, aber ich meinte eher, dass du nicht durcheinander trinken sollst", korrigiert er sie.

„Oh! Stimmt!" Ihr geht ein Licht auf. „Sorry", nuschelt sie. „Habe ich vergessen." – „Nach dem Wein oder dem Tequila?", frage ich amüsiert. „Nach dem... weiß ich nicht mehr", grinst sie und gluckst amüsiert. Dann sieht sie erst mich und dann Harry schockiert an. „Aber Louis ist auch ein Fremder! Und Marah auch!" – „Und?", fragt er irritiert. „Sie hat mir Wasser gegeb'n!" Ich sehe sie belustigt an. Harry verdreht die Augen. „Das sind Feuerwehrleute, Gemma. Von denen kannst du ruhig ein Wasser annehmen." – „Nur nicht an Halloween", werfe ich ein. An dem Tag verkleiden sich die Leute gerne mal als Feuerwehrmann oder -frau und natürlich ist auch die Polizeiuniform ein gern gewähltes Kostüm. Nicht, dass sie sich betrunken da von irgendeinem Idioten ein Glas in die Hand drücken lässt.

„Mhm... okay. Werde ich nicht", verspicht sie. „Können wir zu Steph?", will sie von Harry wissen. „Bitte?" – „Okay. Hast du die Nummer ihrer Mutter?", will Harry wissen. Gemma schüttelt den Kopf. „Nein... Moment!" Sie sieht ihn mit großen Augen an. „Aber ich habe ihr Handy!" Sie zieht es aus der Hosentasche. „Möchtest du Sie anrufen, oder sollen wir das machen?", frage ich sie. „Harry macht das", antwortet sie mir und drückt ihm einfach das Handy in die Hand. „Klar", sagt er nur und steckt es ein. „Setz dich doch schon einmal ins Auto, okay?", bittet er Gemma dann und öffnet ihn mit der Fernbedienung an seinem Schlüssel. „Aber kotz da bloß nicht rein", fügt er hinzu. „Nur davor", grinst Gemma inzwischen wieder gut gelaunt. „Danke", sagt sie in die Runde und geht mehr oder weniger in einer gerade Linie zum Auto.

Harry sieht ihr hinterher, bis sie sitzt und die Tür geschlossen ist. Dann atmet er erleichtert aus. „Es geht ihr gut", versichert Marah ihm. „Geben Sie ihr am besten noch eine Scheibe Toast oder so, bevor sie schläft. Sie wird morgen garantiert einen miesen Kater haben." Die Frage, ob er sie mit zu sich nimmt, braucht keiner von und Stellen.

Harry nickt und sieht zu mir. „Uhm... danke, schätze ich. Dass du sie gesehen hast." Erstaunt sehe ich ihn an. „Wir sind schonmal im Wagen", sagt Marah leise und geht an mir vorbei. Charly nickt mir zu und deutet mir, dass ich zwei Minuten habe, bis er zurück zur Wache fahren will. „Kein Problem. Ich habe selbst kleine Schwestern", antworte ich ihm. Er gibt mir meine Jacke wieder, die Gemma bis gerade noch anhatte. Ich hänge sie mir über einen Unterarm. „Ich habe sie zufällig gesehen, es war einfach Glück", sage ich dann.

Harry nickt zögerlich. „Trotzdem... uhm... danke." Er sieht zum Auto. „Ich glaube, sie schläft schon." – „Wundert mich nicht. Lass Sie am besten schlafen", rate ich ihm. „Mhm. Werde ich. Also... uhm... ihr müsst wahrscheinlich weiter", sagt er unschlüssig. Ich schlage die Richtung zur Straße ein und er geht neben mir her. „Richtig. Und ihr solltet nach Hause. Gute Nacht", beende ich die Konversation knapp. Nur weil wir uns um Gemma und Steph gekümmert haben, heißt das nicht, dass wir plötzlich Freunde werden. Garantiert nicht.

„Gute Nacht", antwortet er und steigt ins Auto. „Das hast du gut gesehen", sagt Charly, als ich ebenfalls eingestiegen bin. „Zufall", sage ich und zucke mit den Schultern. „Aber danke."

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Irgendwie treffen die beiden immer wieder aufeinander. Verrückt oder?  Wie findet ihr diese Szene? 

Love, L 

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