#prolog
[ IRGENDWO IN OHIO ]
Yasemins Hände zitterten, der Kabelbinder hatte sich tief in ihre Handgelenke geschnitten. Ihr trockener Mund? Zugeklebt. Ihre Beine? Festgebunden. Schon tausend Szenarien sind ihr durch den Kopf geschossen, eines makaberer als das Andere. Ihre vor Angst geweiteten Pupillen suchten immer wieder die dunkle Umgebung ab, jedes Mal mit der Hoffnung mehr als nur wirre Silhouetten unter dem schummrigen Industrielicht zu erkennen; jedes einzelne Mal ohne Erfolg.
Umrisse getrockneter Tränen wurden erkennbar unter dem schwachen Licht, aber Yasemin hatte ihr Weinen schon lange aufgegeben. Er würde sie nicht retten, niemand würde sie retten. In schwachen Momenten sehnte sie sich nach dem Tod, es war der einfachste Ausweg.
Der Tod war nach den letzten Wochen und Monaten wie ein alter Bekannter für sie und dennoch stemmte sie sich gegen diese Gedanken. Sie würde nicht aufgeben, sie würde nicht unter ihrem Leiden und dessen Last zerbrechen. Niemals.
Ein leises Scharren von kaltem Metall auf hartem, unnachgiebigen Beton ließ sie aus ihrer Gedankenzuflucht aufschrecken. Klarheit erfüllte ihren Blick, als Yasemin merkte, dass besagtes Geräusch immer lauter wurde, immer bedrohlicher klang.
Panik erfüllte jeden Zentimeter ihres Seins und mit letzter Kraft versuchte sie nochmals ihre rauen Hände aus dem erstickenden Halt des Kabelbinders zu befreien – ohne Erfolg.
Sie wusste, wer kommt.
ER, der Tod. Ihr Tod.
Und sie hieß ihn willkommen, als sie ein letztes Mal mit gespieltem Selbstbewusstsein starr auf die metallene Tür, mit einem Fenster in der Mitte sah, bereit IHN zu empfangen.
Bereit für ihr Ende. Eines, das sie verdient hatte.
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