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Jungkook Pov
Ich laufe ihm sofort hinterher, bleibe aber direkt vor der Tür stehen als ich höre wie er den Schlüssel im Schloß umdreht.
Das ist dann wohl seine Art mir zu sagen, das er für den Moment alleine sein möchte. Obwohl es mich verletzt es so gesagt zu bekommen, versuche ich es nicht zu nah an mich heran zu lassen und drehe mich wieder um.
Sie steht wie versteinert da, mit der einen Hand hat sie sich an einen Stuhl geklammert um halt zu finden, die andere hat sie flach auf ihren Bauch gelegt.
Obwohl ich nicht weiß was zwischen den beiden vorgefallen ist tut sie mir leid. Sie hat sich anfangs benommen als wäre er ihr etwas schuldig, aber seine Worte haben sie sichtlich verletzt.
"Ich sollte gehen", sagt sie und bückt sich um die Schuhe aufzuheben die er ihr vor die Füße geschmissen hat, aber das gestaltet sich aufgrund der riesigen Kugel die sie mit sich schleppt nicht leicht.
"Neunter Monat?", frage ich und deute mit einem nicken darauf.
Sie schüttelt lediglich den Kopf und setzt sich langsam auf den Boden. "Achter." Auch mit dieser Taktik kommt sie nicht an ihre Schuhe heran.
Ich setze mich vor sie auf den Boden, lege ihre Schuhe neben mich und nehme ihren linken Fuß in den Schoß. Sanft, als könnte das Baby in ihrem Bauch die Berührungen spüren, fange ich an ihr den Schuh anzuziehen.
"Wo wollen Sie hin?", frage ich und sehe zu ihr hoch während ich ihre Schnürsenkel binde.
"Ich weiß es nicht. Vielleicht versuche ich es bei einem ehemaligen Arbeitskollegen. Wenn das nicht klappt muss ich wohl oder übel ins Sauna Hotel."
"Ins Sauna Hotel? In Ihrem Zustand?"
Sie lacht und nimmt den Fuß runter um den anderen auf meinen Schoß zu legen.
"Habe ich denn eine andere Wahl?", fragt sie und spielt nervös an den Knöpfen ihres Cardigans herum. Die Frau die vorhin noch den Finger nicht von der Klingel nehmen wollte ist nicht mehr wieder zu erkennen. Diese hier ist viel ernster, viel deutlicher durch ihre Sorge gezeichnet.
Sie ist wirklich hübsch, einer dieser Menschen die Morgens auch ohne Schminke das Haus verlassen können und trotzdem die Blicke der anderen auf sich ziehen würde.
Das blonde Haar wirkt trotz des aufhellens überhaupt nicht erschöpft und außer Wimperntusche scheint sie auch im Gesicht nichts weiter benutzt zu haben. Aber selbst hübsche Menschen können unter Stress ziemlich Alt aussehen.
"Sobald er sich beruhigt hat werde ich mit ihm reden."
Ich stehe auf und strecke ihr zur Hilfe die Hände aus die sie dankend entgegennimmt, aber ich merke schnell das ich das Gewicht einer schwangeren Frau deutlich unterschätzt habe.
Sie lacht als sie das bemerkt und schlägt mir gespielt beleidigt gegen den Oberarm, nur um dann sofort wieder niedergeschlagen auf dem Stuhl am Esstisch Platz zu suchen.
"So nett das auch ist, ich glaube nicht das es irgendetwas ändern wird. Taehyung ist nachtragend und in diesem Fall sogar zu Recht."
Ich nehme die Wasserflaschen die sie aus dem Kühlschrank geholt hat als sie die Wohnung betrat und stelle sie vor sie hin damit sie daraus trinken kann.
"Ich bin mir sicher er wird mit sich reden lassen sobald er sich beruhigt hat. Geben Sie ihm einbisschen Zeit." Ich hole mir selber eine Flasche aus dem Kühlschrank und trinke einen großen Schluck daraus.
"Danke... Was ist dein Name?", fragt sie.
Mir wird jetzt erst klar das wir uns noch nicht vorgestellt haben. Obwohl wir noch nicht lange miteinander reden, fühlt es sich anders an. Ich weiß nichts über sie und obwohl sie älter ist habe ich Mitleid mit ihr, ich verspüre das Bedürfnis mich um sie zu kümmern wie um eine jüngere Schwester.
"Jungkook", sage ich und lächel sie freundlich an.
"Jungkook?", fragt sie und als ich nicke lacht sie laut los. Verwirrt sehe ich sie mit gerunzelter Stirn an. Wo ist die ganze Sorge von eben hin und was ist es das sie so zum Lachen bringt?
"Schöne dich kennen zu lernen, mein Name ist Jungsook."
Da ist er, der Grund für ihr Lachen. Jungkook und Jungsook, das kann schwierig werden, aber wenigstens hat es sie zum Lachen gebracht. Nichts ist schlimmer als Frauen die weinen und manchmal wissen sie nicht einmal warum, oder noch schlimmer, sie haben mehrere Gründe.
"Es tut mir leid das ich dich in diese Situation gebracht habe. Lebst du hier zusammen mit Taehyung?", fragt sie und streckt sich.
"Kann man so sagen."
Wie soll man erklären das man hier lebt weil bei einem eingebrochen wurde? Und vor allem das eigentlich nur ein paar Tage, höchstens Woche vorgesehen waren und jetzt Monate daraus geworden sind?
"Hat er oft über mich gesprochen?", fragt sie und sieht nachdenklich ihre Wasserflaschen an.
Sie macht sich wirklich viele und vor allem unnötige Gedanken. Wieso soll Taehyung über sie gesprochen haben? Standen die beiden doch in einer engeren Beziehung zueinander? Vielleicht war er mal verliebt in sie.
"Entschuldige wenn die Frage zu persönlich ist, aber was ist deine Beziehung zu Taehyung?", frage ich und bereue es sofort, weil ich die Eifersucht nicht herausfiltern kann und sie in meinem Unterton deutlich zu hören ist.
"Er ist mein Schwager - Na ja, mein Ex-Schwager."
Schwager... Vor mir blitzt wieder das Bild der Kim Familie auf, Taehyung hat nur einen Bruder und der ist tot. Sie war mit seinem Bruder verheiratet.
Damit habe ich jetzt nicht gerechnet.
"Du siehst aus als hätte ich etwas falsches gesagt. Ist alles in Ordnung?" Sie streckt ihre Hand über den Tisch nach meiner aus, aber ich schüttle schnell den Kopf.
Es ist eigentlich nichts erschreckendes das sein Bruder verheiratet gewesen ist, aber er war erst 19, es gibt nicht viele die in einem solch jungen alter heiraten.
Außerdem ist es immer noch komisch an Taehyungs toten Bruder zu denken, vor allem da wir immer noch nicht wissen was dahinter steckt.
Ich schiebe diese Gedanken in eine der hinteren Ecke meines Gehirns und denke an etwas anderes, an eine Frage die mich beschäftigt.
"Na ja... Du und Taehyung... Lief da was zwischen euch? I-ich meine... waren da tiefere Gefühle im Spiel?"
Ich verfluche much selber für das ganze gestottere und die Pausen. Nicht fähig ihr in die Augen zu sehen, schraube ich wieder meine Wasserflasche auf und lasse das kalte Wasser meine Kehle hinunter fließen.
"Wie kommst du darauf?", fragt sie und fängt an laut los zu lachen. Ihr Lachen erhellt den ganzen Raum und ich vergesse alles um mich herum. Nicht weil es schön ist, sondern weil es so sorglos ist, so vollkommen frei.
"Taehyung hat in mir nie mehr gesehen als eine große Schwester, das kann ich dir versichern. Wir waren so etwas wie eine Art Eltern Ersatz für ihn, Hajun und ich. Hat er dir erzählt was vor acht Jahren passiert ist?"
Sie streicht sanft über ihren Bauch als könnte das Baby darin mithören. Ich nicke und versuche mir nicht anmerken zu lassen wie komisch die Atmosphäre wieder ist nachdem sie Taehyungs toten Bruder erwähnt hat.
"Nach dem Vorfall hatte jeder von uns mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, aber Taehyung ging es besonders schlecht, er war nicht nur ebenfalls verletzt worden sondern gab sich auch selber aus irgendeinem Grund die Schuld an dem Tod seines Bruders. Er lief von zu Hause weg und hat bei mir nach Hilfe gesucht, aber ich habe ihn zurückgewiesen, ich war zu sehr mit mir selbst beschäftigt um zu merken das er viel mehr leidet als wir alle zusammen. Er hat jedes Recht mich zu Hassen, ich kann es ihm nicht übel nehmen."
Das ganze klingt für mich nach einem ziemlich schlimme Familiendrama, aber ich verstehe immer noch nicht ganz was genau da passiert ist. Ich öffne den Mund um sie zu fragen ob sie mir das ganze genauer erklären kann, bemerke aber den Ausdruck in ihrem Gesicht.
Ihre Stirn ist gerunzelt und die Augenbrauen zusammengezogen, der Mund leicht geöffnet. Sie sieht an mir vorbei und als ich ihrem Blick folge finde ich den Gegenstand der sie so fassungslos macht, aber ich verstehe nicht warum.
Als sie aufsteht, renne ich hinter ihr her um zu helfen, da sie so aussieht als könnte sie das immense Gewicht ihres Bauches nicht auf diesen beiden wackeligen Beinen tragen, aber sie winkt meine Hilfe ab und fummelt das Handy aus der Ritze der Couch heraus.
Das Handy mit den beiden Ordnern.
Sie dreht es in ihrer Hand und betrachtet es von allen Seiten, bis sie die Hinterseite öffnet und erschrocken nach Luft schnappt.
Ihre Augen sind vor Schreck weit aufgerissen als sie es auf den Boden fallen lässt und sich an ihren Bauch klammert. Jetzt sieht sie nicht mehr länger so aus als würde sie ihr Kind beschützen wollen, sondern als würde sie es um seinen Schutz bitten.
Ich lege die Arme auf ihre Schulter und drehe sie zu mir, aber sie sieht mich nicht an, ihr Blick ist auf das Handy auf dem Boden gerichtet während sie hektisch nach Luft schnappt.
"Jungsook", sage ich leise ihren Namen in der Hoffnung meine gespielte Ruhe würde auf sie über gehen, aber sie schüttelt nur den Kopf und klammert sich an meinen Unterarm.
"Taehyung", sagt sie und sieht mir endlich in die Augen. "Wo ist er? Was sucht es hier?", fragt sie und lässt ihren Blick über mein Gesicht wandern als könnte sie dort die Antworten auf ihre wirren Fragen finden.
"Jungsook, beruhige dich erst einmal und erklär mir dann was plötzlich in dich gefahren ist", sage ich und bin selber ganz davon überrascht wie Erwachsen ich doch klinge.
Normalerweise bin ich immer derjenige der vollkommen überreagiert, aber ich weiß ja nicht einmal was los ist.
Sie schüttelt den Kopf und obwohl ihre langen Fingernägel in meinem Fleisch ziemlich schmerzhaft sind, beiße ich mir auf die Zähne um es mir nicht anmerken zu lassen.
"Wieso ist es hier? Wem gehört es?" Ihre Fragen sind nicht an mich gerichtet, sie redet viel mehr mit sich selber.
"Das Handy? Redest du vom Handy, Jungsook? Was ist damit?"
"Es sollte weg sein, sie haben es mir weggenommen."
Ihre Worte jagen mir einen Schauer durch den ganzen Körper und selbst der Schmerz den ihre Nägel verursachen ist kurz vergessen. Es könnten nur die wirren Worte einer schwangeren Frau sein, aber ein schlechtes Gefühl beschleicht mich.
"Und jetzt noch mal langsam", sage ich und streiche sanft über ihre Oberarme.
"Das Handy... E-es"
"Was ist damit?", hake ich nach als sie immer noch nicht mit der Sprache herausrückt.
"Es gehörte... es gehörte mir. Damit habe ich den Mord an Hajun gefilmt."
Morgen ist der 2. Februar, dann ist es genau einen Monat her seit ich das erste Kapitel hochgeladen habe und deswegen wollte ich euch fragen was ihr von einer Lesenacht haltet?
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