** Chapter 4 **
Ich liebe das Licht, denn es zeigt mir den Weg, doch ich ertrage auch die Dunkelheit, denn sie zeigt mir die Sterne.
Adriana POV
Eine vereinzelte Strähne stahl sich auf Noah's Gesicht, die er mit einer gekonnten Kopfbewegung wieder verscheuchte. Nachdenklich strich er mit einem Finger in seinem stoppeligen Bart herum und zog die Brauen dabei bedächtig zusammen. Wir saßen in seinem schwarzen Auto, gerade auf dem Weg nach Hause, als unser Gespräch seit gefühlt einer halben Stunde zu stocken schien.
Er brummte unverständlich was vor sich hin, schien es aber nicht besonders wichtig zu nehmen, denn als ich nachhakte, verstummte er wieder. Seine hellen Augen streiften mehrmals über meinen Körper. Hatte er jetzt etwa anzügliche Gedanken? Der Alkohol hatte ihm noch nie gut gestanden. Ich verdrehte innerlich die Augen. Er war ein ehemaliger Kollege und nun ebenfalls in der neuen Stadt zugegen. Aus irgendeinen Grund empfand ich es als richtig wieder Kontakt aufzunehmen doch mehr und mehr wurde mir seine Gegenwart überdrüssig. Ich rückte den Kragen meiner Bluse zurecht und versuchte irgendeine Ausrede zu finden, um den heutigen Abend schnellst möglichst beenden zu können.
"Du, Noah, ich muss noch ein paar Unterlagen für morgen fertig machen.. es war wirklich schön heute Abend", entgegnete ich, den Türgriff des Autos bereit umklammert.
"Mhh, ja ebenfalls", murmelte Noah schlicht. Sein Blick war ins Dunkle gerichtet.
Dies nahm ich als Anlass zu gehen. Es war kühl draußen. Angenehm. Die Stille und die Hitze im Auto hatten meine Ängste und Wahrnehmungen geschürt. Ich sah mich langsam um und entdeckte das Brennen im ersten Stock des Hauses mir gegenüber. Die junge Frau justierte gerade das Radio und rieb sich angestrengt den Nacken, als ob sie den ganzen Abend über gearbeitet hätte. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und eine zweite Frau kam herein. Diese hingegen schien sich über etwas aufzuregen, denn sie gestikulierte wild mit den Armen herum.
Es waren die Lichter ihres Hauses. Und die andere junge Frau war Yennifer eine Schulkameradin. Sie war nicht besonders begeistert gewesen, mich wiederzusehen. Als ob sie es mir übel nehmen würde, dass ich ihrer besten Freundin nicht klar genug meine Zuneigung erklärt hatte. Schließlich war auch sie die treibende Kraft hinter Ranas Bekundung gewesen. Wie eine bescheuerte fing ich an zu grinsen, als der Gedanke auftauchte, gemeinsam mit Rana Abends Netflix Serien zu schauen oder tiefgründige Gespräche zu führen. Lauter Bilder aus vergangenen Zeiten schossen mir durch den Kopf. Ich musste mir wohl eingestehen, dass ich sie mehr vermisst hatte, als ich mir eingestehen wollte.
Eine helle, mir widerlich bekannte Stimme durchbrach die Stille der Nacht. "Ada, du holst dir noch eine Lungenentzündung"
Der provokante, kirschrote Lippenstift stand im schwach beleuchteten Laternenlicht im unnatürlichen Kontrast zu ihrer blassen Haut. Das wellige schwarze Haar war grob zu einem Pferdeschanz zusammengebunden, einige wilde Locken hatten sich bereits gelöst und umrahmten ihre sanften Gesichtszüge. Ihre dunklen, umbrafarbenen Augen fixierten mich. Vorwurf, Überraschung als auch Verachten füllten ihre Augen, in denen nur selten Freundlichkeit lag. Elentya, kurz Ely, schnalzte genervt mit der Zunge.
"Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker", entgegnete ich trocken. Nicht gerade der beste Konter aber immerhin wagte ich es mich, wieder mit ihr zu sprechen. Nach dem Unfall und dem nachfolgendem, unschönen Gespräch hatte ich meine Koffer gepackt und war abgereist. Ein weiteres Zusammentreffen hatte ich mir weder gewünscht noch ausgemalt.
"Soll ich mich eigentlich fragen, was du hier machst?", Ely stürzte die Lippen - wie sie es immer tat, wenn sie was missbilligte.
"Ich wohne hier Ely. Du stehst praktisch auf meinem Grundstück, weshalb ich dich genauso das gleiche fragen könnte", ich wies mit offener Handfläche auf die Einfahrt, die zu meiner Garage führte.
"Oh", Ely war sichtlich überrascht "seltsam. Dann seid ihr wohl so was wie Nachbarn."
Ich lachte trocken. "Man sieht sich im Leben immer ein zweites Mal, nicht wahr?"
"Bei manchen könnte ich getrost darauf verzichten"
"Seltsam. Das gleiche wollte ich auch gerade sagen", fügte ich giftig hinzu und erntete von Ely einen giftigen Medusa Blick.
Sie schüttelte entnervt den Kopf. "Ich sollte wohl langsam zu Rana, sonst schreibt sie noch eine Vermisstenanzeige."
"Für dich gewiss nicht aber geh mal. Spart Strom" - meine automatische Außenbeleuchtung vom Haus brannte immer noch. Schwach aber stetig.
Ely schnaubte gereizt, bevor sie die Stufen erklommt, die zu Rana's Haustür führte. Ich kramte meinen Schlüssel heraus und ließ meine Handtasche in die nächste Ecke fliegen. Danach machte ich mir einen Kaffee. Die occafarbene Tasse wärmte meine Handflächen, während sich mein Herz kalt und leer anfühlte. Nebenher ließ ich das TV laufen. Doch richtig auf die Serie konnte ich mich nicht konzentrieren. Ständig wanderten meine Gedanken zu einer gewissen Person, die ich besser vergessen sollte.
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