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Taehyung Pov
"Ich fasse es nicht, das sie mein Bett bekommt, während wir auf dem Boden des Wohnzimmers schlafen müssen."
Jungsook ging es nach der Entdeckung des Handys nicht sonderlich gut und damit sie aufhört uns mit fragen zu durchlöchern, haben wir ihr gesagt sie soll schlafen gehen. Anscheinend hat sie aber nicht genug Anstand besessen sich die Couch zu nehmen, sondern ist in meinem Bett eingeschlafen als Jungkook und ich abgelenkt waren. Ich merke jetzt schon das es keine gute Idee war sie hier bleiben zu lassen.
"Tae?", höre ich Jungkooks sanfte Stimme und spüre seinen Atem an meinem Nacken als er von hinten die Arme um mich schlingt und seine Füße an meinen reibt.
Wie sehr habe ich seine Nähe doch vermisst.
"Hm?"
"Es tut mir leid das ich nicht nach deinen Gefühlen gefragt habe."
Das kribbeln das wegen ihm sowieso immer da ist wird stärker als er mir einen Kuss in den Nacken haucht und seine Hand mit meiner verschränkt.
"Erzählst du mir was zwischen dir und ihr passiert ist?", fragt er und vergräbt seine Gedicht an meiner Schulter.
Ist das der Grund warum er den ganzen restlichen Tag kaum mit mir geredet hat? Fühlt er sich schlecht weil er mich nicht gefragt hat wie es mir geht?
"Es ist eine langweilige Geschichte, Familienprobleme wie jeder sie hat."
"Aber wenn es Probleme sind die dich belasten, dann möchte ich dir einen Teil davon abnehmen." Erneut Streifen seine Lippen sanft meinen Nacken und mit seinen Fingerspitzen wandert er fast schon vorsichtig meinen Rücken rauf und runter.
"Unterbrich mich wenn es zu langweilig wird", sage ich und drücke seine Hand noch fester.
"Hajun und Jungsook kannten sich bereits seit sie Kinder waren und nach einer Menge kindischem Drama wurden sie mit 14 ein Paar. Du musst wissen, dass meine Eltern nicht häufig zu Hause waren. Meine Mutter engagierte sich oft und gerne für wohltätige Zwecke während mein Vater sein Leben für die GL Group gab. Als Hajun sie dann zum ersten Mal zu uns nach Hause brachte, habe ich mich bei den beiden geborgen gefühlt. Sie gaben mir das Gefühl, das einem nur die Familie geben kann."
Ich denke an das erste Treffen zurück, an Jungsooks Verzweiflung als ich mich weigerte von ihrem Essen zu kosten und an Hajuns Versuche die Eifersucht darüber das eine Frau mit meinen Bruder nahm zu lindern.
"Jungsook hatte eine nette Familie die sie unglaublich liebte, aber sie waren streng und noch dazu gegen die Beziehung der beiden. Sie verließ sie und fand bei uns eine neue Familie die sie praktisch vegötterte. Mutter hat sie geliebt, sie konnte sich keine bessere Schwiegertochter vorstellen und freute sich sogar mehr als die beiden selber als sie mit 19 heirateten, nur drei Monate vor Hajuns Tod."
Jungkook rutscht noch enger an mich heran, sodass ich nicht länger das Gefühl habe als wäre da überhaupt irgend eine Lücke zwischen uns und das ist gut so. Ich brauche ihn.
"Danach hat Jungsook sich verändert. Sie hat nicht mehr mit mir gesprochen und verließ das Haus das sie mit Hajun vor seinem Tod bewohnte nicht mehr, dann verschwand sie plötzlich. Sie war für uns nicht mehr auf zu finden, sie kontaktiert uns nicht einmal, es war als hätte der Erdboden sie verschluckt. Sie hatte alles aus ihrer Wohnung entsorgt, Hajuns Kleider, alles was er besaß war weg, alles was uns an ihn hätte erinnern können hat sie uns genommen. Ich war wütend, so unglaublich wütend das sie sich das Recht genommen hatte seine Sachen zu entsorgen, es war für mich als hätte sie ihn entsorgen wollen und mit ihm auch uns."
Ich krieche tiefer unter die Decke weil mir die Kälte dieses Raumes wie ein Tier über den Körper kriecht. Als Jungkook bemerkt das mir kalt ist, legt er sein Bein über mich.
"Auch meine Eltern traf es, für sie war es der Verlust eines wichtigen Familienmitglieds das fast wie eine Tochter für sie gewesen ist, aber sie haben sich damit abgefunden. Ich konnte das nicht, ich habe es zu Hause nicht mehr ausgehalten ständig daran erinnert zu werden das Hajun tot war und das ich selber niemals so gut für die GL Group sein würde wie er. Sie sagten es nie, aber ich hatte immer das Gefühl es wäre ihnen lieber gewesen ich wäre an seiner Stelle gestorben."
Ich bin froh das Jungkook mein Gesicht nicht sehen kann, er soll nicht wissen das ich nur mit Mühe die Tränen zurückhalten kann.
"Jungsook und Hajun waren immer die einzigen die mir zugehört haben, aber es hat mich verletzt das sie in der schwersten Zeit nicht da war. Ich habe auf sie gewartet als ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde, habe darauf gewartet das sie sich meldet und das erklärt, aber sie tat es nie also ließ ich nach ihr suchen. Ich wollte sie finden damit wir beide das zusammen durchstehen konnten. Meine Eltern weigerten sich über diesen Abend zu sprechen, Hajuns Name durfte in ihrer Gegenwart nicht fallen, aber ich konnte das nicht. Ich brauchte jemanden der mein Leid teilt und Jungsook war die einzige bei der ich mir sicher war, das sie Hajun genau so sehr geliebt hat wie ich.
Ich fand heraus, das sie nur ein halbes Jahr nach Hajuns Tod erneut heiratete, einen Arzt mit dem sie hier in Seoul lebt, allerdings nicht mehr unter dem Namen Kim Jungsook, sondern Cheong Jungsook. Ich ging zu der mir genannten Adresse und ihr Mann öffnete mir die Tür. Er erkannte mich, immerhin war viel über uns in den Zeitungen berichtet worden und Jungsook schien ihm ihre Vergangenheit auch nicht verheimlicht zu haben. Im Gegensatz zu ihm war sie allerdings überhaupt nicht froh mich zu sehen. Sie hatte noch kein Wort zu mir gesprochen, da bat sie ihren Mann bereits mich wieder vor die Tür zu setzen."
"Sie hat dich rausgeschmissen?", fragt Jungkook fassungslos und möchte mir seine Hand entziehen, aber ich lasse unsere Finger verschränkt und ziehe ihn wieder näher an mich.
"Sie sagte sie habe mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen, das sie nichts mehr in ihrem Leben haben will das sie daran erinnernt. Selbst als ich ihr sagte ich sei von zu Hause abgehauen und das ich es nicht mehr aushalte war sie eiskalt und sagte, dass jeder Mensch Probleme hätte und das ich mich nicht so aufspielen soll. Ihre exakten Worte waren: Menschen kommen und gehen, ich hänge nicht an etwas was ich nie wieder haben kann und das gleiche solltest du auch tun. Sie sagte, das wir lange genug Familie gespielt hätten und das sie nie wollte, dass ich sie als große Schwester oder Mutter Ersatz betrachte. Mit Hajuns Tod gibt es für sie auch keinen weiteren Grund mehr sich um meine Sorgen zu kümmern."
Ich schließe die Augen und lasse die Tränen einfach laufen ohne weiter zu versuchen es zurück zu halten. Das hier ist Jungkook, ich schäme mich nicht dafür vor ihm zu weinen, ich würde auch wissen wollen wenn er traurig ist und wenn es ihm nicht gut geht.
"Vor einem Jahr habe ich sie dann das erste mal seit fast 6 Jahren wieder gesehen. Sie verließ mit einem Mann ein Hotel und es war nicht der Mann der mir damals die Tür öffnete. Es war nicht das einzige mal das ich sie sah, daß Hotel lag auf dem weg zu meiner Uni und sie traf sich immer zur selben Zeit mit ihm. Ich weiß nicht was mich damals geritten hat, vielleicht die Wut und die Enttäuschung der Vergangenheit, aber ich schoss ein Foto von ihr und schmiss es vor etwa einem halben Jahr in ihren Briefkasten."
Es ist eine Kindische Aktion gewesen, eine Kurzschluss Reaktion. Ich war wütend auf sie, wütend das sie mir die Erinnerungen an meinen Bruder genommen und mich im Stich gelassen hat, aber auch wütend weil sie nur kurz nach seinem Tod bereits Ablenkung bei jemand anderem gefunden hat.
Jungkook muss denken ich bin ein schlechter Mensch. Ich wusste sie ist schwanger und mir war klar das ihr Mann sie trotz ihres Zustandes rausschmeissen könnte, aber es war mir in dem Moment vollkommen egal. Ich habe sogar mit dem Gedanken gespielt die Bilder zu löschen, aber als ich ihren Babybauch sah, kam die Wut in mir hoch.
Ich fragte mich, wie ein Mensch so kalt sein kann. Sie hat nach ihrer Familie die sie freiwillig verlassen hat und nach den Erlebnissen in ihrer zweiten Familie sogar eine dritte gefunden und sie betrügt den Mann, der ihr das alles ermöglicht. Also tat ich es einfach.
"Es tut mir leid", flüstert Jungkook mir ins Ohr und kitzelt mich mit seinem Atem. Ich muss Lächeln bei dem Mitgefühl in seiner Stimme, aber auch weil ich froh bin das es kein Mitleid ist.
"Wofür entschuldigst du dich?", frage ich.
"Ich hätte dich fragen müssen bevor ich ihr gesagt habe sie kann hier bleiben. Es tut mir leid, das ich so ignorant bin, Taehyung."
"Ignorant?" Ich drücke ihm einen Kuss auf den Handrücken und lege seine Hand auf meine Brust. "Du bist der letzte den ich mit diesem Wort beschreiben würde."
Eine ganze Weile liegen wir einfach nur so da und ich weiß nicht wann ich einschlafe, aber ich weiß das ich trotz allem was passiert ist Jungkook an meiner Seite habe und das ist genug für mich.
Das Kapitel ist langweilig, ich weiß und es tut mir leid, aber ich musste ja irgendwie erklären was zwischen Jungsook und Taehyung vorgefallen ist 😅
Das nächste Kapitel wird spannender, versprochen 😄
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