Prolog
Viele Leute und Ratgeber, Fernsehsendungen und Podcast raten einem spontan zu sein. Man soll auf sein Bauchgefühl hören und seinem Instinkt vertrauen. Das ist leichter gesagt als getan. Und vor allem: Niemand spricht darüber, was danach passiert. Damit ist nicht gemeint, was direkt danach passiert, es geht um die Wochen und Monate die folgen. Auf die langfristigen Auswirkungen. Niemand redet darüber, dass eine spontane Aktion, die dem Herzen folgt und auf dem eigenen Instinkt basiert, viel weitreichendere Kettenreaktionen auslösen kann, als man sich je vorgestellt hat.
Aber macht das Spontanität nicht aus? Ist es nicht der Charakter spontanen Handelns, dass man sich vorher genau darum keine Gedanken gemacht hat? Dass man nicht rational abgewägt hat, welch positive und welch negative Ereignisse durch dieses Handeln ausgelöst werde könnten?
Wenn man genau darüber nachdenkt, hätte man diese Ereignisse auch bei vorbereitetem und ausführlichem Abwägen nicht in aller Gänze erfassen können – schon gar nicht die unzählbaren Kombinationen und Kettenreaktionen. So gesehen könnte man sich also auch fragen: bringt es überhaupt etwas, vorab zu planen? Es wird nicht so kommen, wie man es sich vorstellt. Irgendetwas läuft immer anders, das liegt wohl in der Natur der Dinge. Ist es daher ratsam spontan zu handeln und die Zukunft auf einen zukommen zu lassen?
Ein einziger, spontaner oder geplante Moment – das ist ganz egal – kann alles grundlegend verändern. Das eigene Leben, das Leben eines Freundes, das Leben eines Unbekannten. Der Einfluss den jeder Mensch auf andere hat, ist so viel größer, als man sich vorstellen kann. Nimmt man die U-Bahn, fährt diese dadurch möglicherweise eine Sekunde später ab. Dadurch verpasst wer anders einen Anschluss und einen Termin. Durch dieses Versäumnis verändert sich dessen Zukunft. Gleichzeitig profitiert möglicherweise eine dritte Person durch das Versäumnis der zweiten Person. Und das ganz ohne, dass diese Personen sich überhaupt begegnet sind. Wo liegt also der Sinn darin, alle Folgen zu analysieren und zu bewerten, wenn man sich diesen gar nicht allen bewusst sein kann? Oder geht es im Kern viel mehr darum, die eigene Zukunft positiv zu beeinflussen. Das würde man vermutlich als Egoismus bezeichnen. Nur die eigene Zukunft ist wichtig? Nein, so darf man das nicht darstellen.
Eine Antwort darauf zu finden, ob Spontanität also Sinn ergibt, scheint schwieriger zu sein, als man zunächst annimmt. Möglicherweise ist der Verstand gar nicht darauf ausgelegt, die Welt in Gänze zu Verstehen. Wenn man alles wüsste: wo bliebe die Überraschung? Die Freude? Die Trauer? Das Glück? Alles vorherzusehen kann nicht die Lösung sein, obwohl es ab und zu wünschenswert wäre. Vor allem, wenn so sich so viel auf einmal verändert, so viele Menschen, die einem lieb sind, die Folgen zu tragen haben und die Probleme sich scheinbar bis in die Wolken hinauf zu stapeln beginnen.
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Und damit herzlich willkommen zu meinem neuen Projekt. Es ist einige Jahre her, seitdem ich Teil 1 und 2 geschrieben habe, aber inzwischen haben sich so viele Ideen angesammelt, da musste einfach ein dritter Teil draus entstehen. Kurz zum Verständnis: Das Ende des zweiten Teils wird leicht abgeändert, also wirklich nur ganz leicht. Schaut also am besten nochmal in Teil 2 vorbei, damit es keine Verwirrung gibt :)
Love, L
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