Flashback 2
Louis:
Ich zucke an meinen Haaren und betrachte meine Frisur kritisch im Spiegel. Es sieht einfach nicht so aus, wie ich es gerne hätte. Was eine Scheiße. „Louis? Bist du fertig? Wir müssen los!", höre ich Mum rufen. „Ich bin sofort da!", antworte ich und betrachte kritisch mein Spiegelbild. Den ersten Tag an der neuen Schule hatte ich mir anders vorgestellt. Genau genommen habe ich ihn mir bis vor zwei Wochen gar nicht vorgestellt. Da dachte ich noch, dass ich in Manchester meinen Abschluss machen werde. Jetzt stehe ich in einem halb eingerichteten Badezimmer in South Hampton. Mich hat natürlich niemand gefragt, als es darum geht, quer durchs Land zu ziehen. Es ist nicht so, als hätte ich sonderlich Probleme damit, neue Freunde zu finden, aber scharf bin ich da auch nicht drauf.
Ich zupfe noch an zwei Strähnen und gebe es dann auf. Mum steht schon am Auto. Am ersten Tag will sie mich fahren, meinte sie. Meine Schwestern sitzen schon auf der Rückbank. Sobald ich aus dem windgeschützten Türbereich nach vorne trete, ist all meine Mühe dahin. Hier an der Küste ist der Wind um einiges stärker als in Manchester. Und vor allem ist er immer da. Ich lasse mich auf den Beifahrersitz fallen und klappe die Sonnenblende runter. Super. Jetzt sieht es aus, als hätte ich nach dem Aufstehen nicht einmal einen Kamm angefasst. Geschweige denn genutzt. Genervt richte ich meine Haare notdürftig wieder.
„Du siehst aus wie immer. Was versuchst du da?", fragt Phoebe mich. Sie hat selbst für fast eine halbe Stunde das Bad belegt. „Ich will nicht wie ein Idiot aussehen." – „Das tust du immer. Liegt an deinem Gesicht", antwortet sie und verschränkt die Arme vor der Brust. Ich verdrehe die Augen und sage nichts. Das liegt nicht daran, dass ich keinen Konter parat hätte, es liegt daran, dass Mum eingestiegen ist und losfährt.
Die Schule ist nicht weit weg. Am morgen werde ich den Bus nehmen. Was meine Schwestern tun, ist mir ziemlich egal, wahrscheinlich sind sie zu cool für den Bus und lassen sich lieber von Mum kutschieren. Ich bin mal gespannt, wie lange Mum das mitmachen wird.
„Viel Spaß. Und benehmt euch bitte. Der erste Eindruck ist wichtig." – „Wissen wir, Mum. Bis später", verabschiede ich mich und steige aus. Die neue Schule ist kleiner als meine alte. Das Gebäude ist dafür moderner und ich erkenne schon von hier, dass der Schulhof deutlich besser ist als der meiner alten Schule. Hier stehen sogar ein paar Bäume auf einer Wiese. In Manchester war der Schulhof nur ein asphaltierter Innenhof. Ich betrete das Gebäude und gehe mit meinen Schwestern im Schlepptau zum Sekretariat. Jetzt bin ich als großer Bruder doch wieder gut genug. Ich hole meinen Stundenplan ab und lasse die zwei Nervensägen allein. Sie betonen in letzter Zeit immer wieder wie groß und erwachsen sie doch inzwischen sind. Dann werden sie wohl allein ihre Klasse finden.
Ich merke schnell, ich hätte fragen sollen, wo ich hin muss. Die Nummerierung ist alles andere, als sinnvoll gestaltet und in zwei Minuten beginnt der Unterricht. Zwei Flure später finde ich den richtigen Raum. Er ist nicht im Hauptgebäude der Schule. Hätte man das nicht dran schreiben können? Der Raum ist gut gefüllt und für einen Moment bleibe ich im Türrahmen stehen. Ein freier Platz. Dort hinten. Der Stuhl scheint nicht besetzt zu sein. Zielstrebig gehe ich zwischen den Tischen durch. „Ist hier noch frei?"
Der Junge, den ich gerade angesprochen habe, sieht mich mit großen Augen an. Sehe ich komisch aus? Habe ich etwas Komisches gesagt? Er nickt leicht und ich setze mich. Dabei wendet er seinen Blick nicht ab. Er sieht mich weiterhin ab. Ich werde skeptisch. „Was ist?" Er zuckt leicht, kaum merklich zusammen. „Sorry. Nichts. Ja, da war noch frei", presst er heraus und sieht weg. Er verzieht kurz den Mund und sieht auf das Schulbuch vor sich. Seltsam. Ich hole meine Sachen heraus und sehe auf den Plan. Erst Mathe. Dann gleich Bio. Na gut. Immerhin habe ich danach Sport. Ich muss mich dringend informieren, ob es ein Fußballteam gibt.
Der nächste Kurs ist in einem anderen Raum. Als ich gerade den Zettel mit dem Stundenplan heraushole, um herauszufinden, wo genau ich hin muss, stellt sich mir ein Mädchen in den Weg. „Hi." Ich sehe auf. „Hi." – „Louis, richtig?" Ich nicke. „Ich bin Amber. Zeig mal her." Sie nimmt mir den Zettel aus der Hand und liest sich kurz den Plan durch. „Bio haben wir zusammen, komm einfach mit." – „Danke. Ich habe mich gerade schon fast verlaufen", antworte ich und sie gibt mir den Zettel wieder. „Keiner von uns hat das System der Nummerierung bisher verstanden." Ich bin also nicht so blöd, wie ich befürchtet hatte. Das ist gut. Sie nimmt mich mit zu ihrer Freundesgruppe, die schon vor dem Raum stehen und warten.
„Das sind Emma, Ben und Lenny und Jace", stellt sie mir die Truppe vor. „Hi, ich bin Louis", stelle ich mich vor und bemerke, dass Sportschuhe an den Rucksäcken der Jungs hängen. „Ihr spielt nicht zufällig Fußball?" – „Ich bin Captain des Schulteams", antwortet Jace mir. „Interessiert?" – „Muss ich erst ein Probetraining machen oder kann ich mich direkt anmelden?", frage ich und er grinst. „Um das Probetraining kommst du nicht herum. Sorry. Morgen nach der Schule auf dem Außengelände. Ich sag dem Coach Bescheid." – „Nice, danke." Das ging einfacher als gedacht. „Ihr spielt auch?", spreche ich die beiden anderen, Ben und Lenny, an. Sie nicken. „Ja, seit zwei Jahren", antwortet Ben und sieht kurz zu Lenny. Der legt einen Arm um Emmas Taille, die sich leicht gegen ihn lehnt. „Treffen wir uns nach dem Training?", will Lenny dann von seiner Freundin wissen, aber sie schüttelt den Kopf. „Du weißt, dass ich länger Training habe als du." – „Eine halbe Stunde. Ich werde zuschauen", beschließt er.
„Welche Sportart machst du?", frage ich sie daraufhin. „Boxen. Fußball ist mir zu langweilig", erwidert sie und Lenny kneift sie in die Seite. „Fußball ist nicht langweilig." – „Deine Spiele sind die Ausnahme", grinst sie und er küsst sie kurz.
„Ihr knutscht schon wieder?"
Ich drehe mich zur Seite und sehe zwei andere Jungs auf uns zukommen. Einer von ihnen ist der Komische, der in der letzten Stunde neben mir saß. Er sieht mich an, nur einen kurzen Augenblick und wendet seinen Blick ab. Er bleibt stumm und steht nur dabei, während der Blonde neben ihm sofort Teil der Konversation wird. Er heißt Niall und ist das Maskottchen des Teams. Bei seiner aufgeschlossenen, schrillen Art wundert mich das nicht. Der andere Kerl stellt sich nicht vor. Er redet nicht viel und ich wette, er ist froh, als die Tür aufgeschlossen wird und er sich setzen kann. Gehört er überhaupt zu dieser Freundesgruppe?
Der erste Tag läuft gut. Ich hätte gedacht, es dauert länger, bis ich Freunde finde. In der Mittagspause meint Niall, ich solle mich zu ihnen setzen. Dieser andere Junge ist nicht dabei. Kurz überlege ich, ob ich fragen soll, aber dann lasse ich es sein. Wer weiß, ob er wirklich mit ihnen befreundet ist. Niemanden hier scheint es ansonsten zu kümmern, dass er nicht da ist. Auf der anderen Seite der Mensa sitzen meine Schwestern. Auch sie haben schon Anschluss gefunden. Gut, dann kommen sie nicht auf die Idee mich zu nerven.
Als der Coach mir am nächsten Tag nach dem Probetrainings zusagt, dass ich Teil des Teams werde, habe ich diesen anderen Jungen längst wieder vergessen. Er redet kaum, schon gar nicht mit mir, und in den Pausen ist er nicht da. Es ist nicht schwierig ihn zu vergessen.
„Das Trikot kriegst du die Tage. Tomlinson richtig?", fragt der Coach mich. Ich nicke und sehe im Augenwinkel, wie alle anderen ihre Sachen zusammenpacken. „Gut. Du hast vorher schon gespielt meine Jace. Für dieses Team brauchen wir allerdings keinen Stürmer mehr, sondern Mittelfeld." – „Das klingt gut", antworte ich sofort. Ich möchte einfach Fußball spielen. „Schön. Trainiert wird zweimal die Woche. dienstags und donnerstags nach der Schule für zwei Stunden. Ab und zu sind am Wochenende Wettkämpfe, die Liste gebe ich dir mit dem Trikot. Fußballschuhe hast du?" – „Ja." – „Alles klar. Wir sehen uns am Donnerstag."
Zufrieden gehe ich zu den anderen. Lenny ist schon auf dem Sprung. „Gehst du zu Emma?" – „Ja." Er grinst gut gelaunt. „Was hat der Coach gesagt?" – „Ich bin dabei." – „Wie überraschend", antwortet Jace und haut mir freundschaftlich auf die Schulter. „Niemand hat etwas anderes erwartet", pflichtet ihm Ben bei uns sieht kurz zu Lenny, der seine Tasche schultert und sich verabschiedet. „Was ist das mit den beiden?", frage ich Jace leise. Mir ist schon gestern aufgefallen, dass es ab und zu seltsam zwischen ihnen ist. „Ben steht auf Emma", sagt Jace so leise, dass Ben es nicht hört. „Oh." – „Mhm. Und Lenny weiß es seit dem Wochenende." – „Und Emma?" – „Sie weiß es auch, aber ihr ist es ziemlich egal. Seitdem ist es angespannt zwischen Lenny und Ben. Eigentlich sind sie beste Freunde." – „Die zwei?" – „Kaum zu glauben, oder?", antwortet er mir und zuckt mit den Schultern. „Das wird schon wieder. Misch dich am besten nicht ein." – „Auf keinen Fall!", antworte ich sofort. Ich bin nicht scharf darauf in dieses Drama involviert zu werden.
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Das erste Mal Louis' POV. What do you think?
Love L
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