Kapitel 48


Stefan und Paula - zu Hause 1

Sie fuhren zu seiner Wohnung.
Paula war so aufgedreht, dass sie die Autos gar nicht bemerkte, die in der Nähe parkten.
Bill trug seinen Koffer nach oben, so lange Aurelia und Johnny noch in der Stadt waren, machten die Sicherheitsleute weiter ihren Dienst.

Oben duftete es nach frischer Luft, was Paula etwas verwunderte, schließlich hatte seit Wochen niemand mehr die Räume betreten. Stefan hätte sie gerne über die Schwelle getragen, aber er war noch nicht fit genug, wenn sie auch sicher leicht wie eine Feder sein würde.

Doch nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, riss er sie in seine Arme.
„Willkommen zu Hause, und dieses Mal hoffe ich, es ist für immer!" flüsterte er.
Lange hielten sie sich nur fest, dachten an das letzte Mal, als sie hier so glücklich gewesen waren.
Stefan dachte aber auch an die vielen Stunden, in denen er hier vor Sehnsucht nach ihr beinahe gestorben war.

Er führte sie ins Wohnzimmer, ihr Blick fiel auf den „Paula-Altar".
„Was ist das denn?" fragte sie perplex.
Er setzte sich in den Sessel, zog sie auf seinen Schoß. „Das war mein Rückzugsort vor Adrians Geburt!" erklärte er. Sie sah das Foto, ihr Duschbad und Shampoo, viele Schmuckstücke und andere Kleinigkeiten.

Eines nach dem anderen nahm er in die Hand, erzählte seine Geschichte dazu.
Als erstes legte er ihr und sich die Namensketten aus Paris um, erinnerte sich, wie oft die Päckchen in seiner Jackentasche ihm Kraft gespendet hatten.
Jetzt endlich war es so weit, sie konnten sie tragen.

Ein schmales passendes Armband folgte, ein Paar Ohrringe, ein schmaler Ring, eine weitere, sehr wertvolle Kette.
Als er ihr die Dessous zeigte, lächelte er schelmisch. „Das ist ja eigentlich mehr etwas für mich!"

Wie oft hatte er sich vorgestellt, wie die heißen Teile auf ihrer weichen Haut aussehen würden! Die Erregung hatte ihn zwar immer bis aufs Blut gemartert dabei, er hatte oft die Dusche benutzen müssen, hatte sich vorgestellt, wie sie neben ihm stand und zärtlich zu ihm war.
„Es war eine verdammt harte Zeit, Paula!" stieß er hervor und küsste sie.

Bei den Kleidungsstücken kriegte sie sich kaum ein. Alles waren teure Markenklamotten, sehr edel, sehr sexy, sicher auch sehr teuer.
„Du hast einen guten Geschmack!" lobte sie ihn mit strahlenden Augen.
Er hielt sie mit seinem Blick fest. „Ich weiß!"

Er war heilfroh, dass sie die Gedanken verstand, die ihn zu diesen Einkäufen gebracht hatte, dass sie sich einfach über die Geschenke freute, dass ihr alles auch zu gefallen schien.
Und vor allem, dass sie nicht zickte wegen des Geldes, das er ausgegeben hatte.
Sie ahnte seine Überlegungen, zeigte auf all die wunderbaren Dinge. „Damit kriegst du natürlich jede Frau rum!" scherzte sie.
„Aber ich will nicht jede!" antwortete er grinsend. Nicht mehr! dachte er. „Ich will nur die Beste!"

„Komm, ich zeige dir die Wohnung!" Etwas abrupt stand er auf, stellte sie auf ihre Beine. Seine Erregung war schon wieder sehr gefährlich angewachsen! „Küche und Esszimmer kennst du ja schon! An das Schlafzimmer erinnerst du dich hoffentlich auch noch!" Er knabberte ein wenig an ihrem Ohr. Das war jetzt nicht so gefährlich!

Hinter einer weiteren Türe im Flur lag Adrians Zimmer, hinter der nächsten staunte sie nicht schlecht.
„Unser Arbeitszimmer!" sagte er leise. Paula sah sich überrascht um. Zwei riesige Schreibtische standen sich gegenüber, auf beiden nagelneue Laptops und Drucker, hinter beiden hochmoderne Stühle.
„Wow!" stieß sie hervor. „Du bist ein wenig crazy!"

Die nächste Überraschung erwartete sie im Ankleidezimmer. Ihre ganze Sachen hingen feinsäuberlich auf den Stangen oder lagen in den Fächern. Als sie die Reihen so überblickte, stellte sie fest, dass eine Unmenge an neuen Kleidungsstücken darunter gemischt war.
Doch wieder nahm sie das alles einfach dankbar an.
„Danke!" meinte sie nur, und Stefan stieß erleichtert die angehaltenen Luft aus. Lächelnd nahm sie es wahr. „Hast du eine solche Angst vor mir gehabt?" fragte sie lachend.

Er nahm sie in die Arme. „Schon! Todesangst!" gestand er.
Sie erwiderte seine Umarmung. „Ach Stefan! Du hast es doch nur einfach lieb gemeint, oder? Warum sollte ich denn jetzt Spielchen spielen und herum zicken? Dafür haben wir zu viel hinter uns!"
Er streichelte zärtlich ihr schönes Gesicht. „Ich weiß schon, warum ich dich so liebe!"

Dann gab es noch zwei leere Zimmer. „Wow! Das sieht man der Wohnung gar nicht an, wie groß sie ist!" Sie war ziemlich geflasht, und zum ersten Mal war Stefan stolz darauf, damals, als er eine Junggesellenbude gesucht hatte, nicht gekleckert, sondern geklotzt zu haben.
„Da hab ich wohl ganz schön vorrausschauend in die Zukunft investiert!" lobte er sich selbst und küsste die Liebe seines Lebens, von der er damals noch nicht das Geringste hatte ahnen können.

„Wenn du aber lieber ein eigenes Arbeitszimmer haben möchtest, räumen wir deinen Tisch rüber!" schlug er vorsichtig vor.
Sie strich ihm über seinen Drei-Tages-Bart. „Nein, das ist doch wunderbar, wenn wir dort zusammen sitzen können!" Sie legte neckisch den Kopf schief. „Wobei ich fast befürchte, dass wir nicht viel zum Arbeiten kommen werden!"

„Du befürchtest - und ich hoffe!" schoss er zurück. Lachend führte er sie zu einer Türe, die bisher noch verschlossen war. Dahinter führte eine Metalltreppe auf eine wunderbare Dachterrasse. Paula verschlug es nun endgültig die Sprache. Wie oft hatte sie diese Kleinode von unten bewundert, hatte geträumt davon, hoch über den Häusern zu sitzen, auf das Leben weit unten hinabsehen zu können.

Sie strahlte Stefan an. „Jetzt hast du verloren! Morgen räume ich meine Wohnung aus!"
Er hob sie vorsichtig hoch, drehte sich ebenso vorsichtig mit ihr im Kreis. „Ist eh nichts mehr dort!" flüsterte er. Sie versanken in einem endlosen Kuss.

Plötzlich hörte Paula leises Lachen, dann eine Männerstimme, die jemanden schimpfte, dann prustete jemand laut los und plötzlich waren beide umringt von allen Freunden und Verwandten.
„Überraschung!" jubelte Sophia und klatschte in die Hände. Adrian hüpfte kieksend auf dem Arm seines Großvaters, streckte die Arme nach Paula aus.

Stefan ließ sich etwas erschöpft auf einen Stuhl sinken.
Ja, sein Traum war wahr geworden! Sein Sohn, seine Frau und er – eine Familie.

Dann begrüßte er alle Gäste, die sich hinter einem Paravent versteckt gehabt hatten.
Seine Mutter deckte schnell den Tisch, sie hatte im Vorfeld alles aus seinen Schränken hinaufgeschafft. Sophia schleppte Berge von Essen an, die im Kühlschrank versteckt gewartet hatten.
Georg öffnete ein paar Flaschen Champagner aus seinem Weinkeller.

Dann saß eine fröhliche Runde am großen Tisch und ließ es sich schmecken. Mick grinste Stefan an, erinnerte sich an den einen oder anderen Männerabend, den er hier mit den Kumpeln verbracht hatte.

Es waren immer heiße Partys gewesen, die der Freund geschmissen hatte!
Es waren gute Zeiten gewesen!
Sie hatten sich ordentlich ausgetobt, aber das war vorbei. Er zog Anja an sich. Er hatte gefunden, was er gesucht hatte: Eine schöne Frau, mit der man Pferde stehlen konnte.
Und Stefan hatte ebenso das große Los gezogen. Er stieß mit dem Kumpel an. „Auf alte und auf neue Zeiten!"

Stefan erwiderte das Grinsen. Mick war eigentlich der einzige der alten Truppe, der vom Kumpel zum Freund geworden war.
Paula und Anja verstanden sich auf Anhieb sehr gut, hatten den totalen Draht zueinander. Sie stellten fest, dass sie das gleiche Gymnasium besucht hatten, nur einen Jahrgang auseinander. Sie lachten über Lehrkräfte, an die sie sich noch erinnerten, erzählten sich kleine Anekdoten.

Mick sah sein Mädchen verliebt an. „Auch nicht schlecht, wenn die zwei sich leiden können!" meinte er.
„Aber sie müssen nicht unbedingt auch eine Nacht zusammen verbringen!" Stefan hielt sich noch immer den Bauch vor Lachen, wenn er an diesen Abend dachte. Dabei war es einer der schlimmsten seines Lebens gewesen!

Paula hatte Stefans letzten Satz mitbekommen, verstand aber nicht, warum die beiden Männer so lachten.

Anja klärte sie leise auf. „Das war, als er von Paris zurückgekommen war und realisiert hatte, dass du für ihn verloren warst. Die beide haben sich so abgeschossen, dass sie in Stefans Bett eingeschlafen sind. Ich habe mir die ganze Nacht um die Ohren geschlagen, weil ich Panik hatte, die zwei sind was aufreißen gegangen, wie früher!" Sie sah Paula an, lächelte leicht. „Die Clique hat es oft ordentlich krachen lassen, weißt du? Anfangs habe ich geglaubt, dass meine Verliebtheit in Mick all seine Eskapaden nicht überleben würde. Aber er hat gerade noch die Kurve gekriegt!"

Dann sah sie Paula an. „Wo hast du eigentlich gesteckt in deiner Studentenzeit?
Paula lachte leise. „Ich? Zu Hause mit meinen Büchern!"
Anja erinnerte sich an Micks Erzählungen, wie Stefan Paula kennengelernt hatte. Sie konnte sich bei Gott nicht vorstellen, dass die kleine, zarte Schönheit so unscheinbar gewesen sein sollte. Sie zog Paula freundschaftlich an sich. „Da hat wohl ein Prinz ein Dornröschen wachgeküsst!" sagte sie.

Stefan vermisste seine Süße. Zu lange saß sie jetzt schon zwei Plätze von ihm entfernt. Er winkte sie zu sich, küsste sie erst einmal wieder lange und leidenschaftlich. Hatte er heute überhaupt schon einen Kuss bekommen?

Eigentlich hatte er sich ja wie ein Schneekönig auf sein breites Bett gefreut, mit so einer Kleinen mit diesem perfekten Körper und dieser weichen, nach Pfirsich duftenden Haut neben sich. Oh, er hatte sehr genaue Pläne gehabt, wie er den Nachmittag hätte verbringen wollen!
Doch die lästige Bande um ihn herum hatte alle Pläne zunichte gemacht.

Er strich ihr eine Strähne ihres mittlerweile langen Haares hinters Ohr. „Es ist schön, dass du dich mit Anja so gut verstehst." stellte er fest.
Sie sah ihn schelmisch an. „Ja! Sie erzählt mir alle deine Sünden!"

Er wurde ein Spur blasser. O Gott! Bitte lass das nicht wahr sein! dachte er entsetzt.
Sie hatte Mitleid. „Nein! Sorry! Keine Details! Und, dass du kein Heiliger warst, das habe ich schon geahnt! Schließlich habe ich dich nicht in einer Kirche aufgerissen, sondern in einem Club!"

Er atmete auf. Nein, ein Heiliger war er nicht gewesen! Dazu hatten es ihm die Frauen zu leicht gemacht! Aber den Mist mit dem Koksen und dem Gras hätte es nicht gebraucht. Er war ein privilegierter Junge gewesen, mit dem goldenen Löffel geboren, hätte mit seinem Leben mehr als zufrieden sein können!

Irgendwann einmal würde er Paula schon alles beichten. Aber dazu musste er sich ihrer noch sicherer sein. Er würde den Teufel tun und noch einmal riskieren, sie zu verlieren!
Nicht wegen alter Sünden und auch nicht wegen neuer Sünden, weil er die sicher nicht begehen würde.
Er würde sie auf Händen tragen, ihr die Welt zu Füßen legen, sie in den Himmel heben!
Engumschlungen standen sie da, alles um sie herum versank. Sie waren zusammen, sie waren wahr und wahrhaftig zusammen.

„Ich schick die Bande jetzt nach Hause!" flüsterte er. „Ich will dich, Paula! Ich brauche dich!"
Ihr süßes Lächeln brachte ihn fast dazu, aus dem Scherz Wirklichkeit werden zu lassen.
„Wer hat eigentlich all die Sachen besorgt und hier her gebracht?" fragte sie, um beide etwas von ihrer Sehnsucht abzulenken.
Lachend berichtete er ihr von seinem Masterplan, als er alle zu irgendeinem Job verdonnert hatte.

„Sophia hat zusammen mit Anja die Klamotten besorgt, Sebastian und Mick die Büroeinrichtung, meine Mutter hat deine Sachen in der Wohnung gepackt, Bill hat alles hergeschafft, zusammen mit Adrians Sachen."

Sie lachte ihn glücklich an. „Im Organisieren bist du gut!"
Er saugte genüsslich an ihrem Ohrläppchen. Da duftete sie noch besser als überall sonst. Hatte das Teufelchen wohl das Parfüm benutzt, das er ihr ins Bad gestellt hatte. Sophia hatte es nach seinen Anweisungen mixen lassen, mit einer deutlichen Pfirsichnote, aber ohne jeden Hauch von Vanille.

„Nur im Organisieren?" fragte er anzüglich und presste sich an sie, damit sie verstand was genau er meinte. Seine Erektion spürte sie sicher deutlich.
„Nein! Französisch kannst du auch gut!" sagte sie und prustete los.
Er bekam einen Lachkrampf. Seine kleine Wilde, die aussah, wie ein Engelchen, ein sehr heißes Engelchen allerdings.

Adrian sah ihn an, kiekste mit, patschte der Oma vor Freude ins Gesicht.
Stefan sah ihn streng an. „Ich hoffe, du verstehst nicht, worüber wir gerade gesprochen haben, mein Sohn!"
Der Kleine streckte sein Arme nach ihm aus. Mit Tränen in den Augen nahm Stefan ihn auf den Arm.

„Komm her, Süßer!" flüsterte er in das duftende Haar des Jungen. Adrian lächelte ihn an, sah Paula, wollte zu ihr, die ihm noch etwas vertrauter war zur Zeit.
„Hast recht!" meinte Stefan und gab ihn weiter.
Wieder konnte er sich nicht satt sehen an dem Bild von Paula mit seinem Sohn.


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