Prolog
"Jedes Porträt, das mit Gefühl gemalt wurde, ist ein Porträt des Künstlers, nicht dessen, der ihm dafür gesessen hat." - Oskar Wilde

Nick stand mit seiner vollen Größe vor mir. Sein heißer Atem streifte meine Lippen wie eine leichte Sommerbrise. Ich erschauerte. Er steckte seine Zeigefinger in meine Gürtelschlaufe und zog mich näher an sich. Als er anfing meinen Hals zu küssen, atmete ich zittrig aus und schloss die Augen. Ich fühlte sein Grinsen auf meiner Haut.
Nicks Lippen fanden ihren Weg zu den Meinen. Ich spürte einen leichten Druck und schon war es um mich geschehen. Gefühle, die ich noch nie so in meinem bisherigen Leben durchlebt hatte, durchfluteten meinen gesamten Körper. Leidenschaft, Hunger und Verlangen.
Grüne, gelbe, leuchtend rote Punkte sprangen vor meinem inneren Auge umher. Es war, als stände mein gesamter Körper unter Strom. Es schien, als wären seine Lippen nur für Meine geschaffen worden.
Ich befreite mich aus der körperlichen Starre und küsste Nick mit einer solchen Intensität zurück. Meine Hände vergrub ich in seinem dunklen Haarschopf und zog an einzelnen Strähnen. Dadurch entlockte ich ihm ein tiefes Stöhnen und das spornte mich an. Ich wollte spüren, wie sein gesamter Körper unter der Leidenschaft bebt. Ich wollte hören, wie er lustvoll meinen Namen schreit wenn er seinen Höhepunkt erreicht.
Ich wollte so viel, doch eine einzige Person hinderte mich. Silver. In diesem Moment wurde mir klar, welchen schwerwiegenden Fehler ich gemacht habe.
Ich schlug die Augen auf und schubste Nick von mir. Verwirrt schaute er mich aus seinen eisblauen Augen an. Ich raufte mir die Haare und ging unsicher in meinem Zimmer auf und ab.
Nick hingegen setzte sich gelassen auf mein Bett und beobachtete mich. Seine Augen verfolgten jeden meiner Schritte, wie ein Löwe seine Beute.
"Was ist los?", durchbrach Nick als Erster die erdrückende Stille.
"Das fragst du noch? Du hast mich verdammt nochmal geküsst", schrie ich aufgebracht.
"Na und?"
"Wie 'na und'? Ich bin nicht schwul, Alter. Ich habe eine Freundin."
Er hob die rechte Braue.
"Wieso hast du mich dann zurück geküsst?", fragte er, worauf ich keine Antwort hatte. Wieso hatte ich das getan? Ich war verrückt geworden. Ich konnte nicht mehr klar denken.
"Geh", nuschelte ich.
"Bitte was?"
"Geh!", schrie ich nun und zeigte auf meine geschlossene Zimmertür.
Wenn Nick perplex wäre, hätte ich es nicht sehen können. Seine Miene war versteinert.
"Wie du willst, Prinzessin." Prinzessin?
Er erhob sich, schnappte sich seine Jacke und ging gemächlich aus meinem Zimmer. Ich schloss die Tür wieder und hörte wie unten die Eingangstür zugeschlagen wurde.
Verzweifelt fuhr ich mir durch das verstrubbelte Haar. Es war seine Schuld. Nicht meine, nur seine! Er hat mich geküsst. Ich war zu geschockt um klar zu denken und habe ihn einfach zurück geküsst. Genauso war's und nicht anders!
Versuchte ich mir da gerade wirklich einzureden, dass ich nichts bei dem Kuss gefühlt habe? Was bin ich für ein kompletter Vollidiot...
Plötzlich piepste mein Handy. Ich hatte eine Nachricht bekommen. Bitte lieber Gott, sei es nicht Silver die sich mit mir treffen will. Bitte nicht. Nicht jetzt!
Baby<3: Hey Schatz! Hast du Zeit? Mein Babysitterjob wurde heute doch nicht gebraucht:)
Geschockt schaute ich auf Silvers Nachricht.
"Verdammte Scheiße", frustriert schrie ich auf. Ich konnte mich nicht mit meiner Freundin treffen. Nicht in diesem Gemütszustand. Daher griff ich zu einer kleinen Notlüge.
Ich: Tut mir leid, Baby:* Aber mir geht's nicht so gut. Kopfschmerzen und so. Was war denn mit Jackson?
Ich legte mich aufs Bett, wo noch vor 2 Minuten Nick saß. Ich ertappte mich, wie ich an meiner Bettwäsche roch. Bevor ich mich selber hätte ohrfeigen können, traf die nächste Nachricht von Silver ein.
Baby<3: Oh, soll ich vorbei kommen und dich gesund pflegen?;) Ach, nichts Besonderes. Er hat die Grippe.
Und so schrieben wir noch ein bisschen. Mein schlechtes Gewissen zerfraß mich innerlich auf.
Ich hoffte, Nick für heute aus dem Kopf zu bekommen. Die Tatsache, dass ich in meinem Bett lag und sein Geruch mich beinahe zum Höhepunkt brachte, ließ meine Hoffnung zerplatzen.
Was für ein Mistkerl!
Ich legte mein Handy zur Seite und drehte mich auf den Rücken.
Dieser Kuss hatte Alles verändert. Ihn. Mich. Seine Gefühle. Meine Gefühle.
Ich drehte mich wieder auf die linke Seite.
Wie konnte es so weit kommen?
Unruhig schlug ich die Decke über mich.
Ich bin nicht schwul. Ich bin Ash Morgan. Der Frauenschwarm Nummer Eins. Ich habe die tollste und wunderschönste Freundin auf diesem Planeten. Ich bin ein anstrebender Künstler.
Ich kann keine Probleme gebrauchen. Erst recht nicht, wenn sie heiß sind und verdammt gut küssen können!
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top