Chapter 8

"Hier." Raynard drückte mir einen Becher mit Kaffee in die Hand und dankbar trank ich daraus, wobei ich fast meine Zunge verbrannte. Es war mir egal, ob er darin vielleicht etwas unter gemixt hatte oder der Becher schmutzig war oder er selber schon daraus getrunken hatte; Hauptsache Flüssigkeit. Gestern Abend war ich eigentlich schon auf dem Weg gewesen etwas zu trinken beim Brunnen, aber da hatte er mich ja aufgegabelt. Oder wie man es auch nennen mochte. Erst als ich genug getrunken hatte, sodass mein schrecklicher Durst gelöscht war, nahm er den Becher wieder an sich. "Was willst du jetzt eigentlich mit mir tun?" Ja, ich war dreist genug das meinem Entführer, der nebenbei bemerkt ein kaltblütiger Mörder war, zu fragen. Warum auch nicht? Er hatte gesagt ich war zu kostbar, um umgebracht zu werden. Natürlich konnte er seine Meinung noch ändern oder es gar nicht erst ernst gemeint haben, aber ich glaubte nicht, dass er log. Diesmal war es nicht meine Naivität, die mir zwang das anzunehmen, es war Raynard selbst. Er hatte mich zu seinem Versteck gebracht, mich schlafen lassen, auch wenn das neben einer Leiche gewesen war, und mir etwas zu trinken gegeben. Außerdem lief ich hier doch frei herum, also was für Entführung? "Sag du es mir." Ich war verwirrt. Er hatte mich her gebracht. Ich könnte einfach sagen bring mich nach Hause? Oh nein, ich hatte kein Zuhause. Außer natürlich man betrachtete die Büsche worunter ich des Öfteren schlief als solche. Dabei vermisste ich sie gar nicht. Und ein Zuhause vermisste man doch. "Ich hab hunger", versuchte ich es stattdessen. Er zeigte unbeeindruckt hinter sich in die Küche. "Und keine Sorge, im Kühlschrank liegen keine menschlichen Überreste." Der Fakt, dass normale Menschen das als Witz sagten, aber er es ganz und gar ernst meinte und ich das auch wusste, machte mich nervös. Trotzdem lief ich in die Küche und öffnete den Kühlschrank. Kein blöder Streich, es lagen wirklich keine Hände oder Sonstiges darin. Aber auch nicht sonderlich viele Lebensmittel. Ich schloss die Tür wieder und sah mich auf der Anrichte um. Es war hier nicht gerade ordentlich, aber das Brot hatte ich schnell gefunden. Ich nahm einfach eine Scheibe aus der Tüte und legte es wieder weg, während ich schnell hinein biss. Wer würde mir diese Geschichte glauben? David, 17 Jahre alt, wacht neben einer Leiche im Haus eines Serienmörders auf und frühstückt erst einmal gemütlich. Ziemlich billig. Aber es war die Wahrheit. Und ganz ehrlich: ich verstand es auch nicht.

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