2
Die Hochzeit war wundervoll. Mit weit aufgerissenen Augen stand Remus da und beobachtete die Menschenmasse, die sich versammelt hatte, um Lily und James ein fröhliches, gemeinsames Leben zu wünschen.
Die Braut trug ein schlichtes Kleid in weiß und flache Schuhe. "Es ist meine Hochzeit", hatte sie gesagt, "da möchte ich tanzen."
Im Nachhinein musste jeder zugeben, dass das keine schlechte Idee war. Außerdem sah Lily auch ohne teures Hochzeitskleid und hochhackigen Schuhen bezaubernd aus. Aber beide wussten, dass auch Geldmangel ein Grund für die eher schlichte Hochzeit war. James' Eltern waren nicht arm und auch Lilys mussten nicht sparen, aber sie wollten ein Haus kaufen. Und das war nicht günstig, weswegen beide der Meinung waren, nicht unnötig Geld ausgeben zu müssen.
Als sich die Gäste nach und nach verabschiedeten, seufzte Lily auf und ließ sich mit müden Füßen auf einem Stuhl nieder. Tatsächlich hatte sie fast die ganze Zeit mit ihrem Ehemann - sehr zu James' Leidwesen - auf der Tanzfläche verbracht.
Sirius, dem es den ganzen Abend schwer gefallen war, nicht auf Remus zuzugehen und um einen Tanz zu bitten, trat auf die beiden zu. Sie besprachen kurz etwas, bevor Lily zögernd nickte und James sie an der Hand hochzog, um sie wegzuführen.
Dann drehte sich Sirius zu seinem Freund um und lächelte leicht.
"Ich hab ihm versprochen, hier aufzuräumen, damit er und Lily schon weggehen können."
Schnell sah Remus sich um und bemerkte, dass gerade die letzte Person die Veranstaltung verlassen hatte.
"Ok."
Aber bevor sie sich ans Aufräumen machten, zog Sirius seinen Werwolf noch zu einem kurzen Kuss hinunter. Dieser ließ aber nicht zu, dass sie sich so schnell voneinander lösten. Remus' Hand hielt den Kopf seines Freundes an Ort und Stelle, während seine Zunge damit beschäftigt war, Sirius' Lippen zu spalten, um den Kuss zu vertiefen.
"Mhh, Moony", stöhnte Sirius auf, bevor er ihn leicht nach hinten drückte. "Je schneller wir fertig sind, desto schneller können wir verschwinden."
Innerhalb von einer Minute hatte Remus seinen Zauberstab gehoben und alles an den rechten Platz geschickt. Um den Müll hatte sich Sirius gekümmert. Nicht lange danach hatten die beiden ihre Sachen geschnappt und waren nach Hause appariert.
Nach all der Zeit, die sie zusammen waren, überraschte es Sirius nicht mehr, wenn der Werwolf ihn, sobald sie ihr Zuhause betreten hatte, gegen die Wand drückte und fordernd küsste. Er wartete regelrecht darauf. Und als er denn endlich Remus' Lippen auf seinen spürte, zog er ihn sehnsüchtig näher an sich heran. Den ganzen Abend Abstand zu halten, war ihnen nicht leicht gefallen. Aber sie hatten entschieden, dass es das beste für sie wäre. Nicht alle kamen damit klar, dass Männer auch mit Männern zusammen sein können.
Mit geübten Fingern hatte Remus seinen Freund aus den Klamotten befreit und auch er war bald nicht mehr angezogen. Ohne sich voneinander zu lösen, hatten sie sich den Weg ins Schlafzimmer ertastet - und dabei ein paar Bücher auf den Boden gefegt -, wo sie sich endlich auf das Bett legen konnten.
Auch wenn sie jetzt schon lange zusammen waren, war es immer noch ein unglaubliches Gefühl. Remus liebte es, seinem Freund so nah zu sein. Aber er hatte trotz der intensiven Gefühle nicht übersehen, dass es diesmal anders war. Mehr... verzweifelt?
"Sirius?", flüsterte er leise, während er mit seinen Fingern sanft durch dessen Haare fuhr. Er wusste, wie sehr sein Freund das liebte.
"Hm?"
"Willst du mir erzählen, was dich beschäftigt?"
Seufzend drehte sich der Schwarzhaarige zu ihm, um in seine Augen blicken zu können. Seine Hand hob er, um sie an seiner Wange verweilen zu lassen. Ewigkeiten könnten vergehen und er würde es nicht mitbekommen, weil ihn die Augen seines Freundes so sehr fesselten. Er seufzte erneut.
"Ich will dich heiraten."
Bei diesen Worten zog sich Remus' Herz schmerzhaft zusammen. Automatisch zog er seinen Freund näher, welcher sich sofort eng an ihn kuschelte. "Ich dich auch, Sirius. Ich dich auch."
"Ich hasse die britischen Gesetze. Ich hasse sie einfach."
***
Es waren einige Wochen seit dieser Unterhaltung vergangen und keiner von beiden hatte das Thema nochmal angesprochen, aber Remus wusste, wie sehr es den Schwarzhaarigen beschäftigte und deprimierte. Und auch Alice und Franks Hochzeit trug dazu bei, dass Sirius immer frustrierter wurde. Natürlich freute er sich für seine Freunde. Sie verdienten es, glücklich zu sein. Aber das verstärkte sein Unglück nur noch mehr. Wieso konnte er Remus nicht einfach heiraten? Früher fand er Hochzeiten blöd und kitschig. Aber jetzt wollte er nichts sehnlicher. Er wollte, dass Remus für immer zu ihm gehörte. Dank der britischen Gesetze war es leider nicht möglich, und das verschlechterte seine Stimmung zunehmend.
Hinzu kam, dass Dumbledore ihnen etwas verraten hatte: Regulus fehlte ab und zu im Unterricht. Auch wenn der Schulleiter ihnen versichert hatte, dass er sich sicher war, dass der jüngste der Black-Brüder sich nicht Voldemort angeschlossen hatte, heiterte das Sirius nicht auf.
Noch nicht, dachte Remus und ihm war klar, dass seinem Freund und auch Dumbledore das gleiche im Kopf herumflog.
***
Wieder einmal schlecht gelaunt lag Sirius quer auf dem Sofa und starrte die Decke an. Als Remus das Haus betrat, sah er gar nicht auf, sondern regte sich einfach nicht. Müde und traurig lächelte der Werwolf, als er seinen Freund so erblickte. Dann heiterte sich sein Gesicht auf, bei dem Gedanken daran, was er vorhin getan hatte.
"Tatze, kommst du mal bitte?", fragte er nach ein paar Minuten.
Genervt stöhnte der Schwarzhaarige auf, erhob sich dennoch von der Couch.
"Was gibt's de-"
Mitten im Satz hatte er abgebrochen, weil Remus ihm eine Hand vor die Augen gelegt hatte. Das verunsicherte ihn, denn so etwas gab es bei den beiden noch nicht. Nervös versuchte er, durch Remus' Finger zu sehen, was ihm aber misslang.
"Was soll das?", fragte er. "Was geht hier vor?"
Eine Gänsehaut zog sich über seinen gesamten Körper, als Sirius den Atem seines Freundes an seinem Hals vernahm. Einen leichten Kuss ließ er dort auf seiner Haut, bevor er ihm etwas ins Ohr flüsterte.
"Versprich mir, dass du deine Augen noch zehn Sekunden lang geschlossen hälst, wenn ich meine Hände, entferne."
"Warum?", verlangte Sirius zu wissen.
"Vertrau mir einfach", versuchte Remus seinen Freund zu überzeugen, was aber nicht ganz funktionierte. Stur blieb Sirius stumm und verdrehte nur hinter Remus' Händen seine Augen. Natürlich vertraute er ihm. Sie waren zusammen und er liebte ihn mehr als jeden anderen auf der Welt. Aber das war noch lange kein Grund, sich blind auf etwas einzulassen.
"Ich verspreche, es ist nichts schlimmes", sprach Remus, weil er wusste, wie schwer es Sirius fiel, sich komplett auf andere zu verlassen.
"Nicht so wie in der ersten Klasse, als ihr mir einen Eimer Algenschleim über den Kopf geschüttet habt?"
Leise lachend schüttelte Remus seinen Kopf, wobei ihm erst danach auffiel, dass Sirius ihn nicht sehen konnte.
"Nein, nicht wie das. Versprochen."
"Okay."
"Zehn Sekunden, Sirius. Nur um das nochmal zu verdeutlichen. Die Augen bleiben zehn Sekunden geschlossen. Kein Mogeln."
"Ja."
"..."
"Na schön!", rief Sirius daraufhin äußerlich eingeschnappt, aber innerlich konnte er das nicht. Wieso musste sein Freund ihn auch so gut kennen?
Langsam, damit sie nirgendwo anstießen, führte der Werwolf seinen Freund in ihr Schlafzimmer. Auch wenn Sirius versuchte, wirklich versuchte, sich zu entspannen, geling ihm das nicht so gut. Dabei hatte das weniger mit Misstrauen, sondern mehr mit Spannung zu tun. Was würde ihn erwarten? Was hast du geplant, Moony?
"Ich nehme meine Hände runter, in Ordnung?", hörte er Remus' bestimmte Stimme und nickte leicht, um ihm zu versichern, dass er sich an seine Worte halten würde.
10
Sofort merkte er, dass sich Remus' ein paar Schritte entfernte.
9
Leises Rascheln ertönte.
8
Schritte erklangen und entfernten sich weiter.
7
Ein leichtes Klicken ertönte, was Sirius irritierte.
6
Es kostete Sirius ungemein große Anstrengungen, seine Augen nicht zu öffnen.
5
Schritte erklangen wieder, bis sie nicht weit entfernt kurz stehen blieben.
4
Dann raschelte es erneut.
3
Mit keinem seiner Sinne gelang es Sirius, nun etwas wahrzunehmen.
2
Erst als er den leichten Atem seines Freundes auf seinem Gesicht spürte, realisierte er, dass Remus direkt vor ihm stehen musste.
1
"Augen auf", flüsterte Remus. Der Anweisung folgend, wollte Sirius gerade dazu ansetzen, dass er gar nicht hatte bis 0 runter zählen können, als ihm plötzlich die Worte im Hals stecken blieben. Das Licht im Zimmer war gedimmt, in seiner Hand hielt Remus einen Blumenstrauß und leicht nervösen Augen. Erst als er blinzelte und den Raum genauer in Augenschein nahm, fiel ihm auf, dass das Licht komplett aus war - vage erinnerte er sich an das klickende Geräusch - und nur ein paar schön verteilte Kerzen den Raum erleuchteten. Und erst lange später bemerkte er das kleine Kästchen auf dem Bett.
"Was..."
Leise räusperte sich Remus, was aber offensichtlich nicht viel gebracht hatte, da seine Stimme rau klang, als er sprach.
"Ich weiß, weder du noch ich sind besonders große Kitsch-Liebhaber. Aber ich dachte, dass das jetzt vielleicht die einzige Gelegenheit dazu wäre, es wirklich mal zu probieren. Jedenfalls... Wirklich lange habe ich über deine Worte nachgedacht. Und ich weiß, die britischen Gesetze können wir nicht ändern. Aber für uns allein können wir vielleicht doch...?"
Sirius' Gehirn brauchte noch eine Weile, bis er das Ganze verarbeitet hatte. Dann leuchteten seine Augen auf.
"Fragst du-", begann er, stockte aber mittendrin, um kurz den Kopf zu schütteln. Mit einem riesigen Grinsen fuhr er dann fort. "Fragst du mich gerade wirklich, ob ich dich heiraten will?"
Etwas verunsichert nickte Remus zaghaft mit dem Kopf. "Ja. Nein. Also ja, aber nicht offiziell. Nur unter uns."
Danach konnte er nicht weiter reden, weil Sirius seinen Mund auf den seines Freundes gepresst hatte. Davon war dieser aber nicht sonderlich überrascht.
"Ich liebe dich", murmelte der Schwarzhaarige gegen Remus' Lippen. "Gott, Moony, ich liebe dich so sehr."
"Ich liebe dich auch, Tatze."
A/N
1688 Wörter
Eigentlich wollte ich Unmengen an Fluff und Kitsch in dieses Kapitel einbauen, weil sich so viele mehr davon gewünscht hatten. Hat sich raus gestellt, ich bin grauenhaft, was Fluff und so angeht... xD
Hoffe ihr seid trotzdem zufrieden mit dem Kapitel.
Noch jemand da, der Silvester traurig und allein in seinem Zimmer verbracht hat? xD
Frohes neues Jahr!
(pünktlich um Mitternacht hochgeladen, yay!)
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