Chapter Eleven
Shiva lehnte den Kopf an die kühle Scheibe und blickte auf die sich kräuselnde Oberfläche in der Teetasse: "Warum trinkt Ihr eigentlich so gern Tee, mein Herr?" Kai Chou hatte bis eben seine Sense gesäubert, jetzt sah er auf und ließ die Waffe flugs verschwinden: "Es beruhigt mich. Außerdem fühle ich mich zumindest ein winziges Stück lebendig, wenn ich weiß, dass ich Tee trinken kann."
"Wärt Ihr denn gern sterblich?"
"Es hat wohl seine Vor- und Nachteile und man kann es sich nicht aussuchen."
"Das stimmt wohl", Shiva überkreuzte die Beine und zog den Umhang etwas mehr um sich, augenscheinlich war ihm kalt, "sicher ist es sehr einsam."
Kai Chou nickte langsam und schwieg. Wusste Shiva, dass er damit genau ins Schwarze getroffen hatte? Auf einmal fühlte er sich selbst so undankbar. Shiva hatte ihm täglich jeden Wunsch erfüllt, hatte ihn zum Lächeln gebracht und ihn aufgeheitert. Er war nie böse auf ihn gewesen, höchstens genervt, hatte ihn immer mit viel zu viel Respekt überhäuft und war immer an seiner Seite gewesen. Und als Dank hatte Kai Chou ihn nicht einmal vor ein paar mickrigen Yōkai beschützen können. Frustriert stand er auf und zog sich seinen Umhang von den Schultern, um ihn seinem Diener umzulegen. Dann setzte er sich wortlos neben diesen und sah in sein überraschtes Gesicht: "Weißt du noch, als ich dich hierher gebracht habe?" "Na-natürlich", stotterte Shiva, eine leichte Röte hatte sich auf seinen Wangen breitgemacht, aber er löste seinen Blick nicht von Kai Chous roten Augen.
"Ich war ein paar Momente vor deinem Tod am Tatort und konnte somit alles mitverfolgen", sagte Kai Chou fast verträumt, "Du standest auf dem Balkon des Anwesens, in dem du mit deinem Vater für die Königsfamilie dientest. Du hattest deine Haare auch da schon grün gefärbt, was mich wirklich amüsiert hat. Ich war davor nie wirklich gern in Indien gewesen, ich mag einfach diese üppige Vegetation nicht und die Luft ist so feucht wie hier, was mich an beiden Orten stört. Erst da bemerkte ich die Schönheit der indischen Menschen, ihre schmalen Augen und die wunderbare Hautfarbe."
Shivas Gesichtsfarbe glich zusehends der einer Kirsche.
"Voller Lebensfreude hast du in die Welt geblickt, bis du auf einmal mich in der Krone der Palme entdeckt hast, und wir uns beide sehr verwundert anstarrten. Zuerst dachte ich, du würdest einen seltenen Vogel ansehen. Schnell wurde deine Aufmerksamkeit auch wieder von etwas anderem angezogen, denn dein Vater trat zu dir auf den marmornen Balkon. Ich konnte euch nicht verstehen dafür war ich zu weit weg, aber ich sah der sehr genau das metallene Blitzen eines langen Messers in der Hand des bärtigen Mannes. Er schimpfte dich wegen deiner Arbeit nicht wahr?"
"Ja... ich hatte den Thronfolger in die Wange geschnitten beim Rasieren, aber er sagte mir, es würde keine Konsequenzen für mich haben. Aber anscheinend hatte mein Vater davon Wind bekommen", diesmal wandte Shiva doch den Blick ab, Trauer lag in seinen Augen.
"Es war außergewöhnlich, denn deine Seele wollte sich nicht von deinem Körper lösen. Normalerweise treten die Seelen ihren Weg in die Unterwelt eigenständig an, aber du wolltest die Welt der Lebenden wohl nicht verlassen. Ich sprang also von der Baumkrone hinüber auf das Geländer des Balkons und betrachtete dich. So viel Leben hätte noch vor dir liegen können, aber der Urheber des großen roten Flecks auf deiner Brust hatte es dir genommen. Um dich nicht zu einem Poltergeist werden zu lassen, durchtrennte ich die Verbindung zwischen deiner Seele und deinem Körper, und ich muss sagen es hat mich sehr überrascht, wie schnell du mit den Tatsachen klar gekommen bist."
Shiva lächelte: "Ich würde tausendmal lieber für Euch arbeiten, als wieder in die Oberwelt zurückzukehren." Das Lächeln steckte Kai Chou an, ohne dass er es überhaupt merkte: "Wieso?" Der Grünhaarige dachte kurz nach und starrte in seine Teetasse, bevor er antwortete: "Ich fühle mich sehr sicher bei Euch, und... und liebe Euch mehr als ich meinen Vater je geliebt habe."
Es klopfte an der Abteiltür was Kai Chou augenblicklich aufspringen ließ, die Waffe in seinen Händen nahm er kaum wahr: "Wer ist da?" Risu und Timber würden doch wohl kaum anklopfen. "Ach, niemand besonderes", kam es von der anderen Seite der Tür, gefolgt von einem metallischen Geräusch, als würde man mehrere Messer gleichzeitig, nur etwas zeitlich versetzt, schärfen. "Dann verschwinde", verwirrt und äußerst genervt machte Kai Chou einen Schritt auf die Tür zu. "Weshalb so unfreundlich? Ich suche lediglich etwas", die Schiebetür öffnete sich und dahinter auf dem Flur stand ein Mann mit feuerroten Haaren. Allein das war schon sehr auffällig, aber noch ungewöhnlicher war der futuristische Metallflügel, der neben seinem normalen gefiedertem Flügel aus seinem Rücken wuchs. Seine federartigen Fortsätze sahen aus wie Schwerter. Ebenso metallisch glänzten die silbernen Ringe, die der Fremde reichlich an Händen, Ohren und Kleidung trug, als würden sie zu seinem Körper gehören. Kai Chou hatte noch nie einen solchen Engel gesehen, er schien etwas aus der Art geschlagen, aber im Grunde waren Tenshi keine Feinde, sodass er die Sense sinken ließ: "Was suchst du denn?" "Ein Buch", sagte der Engel, "ein kleines Notizbuch nichts besonderes. Ich muss es hier irgendwo verloren haben, wenn ich mich kurz umsehen dürfte?" Kai Chou war kurz davor einfach Nein zu sagen und dem Rothaarigen die Tür vor der Nase zuzuknallen, aber so wäre keinem geholfen. Suchte der Tenshi nach Timbers Tagebuch? Wenn ja, warum? Und weshalb wusste er überhaupt davon? "Kannst du es genauer beschreiben?", fragte er ohne eine Miene zu verziehen, "wir werden es suchen und dir Bescheid geben, wenn wir es gefunden haben." "Das ist freundlich aber...", der Tenshi machte zwei Schritte auf Kai Chou zu, wobei der Shinigami erfreut feststellte dass er größer war als der Engel, und zischte, "... ich suche lieber eigenständig danach, geh zur Seite Tod." Ganz schnell lag die rot schimmernde Schneide von Chous magischer Waffe am Hals der Nervensäge, was ihn endlich etwas einzuschüchtern schien. "Hübsches Messerchen", er lächelte gekünstelt und machte einen halben Schritt zurück, tut mir sehr Leid aber mein Temperament geht manchmal mit mir durch, dieses Buch ist mir sehr wichtig."
\\\\٩( 'ω' )و ////
Ende der Lesenacht my friends ♥️
Jetzt muss ich erstmal wieder ordentlich schreiben hier 😂
Gute Nacht ihr Cookies! 🍪😘
('-').。oO
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