Remember me

Ein rauer Wind peitscht ihr die salzige Gischt des Meeres ins Gesicht und lässt das Kleid spielerisch um ihre Beine züngeln. Ihr von Tränen benetztes Gesicht zeichnet ein klitzekleines, kaum erkennbares Lächeln. Das pechschwarze Haar wird wie das Kleid zum Spielball des Windes. So wie sie.

Alles an ihr sollte Schwäche und Kraftlosigkeit, ja Ergebenheit ausstrahlen, doch sie steht der Natur zum Trotz mitten drinnen, bietet ihr die Stirn und scheint kraftvoll, energiegeladen wie nie zuvor.

Sie will die Welt spüren, sich selbst. Den Schmerz. Die Stärke. Alles, was sich angesammelt hat. Deshalb kam sie zum Strand zurück. Zurück zu dem Ort, wo sie einst gemeinsam waren.

Eine weitere stumme Träne bahnt sich ihren Weg über ihre geröteten Wangen, doch kein Laut dringt über ihre Lippen und zu ihrem Erstaunen folgen keine weiteren. Einzig und alleine diese Träne zeigt den Schmerz über ihren Verlust. Und trotzdem wird ihr warm ums Herz, wenn sie daran zurück denkt, wie er ihr diesen magischen Ort zeigte. Immer, wenn sie an ihn denkt, er als Geist in ihren Erinnerungen herumspukt, zaubert er ihr ein Lächeln aufs Gesicht, wie nur er es konnte.

Ihre gemeinsame Zeit war Fluch und Segen zugleich.

Endlich kann sie ihren Gedanken, ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Endlich.

Schon auf dem Weg hierher driftete sie immer wieder in ihre Erinnerungen ab, erlebte jene Momente mit ihm erneut, spürte das Prickeln unter der Haut, wenn ihre Finger sich berührten, das Ziehen im Bauch, wenn er sie so ansah, das Kribbeln in der Brust, wenn er die küsste. Sein Geruch hängt ihr immer noch in der Nase, als würde er vor ihr stehen und niemand wird ihr dies je nehmen können.

Alles andere rückte in den Hintergrund, wenn sie mit ihm zusammen war. Doch nun war er fort. Er hatte sie oft genug davor gewarnt, oft genug gesagt, er würde ihr weh tun, oft genug vom Ende gesprochen. Aber nie war es Realität geworden. Wie viele Abschiedsküsse hatte er ihr gegeben, nur um dann doch nicht zu gehen? Der Schmerz war immer da, die Sorge immer zur Stelle, doch die Hoffnung und das Vertrauen auch.

Die Erinnerungen prasseln auf sie ein, sobald sie sie zulässt, der Schmerz verraucht für Minuten, sobald sie in ihnen schwelgt.

Vielleicht war sie dafür hergekommen, um die Gegenwart zu vergessen und in der Vergangenheit einzutauchen. Vielleicht.
Vielleicht, um seine Stimme, sein Lachen zu hören, seinen Atem auf ihrer Haut, seine Lippen auf ihren zu fühlen, seine Hand ihn ihrer zu wissen, seinen einzigartigen Geruch in ihrer Nase kitzeln zu lassen und endlich aufatmen zu können.

Immer noch hört sie klar und deutlich, wie er sagte: „Lass uns sie Stadt verlassen", als sie gemeinsam auf seinem Bett lagen. Er spielte mit ihren Haaren, während sie einfach nur die Nähe genoss. Kurz hob sie fragend den Kopf von seiner Brust, doch er zog sie nur sanft zurück und fuhr fort. „Aus der Stadt fahren, weg von den Menschen."

Das war der Tag, wo er sie das erste Mal warnte, und der Tag, als sie ihm ihre Antwort zum ersten und noch lange nicht zum letzten Mal gab.

Die Sonne stand hoch am Himmel, als sie den menschenleeren Strand erreichten und legte eine wohlige Wärme über die Bucht. Selbst jetzt, wo der Ozean allgegenwärtig ist, spürt sie die Sonne auf ihren nackten Armen, die laue Brise durch ihre offenen Haare wehen. Das Lächeln wird ein Stückchen breiter und wird mit jeder Sekunde, die sie in ihren gemeinsamen Momenten verbringt, breiter. Ihre Augen sind geschlossen und viele kleine Tropfen brechen das Licht des wolkenverhangenen Tages auf ihrer marmornen Haut.

So wie damals werfen ihre Wimpern Schatten auf die von Sommersprossen überzogenen Wangen und lassen sie feengleicher denn je wirken.

Voller Faszination tapste sie vor genau einem Jahr durch den feinen Sand und folgte ihm Barfuß hinunter zum Meer. Liebevoll hielt er ihre Hand und zeigte ihr den Ort, der ihm am meisten bedeutete.

Immer wieder drehte er sich um, lächelte ihr zu und versuchte zu verstecken, wie nervös er war, wie er es immer mit seinen Gefühlen tat, wenn er sich nicht sicher war, denkt sie traurig und würde ihn so gerne noch einmal sagen können, wie wertvoll er war. Viel zu selten hatte sie ihn dies gesagt und nicht mal jetzt, war sie sich sicher, ob er verstanden hatte, wie viel mehr dahinter steckte.

Als die ersten Wellen seine Füße umspielten, zog er sie zärtlich zu sich heran und legte vorsichtig einen Arm um sie, als sei sie nur seins. Das wollte sie sein.
Das zarte Mädchen lehnte sich gegen die große Gestalt des Jungen und sofort fühlte sie sich geborgen. Diese Vertrautheit gab nur er ihr und gegen nichts wollte sie diese eintauschen, auch wenn sie wusste, er würde einiges Tages nicht mehr bei ihr sein. Das Kribbeln in ihrem Bauch wurde stärker und ihr Herz pochte schneller wie immer, wenn sie mit ihm zusammen war.

„Wunderschön", hauchte sie angetan ihn die Stille, die nur vom andächtigen Rauschen der Wellen, dem Sirren der Grillen und dem Kreischen der Möwen unterbrochen wurde.

Als Antwort bekam sie einen Kuss auf den Scheitel und drehte sich mit geröteten Wangen um.

Mit seinen tief grünen Augen, in denen sie sich von Anfang an verlor und bei denen sie immer das Gefühl hatte, er würde ihr in die Seele schauen, entfachte er ein Feuerwerk und als er noch hinzufügte: „So wie du", konnte sie nicht länger leugnen, wie sehr sie in liebte. Obwohl sie wusste, was er war, wer er war, was er tat, obwohl sie wusste, dass es irgendwann zu Ende sein musste, konnte sie sich nicht dagegen wehren. Jetzt kann mir niemand mehr helfen, dachte sie damals und heute weiß sie, dass sie recht behalten sollte. Niemand, nicht einmal der Himmel, würde sie von ihm lösen, nichts würde sie vor dem Schmerz retten, wenn er eins nicht mehr da sein wird, gegangen war.

Denn dessen war sie sich damals schon bewusst. Irgendwann wird er gehen und einen Scherbenhaufen hinterlassen.
Und schon am Anfang, sah sie das Ende.

Immer wieder sagte er ihr dies und immer wieder antwortete sie ihm mit den selben Worten.

Seine Finger fanden ihren Weg von ihre geröteten Wangen, auf ihre roten Lippen und behutsam zeichnete er sie nach.

„Nea, ich liebe das hier", vage zeigte er um die beiden, doch löste keinen Moment den Blick von ihr, dann fuhr er langsam fort, „das mit dir. Es scheint perfekt. Es ist perfekt."

Eine dunkle Haarsträhne war ihm ins Gesicht gefallen und wie im Trance schob sie die wieder zu den anderen und ließ ihre Hand auf seinem Nacken ruhen.

Das Kribbeln in ihrem Bauch war nicht länger die klein züngelnden Flamme, es war ein Feuerwerk und jetzt noch spürte sie das verliebte Grinsen, das breiteste Grinsen, das sie je getragen hat, auf ihren Wangen.

Ihre Mundwinkel wandern ein Stückchen höher und langsam kann man die Grübchen erahnen, die sich früher viel öfter gezeigt und ihr Gesicht verzaubert hatten. Früher. Bevor er ging.

„Für den Moment. Ein Moment der Perfektion und ich würde alles dafür geben, ihn für die Ewigkeit einzufangen. Aber es werden immer nur Momente bleiben, Nea. Ich werde dir nie ein gemeinsames Leben geben können. So gerne ich auch würde. Ich kann dir nicht geben, was du verdienst. Von mir wird anderes verlangt. Mir steht nicht das Recht zu, den Rest meines Leben mit dir an meiner Seite zu verbringen. Irgendwann, früher oder später wird es richtig schmerzen, weil du mir etwas bedeutest. Ich dir weh tun. Und es tut mir jetzt schon so unendlich leid, dass ich keinen Moment klar denken kann, wenn ich mit dir zusammen bin."

Mit einem traurigen Lächeln auf dem kantigen Gesicht strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Seine Hand zitterte kaum merklich, doch dies war das einzige Zeichen seiner Verunsicherung und Sorge, das er zu ließ, aber selbst dies bemerkte sie. Sie kannte ihn zu gut. Viel zu gut, um ihn verstecken zu lassen, was wirklich in ihm vorging.

„Ich weiß."

Noch heute klingt ihr ihre Antwort von damals in den Ohren und der Schmerz über die Gewissheit, dass er recht hat, bohrt sich in ihr Herz, so tief, dass die davon getragenen Wunden, nie verschwinden werden.

„Mir war immer bewusst, dass es eines Tages soweit kommen wird, mir war bewusst, dass unser Wir nur vergänglich sein wird. Das heißt nicht, dass es nichts weniger schmerzen wird, das heißt nicht, dass ich deshalb anders handeln würde. Ich bin nur froh, dass du es mir gesagt hast. So können wir die Zeit genießen. Ohne der Vergangenheit hinterher zu trauern, ohne der Zukunft entgegen zu fiebern. Aber kannst du mir eins versprechen, Savio?", fragte sie mit müder Stimme und schaute weit hinaus auf den Horizont, an dem gerade die Sonne unterging und den Himmel in zu einem farbenfrohen Kunstwerk machte.

„Kommt darauf an, was es ist."

Seine Hand fand den Weg auf ihre Hüfte und zog sie ein Stückchen enger zu sich.

Das Licht der untergehenden Sonne tauchte die beiden und alles um sie herum in ein mystisches Leuchten.

Der von den Wellen nasse Sand funkelte mit seinen Augen um die Wette, als sie weitersprach.

„Versprich mir, dass du dich an mich erinnern wirst. Das ist meine einzige Bedingung. Sag mir, dass du dich an mich erinnern wirst. Hier im Kleid, am Strand, auf den Sonnenuntergang blickend, Babe. Mit roten Lippen und rosigen Wangen. Sag mir, dass du mich wieder sehen wirst. Auch, wenn es vorbei ist. Und wenn es nur deine wildesten Träume sind. Sag mir, dass du mich wieder sehen wirst. Mich nicht vergessen wirst. Uns nicht vergessen wirst und ich immer in deinen Träumen bei dir bleibe."

„Ich werde dich nicht vergessen. In dem Kleid, auf den Sonnenuntergang starrend, mit roten Lippen und rosigen Wagen werde ich dich wieder sehen. Und sei es nur in meinen wildesten Träumen. Dort ganz sicher. Versprochen!", wiederholt er so leise, dass die kräftiger werdenden Wellen seine Worte beinahe verschluckt hätten, wenn sie nicht so nah beieinander gestanden hätten.

Die Erinnerung endet mit einem Kuss, der keinem davor glich. Voll von Schmerz, voll von Ungerechtigkeit, voll von Sehsucht, voll von Versprechen und voll von Träumen. Voller Liebe, die nie für die Ewigkeit bestimmt war.

Ihr Kleid, ihre Haare, ihre Haut, alles an ihr ist von Regen, Gischt und Tränen durchnässt, als sie sich mit weiterhin geschlossenen Augen in den nassen Sand gleiten lässt und zusammenkrümmt.

Die Brise ist nun stärker und zerrt an ihren Haaren, spielt mit den feinen Sandkörnern, die wie tausend Nadeln auf ihrer Haut schmerzen, doch sie bemerkt dies gar nicht. Es ist nichts gegen den Schmerz in ihrem Inneren, den er hinterlassen hat.

Kurz vor dem Ende lag seine Kleidung in ihrem Raum. Mit seinen Hände spielten er gedankengesunken in ihrem Haar, als sie die wohlige Stille unterbrach.

„Weißt du, niemand muss wissen, was wir tun."

„Sie würden es heraus finden", murmelte er halbherzig und aus seiner vertrauten Stimme hörte sie den Schmerz darüber heraus, weshalb sie sich aufrichtete, um ihm ins Gesicht schauen zu können.

Es war von Trauer gezeichnet, die Gewissheit verdang all seine anderen Gedanken und in dem Moment, indem sie ihm in die grünen Augen schaute, wusste auch sie, dass das Ende nah war.

Schweigend beugte sie sich zu ihm hinter und küsste ihn. Ein letztes Mal.

Und es war ihr letzter Kuss.

Stumm lagen sie danach lange Zeit ganz eng beieinander, hielten sich fest und als er aufstand, seine Kleidung einsammelte, ihre Hand alleine auf der blauen Decke zurück ließ, hielt sie ihn nicht zurück, hindert ihn nicht daran, auf die Tür zuzugehen.

Hätte sie es tun sollen, wie so oft zuvor? Hätte es etwas gebracht? Wäre er dann noch bei ihr?

Stattdessen flüsterte sie mit Tränen in den wimpernumrahmten Augen: „Du hast es versprochen".

„Versprochen."

Die Kleidung ließ er fallen und ging zu ihr zurück, doch sie wusste, dass es vorbei war. Und er wusste es auch.

Der Mond erhellte die Nacht und warf gespenstischen Schatten über den Boden. Warme Sommernachtsluft wurde ihm mit einigen Regentropfen in den Weg gepustet.

Vorsichtig, als sei sie eine feine Porzellanpuppe, setzte er sich neben sie und ganz sanft küsste er ihr die Tränen von den Wangen. Ganz stumm ließ sie ihn ein letztes Mal ihre samtige Haut liebkosen. Ihre Finger klammerten sich in seinem schwarzen T-Shirt fest und als sie sich zurück fallen ließ, zog sie ihn mit sich.

Langsam kam sein Gesicht ihrem ganz nah, zärtlich strich er ihr einige verirrte Strähnen aus der Stirn, musterte sie, sog des Detail auf, als würde er es speichern und irgendwo tief in sich einschließen. Als sein Blick an ihren roten Lippen ankam, zuckten seine Mundwinkel und ein letztes Mal, sah sie das so geliebte Grinsen.

Irgendwo kreischte eine Eule.

Sein betörender, einzigartiger Geruch von damals steigt ihr in die Nase und weiterhin hält sie die Augen fest verschlossen.

Nur wenige Zentimeter trennten ihre Lippen noch voneinander. Sein Atem kitzelte auf ihre Haut. Die Tränen rannen über ihre Wangen auf die weiche Decke und seine Hände, sodass sie ihre Augen gequält zusammenkniff und ihren letzten gemeinsamen Augenblick tief in ihr Herz einschloss.

Kaum merklich hatte er sich vorgebeugt, seine Lippen auf ihre Stirn gelegt, seine Nase in ihrem Haar vergraben und innegehalten. Immer noch klammerte sie sich an ihm und der gemeinsamen Zeit fest, unfähig einen Schlussstrich zu ziehen, doch als er sich löste und in den zugleich zu großen und weiten, zu engen und bedrückenden Raum rau wisperte: „Wir werden uns wieder sehen", fiel alle Kraft, jeder Widerstand schlagartig von ihr ab. Einen letzten Kuss hauchte er ihr auf die Stirn, dann zog er sich zurück.

Seine allgegenwärtige Wärme verschwand und ließ eisige Leere zurück.

Regungslos lag sie da, wo er sie zurück gelassen hatte, und starrte die weiße Decke an.

Seine schweren Schritte verrieten ihr, dass er bei der Tür angelangt war, das plötzliche Rascheln von Stoff, dass er seine Kleidung aufgehoben hatte, das unheilverkündend Klicken der Tür, dass er gleich endgültig aus ihrem Leben verschwunden sein würde.

Heute noch fühlt sie in der schmerzende Gewissheit, wie etwas in ihr zerbricht. Vielleicht die Hoffnung. Die Hoffnung, dass es doch irgendwie gehen könnte, dass ihnen vielleicht doch mehr vergönnt war, ist. Diese Hoffnung ist zerbrochen, gemeinsam mit ihrem Herzen. Und trotzdem lebt beides wieder tief in ihr. So tief, dass sie es manchmal selbst nicht mehr spürt.

Ein letztes Mal richtete er seine tiefe Stimme an sie und nur an diesen Worten klammert sie sich heute noch fest, wenn ihre Liebe sie einzunebel droht, der Schmerz sie übermannt.

„Träume. Träume, Nea. Wir werden uns wieder sehen. Dort. Dort, in unseren Träumen. Wir werden wilde Träume haben. Und uns wieder sehen."

Die Tränen rannen ihr über die bleiche Haut, als sie nickte. Sie brachte es nicht über sich, ihm eine letztes Mal in die Augen zu schauen.

„Du wirst mein wildester Traum sein, Nea. Ich liebe dich."

Die Worte hingen zwischen ihnen in der Luft und nur ihr unregelmäßiger Atem war zu hören.

Ein leises Klicken zeigte ihr, dass er endgültig gegangen war. Gegangen war und sie zurück gelassen hatte.

Der rote Stoff des Kleides, das sie auch damals trug, klebt schwer an ihrer Haut, wärmt sie schon lange nicht mehr. Der eisige Wind zerrt an ihm und schlägt ihr immer wieder die tropfnassen Haaren ins Gesicht.

Die Natur spielt ihr Spiel mit ihr.

Die Wellen schlagen grob und kraftvoll aufs Land. Ein Blitz durchzuckt energiegeladen die Wolkendecke und der darauf folgenden Donner hallt lautstark über die gesamte Eben, das raue Meer, den Strand, die angrenzenden Klippen, die Dünen.

Und trotz der rohen Kraft der Natur, der Möglichkeit sie innerhalb eines Sekundenbruchteils zu erlischen, trägt ihr filigranes Gesicht einen glückseliges Ausdruck. Ihre rosigen Wangen zeigen feine Grübchen, um ihre geschlossenen Augen haben sich kaum merkliche Fältchen gebildet und ihre roten Lippen sind zu einem Lächeln verzogen.

Ein Kribbeln durchfährt ihren gesamten Körper, als sie an ihn denkt. Ihr Herz schlägt schneller, ihr Atem wird unregelmäßig und der Gedanke an ihn wärmt sie in der eisigen Kälte der herein brechenden Nacht.

In ihre gemeinsamen Momente vertieft, blendet sie die Gegenwart aus und bemerkt gar nicht, wie eine große Gestalt sich über den durchnässten Sand zur Küste und auf dem Weg zu ihr gegen den Wind stellt, der übers Land fegt.

Die vertraute Stimme, die der Sturm übertönt, nimmt sie kaum war und erst als die Gestalt zögernd ihre, in den Sand verkrampfte Hand, nimmt, sanft Finger für Finger öffnet, den Sand hinaus fallen lässt und seine in ihre legt, blinzelt sie durch die dunklen, verklebten Wimpern.

Von seinen dunklen Haaren rinnt der erbarmungslose Regen hinunter.

Als sie ihm fragend in die grünen Augen blickt, schluckt er schwer und gesteht: „Du hattest recht. Die Erinnerungen sind mir überallhin gefolgt".

Jede Stärke ist aus seinem Körper gewichen, als er ihre Hand sanft drückt und sich dem ergeben Horizont zuwendet.

Einen kurzen Moment mustert sie sein definiertes Profil, dann tut sie es ihm gleich und starrt hinaus auf den Ozean. So wie sie es schon einmal gemeinsam taten.

Der Wind heult über den Strand. Der Regen prasselt auf sie hinab. Das Gewitter tobt weit über ihnen und die See peitscht die Wassermassen umher.

Langsam senkt sich die Dunkelheit über sie hinab.

Und irgendwann klärte der Himmel auf. Der der Mond zeigte sich und hoch am Himmelszelt funkelten die Sterne zu ihnen hinab. Sie tanzten durch die Weiten der Galaxien, die Weiten der Unendlichkeit.

Und niemand scherte sich drum mit wem.

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