Anders

"Fühlst du dich anders? Anders als die anderen?", war die Frage.

Sekunden verstrichen.
Mehr als eine Minute sehe ich in den Spiegel und denke an nichts. An einfach nichts.

"Ob ich mich anders fühle? Anders als die anderen?", frage ich mein Spiegelbild und somit ein Ebendbild meiner eigenen Seele.

"Ich knietsche an meiner Nase herum und hinterlasse Narben, obwohl ich weiß, dass sie für immer bleiben werden."

"Ich kratze Grinder in meinem Gesicht immer wieder auf, obwohl ich weiß, dass es weh tut."

"Ich beiße meine Lippe weiter als den Rand derer auf und lasse rote, hässliche Flecke zurück, obwohl ich weiß, dass ein Lächeln damit einen zu großen Schmerz verursacht."

"Ich arbeite wenig im Unterricht mündlich mit, obwohl ich weiß, dass es meine Noten in wahrscheinlich jedem zweiten Fach um eins verschlechtert."

"Ich bin lahm und verhalte mich langsam in den meisten Lebenssituationen, obwohl ich weiß, dass es mein Umfeld verärgert."

"Ich bin glücklich, wenn mein Umfeld monoton ist, und monoton, wenn es glücklich ist, obwohl ich weiß, dass ich so keine Sympathie ausstrahle."

Also um nochmal auf die Frage von vorhin zurück zu kommen....

"Fühle ich mich anders? Anders als die anderen?"

".......Ja......."

"ABER AUCH NUR, WEIL ES MIR DAUERND INS GESICHT GESAGT WIRD!"

Die Menschen wissen nicht, wie sie am besten damit umgehen sollen und nehmen meist den direkten Weg und fragen klare Fragen. Nur wissen sie nicht, wie unhöfliche diese Fragen mancheinmal wirken können. Sie fragen nach all dem, jedoch setzten sie danach immer direkt ihre eigene Theorie hinterher.

"Was ist mit deiner Nase passiert?", fragen sie.
Mit "Hast du da Pickel?" fahren sie fort.

"Was sind das für Flecken?", fragen sie.
Mit "Sind das Mückenstiche?" fahren sie fort.

"Wie sieht denn dein Mund aus?", fragen sie.
Mit "Ist das durch die Temperaturen aufgeplatzt?" fahren sie fort.

"Arbeite doch mal mehr mit.", schlagen sie mir vor.
Mit "Willst du denn deine Noten garnicht verbessern?" fahren sie fort.

"Beeile dich.", fordern sie.
Mit "Bist du immer so langsam?" fahren sie fort.

"Wie kannst du so glücklich sein?", fragen sie.
Mit "Du bist doch sonst so monoton." fahren sie fort.

Und auf jede einzelne Frage antworte ich instinktiv mit

"...Ja."

Und so beendet sich auch jede einzelne Konversation von allein. Es ist egal, ob die Antwort passt oder nicht, ob sie den anderen passt oder nicht, Hauptsache es gibt eine klare Antwort.

Ich bin es leid den Menschen die wahren Gründe erklären zu müssen und die Fragen bis ins Unermessliche zu treiben mit Antworten, die ihnen niemals genügen werden.
Genau genommen ist es ja nur ein Grund.
Dass ich anders bin. Anders als die anderen.

"Ich denke zu viel."

"Wenn ich knietsche, denke ich nach. Ich hinterlasse Narben, weil ich zu viel denke."

"Wenn ich kratze, denke ich nach. Ich tue mir weh, weil ich zu viel denke."

"Wenn ich meine Lippe aufbeiße, denke ich nach. Ich kann nicht ohne Schmerzen lächeln, weil ich zu viel denke."

"Wenn ich im Unterricht wenig mündlich mitarbeite, denke ich nach. Ich verschlechtere meine Noten, weil ich zu viel denke."

"Wenn ich langsam interagiere oder handel, denke ich nach. Ich verärgere mein Umfeld, weil ich zu viel denke."

"Wenn ich versuche ein Gleichgewicht der Stimmungen innerhalb meines Umfelds zu erschaffen, denke ich nach. Ich verringere meine Ausstrahlung an Sympathie, weil ich zu viel denke."

Jedoch weiß, soweit ich weiß, keiner, dass ich zu viel denke und deswegen meinem Umfeld nicht immer sonderlich normal vorkomme, denn niemand von ihnen denkt so wie ich. Vielleicht denkt jemand so viel wie ich, oder ging anfangs die gleichen Gedankengänge, oder denkt über die gleichen Themen nach wie ich, aber niemand, absolut niemand, denkt so wie ich, denn jeder denkt anders und jeder ist anders.

Es ist ein einfacher, langweiliger Grund, aber ihn den anderen Menschen verständlich zu machen, dauert eine halbe Ewigkeit, denn selbst wenn sie meinen, sie hätten es verstanden, gibt es noch immer Fragen, die das Ganze noch einmal klarer machen würden.

Und nun nocheinmal zur Anfangsfrage.

"Ob ich mich anders fühle? Anders als die anderen?"

"Ja."

".....Warum......?"

"Weil ich es immer wieder ins Gesicht gesagt bekomme."

"...Wie...?"

Tja.....Wie? Wir wissen bereits, dass die Menschen, die mir meist fremd sind und mich nicht wirklich kennen, es mir indirekt mit Fragen wieder einmal klar machen. Aber was ist mit den Menschen, die wissen, dass das alles Routine ist? Ja, auch sie machen es mir immer wieder klar, aber direkt.

"Hör auf. Es ist hässlich.", sagt meine Mutter seit circa 2 Jahren.

"Lass das. Es ist nicht schön.", sagen meine Großeltern schon ein Jahr lang.

"Das hilft doch nichts. Das sieht nicht gut aus.", sagen meine Freunde mir immer mal.

"Arbeite mehr mündlich mit. So wärst du wieder ein Einserkanidat.", sagen die Lehrer seit geschlagenen 8 Jahren.

"Mach doch mal ein Bisschen schneller. So stehst du dir nur selbst im Weg.", sagt meine gesamte Familie seit 13 Jahren, seit meiner Geburt.

"Pass dich doch einfach mehr an. Dann würden sie dich bestimmt auch alle als etwas normaler ansehen.", sage ich mittlerweile zu mir selbst.

Ja, Anpassung. Der springende Punkt, der wohl vieles verändern würde.

Viele Menschen besitzen die Fähigkeit der geistigen und charakteristischen Anpassung an ihr Umfeld. Viele würden sie Hinterherzügler nennen.

Einige unserer Mitmenschen besitzen diese Fähigkeit, einige nicht, wieder andere können, aber wollen sie nicht nutzen oder sind einfach zu faul es den anderen Recht zu machen.

Man kann es in je niemandem Recht machen. Irgendetwas gibt es immer zu nörgeln.

Ich tatsächlich habe einfach keinen Bock mehr.

Eine Mischung von Mensch aus Faulheit und Unverträglichkeit von Kritik ist einfach keine gute Kombi. Entweder du machst es allen Recht und kannst dich von dem Großteil der Kritik verabschieden oder du lässt alle links liegen und darfst dir von früh bis spät die Störfaktoren der anderen Leute an deiner Selbst anhören.

Tja. Blöde Zwickmühle.

Entscheidungen zu treffen ist auch nicht gerade meine Stärke. Etwas von dem und ein Bisschen von dem, und schon sind einige gewisse Mischungen herausgekommen, die mein Leben trotzdem nicht leichter machen.

Also Anpassung hin oder her, sagen wir mit Note 4 habe ich bestanden. Es ist ja nicht Jeder gleich ein Streber😉.

"So.......Fühle ich mich also anders?"

"Naja, ich fühle mich so anders, wie sich jeder andere auch anders fühlt, was mich somit wieder stinknormal macht und trotzdessen besonders. Meine Besonderheit ist, dass ich zu viel denke."

Nun, was ist eure Besonderheit, welche die Mehrheit der Menschenmasse als ein Störfaktor ansieht und das nur weil sie nie darüber nachdachten, was wirklich hinter einem einfach 'Ja' verborgenliegt? Denkt einmal darüber nach und schon wisst ihr, dass ihr anders, besonders, störend und doch toll seid. Ich sage euch, schaden tut es nicht😉.

Ich fühle mich also nur insofern anders, dass ich mich besonders fühle und fühle mich insoweit nur besonders, wie ich mich anders fühle.
So nun also als Antwort auf die langwierig gestellte Frage:
"Fühlst du dich anders? Anders als die anderen?"

"Sagen wir........es gibt verschiedene Perspektiven."

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Besonders ist ein Synonym für anders
anders = besonders

Aus welcher Perspektive du es siehst, liegt ganz an dir.

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The End


~Lottilino

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