«...ready for it?»



»Each morning I get up I die a little
Can barely stand on my feet
           (Take a look at yourself)
Take a look in the mirror and cry
Lord what you're doing to me
I have spent all my years in believing you
But I just can't get no relief, Lord!
Somebody, somebody
Can anybody find me somebody to love?«

LIAM

"Komm schon. Bitte Bear!" verzweifelt wiege ich meinen schreienden Sohn auf und ab. Seit einer Stunde weint er nahezu ununterbrochen, sein Gesichtchen ist feuerrot, dicke Tränen kullern seine Wangen hinab und ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll. Mit meinem Latein am Ende lasse ich mich auf den Sessel fallen und hüpfe dort auf und ab. Ich habe ihn gefüttert, er trägt eine frische Windel, hat seinen Schnuller, trägt seine Lieblingshose und hält seinen besten Freund, Benjamin Blümchen in den Armen. Warum will er keine Ruhe geben?

Seit Cheryl nicht nur mein Management übernommen, sondern auch ihren Mutterschutz frühzeitig beendet hat, bleibe ich immer öfter zuhause bei unserem Sohn.

Und so sehr ich ihn liebe, so sehr stresst er mich. Ständig vermittelt er mir das Gefühl nur halb so viel wert zu sein, wie seine Mutter. Es fühlt sich an, als hätten wir absolut keine Bindung zueinander. Und genau das kann ich einfach nicht verstehen, war ich schließlich derjenige, der ihn in den ersten Wochen aufzog, da Cheryl lange, lange mit postnataler Depression zu kämpfen hatte. Der Babyspeck blieb eben so hartnäckig, wie die Müdigkeit. Ihr Milcheinschuss ließ auf sich warten und sobald es an der Zeit war unseren Sohn zu stillen, spürte sie nichts weiter als Schmerzen.

Dass ich somit lange Zeit mitten in der Nacht aufgestanden bin, um Bear zu füttern, scheint meinen Sohn einfach nicht zu interessieren.

Erst, als es Cheryl wieder besser ging, sie sich klar und deutlich gegen eine Nanny ausgesprochen hat, begann ich wieder zu arbeiten. Und genau das habe ich eigentlich vorgehabt.

Heute steht ein Studio-Tag auf dem Plan, doch wenn ich Bear schon jetzt nicht in den Griff kriege, brauch ich es dort gar nicht erst probieren.

Einsingen im Studio mit Baby Geplärr im Hintergrund, klingt nicht sehr Grammy verdächtig. Und davon mal abgesehen, kann es einfach nicht gut sein, wie viel der kleine Schreit. "Ach komm schon, Bear. Was soll ich denn noch machen? Soll ich mir spontan Brüste wachsen lassen und neben bei hoch herum trällern?" Für eine winzige Millisekunde scheint Bear ruhig zu sein. Tatsächlich holt er aber nur Luft, um weiter plärren zu können.

Nicht nur meinem Sohn, auch mir steht inzwischen der Schweiß auf der Stirn, ich bin gestresst und absolut ratlos. Allerdings nicht zu ratlos, um nicht an mein Handy zu denken. Bevor ich mich bei der einzigen Person, die mir jetzt noch helfen kann, melde, setze ich Bear in sein Stühlchen in der Küche. Ihm etwas zu Essen zu geben, wird nichts bringen. Der Brei fliegt sonst nur durch die Küche und Cheryl hat offensichtlich vergessen, etwas Milch abzupumpen. Für mich ist jedoch noch genug da. Ich kann mir eine Tasse Kaffee kochen und für einen Moment einfach rücksichtlos sein. Denn anstatt mir sämtliche Möglichkeiten einfallen zu lassen, stöpsle ich mein Handy ans Ladekabel an, nehme mir meine Schachtel Zigaretten, ein dazugehöriges Feuerzeug und verziehe mich für fünf Minuten auf die Terrasse. Da eine Wand gänzlich aus Glas besteht, kann ich meinen Sohn von der Terrasse aus genau sehen, ich höre ihn durch die offene Tür schreien und kann mich so versichern, dass es ihm "gut" geht. Zumindest den Umständen entsprechend.

Das Nikotin rauscht durch meinen Körper und für einen Moment bilde ich mir ein, mich zu entspannen. Dieses Gefühl hält allerdings nicht lange genug an, denn meine letzte Zigarette ist schon zu lange her. Unangenehmer Husten sucht mich heim, doch ich nehme ihn hin und ziehe wieder und wieder an dem Glimmstängel. Durch die Tatsache, dass es heute früh erst wieder geschneit hat, glaube ich mir den Arsch abzufrieren und ziehe deshalb nur schneller an der Zigarette.

Leichter Schwindel überkommt mich, als ich endlich aufgeraucht habe. Allerdings schiebe ich auch dieses Gefühl beiseite, denn Bear schreit immer noch tapfer vor sich hin. In der Küche angekommen sehe ich, dass er seinen Baby-Elefanten auf den Boden geworfen hat und hebe ihn auf. Völlig fertig mit den Nerven und offensichtlich müde streckt er seine Ärmchen aus, nimmt das Stofftier entgegen und drückt es fest an sich.

Doch er weint immer noch.

"Fuck ey! Das darf doch nicht wahr sein!" Mein Seufzen entwickelt sich langsam aber sicher in genervtes Ausrufen, doch ich weiß genau, dass es die Situation nicht besser machen wird.

Verzweifelt checke ich den Akkustand, beschließe, dass fünfundzwanzig Prozent mehr als genug sind und wähle die Nummer meiner letzten Hoffnung.

Elend lange ertönt das Freizeichen, bis sich endlich jemand meldet.

"Tomlinson!" Erleichtert atme ich aus und bemerke erst dadurch, dass ich vor Spannung den Atem angehalten habe. Sofort plappere ich drauf los, bemerke nicht direkt, dass Louis in den Seilen hängt: "Du bist meine letzte Hoffnung! Bitte sag mir, dass es irgendeinen Geheimtipp gibt, irgendeinen Knopf, wo ich die Sirene ausschalten kann!"

Erst als er mir in den Hörer hustet, bemerke ich es. Für eine Sekunde habe ich Angst, ich werde Zeuge, wie mein bester Freund erstickt, doch er fängt sich schnell wieder. "Sorry aber den Knopf suche ich noch heute", krächzt er und ich kann praktisch hören, wie er den Kopf schüttelt. "Ach Scheiße", seufze ich auf, raufe mir die Haare und werfe einen Blick in die Küche. Während das Freizeichen ertönte, lief ich aus der offenen Küche ins Wohnzimmer, in weiser Voraussicht, dass ich Louis somit eher verstehen würde. Jedoch scheint Bear ganze Arbeit zu leisten, denn Louis fragt mich sofort, ob ich meinen Sohn vergewaltige. "Nein. Aber ich weiß einfach nicht, was er will. Er ist frisch gewickelt, hat gegessen, getrunken, aufgestoßen. Er hat seinen Schnuller und seinen blöden Elefanten. Ich hab keine Ahnung was ihm für ein Furz quer hängt." Wieder raufe ich mir die Haare - es ist ein Wunder, dass ich noch keine Glatze habe - und lasse mich mittlerweile nur noch genervt auf den Sessel fallen. Die Floskeln, die mir entfleuchen sind eigentlich nicht ernst gemeint, doch Louis krächzt sofort: "Genau! Das kannst du noch probieren!"

Müde und erschöpft, wie ich bin, läuft weder mein Hirn auf Hochtouren, noch kann ich mich gescheit artikulieren. Somit antworte ich meinem besten Freund: "Hä?"

Übel nimmt er es mir nicht. Stattdessen beginnt er zu erklären, wie ich meinen Sohn straffrei zum Schweigen bringe. "Bist du dir sicher?" "Mehr kann ich nicht für dich tun, Kumpel. Und wenn es funktioniert, dann schuldest du mir was. "

"Alles, was du willst, Bro!" Da ich das Verzweiflungslevel schon längst in ungeahnte Höhen verfrachtet habe, folge ich Louis' Anweisungen und befinde mich eine viertel Stunde später im Badezimmer. Bear liegt in meinem linken, mein Handy in meinem rechten Arm. Das Badewasser in der kleinen Babywanne hat die richtige Temperatur und auch dieses ekelhafte Öl habe ich dazu gemischt. Eine ekelhafte Mischung aus Jasmin, Thymian und Eukalyptus hängt in der Luft. Bear schreit weiter vor sich hin und das Handy klemmt zwischen Ohr und Schulter.

"So, du legst ihn jetzt vorsichtig ins Wasser. Das Köpfchen bleibt in deiner Armbeuge - auch wenn ich verstehe, dass du es lieber untertauchen willst - und dann reibst du in langsamen, kreisenden Bewegungen mit einem Waschlappen über seinen Bauch."

"Ai, ai, Käpten."

Brav befolge ich meine Anweisungen, balanciere vorsichtig Handy und Baby und völlig zu meiner Überraschung funktioniert es. Bear wird leiser, weint noch immer aber schreit nicht mehr, wie am Spieß. Sichtlich genießt er das warme Wasser und je länger er dort drin liegt, umso ruhiger wird er. "Heureka! Louis ich lie-" Beginne ich meine Liebesbekundungen, werde jedoch unterbrochen. "Schatz, ich bin wieder da!" ruft Cheryl mit einem Male und erschreckt nicht nur Bear, sondern auch mich. Beide zucken wir zusammen. Nur hat meine Bewegung zur Folge, dass mein Handy gerade wegs zwischen den Beinchen meines Sohnes hindurch in das Wasser fällt. Wasser, welches sich verdächtig gelb verfärbt hat; eine Tatsache, die ich erst jetzt bemerke.

"So eine verfickte Scheiße", keuche ich genervt auf und nehme meinen Sohn aus dem Warmen, nur um ihn direkt seiner Mutter in die Arme zu drücken, die keine Sekunde vorher hinter mir aufgetaucht ist. "Hey, hey, Ausdruck", mahnt sie mich kurz, widmet sich aber sofort ihrem Goldschatz. Sofort beginnt sie hn zu betütteln. Sie trocknet ihn ab, wickelt ihn neu und kümmert sich um ihn. Unterdessen plappert sie in höherer Tonlage auf ihn ein. Mir soll es egal sein, schließlich ist er endlich ruhig.

Egal ist mir in diesem Moment jedoch nicht, dass ich mein Handy aus Pisswasser fischen und in Reis legen kann, dass ich kein Backup gemacht habe und alle meine Kontakte, sämtliche Songtexte, Melodien und sehr, sehr viel Arbeitskram in meinem Telfon gespeichert ist. Beziehungsweise war. Denn jetzt hilft mir nur noch beten.

Während sich Cheryl gar nicht in ihrer Sache beirren lässt, suche ich mir Schüssel und Reis zusammen, bevor ich mich in meinem Arbeitszimmer einschließe. Vorher klaube ich noch die Zigarettenschachtel samt Feuerzeug und Aschenbecher auf und gieße mir erneut eine Tasse Kaffee ein. Das Bisschen Ruhe habe ich mir redlich verdient, also fahre ich den Laptop hoch und stöpsle Kopfhörer im frühstmöglichen Moment ein. So laut, wie nur irgend möglich lasse ich Eminem laufen und versuche für einen Moment durch zu atmen, bevor ich iTunes öffne und checke, wann ich zuletzt ein Backup durch geführt habe.

Keine zwei Sekunden später möchte ich meinen Kopf am liebsten gegen die Wand hauen. Wenn ich mein Handy nach dem Reisbad nicht wieder zum Laufen kriege, muss ich mein altes Gerät auf den Stand von vor sieben Monaten bringen und mit diesem nutzlosen Ding weiter leben.

"Fuck", zische ich leise. Jetzt heißt es einen kühlen Kopf zu bewahren und genau deswegen öffne ich die Twitterseite und suche im Direktchat nach Louis. Er ist der einzige, mit dem ich über mein geplantes Album gesprochen habe, also bitte ich ihn, nach einer kurzen Erklärung meiner Dummheit, alles mögliche abzuspeichern und irgendwie zu screenshotten. Andernfalls habe ich ein wirklich fettes Problem.

Doch zu meinem Glück verspricht Louis mir diesen Gefallen zu tun.

Gerade, als ich die Seite wieder schließen will, nachdem ich mich überschwänglich bedankt habe, ploppt eine weitere Nachricht auf:

«So, und da mein Bade-Tipp so toll funktioniert hat, shculdest du mir was. Ich brauche nämlich deine Hilfe. Eigentlich hätte ich dort auftreten sollen aber du hast es ja gehört. Ich schaff' es nicht mal ordentlich zu reden, deshalb tue mir den Gefallen und singe hier drei, vier Songs. Die Adresse, ist wie folgt: »

Als Anhang schickte er mir ein Google-Maps-Bild. Die kleine rote Stecknadel zeigte auf ein Gebäude im Stadtteil SoHo und Himmel nochmal, kam mir dieser Gefallen gelegen. Eine kurze Auszeit würde mir sicher gut tun, ich freute mich regelrecht darauf.

Aber ich machte die Rechnung ohne mein Menschgewordenes Karma Cheryl.






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So Freunde, es geht los :3

Der Weihnachts-Lesetag ist offiziell eröffnet und ich möchte mich besonders bei Ghighi aka @homebodyathome bedanken, dass ich dieses ultracoole Premade benutzen durfte! Vielen, lieben Dank <33

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