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Taehyung Pov


Meine Blickfeld ist verschwommen als ich mit den Händen verzweifelt nach dem Türgriff taste und versuche die Galle im Mund zu behalten. In der letzten Sekunde finden meine Hände was ich gesucht habe und ich reisse die Tür mit aller Kraft die ich aufbringen kann auf

Ich glaube nicht mich daran erinnern zu können jemals so viel gekotzt zu haben wie ich es gerade tue.

Es ist nicht nur kotzen, es ist fast so als würde ich mir all die Gefühle und das, was ich gerade erfahren habe aus dem Leib kotzen wollen und immer wenn ich denke, das wars, dreht sich mein Magen erneut um und befördert die Mahlzeiten des ganzen Tages wieder heraus.

Ich kralle mich in den Steinboden und lasse den Tränen freien Lauf. Alles was ich sich all die Zeit aufgestaut hat und was ich mir vor Jungkook nicht anmerken lassen wollte, das alles findet jetzt seinen Weg durch meine Tränen nach draußen.

Jungkooks Freund, dieser totgeglaubte Seowon lebt also doch und als wäre diese Tatsache nicht bereits schockierend genug, gesteht er auch noch den Mord an Hajun.

Ich wische mir mit dem Ärmel über den Mund und versuche den Ekel den ich dabei verspüre zu ignorieren. Meine Finger zittern als ich mich damit an der Bank der Bushaltestellen festkralle und mich daran hoch ziehe. Mit wackeligen Beinen steige ich wieder in das Auto, aber trotz des angenehmen Wetters das der Frühling über Korea bringt, zittere ich und mir ist kalt.

Ich bin kaum im Stande einen klaren Gedanken zu fassen, aber was für mich trotz all der neuen Enthüllungen am aller wichtigsten ist, ist Jungkook der sich vielleicht in Gefahr befinden könnte.

Nachdem er das Handy angeschaltet hat, habe ich eine Benachrichtigung bekommen und mich darüber gewundert, dass er an den Rand der Stadt fährt, also habe ich mich ins Auto gesetzt um ihm hinterher zu fahren, weil ich kein gutes Gefühl dabei hatte.

Nur kurz darauf bekam ich einen Anruf von ihm, aber er sprach nicht mit mir, sondern mit einer anderen Person. Er hatte mich angerufen um mich am Gespräch teilhaben und wissen zu lassen das es ihm gut ging, aber das Telefonat brach irgendwann ab und statt mich zu beruhigen, wuchsen meine Sorgen nur noch mehr.

Im Nachhinein wäre es mir lieber gewesen, er hätte es nicht getan. Nicht zu wissen wer Schuld am Tod meines Bruders ist war schlimm, aber es fühlt sich noch viel schlimmer an es zu wissen und nichts tun zu können.

Ich trete aufs Gas und steuere das Fabrikgelände an das mal der GL Group gehörte, den Ort, an den Jungkook von Seowon gebracht wurde. Was sucht er überhaupt dort?

Es ist ja nicht so als würde in Seoul ein Mangel an Orten herrschen wo man sich treffen könnte, ein Café oder ein Park hätten es immerhin auch getan, das Fabrikgelände macht ihn nur verdächtig.

Die ganze Geschichte ist wirr und kaum verständlich, außerdem sind immer noch einige Fragen offen. Das was wir bisher wissen ist, das Seowon zu den Männern gehörte die die Feier stürmten, das er Hajun umgebracht hat und das Mr. Kang diese Gruppe von Verbrechern leitet.

Aber geht es ihm bei der ganzen Sache wirklich nur ums Geld? Und nimmt er diesen ganzen Aufwand um dieses Handy zu finden wirklich auf sich wegen einer Liste die ihn kaum belasten würde und einem Video das nichts weiter zeigt als vermummte Männer? Diese Dinge würden ihm vielleicht ein paar Befragungen von der Polizei einbringen, aber es sind keine handfesten Beweise und nichts was vor Gericht gegen ihn verwendet werden könnte.

Ich trete auf die Bremse als ich ankomme und sehe wie ein schwarzer Transporter gerade das Gelände verlässt als ich aussteige. Befindet sich Jungkook etwa darin?

Meine Beine fühlen sich immer noch an wie Pudding, trotzdem laufe ich über den unebenen Boden, reisse mit wucht die Tür auf und laufe über den mit Steinen bedeckten Boden auf die andere offene Tür zu aus der schwaches Licht dringt.

Mir ist immer noch schlecht und um ehrlich zu sein befürchte ich das sich in meinem Magen noch genug Inhalt befindet um einen erneuten Kotz-Marathon zu starten, aber das ist im Moment meine geringste Sorge.

Bemüht leise schiebe ich die leicht geöffnete Tür auf und wage einen Blick hinein. Das riesige Gelände wird nur durch eine schwache Camping Laterne beleuchtet, die wie es scheint langsam ihren Geist aufgibt und deswegen nur einen kleinen Teil erhellt.

Zuerst fällt mir in diesem Teil nichts auf, es ist nichts zu sehen außer dem grauen Boden, der die Atmosphäre mehr traurig als bedrohlich wirken lässt. Aber als ich die Augen zusammen kneife, sehe ich einen schwachen Fußabdruck bei dessen Farbe mir mein Herz fast in die Hose rutscht.

Ich gehe zu dem metallenen Tisch und schnappe mir die Laterne um in die Richtung zu gehen aus der die Person, der die Fußspuren gehören gekommen sein muss und je näher ich dem Anfang der Fußspuren komme, desto dunkler wird ihre Farbe, bis sich meine Vermutung bestätigt.

Er liegt schlaff auf dem Bauch, vollkommen regungslos in seinem eigenen Blut das unaufhörlich aus seiner für mich nicht sichtbaren Wunde tritt.

Sofort lasse ich die Laterne fallen und renne zu dem schlaffen Körper. Meine Knie geben unter meinem Gewicht kraftlos nach als ich bei ihm ankomme und ich lande in der Pfütze die sich aus seinem Blut gebildet hat. Aber das alles interessiert mich nicht, ich schiebe meine Hände unter seinen Kopf und bette ihn sanft in meinem Schoß während ich versuche nicht selber zusammenzubrechen. 

Sofort schießen mir die Tränen in die Augen als ich sein Gesicht sehe und sich für mich damit die Vermutung bestätigt das es sich tatsächlich um ihn handelt. Die klitzekleine Hoffnung, dass er es irgendwie geschafft hat und das es jemand anderes ist löst sich in Rauch auf

Aus seinem Gesicht ist jegliche Farbe gewichen, in meinem ganzen Leben habe ich noch nie jemand so blasses gesehen wie ihn und obwohl ich seinen Puls spüre, sieht er mit seinen blassen, rissigen Lippen und den rot umrandeten Augen mehr tot als lebendig aus.

Ich stütze seinen Hinterkopf auf meinem Arm ab und suche seinen Körper nach der Wunde ab, bis ich sehe wie das Blut zwischen seinen Fingern hindurch fließt die er auf seinen Bauch gepresst hat.

So schnell ich kann ziehe ich meine Jeansjacke aus, entferne seine Hand sanft von der Wunde und presse die Jacke stattdessen darauf während ich mit dem freien Arm Druck ausübe.

Er stöhnt vor Schmerz und seine Augen flattern auf. Er muss tierische schmerzen haben und doch bin ich es der weint. Ich, der seine Stärke sein und ihm sagen sollte das alles gut wird, kann nicht aufhören zu weinen.

"Jungkook", schluchze ich seinen Namen und schließe die Augen, weil ich seinen Anblick nicht ertrage. Mit aller Kraft versuche ich mich zusammenzureißen und sehe ihm in die Augen als er diese schwach öffnet.

"Wie fühlst du dich, Jungkook?", frage ich und versuche trotz dem schluchzen und den Tränen ruhig und besonnen zu klingen. Er muss sich auf mich konzentrieren, er muss wach bleiben. Wenn er die Augen ein weiteres Mal schließt, wacht er vielleicht nicht wieder auf.

Deswegen muss ich stark bleiben, er muss wissen das ich da bin und nicht zulassen werde das ihm irgendetwas passiert.

"Mir ist so warm", sagt er und ein schwaches lächeln umspielt seine Lippen. "Mir ist wieder warm Dank dir."

Seine Stimme ist schwach, kaum mehr als ein flüstern und doch machen seine Worte mich glücklich. Sie machen mich in einer hoffnungslosen Situation wie dieser so unglaublich glücklich.

"Ich bin bei dir, ich bleibe, also genieße diese Wärme noch eine Weile länger, verstehst du mich?"

Das Lächeln wird breiter und er legt seine Hand auf meine die den Stoff auf die Wunde presst.

Ich möchte ihn enger an mich drücken, meinen Kopf an seiner Schulter begraben und die Tränen, die seine Augen verlassen für ihn weg küssen, aber ich fürchte, dass jede kleine Bewegung von meiner Seite seine Verletzung nur verschlimmern würde.

"Ich werde sterben, nicht wahr?"

Trotz des Lächeln hört man die Trauer und die Angst aus seiner Stimme heraus, seine Augen glänzen Dank all den Tränen die er vergossen hat.

Er hat so viel Blut verloren und eine Schusswunde im Bauchbereich ist besonders gefährlich, aber er kann nicht sterben, er kann nicht, das darf er nicht.

"Psst, schohne deine Kräfte. konzentrier dich auf meine Stimme und darauf die Augen offen zu halten."

Sanft streiche ich mit meinen Fingerspitzen über seinen Hals und versuche die Tränen weg zu zwinkern.

"Du würdest nicht weinen wenn es nicht schlimm wäre", sagt er und Lacht, stöhnt allerdings als er wieder schmerzen verspürt.

Was kann ich tun? Wie kann ich ihm die schmerzen nehmen? Ich ertrage es nicht ihn so zu sehen, ihn leiden zu sehen und zu wissen das ich nichts tun kann als auf die Polizei zu warten die ich bereits im Auto kontaktiert habe.

"Ich möchte nicht sterben, Tae."

Obwohl seine Stimme mit jedem Mal leiser wird, dringen diese vier Worte deutlicher zu mir durch als jedes andere Wort das heute mit mir gesprochen wurde.

"Du wirst nicht sterben", sage ich und sehe ihn wütend darüber an das er überhaupt ans sterben denkt.

"Ich möchte noch so viele Dinge mit dir machen. Ich dachte, wir hätten noch so viel Zeit miteinander, es gibt noch so vieles was ich dir noch nicht gesagt habe."

"Sei ruhig, du Idiot", sage ich damit er aufhört weiter zu reden. Er denkt genau wie ich, er denkt die selben Sachen die uns in diesem Fall nicht helfen werden.

Wenn er spricht, dann weiß ich das er noch da ist, dass er noch genug Kraft hat um am Leben zu bleiben, aber die Dinge über die er spricht machen mich fertig.

"Denk nicht daran was du hättest mit mir machen können, denk daran, dass wir das alles noch tun werden."

Meine Tränen Tropfen auf sein Gesicht, aber ich kann mich nicht bewegen um sie wegzuwischen.

"Das hier ist kein Abschied, ich möchte nur das du dich an eines erinnerst während du versuchst wach zu bleiben: Ich liebe dich, Jeon Jungkook."

Hinter mir ertönen die lauten Sirenen der Polizei und die Schritte von ihnen mit den schweren Stiefel kommen immer näher, aber alles wofür ich Augen habe ist dieses wunderschöne Lächeln das er mir schenkt bevor er die Augen schließt.














Vielleicht habt ihr gemerkt, das sich mein Cover geändert hat, ich war immer sau unzufrieden damit weil ich einfach ein Bild rausgesucht und den Titel rauf geklatscht habe, deswegen freue ich mich riesig über mein neues Cover 😄
Noch mal einen Riesen Dank an dich SarangHoe- ❤❤

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