○60○
Jungkook Pov
Ungläubig sehe ich von dem Bildschirm seines Laptops zu ihm und wieder auf den Bildschirm.
Ich weiß nicht wieso, aber ich dachte die ganze Zeit, das derjenige der Taehyung dieses Handy mit meiner Nummer hat zukommen lassen ein außenstehender ist, jemand der genau wie wir in dieses Schlamassel hineingezogen wurde.
Aber er wurde nicht hineingezogen, er ist mitverantwortlich für all das hier, er hat geholfen eine Veranstaltung zu stürmen, die für etwas gutes stand und er hat Schuld an dem Tod eines Menschen.
"Komm nicht näher!", sage ich als er einen Schritt auf mich zu macht und zücke das Messer das er mir vorhin gegeben hat um mich zu wehren. Mir ist klar, dass er wahrscheinlich nicht wirklich wollte das ich es benutze, sondern nur das ich mich sicher genug fühle um mit zu kommen, aber ich will ihn gerade nicht so nah bei mir haben.
"Wieso...?", fange ich an, kann aber nicht weiter sprechen weil es so viele Fragen gibt die mit diesem Wort beginnen.
"Wieso was?", fragt er und weicht einen Schritt zurück.
"Wieso möchtet ihr dieses Handy so unbedingt in die Finger bekommen?"
Langsam lasse ich das Messer sinken, aber ich halte es fest in meiner Hand umklammert und sehe ihn warnend an. Vielleicht bin ich nicht wie er bereit jemanden zu töten, aber wenn es mir das Leben rettet, dann bin ich durchaus bereit ihn zu verletzen.
"Zu aller erst: Ich gehöre nicht zu ihnen. Nicht mehr. Ich habe kein Interesse an dem Handy, immerhin war ich derjenige der es euch gegeben hat."
Es gab so viele Momente in denen mein Kopf kurz davor war zu explodieren, aber all diese Momente sind nichts im Vergleich zu jetzt. Ich weiß nicht einmal in welcher Reihenfolge ich die Fragen stellen soll um alles richtig zu verstehen.
"Warum wollen sie das Handy? Da befindet sich nichts brauchbares drauf!"
"Nichts brauchbares? Ihr seid also wirklich nicht dahinter gekommen?", fragt er enttäuscht.
"Das einzige was wir verstanden haben ist dieses Video."
Aber selbst das war nicht wirklich hilfreich, alles was es uns gebracht hat ist Taehyung wieder an das vergangene zu erinnern und um ehrlich zu sein wäre es mir lieber gewesen er hätte sich dieses Video nie ansehen müssen.
"Wie viele Namen standen auf der Liste?", fragt er als würde er einem dummen Schüler erklären müssen warum man den Satz des Pythagoras bei Dreiecken und nicht Quadraten anwendet.
"Sechzehn", antworte ich genervt.
"Und wie viele Männer befanden sich im Video?"
Keine Ahnung, ich habe das Video nicht pausiert im nach zu zählen, möchte ich sagen, aber die Frage an sich ist bereits die Antwort. Wie kann es sein, das weder Taehyung noch ich darauf gekommen sind?
Wir dachten bisher die ganze zeit, dass die Namen noch irgendeine versteckte Botschaft sein sollten, irgendetwas das uns der Lösung näher bringen sollte, dabei war es die ganze Zeit die Lösung selber.
"Aber...", fange ich an, wage es jedoch nicht meine Gedanken auszusprechen.
"Aber was?", hakt er weiter nach.
"Das kann nicht sein." Ich schüttle ungläubig den Kopf und sehe ihn an. "Das kann ich nicht glauben."
"So ist es aber."
"Lügner!"
Wütend ramme ich das Messer in den Schreibtisch aus Holz und stütze mich an der Wand ab um nicht das Bewusstsein zu verlieren.
"Was ist es das dich denken lässt es wäre eine Lüge?", fragt er und tritt näher. "Ich war einer von diesen Männern und ich habe diese Liste geschrieben. Es ist die Wahrheit, die Quelle steht vor dir."
"Du musst dich vertan haben."
"Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit das ich mich bei lediglich 16 Namen vertan haben soll? Es waren Namen, aneinander Reihungen von Buchstaben, kein Algorithmus den ich erstellt habe."
Ich wage es nicht einmal zu zwinkern weil ich Angst habe, dass meine Augen sich nicht mehr öffnen sobald ich sie zu klappe.
"Das kann nicht sein", sage ich und sehe ihn an. "Du bist ein Mensch, auch du kannst Fehler machen!"
"Warum willst du so verzweifelt an einen Fehler glauben?"
"Was sucht der Name von Bak Seowon auf dieser Liste?", frage ich ohne näher auf seine Frage einzugehen und versuche meine Verzweiflung und die Angst vor der Antwort irgendwie in den Griff zu bekommen.
Ich erinnere mich noch genau die genau daran wie Seowon war. Auch wenn ich bereits seine Stimme und seine Lachen vergessen habe, werde ich nie vergessen wie er der erste Mensch war der mir gezeigt hat, das Freundschaft nicht nur geben bedeutet. Er war der erste der mich nicht nur ausgenutzt hat und bei dem ich ein Stück weit ich selbst sein konnte.
Er war vielleicht ein Arsch, was die Geschichten mit den Mädchen anging, aber er war immer für seine Freunde da und das schätzte ich an ihm. Ein Junge, der niemandem etwas schlechtes tun konnte, soll in der Lage gewesen sein sich solchen Menschen anzuschließen?
"Der Name ist aus dem selben Grund auf dieser Liste wie all die anderen auch."
"Kanntest du ihn?", frage ich ruhiger als zuvor.
"Kann man so sagen."
"Dann...-" Ich unterbreche mich selber als mir etwas einfällt was ich unter all den Informationen vollkommen vergessen hatte. All das Gerede über diese Männer hat mich eines vergessen lassen.
Langsam verändert sich meine Gesichtsausdruck vollkommen, die Fassungslosigkeit verwandelt sich in Erkenntnis und dann in pure Wut.
"Du...", sage ich und denke an das was er mir geschrieben hat. Er war derjenige der in meinem Handy als Kontakt ohne Nummer vorkam, derjenige der mich um ein Treffen am Tower und um meine Hilfe gebeten hat.
Aber viel wichtiger, er war derjenige der das Geständnis abgelegt und die Ungewissheit die ich fünf Jahre mit mir herumgetragen habe beendet hat.
"Du hast ihn umgebracht", sage ich zuerst zu mir selber. Die Nachricht und das Bild die mir gesendet wurden, das war er. "Du hast Seowon umgebracht."
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top