fünf
Wie immer eigentlich. "Ist das nicht 'n bisschen wenig?" Ich schüttelte leicht den Kopf. "Du siehst immer gut aus", flüsterte ich ehrlicherweise. Lachend antwortete er:"Komm, lass' gehen." Ich nickte und drückte mich an ihm vorbei, wobei ich gegen seinen Bauch stieß. Das heißt, da war gar kein Bauch mehr. Verwundert sah ich ihn an. "Sag mal, Felix: hast du abgenommen?" Normalerweise meinte man das ja als Kompliment, wenn man das fragte, aber in meiner Stimme schwang etwas besorgtes mit. Verlegen sah Felix auf den Boden. "Öhm..ja, ein..ein bisschen, warum?" Das, was ich gespürt hatte, war aber nicht nur ein bisschen. Machte er das etwa wegen den Fans? Immerhin steht unter unseren RL-Videos sehr oft, dass "er voll die komische Figur hätte und irgendwie dick wäre". Klar, er war kein Modell, aber für mich musste er das auch gar nicht sein. Dafür war er klug, freundlich, witzig und hübsch. Und wenn ich hübsch sage, meine ich nicht dieses typische ganz hübsch, wenn man jemanden das erste mal sieht, sondern wirklich schön. Ich ging vorsichtig auf ihn zu und nahm ihn in den Arm. "Du bist perfekt. Das weißt du, oder?" Perplex erwiderte er die Umarmung zögernd. "Wenn ich eins nicht bin, dann perfekt", grummelte er. Ich drückte ihn fester an mich. "Für mich bist du's aber", flüsterte ich so leise wie möglich. Ich spürte, wie er lächelte und gleichzeitig fiel eine Träne in meinen Nacken. In Momenten wie diesem wurde mir wieder einmal bewusst, wie wichtig es war, dass wir beide uns hatten. Es ist das schönste Gefühl, jemanden zu haben, auf den man sich verlassen kann und der einen aufbaut, wenn man am Boden ist. Deshalb war ich so froh, Felix zu haben und auch, wie in diesem Augenblick, dasselbe ihm bieten zu können. Er war einfach das beste, das mir jemals passiert ist, so schwul das auch klingen mag. Àpropos schwul. Wenn wir uns nicht langsam wieder lösten, würde ich mich wahrscheinlich nicht sehr lange beherrschen können. "Du, Felix. So gerne ich mit dir kuschel', wir müssten dann jetzt los", gab ich ihm zu wissen. Er lachte leise und löste sich von mir. Ich wischte ihm eine kleine Träne von der Wange und lächelte ihn schief an. "Ich hab 13 Kilo verloren", nuschelte er plötzlich. Erschrocken hielt ich inne. "Felix! Das ist..du bist doch..." Konfus wollte ich mir durch die Haare fahren, aber er hielt meine Hand fest. "Richtig", erinnerte ich mich an das Haargel. Schnurstracks zog ich meine schwarzen Vans an, welche Felix, nebenbei bemerkt, auch trug, zog mir meine Jacke über und gab meiner Begleitung mit einer Kopfbewegung in Richtung Tür das Signal, raus zu gehen, was daraufhin auch geschah. Ich schnappte mir mein Handy und meinen Schlüssel von der Kommode im Flur und zog dann die Tür hinter mir zu. Während ich abschloss, summte Felix diese Hochzeitsmelodie. Ich ließ Schlüssel und Handy in meine Jackentasche gleiten und wir machten uns auf den Weg zu Simons Wohnung.
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