vampire | larry

„...aber er langweilt sich bestimmt, oder?", hörte Harry jemanden sagen und wurde aus seinen Gedanken gerissen.

„Nein, Mum, passt schon." Er schüttelte den Kopf und sah freundlich zu dem Bekannten seiner Mutter neben dem sie standen.

Das war gelogen. Harry langweilte sich schrecklich. Diese Kongresse waren unglaublich unnötig. Zumindest seiner Meinung nach. Aber es war ja angeblich Tradition und superwichtig. Jedes Jahr fanden diese Treffen statt. Wofür genau, das war Harry nicht klar. Es war irgendwie eine Mischung aus Ball, Gala und Meeting. Schwer zu definieren.

Harry verzog das Gesicht und seufzte leise. Seine Mutter bedachte ihn nur mit einem kurzen Seitenblick. Sofort setze er ein unechtes Lächeln auf.

Natürlich musste das Ganze auch noch in einem düsteren Schloss stattfinden. Schön nach Klischee. Zum Glück war das Schloss nur von außen dunkel und furchteinflößend und von innen eigentlich ganz nett eingerichtet. Dafür, dass es schon seit tausenden von Jahren hier stand roch es sogar noch okay.

Harry mochte es trotzdem nicht besonders. Vermutlich weil er immer in Langeweile versank. Louis' Familie schaffte es meistens nicht zu den Kongressen zu kommen, deshalb war Harry alleine.

Angeblich waren sie zwar immer zufällig im Urlaub oder mussten irgendetwas anderes wichtiges erledigen, aber Harry wusste, dass Louis' Mutter es sich einfach nicht geben wollte mit sieben Kindern auf den Kongress zu fahren. Und Babysitter zu finden war schwierig, denn alle Vampire, die man so kannte waren selbst hier und Menschen wollte man es lieber nicht antun auf Vampirkinder aufzupassen. Außerdem waren die meistens nur für abends zu engagieren und nicht für mitten in der Nacht bis irgendwann morgens.

Harry konnte Jay, Louis' Mutter, also verstehen, trotzdem sorgte das dafür, dass er alleine war.

Und mit den anderen Vampiren, die ungefähr so alt waren wie er konnte er nichts anfangen. Zwei von ihnen waren komische Tussen und die andere Gruppe von Jungs war immer unter sich. Da kam er nicht rein.

Aber das wollte er auch gar nicht. Eigentlich hatte er Louis und das reichte ihm. Aber der war halt nicht da.

Wenn doch wenigstens seine Schwester da wäre. Aber nein, sie war ja in Amerika bei ihrem Freund.

„So, Liebe Leute, herzlich Willkommen auf dem diesjährigen Zusammentreffen", fing jetzt ein etwa mittelalter Vampir zu reden an, der sich auf ein kleines Podest gestellt hatte, das eine Art Bühne darstellte.

Dass Vampire nicht alterten stimmte so nicht. Vampire alterten nur sehr viel langsamer und starben nicht. Man musste sich das etwa so vorstellen: Wenn man als Vampir geboren wurde alterte man so, dass man mit 475 (so alt war Harry) ungefähr so entwickelt war, wie ein 19 jähriger Mensch. Ein „Vampirjahr" entsprach also etwa 25 Menschenjahren.

Falls man allerdings in einen Vampir verwandelt wurde alterte man solange nicht, bis man sein entsprechendes Vampiralter erreicht hatte. Heißt, wenn man mit 34 in einen Vampir verwandelt wurde alterte man 850 Jahre nicht. Und danach in „Vampirzeit".

Den Mann auf der Bühne schätzte Harry also auf etwa 1.025.

„Wir werden heute über ein paar neue Mitglieder sprechen...", fuhr der Mann fort und deutete auf eine Gruppe Vampire, die alle aussahen als ob sie sich ein wenig fehl am Platz fühlten. Das mussten die neu verwandelten sein.

Harry schaltete ab, als der Mann weitere Programmpunkte erklärte und betrachtete seine Hände.

„...aber erstmal bitte ich sie alle zu Tisch. Unsere Köche haben fantastische Arbeit geleistet."

Harry folgte seiner Mutter zu ihrem Tisch und ließ sich unmotiviert auf seinem Platz nieder. Der Anzug drückte unangenehm, deshalb zog er das Jackett aus und hängte es über die Stuhllehne. Das war schon deutlich besser.

Jetzt würden ewige Diskussionen und Gespräche folgen, begleitet von einem 8-Gänge-Menü. Harry verdrehte die Augen. Seine Mutter nahm kurz seine Hand und sah ihn bittend an. Er lächelte sie nur schwach an. Es war schon okay, sie solle sich ruhig amüsieren. Er kam schon klar. Man konnte sich eben auch mal langweilen.

*
Die nächsten Stunden vergingen sehr schleppend. Harry pikste mit der Gabel in seinem Essen herum, er war schon nach dem vierten Gang absolut satt gewesen, und zeichnete mit einem Kuli, den seine Mutter dabeigehabt hatte, irgendwas auf seine Serviette, was aussah wie eine Mischung aus einem Schaf und einem Drachen, so richtig sicher war er sich nicht.

Seine Mutter, genau wie der Rest der Leute im Saal, amüsierte sich prächtig. Harry gönnte es ihr. Seit ihr Mann an einer Sonnenkrankheit gestorben war, ging es seiner Mutter nicht gerade sehr gut.

Sie war am Trinken und unterhielt sich mit Freunden, Verwandten und Leuten, die sie neu kennengelernt hatte.

Vampire hatten zwar Blut, aber deutlich weniger,   deshalb brauchten sie auch viel weniger Alkohol um betrunken zu werden und seine Mutter war wirklich schon gut dabei. Harry seufzte.

„Ähm, hey", flüsterte in dem Moment plötzlich eine Stimme hinter ihm und jemand legte eine Hand auf seine Schulter.

Harry wusste sofort um wen es sich handelte und ein wohliges Kribbeln breitete sich in ihm aus. Aber das konnte doch gar nicht sein. Louis sollte doch in Norwegen sein!

Harry fuhr herum und sein bester Freund grinste ihn an.

„Hey", sagte Louis und seine Vampirzähne glänzten im Kerzenlicht, mit dem der ganze Raum mäßig erhellt wurde. Vampire brauchten nunmal nicht so viel Licht.

„Was machst du hier?", fragte Harry erfreut und Louis grinste nur weiter.

„Dich vor dem elenden Tod der Langeweile bewahren." Er griff nach Harrys Hand und zog in ins Stehen. Harrys Mutter bekam das nicht mal mit. Es würde nicht auffallen, wenn sie einfach abhauten. Also taten sie das anscheinend, Louis zog Harry einfach hinter sich her.

„Wir sind vorhin aus Norwegen zurück gekommen, Mum und die anderen sind total fertig vom langen Flug, aber ich bin trotzdem noch gekommen. Hab dich vermisst", meinte Louis und zuckte mit einer Schulter. Harry ignorierte, dass das Kribbeln noch stärker wurde und er ignorierte auch, dass Louis immer noch seine Hand hielt. Er stolperte einfach hinter seinem besten Freund her und bemerkte, dass Louis tatsächlich seinen Fluganzug trug. Und seine Haare komplett durcheinandergebracht auf seinem Kopf lagen. Fast als hätte er mit jemandem rumgemacht.

Harry war froh, dass es nicht davon kam, sondern vom Wind.

Louis führte ihn zielsicher aus dem großen Saal heraus und dann liefen die beiden nebeneinander Gänge des Schlosses entlang. Ein wirkliches Ziel hatten sie nicht, aber das schien niemanden zu stören.

„Ich bin wirklich froh, dass du hier bist, Lou." Harry lächelte zu dem etwas kleineren Jungen und Louis spürte Hitze in seinem Körper aufsteigen. „Ich auch", meinte er dann und beschloss seine Finger mit Harrys zu verschränken. Sie hatten noch nie Händchen gehalten, aber es gefiel Louis irgendwie. Und Harry schien nichts dagegen zu haben.

„Sollen wir in den Ballsaal gehen?", fragte Louis und Harry sah ihn fragend an. „Ich dachte da waren wir gerade?"

„Nein, der Kongress ist immer im riesigen Speisesaal. Der Ballsaal ist noch ein bisschen größer, außerdem zwei Stockwerke höher, aber da gibt es halt keine Tische und so."

„Woher weißt du das alles? Du bist doch fast nie hier?"

Louis zuckte mit den Schultern. „Schon, aber Mum erzählt uns gelegentlich etwas. Sie hat ja als kleines Kind hier gelebt."

Ach Stimmt, fiel Harry ein. Das hatte er ja ganz vergessen. Jay war hier aufgewachsen, da sie als kleines Mädchen verwandelt worden war und die Vampire die hier gelebt hatten, hatten sie aufgenommen.

„Dann lass uns in den Ballsaal gehen." Harry hüpfte kurz und Louis musste lächeln.

Die Gänge waren nur durchs Mondlicht beleuchtet, aber er konnte gestochen scharf sehen, weil seine Vampiraugen es ihm ermöglichten.

Sie ermöglichten ihm zu sehen, wie unglaublich heiß Harry in diesem Anzug aussah. Auch wenn er das Jackett nicht mehr trug. Aber das machte es fast noch besser, denn er hatte beim Essen die Ärmel hochgekrempelt und das fand Louis unerklärlicherweise ziemlich attraktiv. Auch, dass er die Fliege schon aufgemacht hatte und sie nur noch lose um seinen Hals baumelte hatte irgendwie etwas an sich, was Harry noch besser aussehen ließ.

Louis wunderte sich über diese Gedanken. Er hatte Harry noch nie...heiß gefunden. Aber es störte ihn irgendwie nicht. Dann war es halt so, dann fand er seinen besten Freund halt heiß. Und? Was war denn dabei?

Die beiden kamen an einer großen schweren Holztür an und Harry ertappte sich dabei, dass er es schade fand, dass Louis seine Hand losließ um die Tür mit beiden Händen aufzudrücken.

Unauffällig wischte er seine Hand, die ein wenig schwitzig geworden war, an seiner Anzughose ab und sah staunend in den Saal, der sich vor ihm befand.

Er war riesig. Außerdem oval und überall gab es deckenhohe Fenster, die den ganzen Saal in Mondlicht tauchten. Man konnte unzählige Sterne sehen.

„Wow."

Louis nickte nur zustimmend und ging in die Mitte des Raumes. Dann nahm er einen Rucksack ab, der Harry vorher noch gar nicht aufgefallen war, und öffnete ihn.

Harry kniete sich neben seinen besten Freund und Louis zog eine Flasche Sekt aus seinem Rucksack.

„Na?", fragte er und lächelte. „Ich dachte du könntest diesen Abend nur mit Alkohol überstehen."

Harry grinste. „Na dann. Lassen Sie uns uns betrinken, Sir."

Louis entkorkte die Flasche und schüttete den Sekt in zwei Plastikgläser, die er ebenfalls mitgebracht hatte. Harry zog die lose Fliege von seinen Hals und ließ sie unachtsam auf den Boden fallen.

Die beiden stießen grinsend an und kippten die Flüssigkeit runter.

Louis fühlte schon nach wenigen Minuten das warme Gefühl, das sich in ihm ausbreitete. Gott, Vampire vertrugen echt gar nichts.

Harry ging es nicht anders, auch er spürte den Alkohol schon.

„Es ist echt schön hier", bemerkte er und drehte sich im Ballsaal im Kreis. Die Sterne und der Mond sorgten dafür, dass ein silbernes Licht den ganzen Raum in sanfte Farben tauchte und die langen Vorhänge neben den Fenstern wehten sanft.

„Ja, find ich auch." Louis nickte zustimmend. Er konnte seinen Blick nicht von Harry abwenden. Wie er da mit dem Plastikglas in der Hand und dem Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln stand und das Licht seine Konturen weich zauberte. Er sah fast aus, als würde er selbst leuchten, fand Louis.

Manchmal wünschte er es wäre so wie in Twilight. Dass Vampire im Sonnenlicht glitzern würden. Oh Himmel, wie gerne würde er Harry gerade glitzern sehen. Das wäre bestimmt unsagbar heiß.

Tatsächlich war Sonnenlicht aber wirklich einfach nur unangenehm. Es brachte sie zwar nicht um und verbrannte auch nicht die ganze Haut, aber es war ein anhaltender leichter Schmerz, zu vergleichen mit Wachstumsschmerzen bei den Menschen. Deshalb mieden Vampire das Sonnenlicht und schliefen tagsüber. Denn ja, das mussten sie vielleicht nicht, aber Schlafen war nunmal einfach entspannend. Auch für Untote.

Immer noch starrte Louis verträumt seinen besten Freund an. Harry sah einfach zu schön aus. Seine Locken, die im über die Stirn fielen und seine strahlenden Augen. Sie waren sowieso schon strahlend, aber dadurch, dass sie Vampire waren konnten Harrys Augen wirklich grün leuchten, und Louis' blau.

„Lou?", fragte Harry in diesem Moment und drehte sich vom Fenster zu seinem Kumpel.

„Hm?" Leicht peinlich berührt sah Louis zu Harry hoch. Schließlich hätte er ihn fast beim Starren erwischt. Und noch war er nicht betrunken genug, dass ihm das egal wäre.

„Noch ein Glas?", fragte er also und Harry nickte und setzte sich im Schneidersitz vor Louis auf den Boden. Louis füllte den Sekt nach und wieder stießen die Beiden an.

„UNO?", fragte Louis, als die Beiden die Gläser leergetrunken hatten und zog das Kartenspiel aus seinem Rucksack.

Harry nickte begeistert. Keine Ahnung warum, aber er liebte das Spiel irgendwie. Und Louis wusste das ganz genau. Deswegen hatte der Vampir es auch mitgebracht.

Während Louis die Karten verteilte merkte Harry wie ihn der Alkohol langsam aber sicher ziemlich schwammig im Kopf machte. Trotzdem füllte er den Rest der Flasche in die beiden Gläser und nahm dann seine Karten auf.

„Du fängst an", sagte Louis und Harry lächelte und legte eine blaue Sieben ab. Eine Weile spielten die Beiden stumm vor sich hin Harry gewann zweimal, Louis einmal, dann grinste dieser.

„Machen wir es doch spannender", meinte er. Harry sah ihn nur erwartungsvoll an.

„Für jede verlorene Runde muss man ein Geheimnis erzählen."

Harry dachte einen Augenblick nach, auch wenn der Alkohol es ein bisschen erschwerte.

„Aber du weißt doch so gut wie alles über mich."

„Dann musst du halt ganz tief graben", sagte Louis schulterzuckend, der auch merkte, dass sich Dinge wie seine Balance gerade verabschiedeten. Zum Glück saßen sie auf dem Boden.

„Okay", willigte Harry ein und legte die erste Karte für die nächste Runde.

Die verlief knapp, aber am Ende legte Louis zuerst seine letzte Karte ab. „UNO, letzte Karte", sagte er nur triumphierend und grinste Harry an.

Dieser biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Was konnte er Louis nur sagen, was er nicht wusste?

„Ich ääh...keine Ahnung..." Doch dann fiel ihm etwas ein.

„Ich mochte Taylor damals gar nicht. Ich hab nur so getan, weil du so viel Zeit mit Eleanor verbracht hast." Normalerweise hätte Harry das nie zugegeben - er war echt eifersüchtig gewesen -, aber der Alkohol ließ ihn das vergessen.

„Puh, zum Glück, ich kann sie nicht ausstehen!", sagte Louis. „Ich hab mich schon gefragt wie du es mit ihr ausgehalten hast. Und ich mit Eleanor. Die beiden sind ja solche Zicken. Wenn es dich beruhigt...da war nie wirklich was. Wir haben uns nur ein paar Mal getroffen, weil unsere Mütter ja befreundet sind. Aber mehr als ein kurzer Kuss ist da nie passiert." Louis wusste nicht, warum genau er das sagte. Er wollte einfach irgendwie, dass Harry das wusste. Dieser lächelte nur. „Okay. Nächste Runde."

Sie spielten noch drei Runden, eine verlor wieder Harry, dann Louis und dann wieder Harry. Aber etwas wirklich Interessantes kam nicht dabei raus. Nebenbei tranken die beiden den letzten Rest Sekt. Mittlerweile waren beide ziemlich voll.

„Dann...verrate ich dir das Geheimnis, dass ich keine Lust mehr auf das Spiel habe", entschied Harry und seufzte.

„Okay. Dann hören wir auf." Louis nahm Harry die letzte Karte aus der Hand, mischte sie in den Stapel und warf diesen dann einfach in die Luft. Die Karten segelten langsam wieder herab und aus irgendeinem Grund musste Harry anfangen zu kichern. Vielleicht weil er in seinem Kopf die Karten mit Schnee verglich, vielleicht aber auch einfach weil ihm danach war. Hier, im Ballsaal mit Louis beim UNO spielen war alles so unbedarft. Es war so leicht, es ließ ihn so gut fühlen.

Harry ließ sich auf den Rücken fallen und Louis legte sich neben ihn. Er stieg in Harrys Kichern ein, es klang aber auch einfach viel zu süß, als dass er es hätte einfach hinnehmen können. Oder ignorieren.

Und so lagen die Beiden nebeneinander im dunklen Ballsaal, beobachteten wie die letzten Karten auf sie fielen und Louis' Hand fand Harrys.

Das Lachen verebbte und ganz kurz hingen die beiden nur ihren verwirrenden Gedanken nach. Dann drehte Louis den Kopf zu Harry. Harry drehte auch seinen Kopf und sah Louis an.

Kurz schwiegen sie einfach nur und musterten den Anderen, aber dann seufzte Louis.

„Gott, Harry, weißt du eigentlich wie unglaublich schön du bist?", fragte er und ein tiefer Seufzer drang aus seiner Brust. Harry kicherte leicht verlegen. Ihm wurde noch wärmer als ihm durch den Alkohol eh schon war und er rückte ein Stück näher an seinen besten Freund.

„Nein", flüsterte er dann. „Ich kann mich ja nicht im Spiegel sehen. Schon vergessen?" Beide sahen sich tief in die Augen und Louis schüttelte langsam den Kopf.

„Nein, das hab ich nicht vergessen." Er schloss kurz die Augen und seufzte leise, öffnete sie dann aber, um wieder geradewegs in die grünen von Harry zu starren. „Schon unfair eigentlich, hm?" Er zog seine Unterlippe zwischen seine Zähne und Harry lenkte seinen Blick darauf. Lag es an ihm oder wurde es wirklich langsam wärmer in diesem Raum?

„Dass wir uns niemals sehen werden können?", fuhr Louis fort. „Jason zum Beispiel, Jason weiß wie er aussieht. Beziehungsweise wenigstens, wie er mal ausgesehen hat." Jason, das war einer der anderen Vampirjungs und er war erst mit 21 verwandelt worden, also mal ein Mensch gewesen. „Er konnte sich im Spiegel sehen. Aber wir, wir wurden als Vampire geboren. Wir haben keine Ahnung. Das scheint mir nicht ganz fair."

„Nein, das ist es wirklich nicht." Harry starrte immer noch auf Louis Unterlippe, ließ seinen Blick dann aber über das ganze Gesicht seines besten Freundes wandern. „Und besonders bei dir ist es eine Schande. Denn du bist so wunderschön, das solltest du auch mal sehen dürfen." Der Raum drehte sich bereits um ihn, aber Louis vor sich sah er ganz klar. Normalerweise hätte er das nie gesagt, aber der Alkohol sorgte dafür, dass es ihm komplett egal war.

Louis fühlte wie das Kribbeln in seinem Bauch noch stärker wurde und drückte Harrys Hand.

„Willst du wissen, wie du aussiehst, Lou?", fragte Harry leise. Seine Stimme klang fast ängstlich.

Louis nickte nur. Also rollte Harry sich von seinem Rücken auf seinen Bauch, näher zu Louis und so, dass er auf ihn herausschauen konnte.

„Also...deine Haare...", begann Harry immer noch leise. „Gerade jetzt glänzen sie im Licht. Und sie sind braun." Er kicherte und Louis fand, dass es das schönste Geräusch war, was er je gehört hatte. „Der schönste Braunton von allen."

Harry hob eine Hand und strich Louis eine Strähne aus der Stirn. Dieser konnte kaum atmen, so nah zu Harry. „Außerdem sind deine Haare nicht wirklich lockig, eher glatt. Aber immer verwuschelt, vor allem jetzt, nach dem Flug. Ich habe immer das Bedürfnis mit meinen Händen durchzufahren." Erst als Harry es aussprach fiel es ihm wirklich auf. Vorher hatte er noch nie darüber nachgedacht, aber es stimmte. Er hatte jedes Mal wenn er Louis sah das Bedürfnis seine Haare zu verwuscheln.

Und irgendwie auch...Louis zu küssen. Harry runzelte die Stirn. Diese Gedanken verwirrten ihn.

„Deine Augen...", machte er schnell weiter, um sich abzulenken. „Sind das strahlendste Blau, das ich je gesehen habe. Also...wirklich krass hell und..." Kurz verlor er sich in Louis' Augen. Dieser pikste ihm leicht mit dem Finger in die Wange und Harry musste sanft lächeln. „Und deine Wimpern sind so lang...unglaublich. Weißt du wie gut das aussieht, wenn du vorm Fernseher einschläfst und deine Wimpern Schatten werfen?" Er seufzte. „Deine Augen sind einfach nur wunderschön", endete er und legte eine seiner Hände auf Louis' Oberkörper.

„Und du hast so ein hübsches Gesicht. Sehr hohe Wangenknochen und eine niedliche Nase. Und deine Lippen sind..." Wieder verlor Harry sich in Louis' Anblick, diesmal aber an seinen Lippen. Gott, wie sehr er gerade doch das Bedürfnis verspürte sie zu küssen. „Wie gezeichnet."

Harry spürte Louis' Fluganzug unter seinen Fingern und wie Louis seine Muskeln leicht anspannte, als Harry mit seiner Hand ein wenig über Louis' Oberkörper strich.

„Und der Rest deines Körpers...", flüsterte Harry weiter. „...ist einfach nur heiß. Diese ganzen Tattoos?" Harry griff nach Louis' linker Hand, die Hand, die sich nicht in seiner befand und strich die 28 nach. „Heiß." Harry spürte die Hitze in seinen Wangen und immer noch drehte sich alles außer Louis, aber es störte ihn absolut nicht. Er fühlte sich so gut, hier neben seinem besten Freund auf dem Boden.

„Du bist zwar nicht der Größte...aber für mich bist du der Größte. Und außerdem der schönste Mensch den ich kenne."

Das aus Harrys Mund zu hören bedeutete Louis viel. Es war nicht immer einfach klein zu sein. Aber wenn es Harry nicht störte, dann störte es Louis auch nicht. Eigentlich war Harrys Meinung fast die einzige, die für ihn zählte.

„Danke, Harry", sagte Louis und drückte Harrys Hände auf seine Brust.

„Gerne. Immer wieder", hauchte Harry, der langsam wirklich emotional wurde. So tief verbunden zu Louis hatte er sich noch nie gefühlt.

„Willst du auch wissen, wie du aussiehst, Harry?" Louis verschränkte beide ihrer Hände miteinander und drehte sie dann so um, dass Harry jetzt auf dem Rücken lag und Louis auf ihn runterschauen konnte.

Harry konnte nur stumm nicken. Louis' kleine Hände lagen jetzt auf seiner Brust, so wie er es vorher bei Louis gemacht hatte, aber da war es nicht so schwer gewesen zu atmen. Sein Herz raste und die Stelle, die Louis berührte kribbelte stark. Allerdings ein positives Kribbeln. Ein sehr positives Kribbeln.

„Okay." Louis' Augen musterten suchend Harrys Gesicht und Harrys Körper. Diesem wurde unter dem Blick ganz heiß. „Wo fang ich nur an?"

Die Stimmung hatte sich verändert. Hatten sie eben noch gekichert und waren ein bisschen albern gewesen, jetzt konnte man das Knistern in der Luft spüren und beide hatten das Gefühl mit jedem Atemzug wurde es wärmer im Saal.

Der Stoff von Harrys Hemd zwischen Louis' Fingern fühlte sich gut an, aber trotzdem wollte Louis irgendwie mehr Hautkontakt.

„Ich glaub, ich fange hier an", flüsterte Louis und führte seine Finger zu Harrys Kragen. Sie zitterten leicht, aber Louis griff nach dem obersten Knopf und machte ihn auf. Harry atmete stoßweise. Louis war einfach gerade viel zu nah. Louis öffnete den zweiten Knopf und Harry konnte ihn nur stumm dabei beobachten. Zu mehr war er gar nicht in der Lage. Louis machte mit den dritten Knopf weiter und mit dem vierten. Beim Fünften zitterten seine Finger leicht. Und als er beim letzten angekommen war hob er den Blick und sah Harry genau in die Augen während er den Knopf auch noch öffnete. Harry keuchte leise und griff nach Louis' Hand. Seine Augen waren fast geschlossen und Louis grinste und legte sich wieder halb auf Harry, sodass er ihm in die Augen gucken konnte.

Der Anblick von Harry, der, so überwältigt von Louis fast nicht im Stande war sich zu bewegen, brachte Louis zum Lächeln. Er legte seine Hände an Harrys Hals und seine Daumen strichen sanft über die Kieferknochen.

„Okay", flüsterte Louis. „Zuallererst muss ich sagen, dass du ohne Zweifel das schönste Wesen auf diesem Planeten bist." Louis sah Harry mit so viel Ehrlichkeit im Blick an, dass Harry sich nicht mehr kontrollieren konnte. Er fühlte sich so geborgen bei Louis und so sicher, dass ihm langsam Tränen in die Augen stiegen.

Vermutlich war der Alkohol auch nicht ganz unschuldig, dass Harry so emotional wurde, aber er war sowieso schon eine sehr emotionale Person und dieser Moment war einfach unglaublich.

„Du hast den schönsten, heißesten Körper, den ich je gesehen habe und ich frage mich wirklich, warum mir das erst jetzt auffällt", sprach Louis weiter. „Also...ich weiß nicht. Ich fand dich immer schon schön, aber noch nie so attraktiv." Louis atmete aus.

„Und ich kann dir nur zustimmen, deine Tattoos machen dich so heiß, das ist unglaublich." Louis ließ mit einer Hand Harrys Gesicht los, um den Schmetterling auf seiner Brust nachzufahren. Harry seufzte leise auf. Louis' Berührungen fühlten sich so gut an. So vertraut.

Louis legte seine Hand wieder an Harrys Gesicht.

„Du hast sehr markante Gesichtszüge. Deine Kieferknochen sind ziemlich ausgeprägt." Louis strich mit seinen Daumen daran entlang und Harry schloss für eine Sekunde seine Augen. Er fühlte sich so gut. Er blinzelte die Tränen in seinen Augen weg.

„Und du hast so schöne Haare. Braun und lockig. Du hast die schönsten Locken der Welt. Ich will sie einfach die ganze Zeit nur berühren." Das machte er auch. Sanft fuhr Louis mit seinen Händen in Harrys Haare und kraulte seine Kopfhaut.

„Und deine Augen", machte Louis weiter und zeichnete mit seinen Fingern Harrys Gesichtskonturen nach. „Sind grün und wunderschön. Ich hab noch nie in meinem Leben schönere Augen gesehen. Weißt du, alle Vampire haben schöne Augen, aber deine sind außergewöhnlich. Ich weiß einfach, dass sie genauso strahlen würden, wenn du ein Mensch wärst."

Louis seufzte und strich sanft über Harrys Wangen. Wie Harry dort einfach nur lag und ehrlich und aufmerksam zu ihm hochsah machte ihm ganz schön zu schaffen. „Himmel", keuchte er leise. „Ich wusste schon immer, dass du schön bist, aber mir ist noch nie aufgefallen..." Er atmete aus. „Dass du so schön bist."

Jetzt war es um Harry geschehen. Er schluchzte leise und Tränen bahnten sich ihren Weg aus seinen Augen über seine Wangenknochen zu seinen Ohren und tropften auf den Boden.

„Nein, bitte Harry. Wein doch nicht." Louis lächelte und strich die Tränen von Harrys Gesicht.

„Hilfe, du bedeutest mir so viel", schluchzte Harry und schlang seine Arme eng um Louis. Er zog ihn komplett auf sich und Louis' Herz begann schneller zu Schlagen bei so viel Kontakt mit Harrys nackter Haut. Er fühlte sich ähnlich wie Harry. Er war so voll von Liebe. Liebe für ihn.

Wieso hatten die beiden diese Gefühle früher noch nicht bemerkt?

„Du mir auch, Harry", flüsterte Louis und fuhr dann mit den Fingern über Harrys Lippen. Auch seinen Blick lenkte er auf seinen Mund.

„Harry, alles an dir ist perfekt. Dein ganzes Gesicht steht in perfekter Proportion zueinander. Und..." Er stockte. „...deine...Lippen..." Er verlor sich in seinen Worten und starrte wie gebannt auf Harrys Mund.

„Ich..." Langsam näherte sich Louis Harry immer mehr. Harrys Herz schlug so schnell, dass er sich sicher war Louis konnte es durch den dünnen Stoff seines Fluganzuges spüren. Louis' Blick sprang von Harrys Lippen für einen kurzen Moment zu seinen Augen.

Harry sah auf Louis' Lippen. Gott, sie waren perfekt. Er wollte nichts lieber als sie zu küssen.

Als sich ihre Nasenspitzen berührten schlossen beide überwältigt die Augen. Eine Weile verharrten sie in dieser Position, den Atem des anderen spürend. Das Spannung in der Luft konnte man fast hören.

„Lou...", kam es so leise aus Harrys Mund, dass Louis ihn fast nicht gehört hätte. Er klang fast flehend. Und da konnte Louis nicht mehr.

Er vergrub seine Hände in Harrys Haaren und presste seine Lippen auf die des Lockenkopfes.

In beiden Vampiren explodierten die Gefühle, wie eine Bombe, die schon viel zu lange vorm hochgehen bewahrt wurde. Ihre Lippen bewegten sich im Einklang miteinander und Louis krallte sich fast in Harrys Locken, während der Größere Louis noch fester an sich drückte.

Beiden war kochend heiß und sie fühlten sich unbeschreiblich. Der Kuss wurde immer leidenschaftlicher und die Beiden waren sich sicher, sie würden sich nicht so schnell voneinander lösen. In dem Augenblick in dem ihre Lippen aufeinander getroffen waren, hatten beide gewusst, das war es was sie für ihr Leben brauchten.

Den Anderen.

Mehr nicht.

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Der One Shot ist zwar irgendwie anders geworden, als am Anfang gedacht, aber ich mag ihn auch so :)

💚💙

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