○53○
Taehyung Pov
Ich hasse alles an Krankenhäuser. Das Geräusch der Geräte an die man angeschlossen wird, die Eintönigkeit und der Geruch von Desinfektionsmittel der in jedem Raum hängt. Jungkook scheint das nichts auszumachen, aber ich habe viel zu viel Zeit meines Lebens an Orten wie diesen verschwendet.
Er legt seine Hand auf die Türklinke nachdem er an die Tür geklopft hat, aber jemand von drin kommt ihm zuvor. Es hat eine Weile gedauert bis wir das Zimmer gefunden haben in das man Jungsook gebracht hat, was vor allem daran liegt das ich sie nicht einmal finden wollte.
Wir treten zur Seite als ein Mann die Tür öffnet und ohne uns anzusehen, oder gar überrascht über das auftauchen zweier junger Männer zu wirken, an uns vorbei läuft. Jungkook und ich sehen ihm hinterher, aber sein Rücken verrät uns leider nicht viel über ihn, nur eines weiß ich mit ziemlicher Sicherheit, das ist nicht derselbe Typ wie der, mit dem sie ständig im Hotel verschwindet.
Der hier ist breiter gebaut und noch dazu viel größer, geschätzte 1,85 Meter, damit ganze 15 Zentimeter größer als der Kerl vom Hotel. Verbirgt diese Frau etwa noch viel mehr Affären vor ihrem Mann? Ich schnaube und löse meinen Blick von dem Rücken des Fremden, aber Jungkooks Augen bleiben starr auf ihn gerichtet, als würde er eine Leinwand betrachten.
"Ist alles in Ordnung?", frage ich und lege eine Hand auf seine Schulter. Erschrocken fährt er herum und sieht mich verwirrt an, begreift dann aber schnell das er tatsächlich ein wenig zu lange gestarrt hat.
"Er kam mir nur so unglaublich bekannt vor."
Wieder dreht er sich in die Richtung in die der Mann gegangen ist, aber er ist bereits verschwunden. Es war wirklich komisch, es sah aus als würde er nicht erkannt werden wollen, als wäre er für den Fall gewappnet jemanden den er kennt hier antreffen zu können.
Er trug einen grauen Overall, seine Hände waren in den Taschen vergraben, eine Mund- und Nasen-Schutzmaske bedeckte sein Gesicht, was ganz schön komisch war, denn auch wenn das hier ein Krankenhaus ist und solch eine Bedeckung nicht ungewöhnlich ist, so ist Jungsook keine Patientin bei der so was nötig ist.
Der Sanitäter bei mir in der Wohnung hat gesagt, dass es sich um einen Schock handelt, aber das ihre Situation nicht kritisch ist. Seit wann ist Schock also ansteckend? Der Mann war tatsächlich verdächtig, vor allem weil er sich die Cape auf dem Kopf noch tiefer ins Gesicht gezogen hat als er die Tür öffnete.
Jungkook schüttelt den Kopf und betritt das Zimmer. Jungsook liegt trotz der frühen Zeit wach auf dem Bett, die Hände in ihrem Schoß verschränkt. Kann ein Mensch innerhalb weniger Stunden um zwanzig Jahre altern? Wenn nicht, dann ist sie der erste Mensch. Das Blonde, normalerweise sonst immer so glänzende Haar ist schütter, trocken und sieht viel mehr aus wie Heu als wie die Haare eines Mädchens.
Das sonst so schöne Gesicht ist jetzt eingefallen, die Wangenknochen stechen erschreckend deutlich hervor und mit den Augenringen sieht sie mehr aus wie ein Panda als wie ein Mensch. Plötzlich tut mir das Kind leid. Ist sie in diesem Zustand überhaupt in der Lage ein Kind auf die Welt zu bringen, besitzt sie die nötige Kraft? Ich bezweifle es.
"Wie geht es dir?", fragt Jungkook und stellt die Blumen die er an der Haltestelle in einem Kiosk gekauft hat auf dem Sofatisch im Zimmer ab.
Ich verschränke die Arme vor der Brust und versuche gar nicht erst zu verstecken wie unfreiwillig ich hier bin, sie soll ruhig wissen das ich von Jungkook hierher gezerrt wurde, weil er denkt ich hätte ein schlechtes Gewissen wenn ich mich nicht erkunden würde, aber um ehrlich zu sein ist es Zeitverschwendung nach dieser Frau zu sehen. Sie prügelt sich immer irgendwie durchs Leben, sie braucht niemand anderen der das für sie tut.
Das zeigt dieses Zimmer hier. Das kann man sich nur leisten, wenn man eine Menge Geld besitzt, es ist eines für VIP Patienten, hat der Macker der eben ihr Zimmer verlassen hat ihr das bezahlt?
"Es tut mir leid, falls ich euch Sorgen bereitet habe. Es muss der ganze Stress gewesen sein." Sie lächelt und versucht uns damit zu beruhigen, aber es ist nicht schwer zu erkennen, das es erzwungen ist. Kann mir Recht sein.
"Wenn das so ist, können wir wieder gehen." Ich lege die Schokolade, die Jungkook mir in die Hand gedrückt hat auf den Tisch neben die Blumen.
"Warte, Taehyung, können wir unter vier Augen reden?"
Ihre Stimme zu hören nervt mich immer wieder aufs neuste, aber was mich am meisten nervt ist meinen Namen aus ihrem Mund zu hören, so vertraut. Ich drehe mich wieder um und verschränke die Hände vor der Brust. Was könnten wir beide schon zu bereden haben?
"Ich habe keine Lust mit dir zu reden, aber wenn du etwas zu sagen hast, dann kannst du das auch vor Jungkook tun", sage ich und packe ihn am Arm damit er ja nicht auf die Idee kommt trotzdem diesen Raum zu verlassen. Das letzte was ich möchte ist mit dieser Frau alleine zu sein. Als würde er das spüren, legt er seine Hand auf meine und lächelt mich tröstend an.
"Taehyung...-", beginnt sie und denkt eine gabze Weile nach.
"Wenn du was sagen willst, dann sag es solange meine Geduld es noch zulässt."
Sie sieht zwischen mir und Jungkook hin und her, dann nickt sie und leckt sich über die trockenen und rissigen Lippen.
"Ich will mich entschuldigen", fängt sie an und sieht Kookie kurz unsicher an, fährt dann aber fort. "Für alles was damals passiert ist. Ich weiß das du niemals vergessen wirst, das ich in dieser Zeit nur an mich gedacht habe und ich weiß das du denkst ich hätte dich ersetzt, aber so war das nicht. Trotz allem was passiert ist, hoffe ich das du mir irgendwann verzeihen wirst."
Sie sieht mich nicht an, die Bettdecke scheint für sie angenehmer zu sein und zum ersten mal kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung ist, denn ich habe nichts gutes für sie übrig und das zeigte meine Mimik ihr auch klar.
"Entschuldigen?", frage ich und seufze verächtlich. "Vielleicht solltest du genauer nachdenken bevor zu redest. Was ist es das du willst, Jungsook? Sicher nicht meine Verzeihung, wenn du wieder zu den alten Zeiten zurück wolltest, hättest du mich gefragt wie es mir all die Zeit ging. Du hast nicht einmal gefragt was danach passiert ist, wie es meinem Knie oder meiner Familie geht, du denkst immer noch nur an dich. Es ist das schlechte Gewissen das dich plagt, du brauchst meine Verzeihung um nicht mehr an den Jungen zu denken den du damals im Stich gelassen hast, nicht wahr? Oder ist es das du dich Hajun gegenüber schlecht fühlst? Was auch immer es ist das dir so sehr zusetzt das du dich sogar zu einer Entschuldigung durchringst, es ist mir egal. Ich hatte nie vor dir zu verzeihen und ich tue das auch nicht."
Sie hat damit gerechnet. Sie wusste das ich so antworten würde, das ich ihre Entschuldigung nicht annehmen würde, aber sie hat es trotzdem versucht. Vielleicht könnte man ihr das als Gute Eigenschaft anrechnen, aber ich schaffe es einfach nicht irgendetwas gutes an ihr zu finden.
"Dann tu mir nur einen gefallen", sagt sie leise und krallt sich in die Bettdecke.
"Du forderst einen gefallen von mir?"
"Pass auf dich auf."
Mein Griff um Jungkooks Arm wird lockerer und ich sehe sie überrascht an. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich weiß nicht genau, was ich fühle, ein bisschen überrascht bin ich schon, vielleicht auch überwältigt, weil ich für einen Moment glaube die alte Jungsook zu sehen.
"Ihr wisst nicht in was für einer Situation ihr steckt, in welche Gefahr ihr euch begeben habt und es tut mir leid das ich nicht in der Lage bin euch in irgendeiner Art und Weise zu helfen, aber ihr könnt euch selber einen Gefallen tun und dieses verdammte Teil wegwerfen."
Wir wissen tatsächlich nicht in was für einer Situation wir stecken, denn trotz dem Erfolg diese Ordner endlich geöffnet zu haben, sind wir kein Stück schlauer als vorher, aber uns war die Gefahr durchaus bewusst, immerhin haben die Männer uns das deutlich spüren lassen.
"Was weißt du?", erklingt Jungkooks stimme neben mir. "Du hast irgendetwas auf diesem Foto gesehen, irgendetwas das dich so sehr geschockt hast das du jetzt hier liegst. Glaubst du nicht wenn du uns erzählst was du weißt, lösen wir das ganze schneller?"
Er hat mir auf dem Weg hierher erzählt was passiert ist, dass sie das Foto gesehen hat und danach das Bewusstsein verlor. Ich dachte das sie Seowon irgendwoher kennen würde, er scheint ja auch irgendwie in die ganze Geschichte verwickelt zu sein, aber Jungkook sagte dass das unwahrscheinlich ist, sie hat ihn sogar nach Seowon gefragt, aber nicht außergewöhnlich reagiert. Es muss irgendetwas anderes gewesen sein, etwas was diese Angst in ihren Augen erklärt.
"Ich habe nichts weiter zu sagen."
Jungkook sieht sie mit offenem Mund an und kann nicht glauben das sie uns anscheinend Informationen zu verschweigen scheint die uns weiterhelfen könnten.
"Sei auch du vorsichtig", sage ich und fange mir augenblicklich einen überraschten Seitenblick von Jungkook ein, aber auch Jungsook kann nicht verbergen wie unerwartet sie meine Worte treffen. "Ich sage das nicht deinetwegen. Hajun hat dich wirklich geliebt und es würde ihn verletzen wenn er wüsste was aus dir geworden ist. Gibt acht, du hast jetzt nämlich auch ein Kind dessen Leben du beschützen musst."
Ich drehe mich zu Jungkook und lege meine Hand lächelnd in seine. Das hier heißt noch lange nicht das ich ihr verziehen habe, das werde ich nie, weil ich sie nicht länger als Teil meines Lebens betrachte. Sie und Hajun waren früher die einzigen, die ich als meine Familie betrachtet habe, aber mittlerweile weiß ich was Familie wirklich bedeutet.
Dafür braucht man nicht mehrere Leute, es reicht wenn es eine Person gibt zu der du immer wieder zurück willst, für die du alles tun und der du alles verzeihen würdest. Ich habe diese Person für mich gefunden und ich brauche niemand anderen als ihn, weil Jungkook für mich Familie bedeutet.
Eine gute Nachricht für alle die sie gehasst haben: Jungsook ist weg
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top