🌸|premiere
Premiere, die
(Film, Theater, Fernsehen)
Ur- oder Erstaufführung eines Bühnenstücks (auch einer Neuinszenierung), eines Films oder einer Komposition
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Die leise Xyolofonmusik meines Handys erfüllte den Raum. Durch mein Handydisplay starrte mich mein Spiegelbild an; zerzauste Haare und zu großer Pullover.
‚Warten auf Antwort', stand in kleinen, weißen Druckbuchstaben direkt darüber.
Ich hatte es gerade geschafft unseren Film fertig zu konvertieren und ihn erfolgreich in die richtigen Ordner mit dem richtigen Titel gelegt.
Die Uhrzeit an meinem Laptop zeigte knapp 22:00 Uhr an.
Nach einer weiteren Minute wechselte die Anzeige auf meinem Handybildschirm und das Wort ‚verbinden' stand in ebenso kleinen Lettern in der Mitte des Displays.
Unterbewusst richtete ich mich auf, fuhr mir mit einer Hand erneut durch die Haare und lächelte vorsichtig in die Kamera.
Das erste was ich hörte war laute Musik. Es klang nach Pop-Charts.
Dann sah ich Chanyeols Gesicht, ganz nah an seiner Kamera, bis er diese weiter weg streckte. Ein ehrliches Grinsen.
„Hi Baekhyun."
Ich erwiderte das Grinsen: „Hi."
Kurz blickte Chanyeol außerhalb des Bildrahmens, murmelte etwas und blickte danach wieder in die Kamera.
Ich stutzte.
„Stör' ich gerade?"
Schnell schüttelte er den Kopf, nickte erneut zur Seite und begann zu laufen.
„Nein, nein, alles gut, bin nur auf Arbeit, aber ich nehme mir einfach eine kurze Pause."
‚Auf der Arbeit' klang für mich nicht wirklich nach ‚alles gut', aber Chanyeol schien so überzeugt davon zu sein, dass ich es für den Moment einfach gut sein ließ.
Die Musik wurde leiser als Chanyeol eine Tür öffnete und in einem Raum verschwand, der mit einigen Regalen gefüllt war.
Wahrscheinlich ein Lagerraum.
„Also, was gibt's?"
Ich grinste müde: „Ich wollte eigentlich nur Bescheid sagen, dass der Film fertig ist und fragen über was ich dir den schicken soll."
Chanyeol begann zu grinsen: „Wirklich? Wie ist er geworden?"
Leicht nickte ich: „Gut. Also ich finde er wirkt gut."
Es kam nur noch darauf an, wie Herr Chwe ihn finden würde.
„Das klingt doch schonmal super."
Ein erneutes Nicken.
Chanyeol überlegte kurz an der anderen Leitung und betrachtete etwas über seinem Handy, bevor er seinen Blick wieder mir zuwandte.
„Schick ihn mir einfach per Link über MediaFire oder WeTransfer zu. Dann lade ich es runter, sobald ich zu Hause bin."
„Wie lange arbeitest du denn noch?"
Er lachte: „Wenn's gut läuft, bin ich in einer Stunde hier raus."
Ich nickte.
Er nickte.
Eine Stille breitete sich zwischen uns aus, in der sich unser gemeinsames Nicken verlor.
Schluckend musterte ich die anderen Kameras und Filmplakate an den Wänden.
E.T. direkt neben Der Pate.
Abgesehen von der komischen Kombination sicherlich zwei Meisterwerke für sich.
„Alles okay, Baekhyun?"
Chanyeols Stimme war warm als sie mich aus meinen Gedanken riss.
Schnell warf ich den Blick wieder auf den Handybildschirm.
Fragend hatte er eine Augenbraue in die Höhe gereckt. Er schmunzelte.
„Hm?"
„Ob alles okay ist", ein kurzes Lachen, „du siehst irgendwie...verloren aus."
Jetzt war ich an der Reihe leise zu lachen. Automatisch entknotete ich meine Finger, die es ohne mein Zutun geschafft hatten sich wieder zu verknoten.
„Doch, doch an sich ist alles okay.", ich schluckte erneut, „nur ein bisschen nervös.", sagte ich wahrheitsgemäß.
An sich war ich definitiv von unserem Film überzeugt – hatte ihn genau drei Mal hintereinander angesehen, weil ich zugegebenermaßen stolz auf das Ergebnis war.
Das hieß jedoch nicht, dass unser Tutor das genauso sah.
Oder, dass die Präsentation aus irgendeinem Grund nicht funktionierte.
Mein Kopf war gut darin, sich an so manchen Abenden an ‚Was, wenn''s aufzuhalten und ich war gerade dabei, mich im Labyrinth des Hinterfragens zu verlaufen.
Es war sehr lange nicht mehr passiert.
Desto unangenehmer war es zu bemerken, dass es so einfach sein konnte in alte Muster zu verfallen.
Chanyeol nickte als verstand er.
„Erste Präsentation, hm?"
Ich nickte.
Kurzerhand stellte Chanyeol sein Handy ab und begann stattdessen Colaflaschen aus einer Kiste zu holen.
„Keine Sorge, ich kenne das. Du willst nicht wissen, wie aufgeregt ich damals war."
Ich lachte. Zu meiner Überraschung konnte ich mir durchaus gut vorstellen, wie das Bild aussehen musste. Chanyeols große Augen kannte ich mittlerweile schließlich gut.
„Zugegeben.", ich grinste leicht, „Ich fühle mich gerade wie in ‚Camouflage' als sie die Leiche die ganze Zeit versucht haben zu verstecken."
Ein lautes Lachen ging von Chanyeol aus. Ich war mir sicher er erinnerte sich an die Szenerie.
„Und das ist einfach super ungewohnt, weil...", suchend rang ich mit meinen Händen nach Worten, „du kannst mir glauben, das passiert bei Weitem nicht mehr oft."
Grinsend ließ Chanyeol von den Flaschen ab – es sah so aus als würde er sie auf eine Ablagefläche stellen, die außerhalb des Kamerarahmens fiel – dann trat sein Kopf erneut in Vorschein.
Langsam legte er seine Arme vor seinem Handy ab und guckte mich durch die Kamera an.
„Sieh' mir in die Augen, Kleines."
Ich schmunzelte über das Filmzitat, tat mir dennoch wie befohlen.
„Alles. Wird. Gut."
Er sprach langsam und deutlich – sicherlich aus dem Aspekt heraus, um mir dieses Mantra einzutrichtern.
„Verstanden?"
Seine Augen lächelten ehrlich.
Ich nickte langsam.
„Ich denke schon."
Chanyeol seufzte leichtherzig auf: „Ich kann mir gut vorstellen, dass du dich nicht einzuschätzen weißt, aber lass' mich dir sagen. Unser Film ist gut. Ich weiß das.", zwinkernd stieß er sich von der Oberfläche ab, „Und die Bestätigung wirst du morgen bei der Präsentation bekommen."
Ich hoffte inständig, dass er mit dieser Aussage Recht behalten würde.
"Okay."
Mir würde wohl kaum etwas anderes übrigbleiben als ihm in dieser Hinsicht blind zu vertrauen.
„Das lief besser als gedacht.", murmelte ich als ich meine Tasche schulterte und neben Chanyeol aus dem Hörsaal schlenderte.
Er nickte stolz: „Hab' ich's dir gesagt oder hab' ich's dir gesagt?"
Ich lachte erleichtert auf und stieß ihm spaßeshalber in die Seite: „Ja, okay, der Punkt geht an dich."
Ein Grinsen: „Vielen Dank."
„Ich hätte nicht gedacht, dass wir ausnahmslos auf jede Frage antworten können."
Ein Lachen,
„Aber wie bedingungslos du auch auf alles eingegangen bist", Chanyeol grinste breit, „sobald wir fertig waren habe ich mir gedacht ‚Das hab' ich mir jetzt irgendwie anders vorgestellt'"
Herausfordernd schoss meine Augenbraue in die Höhe: „Inwiefern."
Er zuckte mit den Schultern: „Naja, kurz habe ich gedacht, dass deine Aufregung letztlich die Überhand ergreift oder so."
Glücklicherweise war dem nicht so. Zwar war ich aufgeregt davor; ob nun ein Tag- oder eine halbe Stunde, aber sobald es losging und es kein zurück mehr gab, stürzte ich mich in das Geschehen und vergaß alles andere.
Ich nickte ergiebig auf seinen Kommentar hin: „Aber zugegeben...ich dachte irgendwie...die Fragen wären schwerer."
Chanyeol lachte: „Ich weiß genau was du meinst."
Ich war mir sicher er wusste nicht, was ich meinte.
Zumindest nicht, nachdem er mich gestern Nacht noch damit beruhigt hatte, dass ich mir keine Sorgen machen musste, weil unser Film gut war.
Aber ob er verstand oder nicht war egal, denn letzten Endes...letzten Endes sollte er Recht behalten.
Als ich schließlich mit schwitzigen Händen vorne- und Chanyeol neben mir stand, hatte alles wie am Schnürchen funktioniert.
Die Reaktionen waren wie erwartet positiv ausgefallen, Herr Chwe hatte anerkennend genickt und die Fragen die gestellt wurden, waren keine gewesen, die ich mir entweder nicht in der Nacht davor schon hatte ausmalen können - oder Chanyeol und ich nicht schon im Voraus geklärt hatten.
Sogar auf die Kamera wurde eingegangen, weswegen ein Raunen durch den Raum gegangen war.
Es lief wirklich besser als gedacht.
Ich war verdammt nochmal stolz auf uns.
Eine kurze Stille trat zwischen uns ein, in der wir einfach grinsend nebeneinander herliefen.
Die Flure der Universität waren schön kühl und erfrischend im Vergleich zu dem stickigen Hörsaal davor.
Die Wände hallten leise den Trubel einzelner Schüler wider, die durch die Flure liefen oder auf Bänken saßen, um sich zu unterhalten.
Es war ein wirklich reges Treiben.
Ich spürte, wie die Nervosität nun letztlich von mir abfiel.
Meine Hände hatten noch bis zum Zusammenpacken meiner Sachen gekribbelt.
Jetzt fühlte ich mich nur noch so als könnte ich Bäume ausreißen.
Chanyeol und ich hatten unsere Präsentation hinter uns – und das recht erfolgreich.
Der Rest lag an Herrn Chwe zu entscheiden.
„Was war dein Lieblingsfilm von den anderen?", fragte ich mit einem Grinsen auf den Lippen.
Chanyeol lachte: „Schon das mit dem Pokern."
Ich stimmte in sein Lachen mit ein.
Drei Studenten aus unserem Kurs hatten das Thema ‚Mit offenen Karten spielen' relativ wortwörtlich genommen und die Minute Film in eine komödiantische Hommage verwandelt - mit schockierten Blicken und herangezoomten Nahaufnahmen der Gesichter.
Der Film hatte genau an den richtigen Stellen Lachen geerntet und blieb in Erinnerung.
Wahrscheinlich genau das, was sie damit bezwecken wollten.
Ich war wirklich gespannt wie unser Tutor die Filme werten würde – besonders, weil mir die Meisten mindestens im Ansatz sehr gut gefallen hatten.
Klar gab es hier uns da Unterschiede, aber ich war mir sicher, dass einige davon mir nur durch meine eigenen Präferenzen aufgefallen waren.
Und die Meisten wurden eh durch die gemeinsamen Präsentationen beseitigt.
Die Meisten.
„Ich muss sagen, kurz habe ich gedacht, Kai und Kyungsoo springen sich gleich an die Gurgel.", gab ich ehrlich zu als wir um die Ecke bogen.
Chanyeol begann zu grinsen: „Ach, das ist normal.", er lachte, „du hättest unseren Chat sehen sollen. Beide haben mich mehrfach gebeten, bei dem Mord des jeweils anderen zu helfen."
Ich lachte. Um ehrlich zu sein konnte ich mir das sehr gut vorstellen.
Kai und Kyungsoo – oder wie ich sie bislang definiert hatte – der griechische Gott und der Typ mit der Hornbrille, hatten sich während der Präsentation immer wieder in's Wort geredet. Oder vielmehr war Kai Kyungsoo in's Wort gefallen, worauf Kyungsoo ihn mit einem stoischen Brille-Hochschieben und einen milden und doch bösen Blick gestraft hatte.
Wobei.
Gestraft war untertrieben.
Durchbohren traf es eher.
Für mich als Zuschauer war es ein Spektakel gewesen.
Und eigentlich echt schade.
Denn die Grundidee des Films hatte mir ganz gut gefallen.
Ich hatte an dem Morgen, an dem ich auf Chanyeol gewartet hatte gar nicht die Fäden zwischen den Personen gespannt, die mir an dem Morgen der Präsentation geraten hatten zu warten – und denjenigen, die mit Chanyeol immer gemeinsam den Raum betreten hatten.
Mittlerweile – und besonders nachdem Chanyeol ihnen einen mitleidigen Blick zugeworfen hatte, schien es mir mehr als offensichtlich.
Chanyeol begann breit zu grinsen und nickte nach vorne: „Na, wenn man nicht vom Teufel spricht."
Der griechische Gott und der Typ mit der Hornbrille standen am Ende des Flures.
Sie schienen in einer Diskussion vertieft zu sein.
Zumindest gestikulierte der Größere von beiden wie wild, während der andere nur unverständnisvoll die Augenbrauen zusammengezogen hatte.
„Du kannst mir doch nicht erzählen, dass du das wirklich glaubst, Soo.", waberten Wortfetzen wie Laubbkätter im Herbst zu uns herüber.
„Und ich kann nicht glauben, dass du denkst, dass alles davon abhängt."
Soo verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich wusste nicht wer er genau war oder wie er war, aber trotzdem wirkte er auf einmal sehr autoritär.
„Als ob du noch nie einen Film gekauft oder angeschaut hast, nur weil die Schauspielerin hot war."
Chanyeol lachte nur leise und näherte sich den beiden.
Unschlüssig was zutun war, folgte ich ihm auf Abstand.
Näher betrachtet, sah es fast so aus als könnte Kyungsoo Laser aus seinen Augen schießen lassen.
Er sah wirklich wütend aus.
„Nein, aber weißt du was ich könnte?"
Ein provokantes Auflachen: „Was denn?"
„Die Kamera stillhalten, wenn ich es will."
Ich musste mir auf den Kommentar hin ein Lachen verkneifen.
Schon während der Präsentation hatte Kyungsoo Kai den exakt gleichen Blick zugeworfen, während der Größere von beiden vergeblichst versucht hatte, die unsaubere Kameraführung zu rechtfertigen.
Mir hätte sie wahrscheinlich sogar letztendlich besser gefallen, bevor er an seinen Erklärungen gescheitert war.
Immerhin hatte das leises Lachen aus dem Hörsaal geerntet.
"Ey, selbst du hättest bei dieser Straße Probleme gehabt. Außerdem musst du gar nicht erst so tun. Unser Film hätte so viel mehr haben können, aber du Schnarchnase wolltest ja noch nicht einmal schneller gehen."
Lässig blieb Chanyeol bei seinen Freunden stehen. Seine Hände hatte er locker in seine Hosentaschen gesteckt.
Kai schien mit seiner wesentlich realistischeren Rechtfertigung immer noch nicht fertig zu sein als er augenrollend eine Strähne aus der Stirn pustete: „Stattdessen läufst du im Schneckentempo wie so ein Opa."
Kyungsoo lachte humorlos auf: „Ach hättest du etwa gern mehr Stunts gehabt? Geh' da oben zu dem offenen Fenster hin und ich gebe dir einen Stunt, an den du dich bestimmt noch erinnern wirst."
Amüsiert hob Kai eine Augenbraue: „War das gerade eine Drohung?"
„Nennen wir es doch lieber eine Bitte."
"Eine Bitte, dass ihr nie wieder ein Projekt zusammen macht.", murmelte Chanyeol.
"Amen", schnaubte Kyungsoo auf und lockerte die verschränkten Arme.
Kai grinste auf Chanyeols Kommentar hin, ignorierte Kyungsoos Blick und stieß ihm stattdessen freundschaftlich an der Schulter.
Sein Oberkörper steckte in einer schwarzen Adidas-Trainingsjacke.
‚Passend zu Chanyeols Pullover', dachte ich grinsend.
„Eure Teamarbeit lief wahrscheinlich besser bei dem Film, hm?"
Beinahe desinteressiert zuckte Chanyeol mit den Schultern, ehe er ein „Joa, schon.", leierte.
Seine Lippen bespielte ein leichtes Schmunzeln, das ich noch nie bei ihm gesehen hatte.
Für Chanyeols Mimik, die ich bislang kennengelernt hatte, schien das irgendwie fehl am Platz. Es war irgendwie...zu klein.
Auf einmal kam es mir so vor als würde sich Chanyeol mit seinem Adidas-Pullover wesentlich besser in das klischeebehaftete Bild einreihen, dass ich bei unserer Begegnung hatte.
Es war sehr interessant, wie wandelbar man mit anderen Kontakten sein konnte.
„Er ist also doch noch gekommen?"
Kais Grinsen war breit als er sich direkt an mich wandte.
Ich lachte als ich unterbewusst einen Schritt herantrat und ihm stumm dafür dankte, in das Gespräch eingebunden worden zu sein. Ich hatte sonst schon mit dem Gedanken gespielt einfach weiter zu gehen.
Ich nickte grinsend: „Allerdings."
Auf Chanyeols fragenden Blick (Der zur Abwechslung groß genug war, um einen Wiedererkennungswert in seiner Mimik zu finden) erklärte ich ihm kurz den Hintergrund zu dem Kommentar.
Kyungsoos Lächeln war ehrlich und so viel freundlicher als ich zu Ende gesprochen hatte.
„Ich wusste Chanyeol hat einfach wieder verschlafen. So viel wie der allein schon träumt, wenn der wach ist."
Erneutes Lachen.
„Ich muss sagen bei unserem Dreh war er schon bei der Sache.", ich grinste als ich mich an seine Thermoskanne erinnerte. Es war ein so aufmerksames Detail, welches ich wahrscheinlich immer mit dem Dreh auf dem Dach in Verbindung bringen würde.
„Und mit einem Schluck Kakao ging es noch besser."
Kais Augenbrauen schossen überrascht in die Höhe: „Kakao?"
Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie Chanyeols linker Arm zuckte und dann doch in der Position verharrte.
Seine Augenbrauen zogen sich mit ähnlichem Amüsement von Kai zusammen, bevor er sich an Kyungsoo wandte.
„Worüber habt ihr vorhin diskutiert? Das klang nicht...gut."
Als hätte er mit diesem Satz einen Zauberspruch ausgesprochen, fiel Kyungsoos Lächeln wieder und sein Blick verfinsterte sich.
Steif verschränkte er die Arme vor der Brust. In seiner Stimme lag nichts als purer Spott.
„Kai ist scheinbar der Meinung, dass es wichtiger ist, dass ein Schauspieler hot", das letzte Wort setzte er in Gänsefüßchen, „ist als dass sie wirklich etwas können."
Ich konnte nicht anders als darauf belustigt aufzulachen. Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht, aber wenn ich das tat, dann klang das wirklich...banal.
Amüsiert fixierte ich Kai mit meinem Blick: „Wirklich?"
Er nickte bedächtig: „Hä, klar! Face sells heutzutage."
Kyungsoo lachte ironisch auf, während ich interessiert mein Kinn vorschob.
„Beispiele?", murmelte Chanyeol.
Ohne mit der Wimper zu zucken antwortete er: „Instagram beispielsweise? Oder TikTok?"
„TikTok ist kein Filmgeschäft."
„Ich gebe keine Antwort für dich, Soo."
Kyungsoo schnaubte entnervt auf und verfestigte den Griff um seine Arme. Sein Hemd warf kleine, unauffällige Falten um seine Fingerknöchel.
Kais Blick streifte mich. Eine Strähne haselnussbraunen Haares fiel ihm in die Stirn.
Chanyeol musterte ihn. Sein Blick war verwirrt und gleichermaßen interessiert.
„Was sagst du Baekhyun?", sein Grinsen weitete sich. Plötzlich spürte ich den Blick aller drei auf mir, „so als angehender Regisseur."
Es überraschte mich nur für einen kurzen Moment, dass er wusste was ich studierte, aber dann bemerkte ich, dass er einerseits mit Chanyeol befreundet war und es sein konnte, dass er schon mal von mir erzählt hatte – andererseits hätte er es sich auch bei der Vorstellung vor unserer Präsentation merken können.
Schließlich hatte ich mir auch gemerkt, dass Kai auf seine Karriere als Stuntman hinarbeitete und Kyungsoo Schauspiel studierte.
Es war minder überraschend, dass Kyungsol sich angegriffen fühlte. Ich hätte es wahrscheinlich auch getan.
Ich lachte auf seinen herausfordernden Blick kurz auf.
„Okay, also...", kurz sammelte ich meine Gedanken und Stichpunkte, dann fuhr ich fort.
Ich fokussierte seinen Blick so, wie er den meinen fokussierte: „Ich meine verstehe mich nicht falsch, Kai, ich verstehe deinen Punkt und gerade bei Castings wird sicher auf das Aussehen geachtet, aber auch da mehr auf die Passform des Charakters als auf konventionelle Schönheitsideale. Wenn ich die Wahl zwischen schönem Gesicht und außergewöhnlichem Können hätte, dann würde ich nach Können urteilen.", ich nahm aus meinem Augenwinkel war, wie Kyungsoo seine Arme lockerte und sich ein kleines triumphierendes Lächeln auf seine Lippen schlich.
„Ich brauche einen Schauspieler. Kein Model.", endete ich ehrlich.
Kai blies die Wangen auf als verarbeite er die Informationen für einige Sekunden. Dann straffte er erneut den Rücken.
„Aber es gibt doch genug Schauspieler, die mehr für ihr Aussehen in den Himmel gelobt werden als für ihr Können."
„Beispiele?", griff ich nonchalant Chanyeols Frage von vorhin auf.
Ich nahm aus dem Augenwinkel wahr, wie er begann zu grinsen.
„Was ist mit Leonardo DiCaprio?"
Kai musterte mich interessiert.
Ich zuckte mit den Schultern: „Irreführendes Beispiel, weil viele natürlich an seine Rolle in Titanic als Jack denken, was zugegebenermaßen sehr berechtigt ist."
Ich hatte mit Sihyun früher immer Titanic rauf und runter gesehen.
Aus dem gleichen Grund.
Wir wollten beide den jungen Leonardo DiCaprio sehen.
Das gleiche galt für die Romeo und Julia-Verfilmung.
„Allerdings", redete ich weiter und lehnte mich an der Wand neben mir an, „wurde er schon weit davor für einen Oscar nominiert. Und ich schätze Oscars vergibt man nicht für's Aussehen."
Sonst hätte er schon mehr als nur einen in der Tasche.
„Wirklich?", fragte Chanyeol überrascht – die Hände immer noch in den Hosentaschen. Er wirkte mit seiner Haltung fast wie eine Kopie von Kai.
Kurz überlegte ich, ob er das absichtlich machte, dann legte ich den Gedanken schnell wieder beiseite.
Ich nickte: „Für seine Rolle in Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa aus 1993. Betrachtet man seinen Werdegang, ist das sein erster Durchbruch gewesen."
Und das mit neunzehn Jahren. Da gehörte sicherlich einiges an Talent dazu.
Kai blies die Wangen auf.
Kyungsoo grinste währenddessen triumphierend: „Ich mag den Kerl."
„Ja, weil er ein wandelndes Filmlexika ist, wie du, Soo!", lachte Kai auf.
„Und weil er im Gegensatz zu dir noch ein Gehirn hat, dass noch nicht vom Kamerablitzlicht verblendet wurde."
„Entschuldigung?"
Unberührt zuckte er mit den Schultern. Chanyeols Blick wanderte interessiert zwischen beiden hin- und her.
Ich grinste.
Hörten die beiden je auf, sich gegenseitig aufzuziehen?
Es war auf jeden Fall ein amüsantes Konzept.
„Immerhin habe ich dann endlich jemanden, mit dem ich nicht über Fotoshoots und eine Hard-To-Get-Russin reden muss. Bei euch beiden mit Filmklassikern anzukommen, ist schließlich zwecklos.", unbeeindruckt schob Kyungsoo seine Brille zurück auf den Nasenrücken.
Ich lachte laut auf als protestierende Laute von Kai und Chanyeol kamen.
„Louis, ich denke das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.", grinste ich und ich konnte in seinen Augen genau herauslesen, dass er meine Casablanca-Anspielung verstand.
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