Chapter 27

"Was machen wir jetzt mit ihm?" Die Polizisten gaben sich alle Mühe, dass ich sie nicht hören konnte, aber ich tat es trotzdem. Ich konnte sie ganz genau hören. Immer noch saß ich auf meinem Platz, alleine, und ich fragte mich plötzlich wo Raynard damals meinen Rucksack gelassen hatte. Ich musste ihn jetzt dringend wieder haben. "Ich schlage vor wir lassen ihn gehen. Er ist jung, er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort, er wurde von Raynard gezwungen." "Auf keinen Fall! Erst fragen wir die junge Mutter. Sie kann uns entweder deine Version der Geschichte bestätigen, oder meine." Mit diesen erbost ausgesprochenen Worten schritt Harry Bosch davon. Kurz darauf kam er wieder und steuerte direkt mich an. "Mitkommen", befahl er und zog mich hoch. Müde stolperte ich hinter dem Detective her. Wie lange würde das Ganze hier noch dauern? Wann würde ich endlich wieder die Gelegenheit bekommen alleine zu sein und über alles nachzudenken was passiert war? Wann würde mein Leben wieder wie vorher sein? Aber ich wusste die Antwort schon, sie hatte die ganze Zeit in mir geschlummtert: niemals. Die Frau trug immer noch ihren schmutzigen Trainingsanzug und ihre Haare waren auch immer noch unordentlich. Trotzdem strahlten ihre Augen, denn sie hatte das Baby auf dem Arm. Die Polizisten behandelten sie gut, sie hatte eine Decke über die Schultern geschlungen und eine Tasse mit etwas warmen stand neben ihr auf dem Tisch. Sie konnte die Augen nicht von ihrem Kind lassen und ein schmerzhafter Stich durchfuhr mich, als ich daran dachte, dass mein Leben früher genauso ausgesehen haben musste, zumindest Raynards Worten nach. Und ich glaubte ihm. Nur waren die Namen meiner Eltern jetzt für immer verschollen. Raynard hatte sie mit in den Tod genommen und ich würde sie nie erfahren. "Entschuldigung", sagte Bosch leise zu ihr und die Frau sah auf. Als sie mich erblickte weiteten sich ihre Augen. "Was will der hier?" "Sie kennen ihn?", fragte Bosch sofort. Er musste jetzt bestimmt triumphieren, weil er recht behalten hatte. "Er hat den Zettel in den Kinderwagen gelegt und diesen... diesen... Mann geholfen", erzählte die Mutter stockend. "In wie weit geholfen?", hakte Bosch weiter nach. "Er hat Türen aufgehalten oder so. Ständig war er da und hat rumgewuselt. Am Ende war er auch in der Höhle, als... sie wissen schon." Ihre zittrige Stimme erstarb. Harry Bosch blickte zu seinem Partner zurück und ich wusste, dass er jetzt triumphierte, weil er recht behalten hatte. Mein Herz pochte laut in meiner Brust. Erst jetzt schien der Ernst der Sache zu mir durchzudringen. Alle dachten jetzt ich hätte mitgearbeitet! Sie dachten ich wäre Raynards Komplize gewesen, ich hätte ihm bei allem geholfen! Ich wollte nicht ins Gefängnis. Ich wollte nicht für den Rest meines Lebens eingesperrt sein. Mit trockener Kehle wollte ich wiedersprechen, aber ich konnte nicht. Denn es war die Wahrheit. Ich hatte Raynard Waits geholfen.

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