Remember

Das Herz hämmerte dem blondhaarigen Shinobi gegen die Brust. „D- du gehst wirklich mit mir ... dorthin?" Ungläubig rieb er sich die Augen, und das, obwohl es doch seine Ohren waren, denen er nicht trauen konnte. „H-heute Abend?"

Sie nickte steif. Mit gesenktem Blick zweckentfremdete sie ihre Haarpracht zu einem flammenden Vorhang, der jegliche Gesichtsregung ihrerseits verbarg. Geschwind fuhr sie auf dem Absatz um und lief davon.

Der Junge, völlig gefesselt von dem abgehetzten Takt ihrer schwingenden Feuermähne, als hätte er einen Holzscheit in die Glut geworfen, litt urplötzlich unter Sauerstoffmangel. Und erst nachdem der wallende Schopf hinter dem Gebäude der Ninja-Akademie verschwunden war, löste sich sein innerer Knoten. Schnappatmig kam er wieder zur Besinnung.

Das war der Wahnsinn, schoss es ihm durch den Kopf. Freudestrahlend stieß er seine Faust in die Höhe. Er hatte SIE gefragt, und SIE hatte JA gesagt.

Der Mond war voll, als Minato Namikaze auf einer hohen Steinkante, die Weg von Rasen trennte, wie ein ungeduldiges Kind von rechts nach links wippte. Unmittelbar über ihm flossen die Äste eines blühenden Kirschbaums in die Weiten der Dunkelheit.

Er schmiss den Kopf in den Nacken, vollbrachte einen tiefen Atemzug und lächelte. Viele Menschen waren schon an ihm vorbei gezogen. Dass sie spät dran war, störte ihn keineswegs.

Augenblicklich loderte ein Feuer neben ihm auf. Er neigte den Kopf zu jener Seite - da stand SIE. Endlich. Nur wenige Meter von ihm entfernt. Er musste blinzelte, als blendete ihre Erscheinung, wie das Licht der aufgehende Sonne. Ähnlich wie heute Vormittag hielt sie das Gesicht gesenkt, und nur flüchtig streiften ihre blauen Augen seinen Blick.

„H-hallo", stotterte er und kratzte sich verlegen an der Nase. „Geht's...äh, geht's dir nicht gut?"

Überhastet schüttelte sich der rote Schopf den Kopf. „Alles... bestens", murmelte sie, ohne zu Minato aufzusehen.

In der kühlen Luft des frischen Abends waren Gerüche von gegrilltem Fleisch und Gemüse, gebrannten Mandeln und sprühenden Wunderkerzen verwoben. Das Frühlingsfest war eine der Attraktionen eines jeden Jahres.

SIE, Kushina, ging neben ihm. Kushina Uzumaki! Das junge Mädchen trug einen leuchtenden, moosgrünen Kimono, der einem sofort ins Auge stach. Im Licht der zahlreichen Lampions lud der seidige Glanz dazu ein, diesen berühren zu wollen. Die lange Haarpracht fiel ihr, wie üblich, spielerisch über die Schultern. Nur den oberen Haarkranz hatte sie locker mit einer goldenen Haarnadel zurückgesteckt.

Erwischte er sich dabei, seine Begleitung beim Spazieren mit bestaunenden Blicken zu durchbohren, kratzte sich Minato entweder am Kinn oder fuhr sich eilig durchs Haar. Es dauerte nicht lang, da fiel ihm auf, wie bescheuert sein Verhalten wirkte. Er könnte ihr zu verstehen geben, auch, wenn er nicht ganz sicher war, ob sie seine Nervosität überhaupt wahrnahm, er wäre ein Perversling und hätte obendrein noch einen abscheulichen Ausschlag oder gar Läuse, kratzte er sich weiterhin so besessen. Kurzerhand ließ er sich also zurückfallen und schob die Hände in die Taschen seines Yukatas und studierte ausgiebig die Umgebung.

Kushina war ihm somit kurzzeitig einen Schritt voraus und Minato erblickte einen Freund in der entfernten Menge, als Kushina leider Gottes plötzlich stehen blieb.

Minato rannte sie fast um. Etwas verdammt Hartes stieß gegen sein Kinn – Kushinas Kopf. Der Schmerz wurde augenblicklich von dem Duft einer Nelke übertönt. Das Herz schlug ihm schneller.

Das Mädchen quiekte, taumelte drei Schritte zurück und rieb sich wütend den Schädel. „Pass doch auf", zischte sie, während ihre Haarspitzen sich wie kleine Nattern in der Luft wanden, als hätten sie ein Eigenleben.

Hilflos hob Minato die Hände. Sein Kinn pochte, holla die Waldfee, denn ihr Schädel war hart wie Stein gewesen. Kushinas Anblick war furchteinflößend und belustigend zugleich. Das war Kushina, wie sie leibt und lebt, und ihn begeisterte. Temperamentvoll, lebendig und frech. Möglich, dass es ihm aus diesem Grund schwer fiel seine Mundwinkel in Zaum zu halten. Er grinste breit.

Wütend starrte sie ihn jetzt an. Ihr Blick wurde düsterer und düsterer, und einige Sekunden verstrichen, bis Minato das Grinsen dann doch verging. „D-das war keine Absicht, Kushina", stolperte es aus ihm heraus. „Tut mir leid."

„So?", erwiderte sie eingeschnappt, verschränkte die Arme vor der Brust und wandte sich mit spitzen Lippen von ihm ab. „Dann pass halt besser auf. Ich habe Hunger, echt jetzt."

Minato warf fieberhaft den Kopf nach links, dann nach rechts. „D-Dangos?" Er deutete auf den Dango-Stand.

Gleichgültig zuckte Kushina mit den Schultern. Noch immer schmollte sie.

Mit Schweißperlen auf der Stirn führte er seine Begleitung zum Dango-Stand.
Der Anblick der Süßspeise schien zumindest Anlass genug zu sein, ihre Haarspitzen zu besänftigen. Minato atmete etwas auf.

„Dangos für euch, Junge?", fragte die Verkäuferin.

Minato nickte. Den Spieß, den er in die rechte Hand gedrückt bekam, reichte er Kushina, denn die linke, so hatte ihm einst sein Meister gepredigt, galt in älterer Zeit als unsauber.

Wortlos nahm sie den Spieß entgegen. Ihr dabei nach oben zuckender Mundwinkel entging seinen scharfen Augen mitnichten. Und als er darüber hinaus das Vorhaben ihrer zur Tasche wandernden Hand kurz entschlossen im Keim erstickte, vollbrachte er innerlich einen Freudensprung: „Du brauchst nicht zu bezahlen, ich lade dich ein."

Kushinas Wangen leuchteten jetzt zart und der Durchmesser ihrer Augen nahm zu. Dann aber, völlig unverhofft, wurden sie sehr schmal, wie die eines skeptischen Fuchses.

Überaus irritiert von dem wechselhaften Verhalten seiner Verabredung, zückte Minato eilig seine Geldbörse und und legte das nötige Kleingeld auf den Tresen. Vielleicht täuschte er sich, jedoch fühlte es sich so an, als brannten ihm Kushinas blaue Augen ein Loch in den Hinterkopf, nur, um zu sehen, was darin vorging. Seines Wissens nach konnte sie aber weder Feuer spucken, noch besaß sie die Fähigkeit einen Laserstrahl, allein mit der Kraft ihrer Augen, zu erschaffen. Dennoch fühlten sich seine Beine wie Wackelpudding an. Mit stocksteifer Geste deutete er schließlich an weiterzuschreiten. Hoffentlich bemerkte sie nichts.

„Ich möchte einen Frosch angeln." Endlich war es Kushina, die diese unangenehme Stille nach mehreren Minuten brach und Minato aus seinem quälenden Universum der erschöpflichen Ideen eines Themenwechsels riss. Sie deutete mit dem Finger auf einen Stand und lief voraus.

Ein grauhaariger Mann reichte dem Mädchen eine für das Spiel geeignete Angel. Minato sputete sich, doch diesmal waren es ihre Finger, die den Geldbeutel schneller zogen. Über diese Unachtsamkeit ärgerte sich der Junge Shinobi. Mit verschränkten Armen setzte er sich an den Rand des Blau ausgemalten Beckens, in dem zig Papierfrösche lauerten und darauf warteten geangelt zu werden.

Eine ganze Weile beobachtete er Kushina. Immer wieder warf sie die Angel aus. NeFben der Tatsache, dass sie ihm nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit schenkte, war die Einsicht weitaus verletzender, dass die schlecht gefalteten Papierfrösche augenscheinlich dazu fähig waren, ihr mehr Freunde zu bereiteten, als er es konnte.

Sie zog fünf Frösche heraus. Aber dann vergeigte sie einen Versuch nach dem anderen, und bei jeder folgenden Niederlage errötete ihr Gesicht zunehmend. Unter dem fiesen Knirschen ihrer Zähne blickte Minato auf das Schild des Standes: Ab 10 Fröschen ein Preis.

„Die Zeit ist um, junge Frau."

„Mist", zischte sie und warf Minato einen kurzen Blick zu. Der junge Shinobi stand auf, aber Kushina bezahlte sofort für eine weitere Runde. Abermals fielen die Frösche der Reihe nach zurück.

Minato biss die Zähne aufeinander. Sie schien offensichtlich etwas ungeschickt in diesem Spiel zu sein. „Soll ich es ... versuchen?", schlug er vor und lächelte vorsichtig.

Kushinas Augen wurden wieder eng. „Nein", schnaubte sie. „Ich brauche kein Mitleid." Achtlos schmiss sie die Angel hin und ging weiter.

Minato blinzelte. Mitleid?

Kushina steuerte einen Getränkestand an und Minato legte einen Zahn zu. Bisher lief es denkbar schlecht für ihn, er musste sich unbedingt mehr ins Zeug legen.

„Ich bezahle", prustete er und knallte seine Geldbörse so kraftvoll auf Tisch, dass dieser gefährlich knarzte. „Ich nehme dasselbe."

„Äh... Prost", sagte Minato und betrachtete die rosa prickelnde Flüssigkeit mit einem Hauch von Misstrauen. Was hatte er da nur bestellt?

Ohne mit der Wimper zu zucken, schüttete er die pinke Brause in einem Zug den Hals hinunter. Kurzzeitig wurde ihm speiübel und er meinte, Kushina leise glucksen zu hören, als er davon aufstieß. Zumindest war er sich bei einer Sache sicher: Niemals zuvor konnte sein Zuckerspiegel derart plötzlich in die Höhe geschossen sein.

Noch benommen von der erheblichen Überschreitung seines täglichen Zuckerbedarfs steuerte er hilfesuchend einen Schrein an. Kushina folgte ihm. Ihr Gesichtsausdruck schien sich ein wenig zu entspannen.
Glückslose, dachte er erleichtert, seine Rettung. Minato kaufte zwei und gab jenes weiter, welches er in der rechten Hand hielt.

Kushina wirkte ebenso hoffnungsvoll, als sie das kleine Bändchen um das zusammengerollte Papier löste und ihre Augen über den Text flogen. Minato wartete, denn es interessierte ihn brennend, welche Botschaft auf ihrem Zettel geschrieben stand. Aber komme, was wolle - Jashin wollte heute wahrhaftig nicht mit ihm sein. Prompt ließ Kushina die Schultern hängen. Das Papier entglitt ihren Fingern und fiel lautlos zu Boden.

Der heutige Abend schien sich als eine Art Zerreißprobe für Minatos Herz zu erweisen, denn wie so häufig heute schon erlebt, rutschte es ein weiteres Mal von Ort und Stelle. „W- was ist?", fragte er.
Anstatt ihm eine Antwort zu liefern, schlenderte Kushina im Schneckentempo auf die Menschenmenge zu, um darin zu verschwinden.

Umgehend hob Minato den Papierschnipsel vom Boden und las:

Das Glück, welches du suchst, steckt in einem anderen Los!

Er sah empört auf. Was zum?! Fast wäre selbst ihm der Schnipsel aus der Hand geglitten. Eilig schob er beide Lose in die Tasche und folgte Kushina.

Im ersten Moment schien es schier unmöglich, sie in der Menge ausfindig zu machen, aber kurz darauf tauchte ihr rotes Haar vor seinem Auge auf.

Wütend und ausschliesslich gelenkt von ihrem Temperament stampfte sie durch die Menge, ohne Rücksicht auf Verluste. Die Leute waren wortwörtlich gezwungen, ihr aus dem Weg zu springen.

„Kushina, warte", rief er ihr nach, aber entweder ignorierte sie seinen Ruf oder seine Stimme drang nicht zu ihr durch. Während er ihr hinterher hastete, und dabei fast über ihre Opfer stolperte, ging ihm nur das Eine durch den Kopf: Alles war seine Schuld. Er hatte ihr das falsche Los gereicht und sie mit seiner Unaufmerksamkeit gekränkt. Er hätte Frösche angeln sollen und fragen müssen, ob sie durstig sei.

Endlich hielt Kushina an. Minato zwang sich durch den letztem Menschenstrom, als er sie endlich an einer ruhigen Ecke einholte.

„Ich ähh... ich... ", brabbelte er unbedarft los. „Ich ... meine ... also ... Dein Haar ..."

„Was ist damit?", fragte Kushina scharf und blinzelte eine Träne fort. Sie stemmte die Hände in die Hüfte und baute sich vor ihm auf. „Du musst mir nicht noch unter die Nase reiben, dass alle ein Problem mit meiner Haarfarbe haben."

„Ein ... was ...? Nein, das wollte ich nicht sagen ..." Minato schüttelte hilflos den Kopf. Kushinas Vorwürfe und ihre Tränen brachten ihn endgültig aus dem Konzept. „Es ist ... nun ...b-... be- .. äh..., sonderbar."

„Sonderbar?", wiederholte Kushina heiser und schluckte die neu aufkommenden Tränen hinunter. „Wieso nennst du mich nicht gleich Chili oder Tomatenkopf? Hast wohl ne Wette verloren, was?"

Minato erstarrte zur Salzsäule. Wahrhaftig war heute nicht sein Tag. Was hatte er da nur gesagt? Unfähig zu Gehen, wie ein Fisch zu Lande, sah er hilflos zu, wie sein Schwarm erneut wutentbrannt in der Menge verschwand. Erst, als seine Lähmung wich, konnte er folgen.

Glücklicherweise traf er sie nur wenige Augenblicke später an einem weiteren Spielstand an. Aus der Ferne beobachtete er, wie sie mit hochrotem Kopf und tänzelnden Haarspitzen ein Kunai auf die Zielscheiben schleuderte. Sie traf außerordentlich gut und Minato presste die Lippen aufeinander, denn er mochte sich nicht ausmalen, wen oder was sie sich als Ziel vorstellte.

„Ich will das machen", hörte er Kushina am Stand nebenan raunen. Sie deutete auf die Dosen, die mit einem Kunai umzuwerfen waren.

„Du hast drei Würfe", hörte Minato den schlaksigen Besitzer des Standes erklären. „Die Dosen müssen mit dem Kunai abgeräumt werden."

Sie nickte.

Minatos Anwesenheit ignorierte sie gekonnt, als dieser an sie herantrat. Dann warf sie das erste Kunai. Zielsicher traf sie den pyramidal aufgebauten Dosenturm auf der rechten Seite, sodass viele Dosen fielen. Anschließend visierte sie die andere Seite an, und auch diese Dosen polterten vom Tisch. Dieser Triumph entlockte ihr ein euphorisches Schnaufen. Systematisch arbeitete sie sich bis zum Ziel, um in den drei Würfen alles abzuräumen.

Aber als das Mädchen auf die letzten Dosen zielte, blieb eine davon felsenfest an ihrem Platz stehen.

„Verloren", trällerte der Besitzer theatralisch.

„A-aber w-wie kann das sein?" Kushina stand da und schien die Welt nicht mehr zu verstehen. Ebenso Minato. Er hatte doch mit eigenen Augen gesehen, dass die Dosen einwandfrei getroffen wurde. Das Kunai ist schlichtweg abgeprallt, als...als wären die Dose festgeklebt. Minatos Gesicht verfinsterte sich. Er musste ein Betrüger sein.

Entrüstet schlug Kushina mit den Handflächen auf den Holztresen. „Sie betrügen doch", rief sie. „Die Dosen sind festgeklebt."

Minato trat jetzt unterstützend an ihre Seite. „Geben Sie es zu. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen."

„Nicht doch, nicht doch", erwiderte der Schlaksige und hob die Dosen vom Tisch an. „Siehst du, kein Kleber. Schlecht gezielt."

Minato stutzte laut und Kushinas Haarspitzen kringelten sich vor Wut. Die Dosen klebten tatsächlich nicht am Tisch.

„Mir völlig egal, welchen faulen Trick Sie anwenden", protestierte sie laut. „Ich habe gewonnen. Sie sind ein mieser Betrüger, echt jetzt."

Tief atmete Minato ein. Gleichwohl er diese aufbrausende Seite an Kushina mochte, verabscheute er es, wenn es jemand wagte, sie so zur Weißglut zu bringen. Wild entschlossen, seinen Schwarm zu verteidigen, knallte er demonstrativ Geld auf den Tisch. „Ich bin dran", teilte er mit einer Kälte mit, welche die Luft zum Gefrieren brachte. „Es macht mich wütend, wenn eine hübsche Dame so ungehobelt behandelt wird."

„Hübsche Dame?" Kushina blinzelte Minato irritiert an. Dann flog sofort ihre Faust in die Luft. „Ich werde dem Kerl die Hölle hei-." Minato sah sie so eindringlich an, was sie offensichtlich aus ihrer Aufwallung riss. Es waren nur wenige Sekunden, in denen er ihr gedanklich zu vermitteln versuchte, ihm zu vertrauen. Zugegeben, es überraschte ihn selbst, als sie protestlos darauf einging. Sie trat beiseite und starrte nun den Mann durchgehend wütend an. Dass dieser nicht in Flammen aufging war wirklich wunderlich.

Minato grinste, denn kaum einer konnte besser mit einem Kunai umgehen als er. Ohne lang herumzudrucksen, ließ er das Wurfmesser fliegen. Er rechnete nicht damit, alle Dosen beim ersten Versuch abzuräumen, schließlich spielte er unter trügerischen Bedingungen. Nach nur einem Wurf blieben die übliche Dosen über. Im zweiten Wurf bündelte er mehr Kraft. Die Dosen schwankten leicht, kippten aber wieder nicht.

„Unverschämtheit", protestierte Kushina neben ihm lauthals.

„Einen Versuch noch", sang der Mann gut gelaunt.

Minato hielt inne und blickte dem Betrüger tief in die Augen. Nach einem tiefen Seufzer verschwand seine Hand unauffällig in seiner Hosentasche. „Du heiliger Jashin", rief er wie aus dem Nichts. „Was ist das dort am Himmel? Fliegende Schweine?" Er deutete mit der anderen Hand Richtung Himmel.

„Fliegende... was?" Kushina folgte dem Ausruf. Ebenso der Budenbesitzer.

In diesem günstigen Moment drückte er dem rothaarigen Mädchen eines seiner Kunais in sie Hand und warf ein weiteres davon auf die Dosen. Im selben Augenblick wehte die rote Haarpracht seiner Liebsten unter einem Windschwall auf und Minato befand sich nicht mehr neben ihr. Laut scheppernd fielen die letzte Dosen zu Boden, und noch im selben Atemzug stand er wieder an Kushinas Seite.

„W-was?", stotterte sie verwirrt, betrachtete ihre Hand und dann Minato.

Dieser grinste nur breit und zwinkerte.

Dem schlaksigen Mann entglitt das Gesicht, als er erkannte, dass die Dose umgefallen war. „W-wie hast d-du", stotterte er völlig fassungslos. „Das geht doch nicht. Du hast betrogen."

„Ich habe alle Dosen mit einem Kunai abgeräumt", erklärte Minato nüchtern und zuckte mit den Achseln. „Der Dame steht ein Preis zu."

„Wie genau hast du das gemacht?", fragte Kushina entzückt und drückte das überdimensionale Plüsch-Naruto, fest an sich, welches sie hatte als Hauptpreis aussuchen dürfen. Minato steuerte unterdessen eine Bank an, die etwas abseits des Festplatzes stand.

„Ich entwickle ein spezielles Teleport-Jutsu", erwiderte er und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Ich kann es bisher nur auf kurze Distanzen anwenden, aber ich arbeitete mit Nachdruck daran."

„Das ist ja wirklich irre, Minato." Kushinas Augen leuchteten.

Während sie ein Weilchen unter dem Mond auf der Bank verweilten, beobachtete der junge Shinobi, wie Kushina den Zeigefinger immer wieder vergnügt in das Plüsch-Naruto drückte. Dann fiel ihm siedend heiß ein, dass sich etwas Wichtiges in seiner Tasche befand.

„Ich schenke dir mein Glückslos", verkündete er und reichte es ihr.

„Du hast es nicht geöffnet?" Sie sah ihn irritiert an.

„Nein. Nimm es."

„Nein, das ist nett, aber es ist deines. Das ist in Ordnung. Echt jetzt," meinte Kushina und lächelte schief. „Du musst es aufmachen."

Minato seufzte und zog am Faden, um es zu öffnen. Er las für sich, woraufhin er die Hand auf den Oberschenkel absinken ließ. Ausgiebig räusperte er sich, ehe er sprach. „Ähm ... dein Haar, also... ich mag es wirklich sehr, Kushina. Das war ernst gemeint. Ich wusste nicht wie... also ... ich ... habe mich ungeschickt ausgedrückt. Es tut mir leid."

Kushinas Augen schimmerten im Mondlicht. Geduldig erwiderte sie seinen Blick.

„Die anderen sind doch nur neidisch, weil sie alle gleich und langweilig aussehen", fügte er hinzu.

Ihre Wangen begannen zu glühen. „Danke ...", flüsterte sie und drückte das Kinn in ihr Plüsch-Naruto. „Du hast meines gelesen, oder?" Sie lachte müde und deutete auf das Los.

Er nickte und rümpfte die Nase, um seine Anteilnahme auszudrücken.

„Was steht in deinem?" Neugierig lehnte sie sich ein Stück zu Minato hinüber. Beinahe berührten sich ihre Köpfe.

Der Puls des Shinobis schoss augenblicklich in die Höhe, als ihm zum wiederholten Male der Geruch von Nelken in die Nase stieg. Er schloss die Augen und atmete tief ein.

Kushina schnaufte ungeduldig, was Minato ein warmes Lächeln entlockte. Als er den Zettel in ihre Handfläche legte, hielt sie kurz inne. Minato nickte zuversichtlich.

Langsam entrollte sie das Papier und die blauen Augen flogen mehrfach über die Worte, die dort geschrieben standen. Just in diesem Moment fiel Minato auf, dass sie so dicht beieinandersaßen, dass er Kushinas Wärme und Anwesenheit so intensiv vernahm, wie niemals zuvor. Dass es ihr ähnlich ginge, wünschte er sich in diesem Moment mehr als alles andere.

Minato Namikaze nahm seinen gesamten Mut zusammen und wandte den Blick nicht von Kushina Uzumaki ab, als sie ihn jetzt ansah.

Die Verblüffung über den Inhalt des Loses stand ihr förmlich in ihr makelloses Gesicht geschrieben und sie schluckte, als sie Minatos entschlossenen Blick vernahm. Ihre Wangen glühten mehr denn je, und während ihre Lippen ein einzigartiges Lächeln formten verlor sich Minato auf ewig darin.

Ende

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