18. Überraschung
Auf den ersten Blick erscheint vieles perfekt. Es ist wunderschön, wie oft sagt man das. Doch perfekt und wunderschön sind beides Adjektiv, die voraussetzten, dass etwas fehlerfrei ist.. es muss ... ja ganz einfach.. es muss wunderschön und perfekt sein. Auf der Fahrt vom Vulkan heruntersehe ich, dass Sizilien alles ist, aber nicht perfekt und schon gar nicht wunderschön. Wo ich vorher von den leuchtenden Plantagen und der vielfältigen Natur geblendet wurde, sehe ich jetzt das umher wuchernde Unkraut zwischen den leerstehenden, teilweise nur halbfertigen Ruinen von Gebäuden die trostlos die Umgebung prägen. Die kleinen Dörfer, durch die wir fahren schreien, laut nach Armut und als wir schon am dritten aufgegebenen Fabrikgelände vorbeifahren, hinter deren Zaun noch vereinzelte halb ausgeschlachtete Maschinen stehen, jagt mir ein kleiner Schauer den Rücken hinunter. Warum hab ich das alles bei der Herfahrt nicht gesehen? Das sind doch dieselben Orte, wie noch vor drei Stunden. Die Perfektion ist nicht verschwunden, sie war einfach nie da. Auf den ersten Blick erscheint vieles perfekt, doch, dass es das nicht ist, merkt man spätestens beim nächsten Hinschauen.
„Könntest du mal bitte kurz nachschauen wie wir jetzt nach Tao....wie hieß das noch mal? Taorina.. nein das was nicht......", Lucas zieht seine Stirn kraus und versucht sich offensichtlich krampfhaft an den Namen der nächsten Station unserer Reise zu erinnern.
„Taormina", helfe ich ihm aus.
„Genau, das war's. Könntest du mal nachschauen wie wir am besten da hinkommen? Die Beschilderung hier ist wirklich katastrophal."
Aus meinem Rucksack, den ich zwischen meinen Füßen verstaut habe, ziehe ich mein, etwas altersschwache, Handy hervor und werde erst mal dran erinnert, dass ich es so bald wie möglich aufladen sollte. Wie eigentlich sonst auch immer arbeitet das Gerät für meinen Geschmack viel zu langsam. Normalerweise ist mir das auch ziemlich egal, wenn der Bildschirm mal stockt, die Tastatur nicht reagiert oder eine Internetseite nicht ladet. Doch heute werde ich gestresst und das hängt nicht mal von mir direkt ab, sondern vom Gedanken in meinem Kopf, dass Lucas jetzt warten muss und ungeduldig werden könnte. Als es sich dann endlich dazu entschließt, seine Arbeit antreten zu können, fliegen meine Finger nur so über den Touchscreen und wenige Momente später habe ich das Gesuchte gefunden.
„Einfach immer grade aus bis zum nächsten Kreisverkehr und da auf die Autobahn Richtung Messina. Bis...warte mal kurz", ich verfolge auf der Karte die mit einem blauen Strich angezeigte Route und muss wieder erst mal warten, bis sie lädt, „... bis zur Ausfahrt Taormina von da ist es noch zirka eine viertel Stunde, steht da.
„Gut, klingt machbar", nickt Lucas, „So ein Navi wäre wirklich das mindeste in einem Leihwagen. Besonders hier."
„Es gibt schlimmeres. Man kann ja immer noch jemanden fragen", zucke ich mit den Schultern und verstaue mein Handy wieder im Rucksack.
„Stimmt auch wieder. Wenn wir früher hier waren, hatten wir immer mit einem Einheimischen unterwegs, da braucht man natürlich keine Hilfsmittel."
Ich horche auf: „Du warst schon mal hier?"
„Nein, also nicht hier hier, in Catania. Ich war aber schon ein paar Mal in Palermo. Ein Studienfreund mein Vater lebt dort und deswegen haben wir ihn oft in den Ferien besucht. Ich fand das als Kinder immer ätzend, wenn wir zweimal in den gleichen Ort gefahren sind. Aber meistens war der Abstecher nach Palermo nur ein Zwischenstopp."
„Dann hast du also schon einiges von der Welt gesehen?"
„Es geht. Ich war in ein paar Hauptstädte in Europa, dann in den USA. New York, DC und so weiter. Wir waren auch ein paar Mal in Dubai, wegen Geschäftsessen, zu denen mein Vater natürlich mit der ganzen Familie aufschlagen musste, um einen auf heile Familie zu spielen, das lieben sie da unten. Einen Winter haben wir in Brasilien verbracht. Aber nichts Spektakuläres sonst. Ich war zum Beispiel noch nie in Asien."
Ach, er war also noch nie in Asien? Ich bin kurz wirklich sprachlos. Das, was er aufgezählt hat, klingt für mich so gar nicht nach, nicht so viel herumgekommen. Die Orte, die er aufgezählt hat sagen mir, und ich kann mich meistens auf meine geografischen Kenntnisse verlassen, dass er mehr als nur so einiges von der Welt gesehen hat. Ich meine USA, Brasilien und Dubai. Meine Liste ist da schon deutlich kürzer und unspektakulärer.
„Und du?", stellt er mir, da auch schon die Frage, vor der ich mich fürchte, da ich mich sicher blamieren werde. Er hat das sicher nur nett gemeint und will höflich sein, dass er aber in ein nicht so kleines Fettnäpfchen treten wird, konnte er ja schließlich nicht ahnen.
„Also", fange ich, „ ....seit wir als ich noch klein war von Deutschland nach Palma ausgewandert sind, bin ich eigentlich nie wirklich von der Insel weggekommen."
Auch wenn er es versucht zu verstecken, ich sehe ihm an, dass er peinlich berührt ist. Ich beeile mich schnell hinzuzufügen: „Aber ich hatte auch nie den Drang zu verreisen." Diese Aussage entspricht nicht ganz der Wahrheit und doch ist sie keine richtige Lüge, denn ich hatte diesen Drang wirklich nicht. Während andere in meiner Klasse ihre zukünftigen Weltreisen, Roadtrips durch die USA oder Treckingtouren durch Sri Lanka geplant haben, hatte ich immer die Realität vor Augen und in meinem Fall beinhaltet diese folgenden Worte: Jenny, Tom und zu wenig finanzielle Mittel. Ehrlich gesagt hat mir auch der Mut gefehlt, denn heutzutage kann man auch mit wenig Geld verreisen. Aber wenn man sein Leben lang vorwiegend immer nur an einem Ort gelebt hat, da hat man – oder zumindest ich – einen Heidenrespekt davor diesen Schritt zu wagen. Es ist so schon völlig absurd, dass ich mich getraut hab mit Lucas mitzukommen. Absurd und verrückt. Aber so wie Lucas gesagt hat: Manchmal muss man verrückte Dinge wagen und bis jetzt bereue ich meine Entscheidung nicht.
„Dann holen wir das eben jetzt alles nach", kurz dreht Lucas seinen Kopf in meine Richtung.
Nach einer guten Stunde parkt Lucas den Leihwagen in einer Parkgarage in Taormina. Mittlerweile ist es Mittage und die Sonne brennt auf uns herunter.
Jetzt vermisse ich den kalten Wind fast schon wieder. Aber auch nur fast. Dieser krasse Kontrast vom Vulkan zur mediterranen Kleinstadt ist schon beeindruckend.
Da unsere Mägen lauter knurren, als uns lieb ist und wir nicht zu viel Zeit beim Essen verschwenden wollen, holen wir uns beim erst besten Laden, die so häufig angepriesenen, Arancini. Das sind frittierte und gefüllte Reisbällchen und auch wenn sie auf den ersten Blick etwas langweilig und, für meinen Geschmack, nicht unbedingt wie eine Delikatesse ausschauen, schmecken sie unglaublich gut.
Anschließend schlendern wir durch die Stadt. Auf den ersten Blick wirkt Taormina wie nur eine weitere Mittelmeer Kleinstadt. Doch, dass dieses Fleckchen Erde was ganz besonderes ist, spürt man schon nach wenigen Minuten.
Die Flaniermeile im Herzen der Altstadt ist säumen etliche Cafés und Boutiquen. Üppige Blumen Hecken ranken an Hauswänden empor und der schwere Duft von Jasmins erfüllt die Luft. In stimmungsvollen Seitengässchen, die über unzählige Treppenstufen von der breiten Straße abzweigen, stehen Stühle und Tische von Restaurants, die Besucher zum Verweilen einladen. Immer wieder trifft man auf antike Paläste verziert mit arabischen Stilelementen und ich kann Lucas sogar dazu überreden, dass wir uns das antike griechische Theater ansehen, das zweite in zwei Tagen.
Besagtes Theater liegt auf einem Felsplateau, umgeben von einer beeindruckenden Landschaft. Von hier oben hat man eines Wahnsinns Aussicht auf die Umgebung. Aber lange halten wir es nicht im, von Touristen überfüllen Theater aus und wir flüchten nach einem italienischen Eis zurück zum Auto.
Eigentlich wollten wir direkt weiter nach Messina fahren, von wo wir morgen mit der Fähre ans Festland fahren, doch der Strand sieht von der Straße aus zu verlockend aus und so legen wir noch einen kurzen Bade Stopp ein.
Und so langsam beginne ich das hier zu genießen. Ja, ich genieße es, auch wenn ich aus Lucas nicht schlau werde und ich keine Ahnung habe, wohin das ganze führen soll aber ich genieße es. Das Wasser ist glasklar und von der Sonne angenehm gewärmt. So lassen wir den Tag ausklingen und spätestens jetzt ist von Lucas anfänglich schlechter Laune am Morgen nichts zu spüren. Erst als die Sonne sich dem Horizont nähert suchen wir uns unsere sieben Sachen zusammen und fahren weiter.
Ein Tag voller Erlebnisse und Eindrücke neigt sich dem Ende zu und die Müdigkeit kriecht langsam durch meinen Körper. Es reicht gar noch für ein schweigsames Abendessen in einer Bar am Straßenrand und die Bewältigung der steilen Holztreppe zu unserem neuen Hotelzimmer. Gerade noch so schaffe ich es mein Handy an die Steckdose anzuschließen und mir einen Wecker zu stellen, da ich keine Lust habe morgen wieder mit Salzwasser zu duschen, bevor ich todmüde falle ich ins Bett. So todmüde, dass ich es nicht mal bemerke, dass neben mir noch jemand im großen Doppelbett liegt.
Dass jemand neben mir gelegen ist merke ich erst als mich mein Wecker um Punkt 08:00 Uhr weckt und das Bettlaken neben mir zerwühlt ist. Von Lucas ist aber weit und breit keine Spur. Vielleicht muss er noch etwas wegen dem Parkplatz regeln, dunkel befindet sich da eine Erinnerung von gestern. Ein tiefer Schlaf, ist für mich etwas völlig untypisches. Normalerweise schrecke ich bei jeder Kleinigkeit auf, aber die Ereignisse der letzten Tage scheinen wohl als Schlafmittel zu wirken.
Das Zimmer ist klein und überschaubar. Bis auf das Bett gibt es nur noch einen Schreibtisch aus Holz. Kein Stuhl, kein Teppich. Nur noch ein Fenster mit einem schweren dunkelgelben Vorhang davor doch die Aussicht beschränkt sich auf die gegenüberliegende Straße und einem Parkplatz. Auch das Bad ist sehr karg eingerichtet. Ein Waschbecken, mit einem runden Spiegel, der an der Wand befestigt ist, ein Klo und eine Badewanne, die man als Dusche umfunktionieren kann. Es ist nicht wirklich schön, aber auf den ersten Blick wirkt es zumindest sauber.
Aber das Zimmer hätte sogar eine richtige Bruchbude sein können und mir wäre es im Moment egal gewesen so sehr freue ich mich auf, die bevorstehende, Dusche mit Süßwasser in der Badewanne. Mit einer kleinen Anwendung von Gewalt schaffe ich es die klemmende Tür zu schließen und ziehe meine Klamotten aus. Vom Waschbecken nehme ich mir eines der zwei Fläschchen, die den Gästen bereitgestellt wurden, und steige in die Dusche. Der Bode ist nass und auch am Vorhang befinden sich noch Wassertropfen. Lucas war als schon hier.
Vorsichtig nehme ich die Brause in die Hand und schalte probehalber das Wasser ein. Es ist eiskalt aber nicht salzig. Es erfordert zwar ein wenig Fummelei, bis ich eine erträgliche Temperatur einstellen kann, aber der Moment als das lauwarme Wasser über meine Schultern prasselt, ist paradiesisch. Genüsslich lege ich meinen Kopf in den Nacken und lasse das frische Wasser über mein Gesicht laufen. All den Dreck, die Strapazen und den kritischen Momente der letzten Tage wasche ich mir vom Körper und von der Seele. Meine Haare seufzen fast schon hörbar aus, als sie endlich mit Shampoo in Berührung kommen und mein angespannter Körper scheint von Minute zu Minute lockerer zu werden.
Ich könnte Stunden lang hier stehen bleiben, doch die Angst, dass plötzlich aus dem Süßwasser Salzwasser werden könnte, bringt mich schließlich dann doch dazu, das Wasser abzustellen und die Badewanne alias Dusche zu verlassen. Über der Toilette ist ein Handtuchhalter befestigt, von dem ich mir das große, noch trockene Handtuch herunterziehe und mich einwickle, genauso wie meine Haare in einen Turban gehüllt werden. Vorsichtig luge ich ins Zimmer ob Lucas schon zurück ist.
Fehlanzeige.
Schnell sause ich zu meinem Rucksack und ziehe mir frische Sachen heraus. In nächster Zeit muss ich unbedingt einen Waschsalon finden, denn lange reicht meine Klamotten Vorrat nicht mehr und ich würde alles machen, um zu verhindern, dass ich mit einem durchschwitzten und stinkenden-Shirt neben Lucas im Auto sitze.
Die Hose von gestern und ein frisches T-Shirt genügt mir. Ein Blick auf mein Handy verrät mir, dass ich noch deutlich länger unter der Dusche stehen bleiben gekonnt hätte. Diese kleine Ewigkeit, so hat es sich zumindest für mich anfühlt, waren nur 17 Minuten. Aber so langsam kommt die Sorge in mir auf. Was macht Lucas so lange? Mir bleibt also nichts anderes übrig, als mich aufs Bett zu setzten und zu warten. So haben mindestens meine Haare schon etwas Zeit trocken zu werden. Im Bad gibt es nämlich nichts, was einem Föhn auch nur ähnelt.
Aber auch das Herumsitzen wird nach einer halben Stunden langweilig. Was macht Mia, wenn sie sich langweilt, weder WLAN noch ein gutes Buch zur Hand hat? Sie, beziehungsweise ich –ist ja gruselig, in fang sogar schon an in der dritten Person von mir zu reden – beginne meine Haare vor dem Spiegel einzuflechten. Ich habe das schon Ewigkeiten nicht mehr gemacht, also brauche ich auch einige Anläufe, aber nach einer weiteren viertel Stunde sieht meine Frisur ganz passabel aus. Aber Lucas ist noch immer nicht zurück und langsam beginnt sich der Hunger zu melden.
Wieder lasse ich mich auf das Bett fallen und dann, so als hätte er mein stummes Flehen gehört höre ich schnelle Schritte und ein Schlüssel, der die Tür öffnet.
Lucas hechtet ins Zimmer. Seine Haare sind verwuschelt und stehen wirr in alle Richtungen ab, sein Atme geht hektisch, so als ob er gerannt wäre, aber ein breites Grinsen ziert sein Gesicht.
„Hey", begrüße ich ihn leicht verwirrt und setzte mich auf, „Alles in Ordnung mit dem Parkplatz?"
Kurz zieht er seine Stirn kraus, bis er versteht was ich meine: „Ach ja damit ist alles in Ordnung. Aber ich habe eine Überraschung."
Er zwinkert mir zu und grinst noch breiter, falls das überhaupt möglich ist. Okay, so langsam bin ich wirklich beunruhigt. „Und was ist das für eine Überraschung?", frage ich nichtsahnend nach, als er nichts näher erläutert.
„Das ist kompliziert. Aber ich zeig's dir. Warte hier drei Minuten. Genau drei und schau dann aus dem Fenster. Nicht davor!" Das klingt beunruhigend. Aber wenn er grinst wie ein Honigkuchenpferd, kann es doch nichts Schlimmes sein, oder?
„Okay...", willige ich misstrauisch ein und schon dreht er sich wieder um und eilt hinaus. Die nächsten drei Minuten ziehen sie endlos hin und als mein Handy Uhr mir endlich erlaubt das Fenster zu öffnen bin ich erst Mal erleichtert, weil alles so aussieht wie vorher.
„Hier", höre ich Lucas Ruf von untern. Nach einigen Momenten mache ich ihn wild winkend auf dem Parkplatz aus.
Und was ist jetzt die Überraschung?, stelle ich mir die Frage. Er steht einfach auf dem Parkplatz, doch dann macht er etwas, vor allem zeigt er auf etwas und ich bin sprachlos. Das hat er doch nicht wirklich getan, oder?
Lucas steht breit grinsend neben einem alten VW Bus, bei dessen Anblick jeder Hippie vor Neid erblassen würde, denn er schreit nur so nach Flower-Power.
„Was ist das?", rufe ich mit der Hoffnung, dass ich mich irre und Lucas nicht gerade diesen Bus gegen unser normales Mietauto umgetauscht hat, runter.
„Unser, Bus, den ich grade gekauft habe", antwortet er stolz und lehnt sich auf die offen Fahrertür.
Ah, okay unser Bus... Moment! Was? Bus? Gekauft?
Ruckartig fahre ich vom Fenster zurück und steuere auf die Tür zu. So schnell es geht eile ich die Treppen hinunter und auf den Parkplatz hinaus.
„Ich glaube ich habe da was nicht richtig verstanden, sagtest du gekauft?", stelle ich die Frage, als ich ihm gegenüber stehe.
„Ja", nickt er, so als ob es selbstverständlich wäre, sich im Urlaub ein Auto zu kaufen, „Ich dachte das ist doch viel praktischer als wenn wir dauernd mit dem Mietwagen rumfahren müssen. Ich wollte ja eigentlich nur zu der Filiale, um zu fragen, ob wir bitte diese Schrottkarre umtauschen könnten, doch dann hab ich das Baby hier gesehen und konnte nicht widerstehen. Da ist sogar ein Bett drinnen und das Radio funktioniert." Triumphierende nickt er und klopft liebevoll auf das hellblaue Blech.
„Du kannst doch nicht einfach so ein Auto kaufen!", ich bin einfach nur fassungslos und kann es nicht oft genug in meinen Gedanken wiederholen. Lucas hat ein Auto gekauft.
„Warum denn nicht?", er scheint sich prächtig über meinen Schock zu amüsieren.
„Weil man das einfach nicht macht. Ich will glaub ich gar nicht wissen, wie viel, das alles gekostet hat."
„Eigentlich war er sogar ein Schnäppchen und bevor du noch was sagst. Ich gebe ihn nicht zurück und wenn ich bis nach England fahr und immer noch nicht genug haben wollte, verkauf ich ihn oben. Briten stehen auf solche Oldtimer und ich kenn einige Idioten die Autos lieben, wenn ich denen die richtige Story erzähle, kann ich das Geld was ich bezahlt hab locker verdoppeln. Also los schau ihn dir an, das ist ein Prachtkerl."
Wiedermal hat er es geschafft mich sprachlos zu machen, aber vielmehr wird mir vor Augen geführt, wie verschieden die Welten doch sind, in denen wir leben. Aber auch wenn sich alles in mir sträubt, es ist sein Geld und er kann, damit machen was er will. Etwas widerwillig sehe ich mir also seien Errungenschaft an. Ich verstehe nichts von Autos, wirklich gar nichts, doch dass das Model hier nicht nagelneu ist, sehe ich auf den ersten Blick und der Innenraum bestätigt mir diese Vermutung nur. Über die Vordersitze ist ein hässlicher bunter Bezug gezogen, denn man aber mit ein paar Handgriffen runternehmen kann, hoffentlich, denn so muss sich ein LSD Trip anfühlen. Der Horror befindet sich im hinteren Teil. Lucas hatte recht, hier befindet sich ein Bett und eine kleine Küche, bestehend aus einer Kochplatte und zwei Schränken. Es riecht staubig, muffig und irgendwie gar nicht gut. Die Decken will ich mir gar nicht so genau ansehen so dreckig sind sie, da reicht mir schon der Anblick, der Flecken auf den verblichenen Kissen. Ich will gar nicht wissen, was schon alles in diesem Bus passiert ist.
„Ja ich gebe zu, wir müssen eine Grundreinigung machen, neue Decken kaufen und vielleicht auch eine neue Matratze, aber du musst dir das geputzt vorstellen! Das ist doch der Hammer. Jetzt sind wir perfekt ausgerüstet für einen Road Trip."
Pure Begeisterung, das sehe ich in seinem Blick, und so habe ich ihn noch nie erlebt. Wie er so erzählt und mir beschreibt, was er verändern möchte und wie es später aussehen wird, da steckt er mich Wort für Wort mehr mit seiner Begeisterung an.
So wie es aussieht werden wir also unsere Reise mit einem Hippie Bus fortsetzten. Kann es eigentlich noch verrückter werden?
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