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Taehyung Pov

Meine Beine tragen mich über die Flure des Krankenhauses. Obwohl ich mir sonst nie die Mühe mache die vielen Treppen zu benutzen, habe ich gerade keinen Nerv um auf den Fahrstuhl zu warten, weswegen ich in einer Geschwindigkeit, die ich so gar nicht von mir kenne, durch den Flur fege ohne auf die anderen Menschen um mich herum zu achten.

Selbst die Tür zu Kookies Zimmer muss heute auf alle Höflichkeiten verzichten, denn nach Jimins Anruf lasse ich mich von nichts aufhalten um ihn in meine Arme zu schließen.

Die ganze Fahrt hierher habe ich darüber nachgedacht, ob ich nach einer Woche, in der er jedes mal geschlafen hat wenn ich da war, endlich in den Genuss kommen würde ihn zu sehen, seine Stimme zu hören und mich zu vergewissern das er tatsächlich lebt.

Im Gegensatz zum letzten Mal, als ich Jimin hier gesehen habe, ist er dieses mal ohne Begleitung von Yoongi aufgetaucht, er sitzt alleine auf einem Stuhl neben dem Bett von Jungkook und sieht mich erschrocken an als ich so plötzlich ins Zimmer platze.

Ohne groß auf den blonden zu achten, wandert mein Blick weiter nach links, zu Jungkook, der sich aufgesetzt und seine Hände im Schoß verschränkt hat.

Er wirkt kaum überrascht über mein plötzliches auftauchen als vielmehr schockiert, denn er öffnet den Mund um etwas zu sagen, schließt ihn aber schnell wieder und sieht mich eine ganze Weile nur fassungslos an.

Nach all der Zeit fühlt es sich so unglaublich unwirklich an ihn hier vor mir zu sehen und zu wissen, dass er mich nicht verlassen hat, dass all meine schlechten Befürchtungen, meine Ängste die mich fast umgebracht hätten sich nicht bewahrheitet haben.

Ein kleines Lächeln schleicht sich auf sein Gesicht als er die Arme langsam hebt und nach mir ausstreckt.

Ich kann nicht beschreiben, was diese kleine und simple Geste in mir auslöst, ich bin mir nicht mal sicher ob es irgendwelche Worte gibt, die diesem Gefühl gerecht werden könnten.

Noch nie hat es ein Mensch geschafft mich ohne Worte so zu packen, mich den Tränen so nahe zu bringen wie er es gerade tut.

Ich ignoriere Jimin und laufe zu Jungkook, aber statt mich ihm in seine Arme zu werfen und zu riskieren, dass er vielleicht schmerzen erleidet, nehme ich sein nach wie vor blasses Gesicht in meine rauen Hände und presse meine Lippen auf seine.

Im Gegensatz zum letzten Mal als er bei Bewusstsein war, als er halbtot in meinem Schoß lag, sind seine Lippen nicht mehr trocken und rissig, sondern wieder weich und rosig.

Der Geschmack dieser süßen Lippen vermischt sich mit dem salzigen der von meinen Tränen kommt welche es sich nicht nehmen lassen sich auch blicken zu lassen.

Ich löse mich von dem mehr als überraschten Jungkook, aber ich höre noch lange nicht auf. Ich verteile Küsse auf seinem ganzen Gesicht. Zuerst die Mundwinkel, dann seine Augenlider und die Nase, aber auch seine Wangen bleiben nicht verschont. Am liebsten würde ich gar nicht mehr damit aufhören ihn zu küssen.

"Tae...", haucht er gegen meinen Hals und sein heißer Atem sorgt nur dafür, das ich noch stärker heulen muss.

"Ich lasse euch kurz alleine", sagt Jimin und verabschiedet sich mit einem verlegenen und peinlich berührtem Lächeln.

"Tae...", sagt Jungkook erneut und streicht mir mit seinen Händen sanft den Rücken rauf und runter. Es ist etwas, was ich für ihn tun sollte, ich sollte derjenige sein der ihn tröstet und doch lasse ich seine Berührungen zu und bin kaum imstande mich zu rühren. "Ich habe dich vermisst."

Ich möchte ihm ins Gesicht sehen, ihm über die Wangen streichen und wieder von diesen Lippen kosten die mir fast zwei Wochen verwehrt geblieben sind, aber ich kann nicht. Wenn ich ihm jetzt in die Augen sehe, dann werde ich nicht in der Lage sein meine Gefühle zurück zu halten.

"Es tut mir leid", sagt er leise und krallt sich an meiner Jacke fest als fürchte er ich könnte weglaufen wenn er das nicht tut.

"Pssst, es braucht dir nicht leid tun." Tröstend streichel ich ihm über die überraschend weichen Haare, die sich wie Seide zwischen meinen trockenen Fingern anfühlen.

"Ich hätte auf dich hören sollen, es war dumm zu glauben, es würde nichts passieren. Bitte sei nicht wütend auf mich."

Seine Worte sind wie kleine Nadeln die sich in mein Herz bohren. Dachte er wirklich all die Zeit ich wäre ihm böse weil er nicht auf mich gehört hat?

Tatsächlich war ich erfüllt von Wut, aber das kann ich ihm nicht sagen. Außerdem war sie weg nachdem ich ihn gefunden habe, da war nur noch die Angst, das er es nicht überleben würde.

"Entspann dich, Jungkook, ich bin nicht wütend auf dich, mach dir also bitte keine Gedanken darum. Aber ich bin wütend auf diese beiden Bastarde."

"Die beiden?", fragt Jungkook verwirrt.

"Wenn ich diesen Koffer in die Hände bekomme, dann gebe ich ihm der Polizei, denn wenn das, was wir erfahren haben wirklich stimmt, wird es diesen Bastard endlich hinter Gitter bringen und der andere hat nicht länger eine Entschuldigung um seiner Strafe zu entfliehen."

"Taehyung", haucht er meinen Namen sanft, oder vielmehr ängstlich gegen meine Brust und löst sich langsam von mir. Dann streckt er die rechte Hand aus in der die Spritze mit der Infusion drin steckt und öffnet sie.

Verwirrt sehe ich vom silbernen Schlüssel zu ihm und ziehe die Augenbrauen hoch. Es ist ein wirklich kleiner Schlüssel, so klein, wie der zu meinem Briefkasten.

"Der Schlüssel öffnet ihn", sagt er und sieht mir in die Augen. "Es ist der einzige Schlüssel der diesen Koffer öffnen kann."












Wenn meine Berechnungen richtig sind (und das sind sie meistens nicht), dann wird Kapitel 79 das Ende darstellen 😥

Ich hoffe ihr haltet es so lange noch mit mir aus 😄

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