3. Flashback
Louis:
„Heute ist wieder Training, oder?“, fragt Mum mich beim Frühstück. Ich nicke und trinke einen Schluck Tee. Inzwischen sind wir seit drei Wochen hier. Ich fühle mich wohl in South Hampton. Es ist nicht mit Manchester zu vergleichen, aber es hätte schlechter laufen können. „Ich könnte dich abholen. Was meinst du, Großer?“ – „Wieso holst du uns nicht ab?“, will Daisy sofort wissen. „Weil ihr schon um drei Schulschluss habt und Mum da noch arbeitet“, antworte ich ihr knapp und wende mich wieder Mum zu. „Danke, aber ich weiß nicht, wie lange das Training heute dauert. Der Coach meinte, dass wir dringend Torschüsse üben müssen und einplanen sollen, dass es heute vielleicht länger geht.“ Mum nickt und steht vom Frühstückstisch auf, um abzuräumen. „Euer Dad kommt heute Abend an. Es wäre schön, wenn ihr Zuhause seid.“ Sie sieht zu mir. „Sechs Uhr, Louis, spätestens.“ – „Schon klar.“
Dad musste noch einmal zurück nach Manchester wegen seiner Arbeit. Er wurde versetzt in das Büro in South Hampton und wird ab morgen dort arbeiten. Er hat den Umzug hierher mitgemacht, ist dann aber direkt wieder zurückgeflogen. Ich bin sicher, Mum plant schon seit Tagen das Abendessen für heute. Manchmal ist es nervig mitanzusehen, wie sehr sie sich nach wie vor lieben. Dann höre ich von einigen meiner Freunde, dass sich ihre Eltern nur streiten oder geschieden sind und sie sie deswegen kaum noch sehen. Jedes Mal erinnert es mich daran, dass ich durchaus sagen kann, ich habe ziemliches Glück mit meiner Familie. Auch wenn sie mir ab und an auf die Nerven gehen.
Ich schnappe mir meine Sachen und gehe in den Flur. „Wir sind weg, bis später!“, höre ich Phoebe rufen und sie öffnen die Tür. Sie sind gerade erst Teenies geworden und damit auf jeden Fall zu cool, um mit ihrem großen Bruder zusammen zur Schule zu gehen. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, auf dem Weg zum Bus Musik zu hören und meine Ruhe zu haben, aber ab und an ist es doch ganz amüsant, wie sehr sie versuchen, mir aus dem Weg zu gehen. Was wollen sie noch machen? Ihren Nachnamen ändern?
„Guten Morgen“, begrüße ich meine Freunde und stelle mich zu ihnen. Lenny hat wie sonst auch einen Arm um Emma gelegt. Ben und er haben sich nach wie vor nicht ausgesprochen. Kurz nach mir kommt Niall an. Amber sieht zu ihm und verzieht kurz nervös den Mund. Fragend sehe ich sie an. Sie zuckt mit den Schultern. Die beiden flirten laut den anderen schon ewig, aber kriegen es einfach nicht hin, offen miteinander zu reden. Letzte Woche hat Niall es endlich geschafft, Amber auf ein Date einzuladen. Er hat sich wohl ziemlich dumm angestellt, aber das ist Hörensagen. Seitdem ist es noch komischer zwischen den beiden. „Guten Morgen, Leute.“ Niall ist wie immer wahnsinnig gut gelaunt. Heute hat er mal wieder Harry im Schlepptau. Es hat eine Woche gedauert, bis ich seinen Namen erfahren habe. Kein Wunder, er redet schließlich nicht. Ich hätte mich an meinem ersten Tag nicht neben ihn setzen sollen. So ist Mathe schnell zu dem langweiligsten Fach der Woche geworden. Er nickt leicht zur Begrüßung und presst die Lippen aufeinander. Fühlt er sich so unwohl in unserer Gegenwart? Offenbar. Ich verstehe nur nicht, wieso er dann hier ist. Es ist offensichtlich, dass er nicht bei uns sein will.
Niall sieht zu Amber. Sie lächelt kurz und sofort wendet er den Blick ab. Er wird rot um die Nase. Harry sieht ihn an und sagt irgendetwas, was niemand von uns versteht. Dafür spricht er zu leise. Niall schüttelt den Kopf, nur ganz leicht und einen Moment später wechselt er das Thema der Unterhaltung. Harry bleibt im Hintergrund, bis die Tür aufgeschlossen wird. Er setzt sich und holt das Buch heraus.
„Hausaufgaben auf den Tisch.“ Mit diesen Worten beginnt der Unterricht. „Scheiße“, höre ich Harry leise sagen. Verwundert sehe ich zu ihm. Mr. Streber hat die Aufgaben nicht gemacht? Er sieht zu Niall, der mit den Schultern zuckt und ihm seine Lösungen zuschiebt. Bevor Harry auch nur beginnen kann, sie abzuschreiben, steht unserer Lehrer vor ihm. „Hast du sie vergessen, Harry?“ – „Nein… ja… also ich hab sie nicht dabei“, presst er heraus und dreht den Kugelschreiber zwischen seinen Fingern. „Mhm. Okay“, wird ihm lediglich geantwortet. Harry seufzt leise und sieht in seinen Kalender. „Mist“, höre ich ihn sagen. So viel hat er in meiner Gegenwart noch nie geflucht. Das ist ja mal was ganz Neues.
„Das ist nicht so schlimm. Du hast sonst immer deiner Hausaufgaben“, versucht Niall ihn aufzumuntern. Er zuckt mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wieso ich sie vergessen habe. Das passiert mir nie“, antwortet er ihm. „Vielleicht brauchst du einfach mal eine Pause. Du lernt viel mehr als jeder von uns“, erwidert Niall. „Du solltest die Mittagspause mal wieder mit uns verbringen“, schlägt er vor, aber Harry schüttelt sofort den Kopf. „Danke, aber das geht nicht. Ich hab noch zu tun.“ Daraufhin schweigt Niall und Harry richtet seine Aufmerksamkeit nach vorne.
Wieso macht er so einen Aufstand daraus, dass er ausnahmsweise mal die Hausaufgaben vergessen hat? Er ist in jedem Fach der Beste. Einmal die Hausaufgaben nicht zu haben, wird daran wohl kaum etwas ändern. Seltsamer Kerl.
„Hey Louis.“ Ich drehe mich um. „Hi… äh…“ – „Mary. Wir haben Literatur zusammen.“ – „Oh, hi Mary“, antworte ich ihr. „Also… du hast heute Training, oder? Du bist im Team?“ – „Ja, genau.“ – „Cool. Cool. Ich bin eine der Cheerleaderinnen." Klischee, schreien meine Gedanken sofort, aber ich lasse sie weitersprechen. „Was machst du heute nach dem Training?“ – „Wir haben heute Abend etwas mit der Familie geplant“, antworte ich ihr. „Nichts aufregendes.“ Sie nickt verstehend. „Oh, klar. Also hast du keine Zeit?“ – „Zeit?“ Einen kurzen Moment stehe ich auf dem Schlauch, bis mein Verstand versteht, worauf das hier hinausläuft. Ich versuche nicht allzu überrascht auszusehen. Das würde nur alles kaputt machen. „Morgen habe ich Zeit. Wie sieht es da bei dir aus?“ – „Cool. Ja, das geht.“ – „Treffen wir uns nach der Schule vor dem Tor? Wenn das Wetter gut ist, können wir zur Promenade, wenn du magst.“ Es ist das Erste, was mir einfällt und das auch nur, weil Lenny heute Morgen erzählt hat, dass er mit Emma dort war.
„Das klingt gut. Cool. Bis morgen.“ Sie lächelt und geht zurück zu ihren Freunden, die sie sofort mit Fragen löchern. Zufrieden drehe ich mich wieder zu meinen Freunden. „Ein Date mit Mary?“, fragt Niall mich grinsend. „Sie ist hübsch.“ – „Und ganz nett“, wird Emma ein. „Keine Ahnung, ich kenne sie noch nicht. Das kann ich nach morgen Nachmittag beurteilen“, erwidere ich und esse weiter. Die Mittagspause ist fast um. Das bedeutet ich muss nur noch Geschichte überleben, bis ich endlich auf den Platz kann. Fußballtraining ist so viel besser, als irgendetwas über längst verstorbene und inzwischen irrelevante englische Könige zu lernen.
„Wir könnten auch mal zur Promenade“, sagt Amber dann und für einen kurzen Moment bin ich nicht sicher, ob sie die ganze Gruppe anspricht, oder nur Niall. Und der sieht auch so aus, als wäre er sich nicht sicher. Jace stößt Niall mit der Schulter an. „Äh… klar… sicher… am Montag? Also wenn das Wetter gut ist. Sonst können wir das auch wann anders machen. Oder am Wochenende. Das geht natürlich auch“, stottert er unbeholfen heraus. „Wir können gleich mal schauen, wann es passt“, antwortet Amber ihm und errötet ein bisschen. Meine Güte, können die beiden nicht einfach mal normal miteinander sprechen? Niall nickt und steht auf, um sein Tablett wegzuräumen. Amber seufzt leise.
„Immerhin hast du ihn gefragt“, meint Emma daraufhin. Amber zuckt mit den Schultern. „Es sollte nicht so seltsam sein, oder?“ – „Das ändert sich schon noch. Es ist für euch beide neu“, antwortet Emma ermutigend. Ihre Freundin nickt daraufhin und steht ebenfalls auf, um Niall mit ihrem Tablett in der Hand zu folgen.
„Und hier hast du gesehen, wie du es mit Mary am besten nicht anstellst“, kommentiert Ben. Ich schmunzle. „Danke für den Hinweis. Hatte ich nicht vor.“ – „Als hättest du den großen Durchblick“, meint Lenny trocken. Bens Blick wandert zu ihm. „Was soll das denn heißen?“ – „Soweit ich weiß, hast du weder eine Freundin noch ein Date.“ – „Aber ich habe Augen im Kopf“, kontert Ben und legt sein Besteck auf den leeren Teller. „Wir sehen uns gleich.“
„Musste das jetzt sein?“, fragt Emma ihren Freund, als Ben weit genug weg ist, um uns nicht mehr zu hören. „Was denn?“ – „Du hättest dir das echt sparen können“, wirft nun auch Jace ein. Ich halte mich zurück. Diese Situation zwischen Lenny und Ben geht mich nichts an. „Ben hat aber nun einmal keine Ahnung.“ – „Darum ging es dir doch gar nicht. Du wolltest ihn nur bloßstellen.“ – „Schwachsinn.“ – „Mhm. Klar“, erwidert Jace sarkastisch. Lenny antwortet daraufhin nicht. Emma lehnt sich gegen ihn und lächelt ihn einen Moment lang an. Das hilft nur wenig dabei, dass Lenny sich wieder entspannt. Stattdessen harren wir weitere fünf Minuten in dieser angespannten Stimmung aus, bis die Pause endlich vorbei ist.
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Ik, das Kapitel kommt leider einen Tag zu spät (Sorry about that). Was haltet ihr von der Situation? Und wieso spricht Harry wohl nur mit Niall?
Love, L
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