Let's rewind
Wenn man verstehen will, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass ich jetzt in Edinburgh studieren werde bedarf es einem kleinen Maß an Vorgeschichte. Ich werde mich so kurz wie möglich halten, denn langweilen möchte ich euch bestimmt nicht.
Let's rewind, ein mal kurz zurückspulen bitte!
⏪ 2017
Ich lebe in Italien und habe mich mit 14 Jahren, dazu entschlossen meine Matura (gleichzusetzten mit dem deutschen Abitur) auf einem sozialwissenschaftlichen Gymnasium zu machen und nach ein paar Jahren stand für mich fest: Ich möchte gerne Psychologie studieren und zwar in Wien. Für Deutschland würde mein Durchschnitt wahrscheinlich nicht gut genug und in Italienisch wollte ich irgendwie nicht studieren. Zudem ist Wien eine Stadt, die ich unglaublich schätze und liebe.
Eine andere Sache, die auch schon Jahre lang mein Traum war, war ein so genanntes: „Gap year" und wie soll es auch anders sein, hat es mich für ein Jahr nach Australien verschlagen und die nächsten 12 Monate waren, die besten, die ich mir je hätte erträumen können.
⏩2018
Anfang August 2018 bin ich nach einem Jahr zurück nach Hause gekommen und habe sofort begonnen für meine Aufnahmeprüfung für Psychologie in Wien zu lernen. Ganze 3 Wochen hatte ich zweit. Und ihr könnt mir glauben, ich habe gelernt! So bin ich in den Zug gestiegen, nach Wien gefahren und habe die vier stündige Prüfung zusammen mit ca. 4.000 anderen in der Messehalle geschrieben. Die besten 500 werden angenommen, Tja mögen die Speile beginnen. Zwei Wochen später kam das Ergebnis: Rang: 1.052, wenn ich mich noch richtig erinnern kann. Für drei Wochen lernen ohne Vorbereitungskurse, gar nicht mal so schlecht aber „knapp" daneben ist auch vorbei.
Ich habe meinen Test ja selbst geschrieben und wusste, dass ich es eher nicht schaffen werde, aber dann das Ergebnis schwarz-weiß vor sich zu haben, ist dann doch noch mal ziemlich hart.
Also stand ich da, bzw. saß heulend in meinem Bett. Immer der Gedanke in meinem Kopf: „Was soll ich bloß mit dem ganzen nächsten Jahr anfangen?"
Natürlich habe ich mich informiert, auch über einen Studienbeginn im Sommersemester, aber die Studiengänge, die mich interessier haben waren leider nie dabei. Ich hab sogar überlegt ob ich nicht ein Semester BWL machen soll, damit.... Ja damit ich einfach studieren, denn das war genau das was ich wollte: einen Plan, eine Aufgabe, studieren wie alle meine Freunde.
Ein paar Tage verringern, die Vernunft kam zurück und ich entschloss mich dazu nicht einfach irgendwas zu studieren, damit ich studiere. So habe ich noch einige Wochen in einem Restaurant gearbeitet (Geld kann man schließlich immer brauchen) und bin dann ich ein Flugzeug nach London gestiegen um da für die nächsten fünf Monate als Au Pair zu arbeiten.
Tja, so war ich in London und der Gedanke in Großbritannien oder auch Australien zu studieren kam mir in den letzten Jahren schon oft, aber ich dachte immer es wäre unmöglich. Warum? Studiengebühren! Und zwar astronomisch hohe.
So war ich also in London, genoss meine Zeit und lernte neue Freunde kennen. Eine von ihnen erzählte mir an einem Abend, dass sie in Großbritannien studieren möchte. Meine Reaktion war sofort: Wow, cool. Aber wie kannst du dir das leisten, wenn ich fragen darf?
Ihre Antwort: in Schottland studiert man gratis.
Ich konnte meine Ohren nicht trauen und habe sofort begonnen zu recherchieren. Und es stimmt. In Schottland zahlen, schotten und EU-Bürger sehr geringe Studiengebühren, die sogar komplett vom Staat übernommen werden, wenn man sich bei einem bestimmten Amt anmeldet. Engländern aber zählen die vollen Gebühren wie andere international Students. Tja, Schotten können Engländern halt dezent nicht ausstehen.
So war die Idee geboren, der Anmeldeprozess hat mich dann aber doch ziemlich abgeschreckt, denn der ist doch etwas komplexer, davon werde ich euch aber in einem anderen Kapitel detaillierter erzählen.
Eines Abends an einem kalten, verregneten Dezember tag saß ich mit bereits erwähnter Freundin ein einem Pub und wir haben es uns gut gehen lassen und ich hatte vielleicht einen Pint zu viel, denn plötzlich versprach ich ihr, dass ich mich auch bewerben werde. Tja, gesagt getan.
Ich habe mich bei 5 Universitäten beworben, die Tatsache, dass ich neben 2 Psychologie Kursen, die drei anderen Kurse nur nach dem Klang ihres Namens ausgewählt habe, zweit wie ernst ich das ganze genommen habe, nämlich gar nicht.
⏸️ 2019
Einen Tag vor der Frist Mitte Januar habe ich alles auf meinem UCAS Profil hochgeladen und gewartet.
Was ist also passiert?
Ich habe völlig unerwartet gleich zwei Angebote bekommen.
Einmal eine unconditional offer von der University of Aberdeen für Psychologie und dann eine conditional offer von der Queen Margaret University in Edinburgh für Communication and Media (diese Uni wollte noch einen Sprachtest von mir).
So stand ich also plötzlich vor der Wahl. Psychologie, was ich immer machen wollte oder etwas komplett anderes, was mich aber unglaublich reizt.
Ich habe sehr lange hin und her überlegt und mit vielen gesprochen, jeder hat mir was anderes geraten und schließlich hat mein Bauch entschieden: Communication and Media.
Diese Entscheidung habe ich nach einem vier wöchigen Besuch meiner alten Gastfamilie in Australien entschieden.
Und in nicht mal mehr 4 Wochen geht es los!
Ich kann gar nicht glauben, dass schon fast ein Jahr seit meiner Aufnahmeprüfung in Wien vergangen ist. Ich hatte solche Angst vor diesem Jahr der Ungewissheit und wenn ich jetzt so drüber nachdenke war es ein echt verdammt gutes Jahr:
Ich habe fünf Monate in London gelebt, war 4 Wochen in Melbourne, habe gearbeitet und mir und meinem Papa einen Lebenstraum erfüllt und bin für 3 Wochen durch Peru gereist.
Ich bin jetzt 21 Jahre alt und beginne erst jetzt zu studieren. Ja, vielleicht nicht gerade ideal. Aber jede Entscheidung die ich die letzten Monate und Jahre getroffen habe, haben mich irgendwie auf diesen neuen Weg gelenkt. Und falls sich herausstellen sollte, dass es doch nicht das richtige für mich sein sollte, na dann geht es auf zum nächsten Abschnitt.
Ich habe keine Ahnung wo die reise hingehen wird, aber ich freu mich schon euch etwas mitnehmen zu können!
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