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Jiyong
Manchmal- ach was heißt manchmal? Jeden Tag frage ich mich, wie es Seunghyun mit mir aushält. Oder warum? Allerdings habe ich das Gefühl, dass ich ihn besser verstehe nun, wo ich selbst Dongsaengs hier rumfliegen habe.
Vielleicht hat Seunghyun mich tatsächlich einfach gern und fühlt sich für mich verantwortlich, doch das ist möglicherweise nicht von Anfang an so gewesen. Vielleicht war es zunächst das schlechte Gewissen, was ihn dazu veranlasst hat mir zu helfen, als die Entscheidung gefallen war, dass ich entsorgt werden soll.
Doch inzwischen hält er mich aus, auch wenn ich mehr als nur anstrengend bin.
Ich kann nichts dafür. Sie haben mich so gemacht, wie sie dachten, dass ich perfekt werden würde, nur um dann festzustellen, dass ich weit weg von perfekt bin. Ich bin nicht ansatzweise in der Nähe. Indeed haben sie mich verhunzt. Wie schön, dass sie noch mehr kleine Püppchen hatten, bei denen sie versuchen konnten es besser zu machen, nicht wahr?
Ich bin edgy. Das haben sie auch so gewollt. Ich soll gar nicht normal sein, schließlich sollen aus uns allen perfekte Soldaten werden. Also was hatten sie in mich rein gesteckt? Ein bisschen wenig Empathie dann und wann, dafür ein Haufen Intelligenz, die Abwehrkräfte eines jungen Gottes - vor allem körperlich bin ich innen doch phantastisch gelungen! - wenig Skrupel, Selbstbewusstsein, nahezu keine Angst....
Und was haben wir jetzt davon? Ich bin verrückt! Und ein sarkastisches Arschloch. Und es ist mir auch noch egal. Zumindest ist es das gewesen, bevor Seunghyun mich wenigstens ein bisschen sozialisiert hat.
Die komplexe und unnatürliche Struktur, die mein Innerstes hat, macht mir zu schaffen. So weit ich das mitbekommen habe, haben sie wenigstens das bei den Kleinen weggelassen. Sie sind geistig alle ziemlich normal, vielleicht ein bisschen Plus auf Intelligenz und Logik, aber lassen wir mal die Kirche im Dorf und versuchen nicht einen kompletten Charakter zu designen. Man hat wohl aus mir gelernt.
Mir nützt das natürlich nichts mehr. Ich muss damit klar kommen, dass ich zu schnell und zu viel denke und dass schon kleinste Dinge, die nicht einer gewissen Struktur folgen, meinen völlig überlogischen Verstand wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen. Darum ist die Wohnung zum Beispiel auch nach Farben sortiert. God damn it. Ich mag so wirken, als wäre das Chaos mein Freund, doch das ist Bullshit, ich hasse das Chaos.
Ich brauch strickte Ordnung - alles muss auf eine schräge Art perfekt sein.
Die Wohnung ist also nach Farben sortiert.
Das Besteck aber nach Formen.
Das Bad habe ich selbst neu gefliest, weil die Kacheln nicht ganz grade gewesen sind.
Ich gehe immer im Stern durch die Wohnung, dabei ist das so bescheuert, erst einmal in die Mitte von Flur zugehen, wenn die Badtür doch direkt gegen-fucking-über ist.
Außerdem lese ich Bücher auf dem Kopf. Wenn ich sie normal lese, dann sind sie meinen Verstand zu langweilig.
Rundum: Ich bin ein schwieriger Mensch mit einen Haufen Klatschen, Ticks und Zwängen und manchmal habe ich das Gefühl zum Authismus ist es nicht mehr weit und alleine würde ich wahrscheinlich einfach gar nicht klar kommen.
Danke dafür, liebes Laborteam.
Mal sehen wann ich wen grille, weil das hier immer mehr Leute wurden, die meine Ordnung durcheinander bringen. Vielleicht werde ich einfach dauermeditieren, oben auf dem Dach, bis ich zu einer gruseligen Mumie werde, wie diese Mönche in Tibet.
Ich stehe im Türrahmen und sehe dabei zu, wie mein kleiner, modivikativer Klon versucht zu meditieren. Doch ich kann genau sehen, wie die Gedanken hinter seiner Stirn rasen. So wird das nichts. Ich setze mich in Bewegung und lasse mich neben ihm nieder.
"Das Ziel ist es an gar nichts zu denken", meine ich amüsiert. Oh, Mann. Gar nichts denken ist so klasse. Entspannung pur. Es ist sehr schwierig zur Ruhe zu kommen, doch grade für mich und meine Gedanken ist es jedes mal so, als würde ich die ganze Zeit non-stop sprinten ohne je Pause zu machen und mich dann endlich mal hinsetzen und atmen. "Ich weiß." Jungkook sieht mich an, senkt dann aber schnell beschämt den Blick und betrachtet lieber seinen Fuß.
Erstaunlich, wie ich ihnen zu aufsässig gewesen bin, so dass sie meinten ihren nächsten Phönix derart zurückhaltend zu machen. "Meditieren ist ja auch nichts, was man von jetzt auf gleich kann, Spatz. Das braucht viel Übung." Ich stütze meinen Kopf auf die Hand und mustere ihn. "Zumal es im Moment, ja auch viel zu viel gibt, was bedacht werden will." Jungkook beisst sich auf die Lippe und nickt.
Ich seufze. Zeit ein großer Bruder zu sein. Oder ein Freund. Oder sowas. Was würde Seunghyun tun? Nachhaken! Nachhaken ist gut. "Na, komm. Welcher ist der schlimmste Gedanke?", frage ich und Jungkook sieht mich mit großen, traurigen Augen an. "Ich mache mir Sorgen um Taehyung", sagt er. Ich runzle die Stirn. Die Schneeflocke? "Wieso?" Jungkook spielt verlegen mit dem Saum seines Oberteil. "Wir lieben uns doch", meint er mit roten Wangen.
Bitte was? B i t t e w a s?!
Ich bin dagegen. Wer erlaubt sich meinen kleinen Bruder anzufassen? Hallo? Wuhu, ich wundere mich ein bisschen über mich selbst, denn ich neige normalerweise gar nicht so sehr zu beschützerischen Gedanken, doch Jungkook ist eben Jungkook. Wer bei dem kleinen Welpen nicht so denkt, dem fehlt eindeutig was im Gehirn.
"Muss ich ihn mit Schmerzen segnen, damit er brav ist oder bekommt er das auch so hin?", frage ich und Jungkook sieht mich schockiert an und garniert das mit einem halb ebosten - für ganz erbost ist er zu schüchtern - "Hyung!" Ich lache nur leise und ignoriere seinen vorwurfsvollen Blick.
"Ist das nicht eigentlich seltsam?", fragt er dann plötzlich und ich sehe ihn verwundert an. "Was?", frage ich und Jungkook schenkt mir seinen besten Rehblick. "Nun ja... ich habe die letzten Tage fern gesehen und so was, wie ... das was ich und Taehyung haben... das haben sonst nur Männer und Frauen?" Ich kann mir nicht helfen: Ich muss einfach lachen.
"Jungkook", beginne ich und mustere ihn kurz. "Das haben nicht nur Mann und Frau. Meistens ja. Aber das geht auch zwischen zwei Frauen oder zwei Männer. Das ist nur seltener. Aber mach dir keine Gedanken, das ist völlig okay. Du bist eben schwul", erkläre ich. "Schwul?", fragt mein Spätzchen und ich nicke. "Schwul. Gay, homo, warm, regenbogenkotzend. Nenn es wie du willst." Jungkook hebt die Hände und bläst seine Wangen auf. "Jetzt verwirrst du mich wieder", meint er erschlagen.
Er sieht mich an und ich hatte selten so ein ratloses Gesicht gesehen. "Also ist Taehyung ... auch ... schwul?", fragt er schließlich unsicher und beinahe hätte ich salopp gefragt 'Ja, bumst er dich denn?' aber das will ich dann doch nicht so genau wissen. Wohlmöglich packe ich die Schneeflocke sonst auf eine angeschaltete Herdplatte. Ich lache nur heiser. "Pal, wir sind alle gay", meine ich amüsiert. Jungkook blinzelt verwirrt. "Wir alle? Ich dachte es ist selten?"
Ich gebe einen abfälligen Laut von mir. Ich habe die entsprechenden Dateien ja mal gesehen. "Weisst du... wir sind noch immer als Soldaten geplant. Also ist es nicht erwünscht, dass wir uns womöglich zu Frauen hingezogen fühlen. Liebschaften könnten Missionen gefährden. Was macht man also? Yeah, lass sie uns alle homosexuell machen! Wohoo! Keine Frauen am Set!" Ich schnaube und fahre mir durch die Haare.
"Aber was soll ich sagen? Unsere geliebten Schöpfer", meine Stimme trieft nur so vor Ironie, "haben es mal wieder nicht ganz bis zum Schluss durchdacht. Dabei ist die Rechung wirklich simpel: Ein Haufen Kerle plus alle sind hella gay gleich Paarbildung. Ich meine.... wie dumm sind sie eigentlich? Ich hab das kommen sehen, da war ich noch halbstark, wie konnten sie das also nicht begreifen? Wie auch immer, es ist doch nur logisch, dass sich dann auch ein, zwei Paare bilden, wie du und das Schneeflöckchen. Oder hier... unser Federvieh und der Schatten. Da läuft hundertpro auch was."
Jungkook nickt. Offensichtlich hat er das verstanden. "Erstaunlich, dass sie sowas bestimmen können", meint er nachdenklich und ich gebe nur wieder einen abfällig Laut von mir, weil ich wieder nur daran denken kann, wie viel sie bei mir damit versaut haben, nur um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass sie in der Charakterbestimmung dann noch ein bisschen piano machen müssen, weil die Nebenwirkungen unvorhersehbar und zu krass sind. Doch damit werde ich den Spatzen nicht belasten. "Ja, ist schon verrückt", meine ich also nur und seufze.
"Du bist also auch schwul?", fragt Jungkook mich und ich seufze noch tiefer, während ich überlege, wie wahrheitsgemäß ich antworten will. Ich will ihn nicht beunruhigen, also nicke ich, auch wenn ich weiß, dass ich anders bin. Ich bin so angelegt, dass ich dazu neige ... gar nichts zu mögen? Dieser Mangel an emotionaler Bindungsfähigkeit führt nicht zuletzt dazu, dass ich so ein Assi bin, der ich nun mal bin.
Das haben sie nicht umsonst schnell wieder rausgezüchtet, wobei ich mir sicher bin, dass es bei Yoongi nicht doch noch ein Stück drin steckt, wenn auch irgendwie anders. Beim ihm hatten sie mehr an seinen Emotionen rumgefuscht, als an seinen Neigungen und siehe da! Schon wieder ein astreines Wrack. Welch Erfolg! Applaus, Applaus!
Trotzdem weiß ich nicht nicht wer von uns beiden schlimmer dran ist. Ich bin scheinbar nicht wirklich fähig mich zu verlieben. Yoongi offensichtlich schon.
Wenn ich je eine tiefere Zuneigung aufbringe, die über sowas wie Kameradschaft hinausgeht, dann ist es wohl für Seunghyun, schließlich kann ich ohne ihn simpel mein Leben nicht auf die Reihe bekommen. Ich brauche ihn, er ist mein Anker, mein Fels in der Brandung und der, der mein Leben in einer geordneten Bahn hält und ich bin auch noch egoistisch genug das von ihm abzuverlangen.
"Trotz alledem", mache ich dann weiter und schlage einen teasenden Tonfall an, "ich hab ein Auge auf dich und Taehyung, also seid ja anständig."
Ich lache wieder leise und Jungkook geht dazu über zu schmollen. Taehyung. Okay, dann mag er eben die Schneeflocke. Damit kann ich noch umgehen, der ist im Grunde nicht wirklich gefährlich, wie ich Jungkook schon mal erklärt habe.
Der Telekinist ist mir viel mehr ein Dorn im Auge. Er ist eine Gefahr. Natürlich will er es genauso wenig sein, wie die anderen Jungs, aber darauf können wir keine Rücksicht nehmen. Er kann Schaden anrichten und das in Sekunden, das hat er bereits bewiesen. Ich bin Soldat genug zu erkennen, welche Bedrohung von ihm ausgeht und darüber hinwegzusehen, dass hinter dieser Bedrohung ein Individuum steckt.
Jungkook wird mich dafür wahrscheinlich hassen, aber ich hoffe er wird irgendwann verstehen, dass es für diesen Jungen keine Schonmethode gibt. Er ist ein Telekist. Man kann ihn nicht festbinden und warten bis er klar wird. Er wird den Knoten lösen. Genauso wenig wird ein Schloss ihn aufhalten, er braucht nur den Mechanismus zu erfühlen und kann es öffnen. Also kann man ihn auch nicht einsperren.
Die einzige Chance ihn aufzuhalten wären ihn unter starken Schmerzen zu halten. Und das für Stunden? Danach wäre er ohnehin nicht mehr derselbe. Und eine Sedierung? Dass das bei Hobi noch funktioniert hat, hat mich schon gewundert, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Schöpfer eine Immunität dagegen begrüßen. Und laut Seunghyun hat es für Hobi eine ungewöhnlich Hohe Dosis gebraucht, damit das Betäubungsmittel anschlug. Der Telekinist ist schon ein Experiment danach.
Das Risiko, dass es nicht anschlägt und der Telekinist uns alle platt macht ist zu heiß. Ich bin nicht wirklich bereit dieses einzugehen.
Also wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich der verdammte Spielverderber bin, der in den sauren Apfel beisst und tut, was getan werden muss:
Den Telekinisten eliminieren.
Danke an Creativity_Square Ria Unnie für das Kapitel^^♡
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