five

Calums POV

"Calum?", flüsterte jemand neben mir.

"Wer ist da?" flüsterte ich mit einem leicht panischen Unterton zurück.

"Nur Malia. Ich habe alle an der Tür verloren und irre hier jetzt ganz allein rum.", beschwerte sie sich und ich konnte mir ganz genau vorstellen, wie sie an dieser Stelle ihre Arme verkreuzte.

Ich hielt mein Handy mit der eingeschalteten Taschenlampenapp hoch und leuchtete ihr ins Gesicht. "Wie hast du das denn wieder geschafft?"

"Verdammt, Calum! Willst du, dass ich erblinde?!", und dann hielt sie sich schützend ihre Hände vor die Augen.

"Sorry.", murmelte ich und leuchtete auf den Boden vor ihr. "Aber wie hast du sie verloren?"

"Ich habe mein Handy auf der Party vergessen und deswegen hatte ich kein Licht und konnte sie nicht sehen."

"Na dann komm einfach mit mir mit.", bot ich ihr an und sofort nickte sie erleichtert.

Wir gingen weiter durch das dunkle und verlassene Haus. Ich ließ den Lichtstrahl über die Wand gleiten, aber irgendwie sah alles gleich alt und abweisend aus. Hier drinnen war das Haus genau so gruselig, wie es schon von draußen wirkte, aber es war es weniger alt. Nichts war wirklich verfallen und das Haus hatte sogar einen ganz modernen Stile. Es sah sogar recht sauber aus.

"Wie lange müssen wir noch an diesem gruseligen Ort bleiben?", durchbrach Malia irgendwann die bedrückende Stille des Hauses.

"Kein Plan, sobald wir die Eingangstür wieder finden, denke ich. Ich fühle mich hier auch nicht sonderlich wohl.", antwortete ich ihr und ließ meinen Blick wieder durch den dunklen Raum schweifen.

"Wir sollten in eines der Zimmer gehen. Der Flur ist dann doch ziemlich langweilig.", schlug sie vor und machte schon einige Schritte zu der nächsten Tür hin.

Ich nickte und dann öffneten wir gemeinsam die nächstgelegene Tür. Es kostete mich zwar einige Überwindung, doch dann sprang sie mit einem lauten Knarren auf. Es sah aus wie ein Schlafzimmer. In der Mitte des Raumes befand sich ein ziemlich großes, nicht gemachtes Bett und Möbel verteilten sich vereinzelt in diesem Raum. Komische Objekte, die in meinem Kopf alle keinen Sinn ergaben, standen auch hier und da.

Wir gingen vorsichtig in das Zimmer und sahen uns etwas genauer um. Ein unwohles Gefühl breitete sich in meiner Magengrube aus und verteilte sich über meinen ganzen Körper.

Meine Hand wanderte an der kühlen Wand entlang, bis ich endlich einen Lichtschalter ertastete. Ich schaltete ihn um und hatte schon keine Hoffnung auf ein Fünkchen Licht, da das Haus schon ziemlich alt war und das mit der Elektrizität so eine Sache war, doch eine kleine Lampe an der Decke begann in gelben Licht zu flimmern.

"Warum funktioniert das Licht?", fragte Malia verstört und zog sich ihre Jacke weiter zu.

"Das wüsste ich auch gerne..", murmelte ich und ich konnte mir wirklich nicht den Grund dafür erklären. Das Haus sah aus, als währe hier jahrelang keine Menschenseele gewesen, aber falls das der Fall war, würde das Licht nicht funktionieren.

Ein leises Echo unserer Stimmen wurde von den Wänden zurückgeworfen und es klang, als würden sie irgendwo an Holz abprallen.

"Ich mag diesen Ort wirklich nicht, komm, lass uns verschwinden.", sagte ich schnell und wollte nur noch aus diesem Zimmer.

Ich hörte ein Poltern hinter mir und sofort drehte sich mein Kopf zu dem Geräusch. Ein Wandschrank stand in einer Ecke des Raumes offen. Dann versagte das Licht und wir standen in kompletter Dunkelheit.

"Los, aber schnell!" Ich legte meine Hand auf ihren Rücken damit sie wusste, dass ich hinter ihr war, und dann rannten wir aus diesem Raum.

"Wir müssen diese scheiß Tür finden, damit wir hier wieder raus kommen!", zischte Malia ängstlich und schlängelte sich geschickt durch die Dunkelheit.

Wir passierten die leeren Flure mit den ganzen eingestaubten und abgedeckten Möbelstücken und Staturen. Von den Anderen kam die ganze Zeit über nicht ein Mucks und ich begann mir Sorgen zu machen. Wenigstens hier hätten wir irgendwelche Schritte oder Geflüster von ihnen hören müssen, aber neben unseren Schritten war nichts als Stille zu hören.

"Wo könnten die sein?", sprach ich meine Gedanken leise aus.

"Ashton ist so dumm, warum sind wir auch hier her gekommen.", seufzte Malia und fuhr sich frustriert durch die Haare.

"Na los.", trietzte ich sie und verschränkte unsere Finger, damit wir uns nicht auch noch verloren. "Ich denke sie haben die Treppe dort gesehen."

Der Flur erschien mir unendlich und es fühlte sich an, als würden wir immer und immer wieder im Kreis gehen. Die alte Holztreppe erstreckte sich vor mir und lud uns förmlich ein, sie zu erklimmen. Keiner von uns wollte sich gerade in diesem Haus befinden und doch haben wir auf Ashton gehört.

Wir kamen an den obersten Stufen der Treppe an und dann überkam uns eine ganz neue Welle an Dunkelheit. Die erste Etage war rabenschwarz, selbst mit dem Licht der Handys.

"Zeit die nächste Tür zu öffnen, oder?", deutete Malia neben mir an.

Ich grummelte als Zustimmung. Ich war fertig mit diesem Haus und es war einfach nur noch verdammt gruselig. Ich wollte nur noch hier raus.

Vor uns hörte ich plötzlich gedämpfte, leise Stimmen und es war für mich wie ein rettendes Zeichen. Endlich hatten wir jemanden gefunden. "Da vorne ist jemand, vielleicht kennen sie ja den Weg und können uns alle hier raus holen.", sage ich hoffend und machte einige Schritte nach vorne.

Malia grinste. "Gott sei-"

Ein gequälter Schrei unterbrach Malia bei ihrer Lobesorgie und ließ uns mitten in der Bewegung erstarren. Unsere Atmung wurde unregelmäßiger und ich begann zu zittern. Malia ging es ähnlich. Ich sah mich ängstlich um, probierte auch nur etwas mit dem Licht von meinem Handy erkennen zu können.

Malia hielt sich ihren Mund mit einer Hand zu. "O Gott, Calum!"

"Was sollen wir jetzt machen?", ich wurde panisch, als ein nächster Schrei durch das nächtliche Haus hallte.

"Ich weiß es nicht!", Malia begann zu weinen. Ich griff nach ihrer eiskalten Hand und wir bewegten uns in die entgegengesetzte Richtung den Flur entlang. Bloß weg von den Schreien.

Als wir rannten stießen wir plötzlich gegen einen Körper. "Wer ist das?", ertönte eine mir bekannte Stimme.

"Calum und Malia.", antwortete ich.

"O zum Glück Leute.", antwortete wieder die Stimme von eben. Ich leuchtete meinen Gegenüber an und erkannt Luke.

"Habt ihr das auch gehört?", fragte ich und versuchte dabei Luke und Malia gleichzeitig anzusehen.

Ein weiterer Schrei. "Du meinst das? Wir müssen verdammt nochmal hier raus!", antwortete Luke daraufhin und ich stimmte ihm sofort zu.

"Weißt du denn, wo die Tür ist?", schob ich schnell hinterher und sah ihn fragend an.

"Nein, aber wen interessiert´s? Wir müssen einfach nur laufen.", brachte es Luke wieder treffend auf den Punkt.

"Los, komm Malia!", ich zog sie an ihrer Hand durch das riesige Haus.

Wir rannten, als plötzlich eine neue Stimme ebenfalls schrie. Das war eine Art des Schreiens, die bei mir einen Würgereiz auslöste. Ich schnaubte und mein Gehirn begann zu rattern und zu suchen, wessen Schreie das waren und warum sie schrien.

Ich rannte wieder in eine andere Person rein. "Hilfe, Hilfe! Wer auch immer du bist, hilf mir!", schrie sie mich aufgelöst an.

"Clara?", hakte Luke vorsichtig nach.

"Luke? Hilf mir!", begann sie wieder zu wimmern.

"Was ist passiert?", fragte ich und versuchte sie irgendwie zu beruhigen, damit wir nicht noch mehr Aufmerksamkeit erregten.

"Ich weiß es nicht! Ich kann nichts sehen, es ist einfach zu dunkel!", weinte sie. "Mein Arm tut weh und sie haben Emma!"

"Clara, Clara beruhige dich. Lass uns erst mal hier raus gehen.", drängte er und nahm ihre Hand in seine.

Gemeinsam rannten wir weiter, doch dann hielt Luke schnaufend an, kurz darauf Clara und dann auch Malia. Wir waren in einer Sackgasse. Es ging nicht weiter.

"Sucht nach einer Tür!", schrie Luke mir zu und ich tastete blind die kühle Wand ab. Die Schreie wurden wieder lauter und sie wurden vermischt mit Gelächter.

Meine Hände hielten an einem Türknauf inne und ich versuchte ihn zu öffnen, doch er war verschlossen. "Die Scheiße ist abgeschlossen!", schrie frustriert.

Luke ließ kurz Claras Hand los und trat so hart gegen die hölzerne Tür, wie er nur konnte. Er trat so oft gegen, bis die Tür ein Knacken von sich gab. Ich trat mit ihm gemeinsam geben, bis sie aus der Fassung sprang.

"Leute, kommt!"

Wir rannten durch die Tür und kamen in tiefster Dunkelheit in einem Raum zum Stehen.

Wir wussten nicht, was das für ein Zimmer war, doch ich ertastete wieder einen Lichtschalter und flutete den Raum in ein helles Licht, welches sich wie Feuer in meine Augen brannte.

Es war die Tür zu einem Keller und nun sind wir direkt in die Falle getappt.

"Scheiße!", grummelte Luke.

Mein Kopf prallte auf den harten Untergrund und mir wurde schwarz vor Augen. Das letzte, an das ich mich erinnert konnte, war der Schrei, der den gesamten Raum erfüllte.

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