52. Tardy

!Triggerwarnung!

Schmerz

PoV Ardy

Langsam rollte die Träne über meine  Wange und tropfte auf den Boden. Sie hinterließ eine salzige Spur auf  meiner Haut, die nach einigen Sekunden an der kalten Luft anfing zu  brennen. Eigentlich seltsam, dass ich dieses leicht unangenehme kribbeln  überhaupt wahrnahm, während mir eine Faust in den Bauch geschlagen  wurde. Aber ich spürte tatsächlich nur diese Träne. Sie war das einzige  Neue.

Die Schläge, die Schmerzen war ich schon gewohnt, nur hatte  ich deswegen nie geweint. Es hatte ja nur physisch wehgetan, eine Art  von Schmerz also, die ich schon lange nur noch als etwas Nebensächliches  empfand. Wirkliche Qualen konnte man mir nur seelisch zufügen und genau  das passierte gerade. Genau das tat er mir gerade an. Er... Mein Freund.

Oder  tat ich es mir selbst an? Immerhin hatte ich zugestimmt... Aber hatte ich  denn eine Wahl gehabt? Ich liebte ihn und er mich. Zumindest hatte er  mir das gesagt. Ob ich es ihm glauben sollte oder konnte war die andere  Frage. Denn was er tat zeugte eher von Hass oder zumindest  Gleichgültigkeit als von Liebe.

Ich wurde jeden Tag ausgelacht,  geärgert und verprügelt. Ihn himmelten täglich alle Mädels an. Meine  Selbstwahrnehmung war komplett am Boden, das Selbstbewusstsein war sonst  wo hin verschwunden und ich stand knapp vor dem Abgrund der  Depressionen, ohne Geländer, ohne Halteseil und mit immer mehr Menschen  im Rücken, die mich nach vorne schubsten. Er strahlte Freude und  Zufriedenheit aus, hatte alles, brauchte nichts und schien immer rundum  glücklich. Ich war schwul. Er auch. Ich hatte mich geoutet. Er nicht.

Vor  drei Jahren waren drei neue Schüler zu uns gewechselt, die in kürzester  Zeit eine Gang um sich geschart hatten. Diese sieben Jungs waren für  drei Dinge bekannt: Asozial, gewalttätig, homophob. Und darunter hatte  ich zu leiden.

Ich hatte mich schon geoutet, als die drei noch an  eine andere Schule gegangen waren. Jeder hatte gewusst, dass ich schwul  war und es hatte niemanden gestört. Doch innerhalb kürzester Zeit hatte  sich so gut wie alles in meinem Leben zum Negativen gewendet.

Nach  zwei Jahren dann endlich der Lichtblick: Taddl. Der Schulschwarm, in  den jedes Mädchen und ich verknallt waren, hatte mit seine Liebe  gestanden und jetzt waren wir zusammen.

Unter einer Bedingung: Ich durfte niemandem davon erzählen.

Und das schmerzte.

Nicht  das Schweigen und das Verstecken; ich tat seit Jahren nichts Anderes.  Aber die Tatsache, dass mein Freund, der einzige Mensch, der mir  regelmäßig versicherte, dass er mich liebte, nicht einmal hundert Meter  von mir entfernt, seelenruhig auf einer Bank saß und dabei zusah, wie  ich verprügelt wurde.

Das war es, das mich zum Weinen brachte.

Wieder  warf ich einen enttäuschten Blick in Taddls Richtung, um festzustellen,  dass er nicht mehr dort saß, wo ich ihn bis gerade eben vermutet hatte.  Allerdings blieb mir kaum Zeit, mich darüber zu wundern, denn der  nächste Schlag war so fest, dass er mich umwarf.

Auch der Aufprall  ließ mich keine großen Schmerzen spüren, ich war eben abgestumpft. Kaum  etwas drang zu mir durch, bis ich diese Stimme hörte. Seine Stimme.

„Hey,  Moment mal!" Was tat er da? Er nahm mich in Schutz? Sein guter Ruf wäre  zerstört! Und so weh es auch tat, ihn in der Schule nicht berühren zu  können, zu sehen wie er mich ignorierte, wollte ich doch trotz allem  nicht, dass er dasselbe durchmachen musste wie ich.

Erschöpft  drehte ich meinen Kopf in die Richtung aus der ich die Stimme meines  Freundes gehört hatte und öffnete mühsam die zusammengekniffenen Augen.  Das Licht blendete mich kurz und so musste ich einige Male blinzeln, bis  ich sehen konnte, was sich gerade vor mir abspielte.

Der Stärkste der Jungs drehte sich zu Taddl um und fragte: „Willst du auch mal oder was?"

Die  Spannung, die in der Luft lag, war fast spürbar, alles um uns herum war  leise, jeder auf dem Pausenhof sah zu uns. Einige Schüler tuschelten,  andere schienen mich auszulachen. Doch meine Aufmerksamkeit war bei  Taddl. Dessen Kopf sich langsam senkte und wieder hob. Er nickte.

Er wollte mich schlagen.

Allen beweisen, wie sehr er mich Schwuchtel doch hasste. Verabscheute. Wollte mich vor der ganzen Schule erniedrigen.

Der  Abgrund in meinem Kopf rückte immer näher. Die Hand, seine Hand, die  mich bis jetzt immer noch fest gehalten hatte, schubste mich nun auch  immer weiter in Richtung Depression, es kam mir vor, als wären die  erdrückende Trauer, die Angst, der innere Schmerz und die Enttäuschung,  die ich bei seinem Schlag empfinden würde schon jetzt greifbar nahe.

Der  Blauhaarige beugte sich zu mir, packte mich am Kragen meines Shirts und  zog mich daran hoch. Hektisch rappelte ich mich auf und versuchte,  nicht allzu kläglich auszusehen, während ich da so vor ihm stand.

In  den Augen des Größeren lag Trauer und Reue doch ich verzieh ihm nicht.  Würde ihm das hier nie verzeihen. Mein eigener Blick war voller Hass.

Plötzlich  drehte sich Taddl um und sagte zu allen Schülern auf dem Platz: „Leute,  ich werde euch jetzt zeigen, was ich von Ardy halte. Mir egal wie ihr  das findet, müsst eben damit klar kommen."

Dann drehte er sich  wieder zu mir. Innerlich machte ich mich darauf gefasst, geschlagen zu  werden. Vor der ganzen Schule gedemütigt und von meinem Freund verlassen  im Dreck zu liegen. Innerlich Schluss zu machen. Mich in den  depressiven Abgrund meines Kopfes zu stürzen.

Ich war gegen alle  seelischen Schmerzen gewappnet, deswegen traf es mich völlig  unvorbereitet, als Taddl mich vor den Augen der ganzen Schule küsste.

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Lel ich hab die Grippe o_O

Geil. Mir tut alles weh :c

Hab zwei angefangene Kürbistumor ffs. Vllt wird die eine heute fertig ^^

Bye!

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